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Sport

Bayern-Interimstrainer Hansi Flick

Der Menschenfänger

Nach dem Triumph gegen Borussia Dortmund ist es beim FC Bayern wie immer bei einem Trainerwechsel: Die Spieler schwärmen von Hansi Flick - und deuten an, was ihnen unter Niko Kovac gefehlt habe.

Von Florian Kinast, München
Sonntag, 10.11.2019   00:31 Uhr

Karl-Heinz Rummenigge war unversehrt geblieben. Beim 4:0-Sieg gegen Borussia Dortmund hatte der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern zum letzten Mal an der Seite des amtierenden Präsidenten Uli Hoeneß gesessen. "Beim ersten Tor war der Uli neben mir so emotional", sagte Rummenigge, "da hat er mich ja fast die Treppen hinuntergeworfen." Der sichtlich bewegte Hoeneß holte vor den Mikrofonen weiter aus, würdigte seine Lebensleistung für den Verein und resümierte mit dem Fazit: "So habe ich mir meinen Abschied als Präsident vorgestellt."

War diese Gala für Hoeneß sein persönliches Finale dahoam, so war der Triumph im Bundesliga-Topspiel für Hansi Flick vielleicht erst der Anfang - um mehr als nur ein Interimstrainer zu sein, mehr als nur eine Zwischenlösung. Wie Rummenigge und Hoeneß erkennen ließen, werden sie mit Flick weitermachen. Über die Länderspielpause hinaus, bis zur Winterpause womöglich.

Kapitän Manuel Neuer rühmte seinen persönlichen Umgang mit der Mannschaft. Der Keeper, der schon 2009 Flick als Co-Trainer in der Nationalmannschaft kennengelernt, hatte, sagte: "Er ist ein Menschenfänger."

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FC Bayern gegen BVB: Alles beim Alten

Unübersehbar war die Aggressivität, mit der die Bayern den Gegner schon früh störten. Bei Abstößen von Roman Bürki etwa lauerten meist vier Münchner an der Strafraumgrenze, das irritierte die Dortmunder, die auch sonst kaum über die Mittellinie kamen. Joshua Kimmich sagte: "Wir hatten viel mehr hohe Ballgewinne, so haben sie nicht ins Spiel gefunden. Wir hatten klare Vorgaben, wer wen anläuft, es gab klare Strukturen, an die wir uns gehalten haben. Jeder wusste, was zu tun ist. Und es ist natürlich leichter, schon früh den Ball zurückzugewinnen als erst am eigenen Strafraum, bevor du dann wieder zehn Feldspieler ausspielen musst."

Das ließ sich als indirekte Kritik an Flicks Vorgänger Niko Kovac verstehen, der eine defensivere Spielweise bevorzugte. Allerdings hatte Kimmich über Kovac auch begeisternde Worte gefunden, als der sein Amt an der Säbener Straße angetreten hatte: "Er hat eine super Ansprache und ist in seinem Auftreten sehr gut und souverän", wurde Kimmich 2018 zitiert.

Die Spieler sprachen nach dem triumphalen Abend gegen Dortmund viel über das, was Flick in den fünf Tagen seit Montag getan habe, was anders gewesen sei.

Andreas Gebert/REUTERS

Fängt nicht nur Bälle: Hansi Flick

Flick scheint die richtigen Worte gefunden zu haben, aber auch die richtigen Positionen für die Akteure. David Alaba überragte etwa in der zentralen Defensive. Oder der grandiose Alphonso Davies, als hätte er nie etwas anderes gespielt, als Linksverteidiger.

Müller wieder obenauf

Thomas Müller, vor einigen Wochen noch Dauerreservist, war bester Laune: "Immer wieder schön, wenn die Dortmunder nach München kommen", sagte der Stürmer unter Anspielung auf die 26:3 Tore, die Bayern gegen den BVB zuletzt zu Hause erzielt hatte. Plötzlich ist Müller, von Kovac noch als Notnagel bezeichnet, auf einmal in einer Chefrolle. Müller gab von seiner Zehnerposition viele Anweisungen, lenkte das Spiel, dirigierte, gab zwei Vorlagen. "Wer es scharf beobachtet hat, hat vielleicht gesehen, dass ich ein bisschen eine andere Rolle hatte", sagte er.

