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Sport

Barça-Sieg in Manchester

Nicht alles im Griff

Der FC Barcelona gewinnt zwar das Viertelfinal-Hinspiel der Champions League bei Manchester United, spielt aber nicht wie ein Titelfavorit. Die Engländer hoffen nun auf eine besondere Auswärtsstärke.

Jon Super / AP

Eine Szene wie das ganze Spiel: Manchesters Ashley Young (r.) im Duell mit Barcelonas Arturo Vidal. Am Ende siegte Vidals Team, aber schön war das nicht

Von , Manchester
Donnerstag, 11.04.2019   08:07 Uhr

Ole Gunnar Solskjær machte sich einer massiven Untertreibung schuldig. Der Trainer von Manchester United saß im Pressesaal des Old Trafford, der mit seinen ansteigenden Sitzreihen an ein Kino erinnert, und trug sein typisches Lächeln im Gesicht, obwohl das Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen den FC Barcelona 0:1 verloren gegangen war. "Wir haben am Anfang nicht wirklich Druck auf sie ausüben können", sagte Solskjær. Sie, damit meinte er die Spieler des alten und wohl auch neuen spanischen Meisters.

Korrekterweise hätte der Norweger sagen müssen, dass seine Mannschaft überhaupt keinen Druck auf den Gegner hatte ausüben können in der Anfangsphase. Barcelona hatte zeitweise mehr als 80 Prozent Ballbesitz und ging nach nicht einmal einer Viertelstunde in Führung durch einen Kopfball von Luis Suárez, den Verteidiger Luke Shaw ins eigene Netz abfälschte.

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Barcas Sieg in Manchester: Unglücklicher Shaw, blutender Messi

Man musste sich Sorgen machen um den englischen Rekord-Champion. Man musste fürchten, dass Manchester United im eigenen Haus gedemütigt werden würde. "Olé! Olé! Olé!", klang es Mitte der ersten Hälfte bei jedem Pass aus dem Gästeblock, als die Barça-Profis den Ball unbehelligt laufen ließen.

Doch Solskjærs Mannschaft fand wieder ins Spiel. Beziehungsweise: Sie wurde wieder ins Spiel geholt, weil die Gäste nach ihrem Treffer nachlässig wurden, sich seltsame Abspielfehler erlaubten und den ziemlich defensiv ausgerichteten Gegner zu Chancen einluden. "In der Champions League gibt es auswärts immer schwere Momente", sagte Barcelonas Trainer Ernesto Valverde. So, als wären die Ungenauigkeiten nicht zu vermeiden gewesen.

Ein guter Geschmack im Mund

Sein Team hat nach dem knappen Erfolg im erstaunlich sonnigen Nordwesten Englands beste Chancen, zum ersten Mal seit vier Jahren wieder ins Halbfinale der Champions League einzuziehen. Damals gewann Barça am Ende übrigens auch den Titel, durch den Sieg gegen Juventus im Finale von Berlin. In der Form von Mittwochabend aber ist Barcelona keineswegs ein Titelfavorit in dieser Spielzeit.

Trainer Valverde sprach davon, dass er das Old Trafford "mit einem guten Geschmack im Mund" verlassen werde. Doch die Partie bot den Katalanen auch genug Anlass, sich zu ärgern.

Darüber, dass sie Manchester United durch eigene Fehler wieder ins Spiel brachten - und dass sie es verpassten, den Sieg noch klarer zu gestalten und das Viertelfinale schon vor dem Rückspiel im heimischen Camp Nou am Dienstag (21 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) zu entscheiden. In einer Partie ohne viele Chancen hatte Barça noch die besten. Doch Philippe Coutinho und Jordi Alba scheiterten an Uniteds Torwart David de Gea, Suárez donnerte den Ball nach einem hübschen Pass von Nélson Semedo aus spitzem Winkel ins Außennetz.

Auch die Gastgeber konnten nicht zwingend zufrieden sein mit ihrer Vorstellung. Wegen der verschlafenen Anfangsphase und weil es ihnen danach nicht gelang, die Schwächen in der neongelben Barça-Deckung zu nutzen. Die Statistik zeigte, dass United zwar zehn Torschüsse abgeben hatte. Doch keiner dieser Versuche wurde wirklich gefährlich. Gästetrainer Valverde war sich hinterher nicht sicher, ob sein deutscher Torwart Marc-André ter Stegen "überhaupt einen Ball halten musste".

Manchester hat in dieser Champions-League-Saison erst ein Heimtor erzielt

Bezeichnend für die Harmlosigkeit von Solskjærs Mannschaft war eine Szene kurz vor der Pause: Nach einer Flanke von der rechten Seite kam der aufgerückte Diogo Dalot aus wenigen Metern zum Kopfball. Doch anstatt den Ball aufs Tor zu bringen, köpfte er ihn parallel zur Torlinie. Wie jemand, der noch nie einen gegnerischen Strafraum von innen gesehen hat.

