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Sport

Bayern-Star Vidal in der Krise

Angst jagt er niemandem mehr ein

Arturo Vidal war einst der Mann für große Abende in der Champions League. Zuletzt fiel er vor allem durch Fehltritte auf - auf dem Platz und abseits. Für den FC Bayern ist er inzwischen ein Risikofaktor.

Getty Images
Aus Glasgow berichtet Florian Kinast
Dienstag, 31.10.2017   16:28 Uhr

Einen Moment blieb Arturo Vidal noch stehen, Montagvormittag am Münchner Flughafen, ein Fan hatte ihn um ein Selfie gebeten. Vidal hielt kurz inne, dann ging er rasch weiter Richtung Gate, zum Flug nach Glasgow, wo die Bayern am Abend in der Champions League bei Celtic antreten (20.45 Uhr; TV: Sky; Liveticker SPIEGEL ONLINE). In seinen Ohren steckten weiße Kopfhörer, sein Blick war ernst, der Blick entsprach seiner derzeitigen Situation.

Vidal hat schon glücklichere Tage erlebt beim FC Bayern. Wie lange der Chilene überhaupt noch in München spielen und wie viele Auswärtsreisen er mit den Münchnern im Europacup noch antreten wird, das wird gerade immer fraglicher.

Vidal war im Juli 2015 zum FC Bayern gekommen, der Verein überwies damals 35 Millionen Euro an Juventus . Die Münchner Klub-Bosse schwärmten von seinen kämpferischen Qualitäten, ein bissiger Terrier sei er, in Bayern nennt man so jemanden auch einen Wadlbeißer. Schnell war die Rede vom "Krieger" - und von "King Arturo".

Legendär sein Auftritt im Achtelfinal-Rückspiel im März 2016 gegen seinen Ex-Klub. Juve wollte eine 2:1-Führung ruhig zu Ende spielen, es lief die Nachspielzeit, als Vidal herangewalzt kam und an Turins Strafraum den Ball ergrätschte. Sekunden später köpfte Müller das 2:2, in der Verlängerung triumphierte Bayern 4:2. "Arturo ist ein Siegertyp", jauchzte der damalige Sportdirektor Matthias Sammer. Vom Siegertyp ist nun nichts mehr übrig.

Vidal hat sich zum Risikofaktor entwickelt

Die Waffen des Kriegers sind stumpf geworden. Angst jagt er niemandem mehr ein, und wenn, dann nur seiner eigenen Mannschaft. Vidal hat sich zu einem Risikofaktor für den FC Bayern entwickelt.

So wie im April dieses Jahres, sein Platzverweis in Madrid leitete das Aus in der Champions League gegen Real ein und stand als Sinnbild für seinen eigenen Abstieg: 2016 kamen die Bayern seinetwegen ins Viertelfinale. 2017 schieden sie seinetwegen im Viertelfinale aus.

Der große Bruch aber kam nun im Oktober, mit dem dramatischen Scheitern Chiles in der WM-Qualifikation. Als zweifacher Sieger der Copa América 2015 und 2016, als Confed-Cup-Finalist 2017 hoffte Vidal mit Chile auf den großen Coup 2018. Doch jetzt sind sie plötzlich gar nicht dabei. Ein Schock für Vidal.

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Bayern-Star Vidal: König in der Krise

Auf dem Platz fällt er in München kaum noch auf, und wenn, dann nur durch rüde Attacken. So wie im Pokalspiel gegen RB Leipzig am Mittwoch, als er Emil Forsberg am eigenen Strafraum umsenste und ihn Trainer Jupp Heynckes später wegen akuter Rotgefahr vom Feld nahm. Im Liga-Spiel am Samstag gegen Leipzig kam Vidal nach 45 Minuten für den verletzten Robert Lewandowski, er irrte mehr wie ein Fremdkörper herum. Immer deutlicher wurden zuletzt dabei auch die läuferischen Defizite des 30-Jährigen, er kommt beim Tempo nicht mehr mit.

Dazu kommen zahlreiche Eskapaden außerhalb des Stadions. Eine Nachtklub-Schlägerei 2014 in Turin, ein Autounfall mit 1,2 Promille im Juni 2015, nun zuletzt die unsägliche Schlammschlacht mit den öffentlichen Vorwürfen von Pilar Lizana, der Schwiegermutter von Chiles Nationaltorwart Claudio Bravo, die Vidal zum Sündenbock für das kollektive Versagen auserkor und ihn der Trunkenheit im Dienst bezichtigte: "Alle Welt weiß, dass Arturo betrunken zum Training kam." Und dann folgten vergangene Woche auch noch Berichte über die Verwicklung in eine neuerliche Disco-Prügelei in einem Münchner Nachtklub, Mitte September, nach einem Besuch auf dem Oktoberfest.

"Die Behörden werden das schon klären"

Trainer Heynckes äußerte sich großväterlich gütig und geduldig, als dieser Tage die Rede auf Vidal kam. "Ich kenne ja meinen Arturo", sagte er und erzählte Anekdoten aus gemeinsamen Zeiten in Leverkusen, wo er den ungestümen Chilenen schon zwischen 2009 und 2011 zu bändigen versuchte. Auch Hasan Salihamidzic wurde nach dem 2:0 gegen Leipzig zu den jüngsten Vorfällen um Vidal noch gefragt. "Ich war ja nicht dabei", sagte der Sportdirektor und fügte angesichts einer Anzeige bei der Münchner Polizei hinzu: "Die Behörden werden das schon klären."