Und Philippe Coutinho? Die Leihgabe aus Barcelona, der Startransfer des Sommers? Kam unter Flick wie schon beim noch etwas zähen 2:0 gegen Olympiakos erst sehr spät und fiel erneut nicht auf.

Am Ende des Abends fand Uli Hoeneß über den kürzlich geschassten Kovac noch pathetische Worte. "Niko ist mein Freund. Ich habe das Gefühl, er ist befreit von einer ungeheuren Last." Und schob dann fast schon gönnerhaft hinterher: "Und ich habe ihm dabei geholfen, sich von dieser Last zu entledigen."

So kann man einen Rausschmiss auch schönreden.

insgesamt 65 Beiträge
der_ba_be 10.11.2019
1. Ach Herr Kinast
Ich weiß ja nicht wer Die für's Sportressort eingestellt hat, aber auf mich hat das denn Eindruck, dass derjenige von Sportjournalismus so viel Ahnung hat, wie Sie vom Fussball: Und das ist nicht sehr viel. Deswegen versuchen [...]
Ich weiß ja nicht wer Die für's Sportressort eingestellt hat, aber auf mich hat das denn Eindruck, dass derjenige von Sportjournalismus so viel Ahnung hat, wie Sie vom Fussball: Und das ist nicht sehr viel. Deswegen versuchen Sie sich in ihren regelmäßigen Verrissen des FCB auch zunehmend auf die boulevardesken Themen zu fokussieren. Und wenn es keines gibt, dann wird eben eines reininterpretiert. Die Chance, das Kovac eingesehen hat, dass er die Mannschaft nicht erreicht, seine Idee nicht so vermitteln kann, das gestandene Stars ihm folgen und/oder ein Verein dieses Kalibers vielleicht doch (noch) eine Nummer zu groß ist, die sehen Sie nicht, Herr Kinast? Dann doch lieber wieder das Haar in der Suppe suche... und wenn man keines findet, legt man eben eines hinein. Mein Vorschlag: Schreiben sie künftig doch abwechselnd mit Herrn Ahrens Klatschspalten-Artikel über den FCB, aber überlassen Sie die Sportberichterstattung dem Kollegen Montazerri, der hat wenigstens Ahnung.ht.
ulfborgwardt 10.11.2019
2. ganz einfach
Kovac, ein guter Mann, passte nicht zu den Bayern in der jetzigen Form.
Kovac, ein guter Mann, passte nicht zu den Bayern in der jetzigen Form.
Bärwurz 1412 10.11.2019
3. Warum fällt mir ...
bei Herrn Kinasts Bericht das Gedicht von Heine ein: Die über Nacht sich umgestellt und sich zum neuen Staat bekennen, ...? Komisch - stimmts?
bei Herrn Kinasts Bericht das Gedicht von Heine ein: Die über Nacht sich umgestellt und sich zum neuen Staat bekennen, ...? Komisch - stimmts?
HeutenurfürStammgäste 10.11.2019
4. Hansi wer
Das Dümmste was Bayern jetzt machen könnte und das Beste für die Liga wäre es, wenn der Anfänger Hansi Flick die Münchner übernehmen würde.
Das Dümmste was Bayern jetzt machen könnte und das Beste für die Liga wäre es, wenn der Anfänger Hansi Flick die Münchner übernehmen würde.
dirkda 10.11.2019
5. Armer, unwissender Schreiberling
Nein, Hoeness redet hier keinen Rausschmiss schön. Er hat ihm geholfen, sich von seiner Last zu befreien. Aber das kann man nur verstehen, wenn man Sport versteht.
Nein, Hoeness redet hier keinen Rausschmiss schön. Er hat ihm geholfen, sich von seiner Last zu befreien. Aber das kann man nur verstehen, wenn man Sport versteht.

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