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Sport

Bayern-Aus im Champions-League-Achtelfinale

Ein deutsches Fiasko

Das Scheitern der Bayern im Achtelfinale der Champions League an Liverpool besiegelt auch das Ausscheiden des deutschen Fußballs aus der Weltspitze. Immerhin der Kaiser hat noch den Hut auf.

LUKAS BARTH-TUTTAS/EPA-EFE/REX

Serge Gnabry

Von
Donnerstag, 14.03.2019   10:44 Uhr

Erkenntnis des Achtelfinals: Der deutsche Fußball ist schwer geschrumpft - und gehört nicht mehr zu den Großen im wichtigsten europäischen Wettbewerb. Völlig verdient hat sich der FC Bayern im Achtelfinale gegen den FC Liverpool aus der Champions League verabschiedet. So früh wie zuletzt in der Saison 2010/11. Auch Schalke 04 (sehr deutlich gegen Manchester City) und Borussia Dortmund (deutlich gegen Tottenham) scheiterten in der Runde der letzten 16. Erstmals wurden alle drei deutschen Klubs in der K.-o.-Phase von englischen Vereinen rausgeworfen. Die TSG Hoffenheim hatte nicht mal die Gruppenphase überstanden. Damit findet das Champions-League-Viertelfinale zum ersten Mal seit 13 Jahren ohne deutsche Beteiligung statt. Mit acht Monaten Verspätung manifestiert sich auf Klubebene, was schon bei der WM 2018 auf Nationalelfniveau zu beobachten war: Der deutsche Fußball wurde abgehängt.

Das Ergebnis: Der FC Bayern verlor 1:3 gegen den FC Liverpool (hier geht es zum Spielbericht). Da half es auch nicht, dass DFB-Direktor Oliver Bierhoff zwischenzeitlich mit einem Bayern-Schal um den Hals neben Bundestrainer Joachim Löw auf der Tribüne saß. "Wir haben heute unsere Grenzen aufgezeigt bekommen", analysierte Bayern-Trainer Niko Kovac.

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Champions League: Klopp jubelt, Bayern trauert

Spieler des Spiels: Große Spiele werden durch Kleinigkeiten entschieden - oder durch große Spieler. Liverpools niederländischer Abwehrchef Virgil van Dijk ist mit knapp 80 Millionen Euro Ablöse nicht nur der teuerste Verteidiger der Geschichte, sondern aktuell auch der beste der Welt. Bayerns Starstürmer Robert Lewandowski nahm er jeglichen Spaß. Und dann sorgte der 27-Jährige auch noch mit einem Kopfball für den vorentscheidenden Treffer. Bayerns Mats Hummels und Javi Martínez prallten beim Luftduell an ihm ab wie die Brandung am Deich.

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FC Liverpool in der Einzelkritik: Monsterkopfballspieler

Die erste Hälfte: Wenige Torszenen, dafür zwei kuriose Treffer: Erst verlief sich Bayern-Torwart Manuel Neuer im eigenen Strafraum und gewährte Sadio Mané so das Führungstor zum 0:1 (26.). Dann traf Liverpools Innenverteidiger Joel Matip nach feiner Vorarbeit von Serge Gnabry ins eigene Tor (39.). Neuer und Matip spielten lange für Schalke 04, so passten die Szenen in diese unschönen Zeiten für Königsblau: Hast du Schalke am Schuh, hast du Schalke am Schuh.

"Manu der Stürzer": Neuer machte sein 100. Spiel in der Champions League, was vor ihm nur drei andere Deutsche schafften. Aber wer sehr lange dabei ist, bei dem erkennt man irgendwann auch den beginnenden Verschleiß. Neuer war einmal ohne jeden Zweifel der beste Torwart des Planeten und revolutionierte 2014 mit seinen Ausflügen das Torwartspiel. Doch "Manu der Libero" scheint sein Gespür für den Moment verloren zu haben. Beim 0:1 durch Mané stürzte Neuer grundlos aus seinem Tor heraus und wurde vom Liverpooler Angreifer umspielt. Auch wenn Rafinha ebenso durch den Strafraum irrte, war das ein schwerer Torwartfehler.