Vertrag hat Vidal bis 2019, als einer von vielen ist er im Mittelfeld des FC Bayern längst ersetzbar. Am Montag berichteten italienische Medien einmal mehr von einem bevorstehenden Wechsel Vidals zu Inter Mailand, vielleicht schon im Winter. Egal, ob es reine Spekulationen sind und unerheblich, ob er bei Celtic von Beginn an spielt: Viel darf sich Vidal nicht mehr erlauben. Weder auf dem Platz noch sonst wo, denn sonst dürfte es bald vorbei sein mit der Toleranz der Bayern-Bosse. Und auch Disziplinfanatiker Heynckes wird dann die letzte Geduld verlieren. Mit seinem Arturo.

insgesamt 33 Beiträge
maxgil 31.10.2017
1. Mir
Ist es eigentlich egal, wie sich so ein Spieler abseits des Platzes verhält, benimmt er sich daneben oder wird gar kriminell, gelten für ihn die Gesetze wie für alle anderen auch. Was mir wirklich stinkt, ist dass dieser miese [...]
Ist es eigentlich egal, wie sich so ein Spieler abseits des Platzes verhält, benimmt er sich daneben oder wird gar kriminell, gelten für ihn die Gesetze wie für alle anderen auch. Was mir wirklich stinkt, ist dass dieser miese kleine Terrier tritt und tritt und dabei offensichtlich den Bayernschutz hat. Der hätte schon 10mal mit rot vom Platz fliegen müssen!
ortibumbum 31.10.2017
2. Kein Risiko??
Solange uin der Bundesliga Bayern spielt, brauchen sie keine Angst vor Platzverweisen haben. Neben Vidal gehört auch Ribery zu den Risikokandidaten. Aber bisher hat sich noch kein deutscher Schiedsrichter getraut, einen häufig [...]
Solange uin der Bundesliga Bayern spielt, brauchen sie keine Angst vor Platzverweisen haben. Neben Vidal gehört auch Ribery zu den Risikokandidaten. Aber bisher hat sich noch kein deutscher Schiedsrichter getraut, einen häufig zurecht vom Platz zu stellen. Und das bleibt so. Irgendetwas tun die Bayern, dass Schiedsrichter auf dem Bayernauge blind sind; sollten sich mal die Medien mit beschäftigen. Aber die hat man ja offensichtlich auch schpon eingelullt. Spielberichterstatter klammern gern die für Bayern strittigen Szenen aus und beschreiben gern das Gesamt Komglomerat mit den Vorteilen des Millionenclubs. Sowohl im Fernsehen als auch in der Presse. Vielleicht dürfen diese Leute auch mal die Bayernluft an der Säbener Str. schnuppern?!
alex11 31.10.2017
3.
Das besagte Tackling gegen Real im CL-Halbfinale war genial, die Gelb-Rote-Karte dafür eine klare Fehlentscheidung. Das hier gegen Vidal anzuführen passt zwar schön in die Geschichte, ist journalistisch aber nicht korrekt.
Das besagte Tackling gegen Real im CL-Halbfinale war genial, die Gelb-Rote-Karte dafür eine klare Fehlentscheidung. Das hier gegen Vidal anzuführen passt zwar schön in die Geschichte, ist journalistisch aber nicht korrekt.
AntiMonetarist 31.10.2017
4.
Sehe ich auch so. Auch auf Ribery trifft das genauso zu. Der hätte in den letzten 3 Jahren mindestens 25-30 mal Rot kriegen müssen. Kam meistens ungeschoren davon. Vor Ribery war es der Holländer Van Bommel im [...]
Zitat von maxgilIst es eigentlich egal, wie sich so ein Spieler abseits des Platzes verhält, benimmt er sich daneben oder wird gar kriminell, gelten für ihn die Gesetze wie für alle anderen auch. Was mir wirklich stinkt, ist dass dieser miese kleine Terrier tritt und tritt und dabei offensichtlich den Bayernschutz hat. Der hätte schon 10mal mit rot vom Platz fliegen müssen!
Sehe ich auch so. Auch auf Ribery trifft das genauso zu. Der hätte in den letzten 3 Jahren mindestens 25-30 mal Rot kriegen müssen. Kam meistens ungeschoren davon. Vor Ribery war es der Holländer Van Bommel im Bayerntrikot, der gerne mal mit immer wieder seine Gegenspieler mit Ellebogen ins Gesicht zuschlug als ob er beim MMA UFC Fight kämpfen würde. Dennoch kam auch er entweder nur mit Gelb oder mit einer harmlosen Ermahnung davon!
lala10 31.10.2017
5.
Hallo lieber Kommentarschreiber Nr.2 wenn du ein Bayern hasser bist dann behalte deine Kommentare besser für dich.Alle Statistiken mit dem sogenannten Bayerndusel sagen ganz was anders aus.Also nimm es sportlich der bessere [...]
Hallo lieber Kommentarschreiber Nr.2 wenn du ein Bayern hasser bist dann behalte deine Kommentare besser für dich.Alle Statistiken mit dem sogenannten Bayerndusel sagen ganz was anders aus.Also nimm es sportlich der bessere setzt sich auf Dauer durch.Auch wenn es die wahre Liebe trifft.

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Jahr Verein
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2011 FC Barcelona
2010 Inter Mailand
2009 FC Barcelona
2008 Manchester United
2007 AC Mailand
2006 FC Barcelona
2005 FC Liverpool
2004 FC Porto
2003 AC Mailand
2002 Real Madrid
2001 FC Bayern München
2000 Real Madrid
1999 Manchester United
1998 Real Madrid
1997 Borussia Dortmund
1996 Juventus Turin
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1994 AC Mailand
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