Es überrascht angesichts solcher Mängel nicht, dass Manchester United in dieser Saison in der Champions League erst ein Heimtor geschossen hat. Schütze war der inzwischen nach China gewechselte Marouane Fellaini beim 1:0-Erfolg in der Gruppenphase gegen Young Boys Bern.

Trotz dieser trostlosen Bilanz hat die Mannschaft immer noch alle Chancen auf den Einzug ins Halbfinale (wo wohl der FC Liverpool warten würde). Sie hat in dieser Europapokal-Saison schon bei anderen prominenten Gegnern gewonnen, nämlich in der Vorrunde bei Juventus Turin (2:1) und - besonders denkwürdig - im Achtelfinal-Rückspiel bei Paris Saint-Germain (3:1). "Wir fahren dort in dem Glauben hin, dass wir treffen können", sagte Trainer Solskjær über die Reise nach Barcelona.

Er muss es wissen. Er machte Manchester United 1999 im Camp Nou zum Champions-League-Sieger - durch sein Tor in der Nachspielzeit gegen den FC Bayern.

insgesamt 3 Beiträge
Nonvaio01 11.04.2019
1. richtig
weil barca kein favorit ist, dieses jahr gibt es keine herrausragende mannschaft, ausser Porto, koennen alle anderen Sieger werden. Nur weil der name barca ist sind die favoriten? Das erklaert dann wohl auch den negativen ton [...]
weil barca kein favorit ist, dieses jahr gibt es keine herrausragende mannschaft, ausser Porto, koennen alle anderen Sieger werden. Nur weil der name barca ist sind die favoriten? Das erklaert dann wohl auch den negativen ton "Ajax trotzt Juve ein unentschieden ab" SPON.....AJAX war der favorit und ist auch noch der favorit gegen Juve, wenn dann hat Juve Ajax ein 1-1 aberungen. bei Spon geht man eber eh nur nach namen und nicht nach der momentanen spielstaerke des Teams.
lofi 11.04.2019
2.
Also das Ajax der Favorit gegen Juve ist, das wäre mir neu. Tuchel muß sich fragen, wie sein PSG gegen dieses biedere ManUtd ausscheiden konnte? Und Favorit ist und bleibt Barceloan. Auch wenn sie mittlerweile ähnlich [...]
Also das Ajax der Favorit gegen Juve ist, das wäre mir neu. Tuchel muß sich fragen, wie sein PSG gegen dieses biedere ManUtd ausscheiden konnte? Und Favorit ist und bleibt Barceloan. Auch wenn sie mittlerweile ähnlich unattraktiv wie Real spielen wird der Titel wohl in Spanien. Gut, Pugdemont oder wie er hieß würde sagen nach Katalonien wandern. Zumindest ist der Schiri-Bonus schon von Real zu Barca gewandert. Busquets z.B. hätte eher gelb bekommen können, dann wäre er bei seinem Haltegriff später vom Platz geflogen. Und die elfmeterverdächtige Szene im Barca-Strafraum wurde nicht mal im Video-Wohnmobil geprüft. Da kann man nur hoffen, das vielleicht Klopps Liverpool die Katalanen noch aufhalten kann. Aber ich glaube es nicht.
bünzli0815 11.04.2019
3. (Online-)Papier ist geduldig
Natürlich hätte Barça im Angriff anderst aufspielen können (die Leute dazu hat er) - und dabei dem Gegner womöglich voll ins offene Messer laufen. Ein klug verwalteter Auswärtssieg ist dagegen wertvoller für einen Einzug [...]
Natürlich hätte Barça im Angriff anderst aufspielen können (die Leute dazu hat er) - und dabei dem Gegner womöglich voll ins offene Messer laufen. Ein klug verwalteter Auswärtssieg ist dagegen wertvoller für einen Einzug ins Halbfinale als eine Niederlage. Ob dieses ManU von gestern Abend im Nou camp Zwei Tore erzielt, scheint mir fraglich.

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Jahr Verein
2018 Real Madrid
2017 Real Madrid
2016 Real Madrid
2015 FC Barcelona
2014 Real Madrid
2013 FC Bayern München
2012 FC Chelsea
2011 FC Barcelona
2010 Inter Mailand
2009 FC Barcelona
2008 Manchester United
2007 AC Mailand
2006 FC Barcelona
2005 FC Liverpool
2004 FC Porto
2003 AC Mailand
2002 Real Madrid
2001 FC Bayern München
2000 Real Madrid
1999 Manchester United
1998 Real Madrid
1997 Borussia Dortmund
1996 Juventus Turin
1995 Ajax Amsterdam
1994 AC Mailand
1993 Olympique Marseille

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