Die zweite Hälfte: Hatte Liverpool im ersten Durchgang nur 37 Prozent Ballbesitz, so übernahm die Elf von Trainer Jürgen Klopp nun die Hegemonie auf dem Feld - und im Luftraum. Van Dijk köpfte zum 1:2 ein (69.), und auch Mané traf per Kopf (84.). In beiden Szenen kam Hummels zu spät. Hatte Bundestrainer Löw vielleicht nicht ganz unrecht, als er entschied, demnächst auf den Münchner zu verzichten?

Detective Beckenbauer: Ähnlich schwach wie das Bayern-Spiel war auch das Vorprogramm: Es war schon recht eigentümlich, wie beim übertragenden TV-Sender Sky ein Interview mit Franz Beckenbauer als Audienz inszeniert und der 73-Jährige als Fußball-Heiliger gefeiert wurde. Wohlgemerkt bei einer Person, die sehr wahrscheinlich eine tragende Rolle in der Sommermärchen-Affäre 2006 gespielt hat. Aber wenn schon die TV-Reporter nicht als Investigative unterwegs waren, so hatte zumindest Beckenbauer sein Schnüffler-Outfit dabei. Sein schicker, schwarzer Hut machte sogleich Karriere bei Twitter. Etwas zu sagen hatte der Ehrenpräsident des FC Bayern dann auch noch: "Jürgen Klopp beim FC Bayern, das wäre der Höhepunkt", befand Beckenbauer. Er kann ja mal ermitteln, wie die Chancen auf eine Zusammenarbeit in der Zukunft stehen. Allerdings bleibt die Frage, warum sich Klopp eine Liga antun sollte, die im internationalen Vergleich nicht mehr zur Weltspitze gehört.

Bayern München - FC Liverpool 1:3 (1:1)
0:1 Mané (26.)
1:1 Matip (Eigentor, 39.)
1:2 van Dijk (69.)
1:3 Mané (84.)
Bayern: Neuer - Rafinha, Süle, Hummels, Alaba - Martínez (72. Goretzka), Thiago - Gnabry, James (79. Sanches), Ribéry (61. Coman) - Lewandowski
Liverpool: Alisson - Alexander-Arnold, Matip, van Dijk, Robertson - Henderson (13. Fabinho) - Wijnaldum, Milner (87. Lallana) - Salah, Firmino (83. Origi), Mané
Zuschauer: 70.000 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Daniele Orsato (Italien)
Gelbe Karten: Martínez, Sanches / Matip, Fabinho

