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Sport

Huub Stevens soll Schalke retten

Abstiegsfighter

Im Kampf um den Klassenerhalt setzt Schalke auf die vermeintlich sichere Variante Huub Stevens: harte Hand, Stallgeruch, Disziplin. Für die Zukunft sucht der Verein einen Trainer nach Leipziger Vorbild.

imago/ Kirchner-Media

Huub Stevens

Aus Gelsenkirchen berichtet
Freitag, 15.03.2019   12:30 Uhr

Es sind aufreibende Tage für den FC Schalke 04. Da ist es elementar, die wichtigsten Dinge mit Priorität zu behandeln. Am Donnerstag, dem Tag, als Jochen Schneider offiziell in den Vorstand des eingetragenen Vereins rückte, galt es etwa, den Beschluss des Ehrenrats einzuholen, um einem Aufsichtsrat zu ermöglichen, Cheftrainer der Profimannschaft zu werden.

Ansonsten wäre gegen die Satzung verstoßen worden. Die einfache Variante, den komplizierten Sachverhalt auszudrücken, lautet: Huub Stevens ist zurück.

Zunächst hatte es noch danach ausgesehen, dass Domenico Tedesco eine letzte Chance erhält. Doch dann verschickte der Verein am Donnerstagabend eine Mitteilung, deren Betreffzeile lautete: "FC Schalke 04 stellt Chef-Trainer Domenico Tedesco frei". In der Signatur wurde Christian Heidel noch als Vorstand des Klubs geführt, der inzwischen Jochen Schneider gewichen war. Aber wie gesagt: aufreibende Tage, Prioritäten.

DPA

Domenico Tedesco

Heidel hatte schon längst nichts mehr zu sagen. Er wurde allerdings noch häufig erwähnt, wenn es darum ging, die Gründe für den sportlichen Absturz zu finden. Christian Heidel wäre wegen seiner schwachen Transferbilanz als Alleinschuldiger hängen geblieben, wenn es nach seiner Ankündigung des Rückzugs wieder aufwärts gegangen wäre.

Aus einem stolzen Tabellenzweiten ist ein Abstiegskandidat geworden

Es ging aber nicht bergauf, ganz im Gegenteil: 0:4, 2:4, am Dienstag dann ein 0:7 gegen Manchester City in der Champions League. Es braucht nur diese Ergebnisse, um zu erklären, was an Schneiders erstem Tag als Sportvorstand des FC Schalke passierte. Der Verein dürfe "nicht verkennen, dass die Entwicklung in dieser Saison unter dem Strich negativ ist", ließ sich Schneider in der Mitteilung zitieren. Das war ziemlich höflich ausgedrückt.

Aus einem stolzen Tabellenzweiten ist ein Abstiegskandidat geworden, der noch gegen die vier Mannschaften spielen muss, die derzeit schlechter platziert sind. Es herrscht daher Panik in Gelsenkirchen. Das ist auch an der Lösung zu sehen, die nun möglicherweise nur für das eine Bundesligaspiel am Samstag gegen RB Leipzig (15.30 Uhr/Liveticker SPIEGEL ONLINE) gelten wird: Stevens, der von den Fans zum "Jahrhunderttrainer" gewählte Aufsichtsrat, und Mike Büskens, der unter Stevens 1997 den Uefa-Cup gewann. Zwei "Eurofighter" als "Abstiegsfighter".

Den Nostalgikern und Romantikern unter den Schalker Fans dürfte dieses Duo gefallen. Anders als zunächst vermutet, werden Stevens und Büskens sogar bis zum Saisonende die Verantwortung tragen, gemeinsam mit Gerald Asamoah als Teammanager. Neun Spiele bis zum Klassenerhalt, wie Schneider bestätigte.

Die Schalker Schwächen in der Offensive

Das Offensivspiel war unter Tedesco auch in der erfolgreichen Vorsaison meistens darauf aufgebaut, irgendwann irgendwie ein Tor zu erzielen.

Seitdem die Defensive nicht mehr zulässt, diesen Plan häufig erfolgreich umzusetzen, fehlen die Punkte. Es gab zwischendurch immer mal wieder Phasen, oft auch nur während eines Spiels, die Schalkes Sehnsucht nährten, mit dem immer noch erst 33 Jahre alten und hoch angesehenen Trainer Tedesco die Zukunft zu gestalten. Doch das Vertrauen schwand, nach dem Debakel von Manchester war es vollends verloren gegangen.

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Stevens-Comeback bei Schalke: Die Null muss noch mal stehen

"Wir werden in den vier Jahren einige Täler zu durchschreiten haben", hatte Christian Heidel im vergangenen Sommer gesagt, als Tedesco einen neuen, bis 2022 gültigen Vertrag unterschrieb. Dass sowohl Manager als auch Trainer schon am Fuß des nächsten Berges scheiterten, überrascht.

