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Sport

Enttäuschende Copa América

Südamerikas Fußball ist nicht mehr Weltklasse

Kaum Tore, furchtbare Plätze, wenige Zuschauer - die Copa América verläuft bislang enttäuschend. Dahinter steht ein Trend: Südamerikas Fußball droht den Anschluss an die Weltspitze zu verlieren.

Juan Mabromata/AFP

Die Stars wie Uruguays Edinson Cavani waren eine Enttäuschung bei dieser Copa

Von , Belo Horizonte
Dienstag, 02.07.2019   16:43 Uhr

Mit seiner Hipster-Brille, der hohen Stirn und den grauen Fäden im Bart sieht Edinaldo Batista Libânio ein bisschen aus wie ein Professor. Als Peru und Uruguay ihr Viertelfinale bei dieser Copa América torlos beendeten und wieder einmal das Elfmeterschießen entscheiden musste, analysierte Batista einigermaßen konsterniert: "Das Niveau dieser Copa ist einfach zu schlecht". Drei der vier Viertelfinals bei der Südamerika-Meisterschaft endeten 0:0.

"Die Partien sind umkämpft, haben aber keinen spielerischen Glanz. Die Stars enttäuschen", sagte Batista. Überhaupt seien die Spieler ermattet von der harten Spielzeit in Europa, und anscheinend fehle es auch an der Lust. "Das ist schließlich die dritte Copa América in fünf Jahren."

Batista war früher selbst Stürmer, ein ziemlich guter sogar. Unter dem Künstlernamen Grafite wurde er 2009 mit dem VfL Wolfsburg Deutscher Meister und Torschützenkönig. Jetzt arbeitet er als Experte und wird von vielen in Brasilien als kluge Stimme geschätzt.

Carl de Souza/AFP

Auf Lionel Messi ruhen die Hoffnungen vor dem Halbfinale

Zwei Tore in vier Viertelfinals

Allein Argentinien gelang es, in seinem Viertelfinale gegen Venezuela Tore zu erzielen (2:0). Der Hackentreffer von Lautaro Martínez (Inter Mailand), Argentiniens Entdeckung des Turniers, war schön und herausgespielt, der andere von Giovani Lo Celso (Betis Sevilla) kam nur durch Mithilfe des venezolanischen Torwarts zustande.

Vier Viertelfinals, 360 Minuten Fußball, an dem einige der besten und treffsichersten Spieler der Welt beteiligt sind - und am Ende fallen zwei Tore. Die übrigen Partien wurden im Elfmeterschießen entschieden - eine Verlängerung gibt es bei der Copa nicht.

Es scheint sich zu bestätigen, was sich schon länger im Weltfußball abzeichnet. Südamerika, das immerhin zusammen mit Argentinien, Uruguay und Brasilien neun WM-Titel gesammelt hat, verliert den Anschluss an die Weltspitze, die von europäischen Mannschaften dominiert wird. 2002 war mit Brasilien letztmals ein Team aus Amerika Weltmeister. Bei den darauf folgenden vier WM-Turnieren schaffte es mit Argentinien 2014 nur eine südamerikanische Mannschaft ins Finale.

Das Niveau lässt nach

Und beim aktuellen Turnier bestätigt sich die Voraussage von Juan Antonio Pizzi: Der Trainer, der Chile 2016 zum Copa-América-Sieg führte, warnte vor dem Anpfiff. "Das Niveau des südamerikanischen Fußballs hat sehr nachgelassen." Pizzi vermutete, dass keine der Mannschaften das Turnier dominieren werde. Er hat Recht behalten. Alle Mannschaften bis auf Chile und Kolumbien haben bei der Copa gnadenlos schlechte Partien abgeliefert. Jeder scheint jeden schlagen zu können. Oder besser: gegen jeden verlieren zu können.

