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Sport

Hannovers Pleite gegen Schalke

Dolls Crashkurs im Verlieren

Hannover war gegen Schalke die bessere Mannschaft, hat aber dennoch das direkte Abstiegsduell verloren. Der Klassenerhalt wird immer unwahrscheinlicher. Die Bilanz von Trainer Doll ist erschütternd.

Martin Rose/Getty Images

Thomas Doll

Von
Sonntag, 31.03.2019   18:47 Uhr

Das Verlieren lernen: Nach der knappen Niederlage gegen Leverkusen hatte Hannovers Trainer Thomas Doll noch betont, wie ungewohnt es für ihn ist, zu verlieren: "Ich sitze auch hier jedes Wochenende und muss dem gegnerischen Trainer gratulieren. Ist auch nicht einfach, das kenne ich auch nicht aus der Vergangenheit." Es sieht allerdings schwer danach aus, dass sich der 52-Jährige genau den richtigen Job ausgesucht hat, um das schnellstmöglich nachzuholen.

Das Ergebnis: Hannover war gegen Schalke die bessere Mannschaft - und hat trotzdem 0:1 (0:1) verloren. Es war die siebte Niederlage im achten Bundesligaspiel unter Trainer Doll. Damit steht 96 zum Abschluss des Spieltags auf dem letzten Tabellenplatz. Schalke springt auf Platz 14. Hier geht's zum Spielbericht.

DPA

Schalker Jubel

Die erste Hälfte: Es gab nur drei nennenswerte Szenen. Schalkes Torwart Alexander Nübel parierte eine Direktabnahme von Hendrik Weydandt (18. Minute) genauso sehenswert wie Hannovers Michael Esser den Abschluss von Benjamin Stambouli (35.). Kurz vor der Pause bereitete Stambouli dann mit einer Flanke von rechts das 1:0 vor, Suat Serdar nahm den Ball mit dem Außenrist an und schloss mit dem Vollspann in die lange Ecke ab - sein erstes Tor für Schalke (39.). Man kann die ersten 45 Minuten aber auch so zusammenfassen:

Die zweite Hälfte: Hannover war die deutlich aktivere, offensivere, bemühtere Mannschaft. Schalke versuchte einzig und allein, die knappe Führung zu verwalten. Gerade offensiv enttäusche S04 einmal mehr. Und Hannover kam zu Chancen: Florent Muslija traf aus der Distanz das Lattenkreuz, Nübel parierte gegen Nicolai Müller und Muslija (beides 78.), Jeffrey Bruma lenkte Genki Haraguchis Abschluss zur Ecke (80.).

Ein altes, aber seltenes Duell: Vor der Partie waren Doll und Schalkes Wieder-mal-Trainer Huub Stevens überhaupt erst zweimal in der Bundesliga aufeinandergetroffen. Schon Konstellation und Ausgang des bis heute letzten Duells zeigt, wie lange es her ist. In der Saison 2007/2008 gewann der HSV (mit Stevens), damals Tabellenzweiter und heute in der zweiten Liga, wie schon im Hinspiel gegen Borussia Dortmund, damals 13. und heute Spitzenreiter. Nun steht es in der direkten Bilanz 3:0 für Stevens - und der Niederländer feierte nicht nur seinen ersten Sieg nach der erneuten Rückkehr nach Gelsenkirchen, sondern auch noch ein Jubiläum.

Die doppelte Torflaute: Dass in diesem Spiel viele Treffer fallen würden, dürfte niemand erwartet haben. Hannover und Schalke stellen zwei der schlechtesten Offensiven der Liga. In der Rückrunde kommen sie nun gemeinsam insgesamt auf 15 Tore (acht für Schalke, sieben für Hannover). Damit gibt es gleich zehn Bundesligisten, die nach der Winterpause öfter getroffen haben als beide Teams zusammen.