Rose, Schmidt und Zorniger als mögliche Kandidaten

Schalke setzt nun auf die vermeintlich sichere Variante: harte Hand, Stallgeruch, Maloche, Disziplin. Den Trainer für die Zukunft sucht Jochen Schneider nach einem Kriterium, dass er schon bei seiner Vorstellung preisgab. Schalke solle so Fußball spielen, wie es bei seinem vormaligen Klub RB Leipzig gemacht werde: den Gegner unter Raum- und Zeitnot setzen, den Ball gewinnen, schnell nach vorne spielen, schnell zum Abschluss kommen.

Marco Rose, der diesen Fußball in der Salzburger RB-Mutterfirma mit einigem Erfolg spielen lässt, ist daher ein Kandidat. Er wurde ohnehin schon als möglicher Nachfolger von Tedesco gehandelt. Auch Roger Schmidt, derzeit in China, käme infrage.

Vielleicht auch Alexander Zorniger, den Schneider aus gemeinsamer Zeit beim VfB Stuttgart kennt. Eines steht fest: Aus dem Aufsichtsrat des FC Schalke wird es keiner.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß, Stevens und Büskens würden nur für ein Spiel übernehmen und Schalke würde sich in der Länderspielpause um einen neuen Trainer bemühen. Das ist nicht der Fall, die beiden Trainer werden den FC Schalke bis zum Saisonende betreuen. Der Fehler wurde korrigiert.

insgesamt 5 Beiträge
ptb29 15.03.2019
1. Die gleichen Spieler sollen es jetzt plötzlich können?
Immer wieder erstaunlich, wie manchmal die Spieler nach einem Trainerwechsel laufen lernen. Bei Hannover hat es allerdings nichts gebracht.
Immer wieder erstaunlich, wie manchmal die Spieler nach einem Trainerwechsel laufen lernen. Bei Hannover hat es allerdings nichts gebracht.
majorfabs 15.03.2019
2. Dachte ich zunächst auch,
aber wenn man sich die Schalker Mannschaft auf dem Papier ansieht, sollte das eigentlich schon für Platz 7 bis 10 der aktuellen Saison reichen. Ich vermute einige Spieler haben schon vor längerer Zeit das Vertrauen in das [...]
Zitat von ptb29Immer wieder erstaunlich, wie manchmal die Spieler nach einem Trainerwechsel laufen lernen. Bei Hannover hat es allerdings nichts gebracht.
aber wenn man sich die Schalker Mannschaft auf dem Papier ansieht, sollte das eigentlich schon für Platz 7 bis 10 der aktuellen Saison reichen. Ich vermute einige Spieler haben schon vor längerer Zeit das Vertrauen in das aktuelle System verloren. Da kann ein Wechsel tatsächlich etwas bewirken. Tedesco musste man jetzt auch vor sich selbst schützen und rausnehmen, die letzten Spiele waren offensichtlich reine Folter für ihn. Wer für die letzten Spiele Trainer ist, spielt kaum eine Rolle, da geht es eher um ein Symbolpolitik (Eurofighter, Vergangenheit, die Null muss stehen). Wie dem auch sei, die Schalker Spieler scheinen dieses Einstellungsproblem seit vielen Jahren nicht in den Griff zu bekommen. Auf dem Papier eine ordentliche Mannschaft mit viel Ambitionen, auf dem Platz eher mau...
oortsche_wolke 15.03.2019
3. Ganz ehrlich...
... ich fand schon den 2. Platz recht schmeichelhaft und das Tedesco-sche Defensiv-Spielsystem zwar damals effektiv aber unattraktiv. Mir persönlich wäre an einem Trainer gelegen, der den Blauen mal wieder etwas erfrischenderen [...]
... ich fand schon den 2. Platz recht schmeichelhaft und das Tedesco-sche Defensiv-Spielsystem zwar damals effektiv aber unattraktiv. Mir persönlich wäre an einem Trainer gelegen, der den Blauen mal wieder etwas erfrischenderen Fußball beibringt. Das wird leider im kommenden Abstiegskampf keine Priorität haben. Ich stelle mich auf "Blut-Schweiß-und-Tränen-Rumgeholze" bis zum Saisonende ein.
PeterAlef 15.03.2019
4. ...geil....1.92.....
...Fußball Nerds bei der Reporter-Arbeit....
...Fußball Nerds bei der Reporter-Arbeit....
Levator 15.03.2019
5. Selbst als Stuttgarter
mag ich den Huub, obgleich sein Engagement jetzt nicht unbedingt ein Vorteil für meinen VfB sein wird... Aber Huub ist halt so ne Type die man einfach mögen muss, ähnlich wie "Pizza" Pizarro welcher mit 40 [sic!] [...]
mag ich den Huub, obgleich sein Engagement jetzt nicht unbedingt ein Vorteil für meinen VfB sein wird... Aber Huub ist halt so ne Type die man einfach mögen muss, ähnlich wie "Pizza" Pizarro welcher mit 40 [sic!] den damaligen Tabellenführer aus dem Pokal geballert hat. Einfach coole Jungs...

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