Pizzi sieht als Hauptgrund die Transferpolitik. Talente verließen zu schnell und zu früh ihre Länder, um in Europa zu spielen. In der Konsequenz verlieren die eigenen Ligen an Klasse, das Interesse der Fans lasse nach und die Identifikation mit der Nationalmannschaft gehe verloren, weil viele Anhänger ihre Nationalspieler nicht mehr kennen. "Davon sind vor allem Argentinien und Brasilien betroffen", sagte Pizzi.

Lateinamerika nur noch "Rohstoff-Exporteur"

Diese Entfremdung ist auch bei der aktuellen Copa zu sehen, bei der in der Nacht auf Mittwoch Argentinien und Gastgeber Brasilien das erste Halbfinale bestreiten (2.30 Uhr MEZ/Stream: Dazn). Das Eröffnungsspiel Brasiliens gegen Bolivien war nicht annähernd ausverkauft, überhaupt sind die Spiele schlecht besucht. Und spielen die Teams schlecht, wird schnell gepfiffen.

Der bekannte brasilianische Sportjournalist Juca Kfouri sah diese Entwicklung schon bei der WM 2018 in Russland kommen: "Lateinamerika ist keine Fußballmacht mehr, sondern nur noch ein Rohstoff-Exporteur", schrieb er in einem Beitrag für die "New York Times". Damals verdienten 2243 Fußballer aus den drei Weltmeister-Ländern Argentinien, Brasilien und Uruguay ihr Geld außerhalb ihrer Heimat.

Sergio Moraes/REUTERS

Schlecht besuchte Spiele

Hinzu kommt, dass die Stars der Teams wie Lionel Messi (32, Argentinien), Dani Alves (36, Brasilien), Luis Suárez und Edinson Cavani (jeweils 32, Uruguay), Arturo Vidal (32, Chile) oder Paolo Guerrero (35, Peru) alle die 30 Jahre mehr oder minder weit hinter sich gelassen haben. Messi erkannte an, dass er nicht auf der Höhe ist bei diesem Turnier: "Es ist sicher nicht meine beste Copa América", sagte er nach dem 2:0 gegen Venezuela im Viertelfinale.

Chile spielt seit 2015 mit einer fast unveränderten Mannschaft. Das Team ist in die Jahre gekommen. 2018 verpasste es die WM. Bei dieser Copa aber kann Chile mit einem Sieg gegen Peru im Halbfinale in der Nacht zu Donnerstag (2.30 Uhr MEZ/Stream: Dazn) zum dritten Mal in Serie ins Endspiel einziehen.

"Der Ball hüpft wie ein Hase"

Zur Ehrenrettung der Spieler bei dieser Copa sei erwähnt, dass der Rasen in fast allen Stadien Brasiliens in einem erbärmlichen Zustand ist. Das hilft gerade Dribbelkünstlern wie Messi nicht. "Es ist schwer, auf diesen schlechten Plätzen zu spielen, es ist eine Schande", ärgert sich der Offensivspieler vom FC Barcelona. "Der Ball hüpft wie ein Hase in alle Richtungen".

Gegen Brasilien soll der Ball auch mal ins Tor hüpfen. Der südamerikanische Klassiker steigt in Belo Horizonte, dort wo Brasilien im WM-Halbfinale 2014 gegen Deutschland 1:7 unterging. "Das Spiel ist Geschichte, wir schreiben hier und jetzt eine neue", sagte Brasiliens Trainer Tite am Montag vor dem Spiel. Aus neutraler Zuschauersicht wäre jedes Ergebnis willkommen - Hauptsache es wird nicht langweilig.