insgesamt 160 Beiträge
hoehans 14.03.2019
1. Klopp wird nie Bayern-Trainer sein
Er ist ein Spaß-Trainer, das kann er bei den Bayern nicht leben. Ausserdem hat er viel zu viel Spaß die Bayern zu schlagen. Also wird er sich den Arbeitsplatz 'Bayern-Trainer' nicht antun.
Er ist ein Spaß-Trainer, das kann er bei den Bayern nicht leben. Ausserdem hat er viel zu viel Spaß die Bayern zu schlagen. Also wird er sich den Arbeitsplatz 'Bayern-Trainer' nicht antun.
websmile33 14.03.2019
2. Erschreckend schwach
Ich habe Bayern München seit Jahrzehnten nicht mehr so schwach, mutlos und schlecht organisiert gesehen wie gegen Liverpool, dass wirklich nicht überragend spielen musste. Neben den Abgesang auf den deutschen Fussball mit seinen [...]
Ich habe Bayern München seit Jahrzehnten nicht mehr so schwach, mutlos und schlecht organisiert gesehen wie gegen Liverpool, dass wirklich nicht überragend spielen musste. Neben den Abgesang auf den deutschen Fussball mit seinen Ikonen Grindel, Bierhoff und Löw scheint auch bei Bayern jetzt manches Veräumnis der Vergangenheit ( schlechte Jugendarbeit, mangelnder Mut junge Spieler zu fördern usw) endlich durchzuschlagen auf die erste Mannschaft. Dazu ein Auftritt ohne jeden Mut und jede Leidenschaft ( ich denke die Grenzen, die Kovac erwähnt hat waren vorrangig seine eigenen in Bereichen Taktik und Spielerentwicklung). Paßt perfekt in die deutsche Fussball-Landschaft. Wer hätte gedacht dass Mehmet Scholls Prophezeiung die jeder der hingeschaut hat auch gesehen hat so wahnsinnig schnell in Erfüllung geht :)
tutnet 14.03.2019
3. Verdient verloren
Hoffentlich endet damit die Bayern Hype. Wird mal Zeit.
Hoffentlich endet damit die Bayern Hype. Wird mal Zeit.
schwaebischehausfrau 14.03.2019
4. Blutleere Vorstellung
Irgendwie hat der FCB "cool und abgezockt" verwechselt mit blutleer und leidenschaftslos. Wer gestern Juve gesehen hat, die eine viel hoffnungslosere Ausgangs-Situation hatten und heute dann Bayern - das war schon [...]
Irgendwie hat der FCB "cool und abgezockt" verwechselt mit blutleer und leidenschaftslos. Wer gestern Juve gesehen hat, die eine viel hoffnungslosere Ausgangs-Situation hatten und heute dann Bayern - das war schon traurig. Bayern hat schlicht nur noch eine zweitklassige Offensive. Toll, wenn Lewandowski gegen das übliche Bundesliga-Fallobst 25 bis 30 mal pro Saison trifft. Gegen europäische Top-Teams und Verteidiger mit internat. Klasse kriegt er aber keinen Stich. Totalausfall wie immer. Und irgendwann ist es auch mal genug mit "Dankbarkeit für Ribery" Für den gilt das selbe wie für Lewandowski: Keine internationale Klasse mehr. Das sieht und weiß man aber seit locker 2-3 Jahren. Der FCB sollte sich einfach eingestehen, dass er definitiv nicht mehr zu den Top 4 Teams in Europa gehört. Nicht erst seit gestern Abend: Bereits seit 2013 war die erste internat. Top-Mannschaft, auf die Bayern in der K.O.-Runde getroffen ist, JEDES MAL AUCH ENDSTATION. Ob Real (gleich dreimal) , Athletico, Barca oder jetzt Liverpool. Jedes K.O.-Duell gegen eine der europäischen Top-Mannschaften wurde verloren, 6 Jahre hintereinander (o.k., einen Sieg gab's in diesen 6 Jahren gegen Juve, da war Juve aber auch lange noch nicht auf dem Niveau wie Real, Barca oder Athletico). Die Bundesliga ist aktuell genauso deutlich international abgehängt wie die italienischen Clubs vor einigen Jahren.
dieterwassmann7 14.03.2019
5. Absturz des deutschen Fussballs
Ich habe noch nie so eine schwache Bayern-Elf in einem CL-Spiel gesehen. Was ist eigentlich mit Hoeness los ? Schade fuer den deutschen Fussballfan. Sicherlich wird es 10 Jahre oder laenger dauern, bis wir wieder dran sind. [...]
Ich habe noch nie so eine schwache Bayern-Elf in einem CL-Spiel gesehen. Was ist eigentlich mit Hoeness los ? Schade fuer den deutschen Fussballfan. Sicherlich wird es 10 Jahre oder laenger dauern, bis wir wieder dran sind. Alles schoen reden hilft nun nicht mehr. In allen europaeischen Wettbewerben sind wir mit nicht konkurrenzfaehigen Teams am Start. Statt Erfolgen wird es nach Schalker Vorbild nur noch Blamagen geben. Ich glaube es waere besser, wenn der DFB alle deutschen Mannschaften aus den Wettbewerben abmelden wuerde.

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Sieger Uefa Champions League

Jahr Verein
2018 Real Madrid
2017 Real Madrid
2016 Real Madrid
2015 FC Barcelona
2014 Real Madrid
2013 FC Bayern München
2012 FC Chelsea
2011 FC Barcelona
2010 Inter Mailand
2009 FC Barcelona
2008 Manchester United
2007 AC Mailand
2006 FC Barcelona
2005 FC Liverpool
2004 FC Porto
2003 AC Mailand
2002 Real Madrid
2001 FC Bayern München
2000 Real Madrid
1999 Manchester United
1998 Real Madrid
1997 Borussia Dortmund
1996 Juventus Turin
1995 Ajax Amsterdam
1994 AC Mailand
1993 Olympique Marseille

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