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Sport

Freiburger Remis gegen Dortmund

Auf die 90. Minute ist Verlass

Wie schon im vergangenen Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt kassiert der BVB in letzter Minute den Ausgleich. Willkommener Anlass, auf Dortmunds Trainer einzuprügeln. Aber man könnte auch mal den Gegner loben.

ARMANDO BABANI/EPA-EFE/REX
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Samstag, 05.10.2019   19:04 Uhr

Szene des Spiels: Das ist leicht. In der 90. Minute schlägt der 1:2 zurückliegende SC Freiburg eine verzweifelte Flanke in den Strafraum, die aber viel zu weit bis an die Außenlinie geht. Obwohl der gerade eingewechselte Vincenzo Grifo an den Ball kommt und ihn noch einmal nach innen spielt, ist die Chance eigentlich schon vorbei. Aber der Gegner heißt Borussia Dortmund. Daher weiß man mittlerweile, wie die Szene ausgeht.

Ergebnis des Spiels: 2:2 (0:1). Wieder lässt der BVB in der Schlussphase Punkte. Die Tore erzielten Axel Witsel (BVB, 20. Minute) und Luca Waldschmidt (Freiburg, 55.) Dazu kommen die Eigentore von Lukas Kübler (Freiburg, 67.) und Manuel Akanji (BVB, 90.). Hier können Sie die Spieltagszusammenfassung lesen.

Die erste Halbzeit: Eine unterhaltsame Partie. So nennt man Spiele gern, wenn man nicht genau weiß, ob man sie gut oder schlecht findet. Freiburg hat die Chancen, aber der BVB das Übergewicht. Was sich zum Beispiel im Eckballverhältnis 9:0 dokumentiert. Eine der Ecken nutzt Axel Witsel per sehenswertem Volleyschuss zur Pausenführung.

Patrick Seeger DPA

Marco Reus und sein BVB dürfen sich warm anziehen

Die zweite Halbzeit: Wieder unterhaltsam, diesmal ist der Gastgeber aber die deutlich bessere Mannschaft. Luca Waldschmidt krönt seine starke Leistung mit dem Ausgleich, der BVB bringt offensiv eigentlich nur noch eine einzige Aktion zustande. Bei der Freiburgs Lukas Kübler einen Hakimi-Schuss ins eigene Tor ablenkt. Der SC Freiburg berennt anschließend das BVB-Tor so lange, bis der Ball in der 90. Minute im Dortmunder Tor liegt.

Statistik des Spiels: 0 zu 13. Das ist die bisherige Torbilanz des SC Freiburg unter Christian Streich in Heimspielen gegen Borussia Dortmund gewesen. Um so eine hübsche Statistik nicht zu gefährden, schossen die Freiburger Angreifer mit chirurgischer Präzision zunächst reihenweise knapp am Tor vorbei. Nur Waldschmidt hatte in der 55. Minute nicht aufgepasst und vermasselte mit seinem Treffer die Schwarze Weste. Und wenn eine Statistik einmal im Eimer ist, dann kann man ruhig ein zweites Tor nachlegen.

Spieler des Spiels: Man muss mal langsam über Marco Reus reden. Der Kapitän durchläuft derzeit vielleicht seine schwächste Karrierephase. Nach fast zehn Jahren auf Hochtouren, nach all den Verletzungen ist das auch mal erlaubt. Und dann muss der arme Kerl anschließend immer noch als erster zum Field-Interview. Diesmal ersparte ihm Sky immerhin Frager Ecki Heuser.

Patrick Seeger DPA

Seit Wochen stark: Luca Waldschmidt

Gewinner des Spiels: Es liegt in der Natur der Sportberichterstattung, sich nach solchen Spielen auf den vermeintlich kriselnden Topverein zu konzentrieren. Gerne wird dabei vernachlässigt, dass der SC Freiburg nach sieben Spieltagen punktgleich mit dem FC Bayern weit oben steht. Dass Freiburger Spieler wie Christian Günter und Waldschmidt seit Wochen in bestechender Form sind. Daher soll der Hinweis gestattet sein, dass wir dies alles dank des Kollegen Tobias Escher schon im Vorhinein gewürdigt haben. Klar: Man kann sagen, der BVB verschenkt erneut eine Führung. Aber man darf auch ruhig formulieren: Der SC Freiburg erkämpft und erspielt sich ein Remis.

Duell des Spiels: Stadionmikrofon gegen Fangesänge. Mit klarem Ausgang. Vor dem Anpfiff wurde SC-Präsident Fritz Keller verabschiedet, der jetzt dem DFB vorsteht. Die Dortmunder Anhänger antworteten auf die warmen Worte am Stadionmikro mit "Fußballmafia DFB" und sorgten sogar dafür, dass die Keller-Rede unterbrochen werden musste. Den anschließenden Spielausgang einer DFB-Verschwörung in die Schuhe zu schieben, dürfte schwer werden. Aber irgendwas findet sich sicher.

Erkenntnis des Spiels: Der BVB liefert auf dem Platz die Steilvorlage, damit medial auch in den nächsten Tagen wieder die Trainerfrage thematisiert werden kann. Die Geduld in Dortmund mit Trainern, die nicht Jürgen Klopp heißen, ist nicht besonders groß. Darum soll an dieser abschließenden Stelle daran erinnert werden, dass der BVB bis zur 90. Minute punktgleich mit dem FC Bayern an der Tabellenspitze gestanden hätte.