insgesamt 14 Beiträge
halverhahn 02.07.2019
1. Viel Hysterie um nichts!
Wenn knapp 2,5 tausend Spieler aus Südamerika ihr Geld in anderen Ligen, vorzugsweise in europäischen Ligen, ihr Geld verdienen, dann kann es doch gar nicht so schlecht um den südamerikanischen bzw mittelamerikanischen Fußball [...]
Wenn knapp 2,5 tausend Spieler aus Südamerika ihr Geld in anderen Ligen, vorzugsweise in europäischen Ligen, ihr Geld verdienen, dann kann es doch gar nicht so schlecht um den südamerikanischen bzw mittelamerikanischen Fußball stehen! Und eine diesmal spielerisch eher schwache Copa America heißt auch gar nix. Kommt der kommende WM-Sieger demnächst doch wieder aus Südamerika, wird der Wind in den Gazetten, auch auch hier auf SPON, wieder aus der anderen Richtung wehen!
fommer 02.07.2019
2. Etwas unausgewogen
Finde dass hier mmn noch zu erwähnen ist das zahlreiche Tore der Favoriten durch den neu eingesetzten VAR aberkannt wurden alleine zwei im Brasilien-Spiel
Finde dass hier mmn noch zu erwähnen ist das zahlreiche Tore der Favoriten durch den neu eingesetzten VAR aberkannt wurden alleine zwei im Brasilien-Spiel
Skakesbier 02.07.2019
3. Wenn die Südamerikaner
aus ihrer langen Erfolglosigkeit herauskommen wollen, müssen sie halt 'ne Menge ändern! Zum Beispiel: a) Die in der Regel völlig korrupten Verbands-Spitzen durch zumindest relativ integre Leute ersetzen. b) Transfers eigener [...]
aus ihrer langen Erfolglosigkeit herauskommen wollen, müssen sie halt 'ne Menge ändern! Zum Beispiel: a) Die in der Regel völlig korrupten Verbands-Spitzen durch zumindest relativ integre Leute ersetzen. b) Transfers eigener Spieler nach Europa erst ab 25 erlauben. c) Träner-Ausbildung substantiell verbessern. d) Völlig irrationale eigene Ansprüche überdenken (Leute: Mega-Cracks wie Garrincha oder Maradona spielen schon lange nicht mehr!). e) Spielern schon in der Jugend so was wie 'Disziplin' beibringen.
Jungspund 02.07.2019
4.
zu a) Guter Witz. Nahezu alle Fußball-Verbände sind übermäßig korrupt. Das wird sich auch nicht ändern. In SA natürlich noch schlimmer als in Europa. zu b) Wird niemals so kommen. Zu viele Leute verdienen bei diesen [...]
Zitat von Skakesbieraus ihrer langen Erfolglosigkeit herauskommen wollen, müssen sie halt 'ne Menge ändern! Zum Beispiel: a) Die in der Regel völlig korrupten Verbands-Spitzen durch zumindest relativ integre Leute ersetzen. b) Transfers eigener Spieler nach Europa erst ab 25 erlauben. c) Träner-Ausbildung substantiell verbessern. d) Völlig irrationale eigene Ansprüche überdenken (Leute: Mega-Cracks wie Garrincha oder Maradona spielen schon lange nicht mehr!). e) Spielern schon in der Jugend so was wie 'Disziplin' beibringen.
zu a) Guter Witz. Nahezu alle Fußball-Verbände sind übermäßig korrupt. Das wird sich auch nicht ändern. In SA natürlich noch schlimmer als in Europa. zu b) Wird niemals so kommen. Zu viele Leute verdienen bei diesen Transfers sehr viel Geld. Spieler per politischem Dekret den Wechsel ins Ausland zu verwehren ist ein Relikt aus der Zeit des Kommunismus. Und meiner Meinung nach auch ethisch nicht vertretbar. zu c) Gibt einige gute Trainer in Südamerika. Negativbeispiel wäre hier eher England. Hier hat man weit mehr Geld zur Verfügung aber nicht einen englischen Trainer mit dem Prädikat topklasse, geschweige denn weltklasse. zu d) Sehe das ehrlich gesagt nicht so dramatisch. Irrationale Ansprüche finden Sie auch bei vielen Fans außerhalb Südamerikas.
Baratinha 02.07.2019
5. Vielleicht
Aber der deutsche Fussball ist spätestens nach dem Vorrunden- Aus in Russland auch nicht mehr sehr ernst zu nehmen...
Aber der deutsche Fussball ist spätestens nach dem Vorrunden- Aus in Russland auch nicht mehr sehr ernst zu nehmen...

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