Was vom Vizemeister übrig blieb: Ja, Hannover ist der Verlierer des Spieltags. Aber trotz des Siegs war gerade der Auftritt der Schalker erschütternd. Schon in der ersten Hälfte kam nicht viel von S04, die zweite aber war tatsächlich noch deutlich schlechter - ganz besonders offensiv. Die Gäste hatten nach der Pause nur 29,7 Prozent Ballbesitz (insgesamt 39). Die knappe Führung rettete Schalke letztlich vor allem dank Nübels starker Leistung.

Erkenntnis des Spiels: Für Doll wird es nach der erneuten Pleite eng. Aber vielleicht bekommt er ja noch länger Zeit, sich an das Verlieren zu gewöhnen. Am kommenden Wochenende gegen Wolfsburg wird Doll weiter auf der Trainerbank sitzen, sagte Hannovers Präsident Martin Kind jedenfalls in der ARD. Ein Verbleib in der ersten Liga erscheint aber maximal noch über die Relegation realistisch. Sollte 96 absteigen - und Doll tatsächlich mit in die zweite Liga gehen - darf er vielleicht auch wieder regelmäßiger Gratulationen entgegennehmen, als selbst zu gratulieren. Wobei: Auch gegen Zweitligist Bielefeld hat Hannover in der Länderspielpause ja 0:5 verloren.

Hannover 96 - Schalke 04 0:1 (0:1)
0:1 Serdar (39.)
Hannover: Esser - Sorg (46. Muslija), Anton, Wimmer, Albornoz (61. Felipe) - Bakalorz, Schwegler - Haraguchi, Maina (75. Asano) - Weydandt, Müller
Schalke: Nübel - Bruma, Salif Sane, Nastasic - Stambouli, Mascarell, Oczipka - Serdar (79. Boujellab), Rudy (71. Kutucu) - Uth, Embolo (89. Konoplyanka)
Schiedsrichter: Jablonski (Bremen)
Gelbe Karten: Weydandt / Bruma
Zuschauer: 44.500

insgesamt 3 Beiträge
rockboy 31.03.2019
1. Weiter gehts....
das war heute wirklich gut! 73 % Ballbesitz, 12:3 Torschüsse...nur wir treffen das Tor nicht. Warum auch immer..."Haste Scheisse am Fuss, haste Scheisse am Fuss!"
das war heute wirklich gut! 73 % Ballbesitz, 12:3 Torschüsse...nur wir treffen das Tor nicht. Warum auch immer..."Haste Scheisse am Fuss, haste Scheisse am Fuss!"
skeptikerjörg 31.03.2019
2.
Oder "Wenn du kein Glück hast, kommt auch noch Pech dazu". Wer Huub Stevens im Abstiegskampf kenn, wusste vorher, wie Schalke heute spielen würde. Der Sieg wird gerne genommen, aber er wäre auch mit einem [...]
Zitat von rockboydas war heute wirklich gut! 73 % Ballbesitz, 12:3 Torschüsse...nur wir treffen das Tor nicht. Warum auch immer..."Haste Scheisse am Fuss, haste Scheisse am Fuss!"
Oder "Wenn du kein Glück hast, kommt auch noch Pech dazu". Wer Huub Stevens im Abstiegskampf kenn, wusste vorher, wie Schalke heute spielen würde. Der Sieg wird gerne genommen, aber er wäre auch mit einem Unentschieden zufrieden gewesen. Wenn man sich mit allen, die hinter einem stehen - also heute Hannover und noch Nürnberg, Augsburg und Stuttgart - die Punkte teilt, bleibt man drin. Deshalb wird Stevens keine offensiven Experimente machen. "Die Null muss stehen".
camshaft_in_head 31.03.2019
3. nunja
das geht nicht allein auf Dolls Kappe. Heldt kaufte in letzter Zeit nur Ausschussware von abgestiegenen Clubs und keine guten Alternativen. Das war vorhersehbar das des schiefgehen wird. Und Herr Kind hat halt den Geldhahn [...]
das geht nicht allein auf Dolls Kappe. Heldt kaufte in letzter Zeit nur Ausschussware von abgestiegenen Clubs und keine guten Alternativen. Das war vorhersehbar das des schiefgehen wird. Und Herr Kind hat halt den Geldhahn zugedreht. Guten Tag Liga 2!

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