SC Freiburg - Borussia Dortmund 2:2 (0:1)
0:1 Witsel (20.)
1:1 Waldschmidt (55.)
1:2 Kübler (Eigentor, 67.)
2:2 Akanji (Eigentor, 90.)
Freiburg: Schwolow - Kübler, Koch, Heintz - Schmid, Abrashi, Höfler, Günter - Waldschmidt, Höler, Haberer
Dortmund: Bürki - Piszczek, Akanji, Hummels, Guerreiro - Witsel, Delaney - Hakimi, Reus, Hazard - Götze
Schiedsrichter: Jablonski
Zuschauer: 24.000

insgesamt 28 Beiträge
Nonvaio01 05.10.2019
1. die stehen immerhin vor dem BVB in der tabelle
wie arrogant ist das denn? Aber man könnte auch mal den Gegner loben. Die sind vor dem BVB in der tabelle, und das nicht aus versehen. Die spielen guten fussball.
wie arrogant ist das denn? Aber man könnte auch mal den Gegner loben. Die sind vor dem BVB in der tabelle, und das nicht aus versehen. Die spielen guten fussball.
retterdernation 05.10.2019
2. Der Killerinstinkt ...
also dieses einzigartige Gefühl einer Mannschaft oder eines Spielers - im richtigen Moment - nicht das falsche zu tun, tja - der fehlt halt der Borussia. Das werden sich auch die Bayern denken und erleichtert aufatmen. Nachdem [...]
also dieses einzigartige Gefühl einer Mannschaft oder eines Spielers - im richtigen Moment - nicht das falsche zu tun, tja - der fehlt halt der Borussia. Das werden sich auch die Bayern denken und erleichtert aufatmen. Nachdem auch der Spannungsbogen der Münchner heute ungenügend war. Was für die Freiburger nicht zutreffend war. Da wäre heute auch ein Sieg möglich gewesen. Waldschmidt zeigte heute - warum man in Dortmund den Großverdiener los werden will. Götze - bewegte sich wie in der vierten Liga. Schade für die Breisgauer - dass man ihnen Waldschmidt bald weglaufen wird. Wer die Dortmunder Geldbörse auf dem Platz haben will - scheint offen. Vielleicht bekommt Götze ja doch noch den Rentenvertrag. Demut ist die Basis - sagte Freiburgs Trainer Streich nach dem Spiel. Demütig könnte es auch für den BVB werden. Jetzt - wo Frankfuet und Wolfsburg morgen nur darauf warten - an den Gelben vorbei zuziehen. Vor der Länderspielpause droht Platz neun.
pharisaer 05.10.2019
3. Daumen hoch!
Für Freiburg! Ich würde Freiburg endlich mal mehr Erfolg gönnen. Mit viel Glück, hätte Freiburg, mit einem 3 zu 2, auf Platz 1 stehen können, nach dem der FCB gepatzt hat.
Für Freiburg! Ich würde Freiburg endlich mal mehr Erfolg gönnen. Mit viel Glück, hätte Freiburg, mit einem 3 zu 2, auf Platz 1 stehen können, nach dem der FCB gepatzt hat.
skeptikerjörg 05.10.2019
4. Trotzdem Frage an den Trainer
Ja, die Freiburger haben den Punkt nicht unverdient gewonnen - weil sie bis zur letzten Minute an sich geglaubt haben. Trotzdem sei die Frage erlaubt, was der Angsthasenwechsel Brandt gegen Schmelzer in der 87. Minute sollte. [...]
Ja, die Freiburger haben den Punkt nicht unverdient gewonnen - weil sie bis zur letzten Minute an sich geglaubt haben. Trotzdem sei die Frage erlaubt, was der Angsthasenwechsel Brandt gegen Schmelzer in der 87. Minute sollte. Weigl oder Dahoud hätte ich noch verstanden, aber ein AV? Das 2:1 über die Zeit bringen, was in dieser Saison noch nie geklappt hat, anstatt den Ball möglichst in der Freiburger Hälfte zu halten? Auf jeden Fall das Signal an Freiburg "Wir haben die Hosen voll". Und so, wie die Freiburger drauf waren, für die die Erkenntnis "Hier geht noch was". Ich stelle nicht den Trainer in Frage, aber die Frage an den Trainer sollte schon erlaubt sein.
GueMue 05.10.2019
5. Es ist toll fuer den Fussball
Dass freiburg mit guenstigervMannschaftvimmervwiedervzeigt, wieviele Faktoren noetig sind. Um gut zu sein. Eine ist Demut und die Distanz zur lächerlichen fussballverschlingenden Schreipresse. Der zweite ist die Kenntnis, den [...]
Dass freiburg mit guenstigervMannschaftvimmervwiedervzeigt, wieviele Faktoren noetig sind. Um gut zu sein. Eine ist Demut und die Distanz zur lächerlichen fussballverschlingenden Schreipresse. Der zweite ist die Kenntnis, den Leuten zu dienen, die dann auch kommen, wenn Freiburg mal absteigen sollte. Der SC ist ein Vorbild fuer Leistung in einer humanen gesellschaft.

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