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Sport

DFB-Niederlage gegen Slowakei

Nicht flüssig genug

Die Niederlage im Testspiel gegen die Slowakei hat den Bundestrainer nicht viel weitergebracht. Zu irregulär waren die Verhältnisse nach dem Unwetter. Sich auf 23 EM-Spieler festzulegen, bleibt knifflig.

Foto: Getty Images
Aus Augsburg berichten und
Montag, 30.05.2016   11:08 Uhr

Jonas Hector hat sich bei Joachim Löw durch seine nüchterne Art, Fußball zu betreiben, beliebt gemacht. So wie der Kölner Außenverteidiger auf dem Platz ist, so fallen auch seine Spielanalysen aus: "Ein normales Spiel war das nicht", fasste Hector die 1:3-Testspielniederlage gegen die Slowakei in Augsburg denkbar trocken zusammen.

Und das war auch das einzig Trockene an diesem Abend: Der unwetterartige Hagelschauer, der ab der Halbzeitpause über dem Stadion niederging, machte alle Pläne des Bundestrainers, einen geordneten Testbetrieb für die EM-Endrunde in Frankreich durchzuziehen, zunichte. Stattdessen regierte ab der 46. Minute nur noch der Zufall, und Löws Erkenntniswert, den er sich erhofft hatte, soff regelrecht ab.

"Der Regen hat den Spielfluss natürlich extrem gehemmt", sagte Löw und untertrieb damit noch gewaltig. Der Ball blieb bei jedem Flachpass in einer Pfütze liegen, die Pressefotografen immerhin hatten ihre Freude an den Bildern von Nationalspielern inmitten spritzender Wasserfontänen. Aber für die Debütanten Julian Weigl und Julian Brandt, die erst zu Beginn der zweiten Hälfte eingewechselt worden waren und zeigen wollten, was sie draufhaben, wurde das Spiel ein Muster ohne Wert.

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Länderspiel gegen Slowakei: Drei Regentore zu viel

So blieb für Erhellendes nur die erste Halbzeit übrig, und da hatte Löw durchaus einiges gesehen, das ihn weiterbrachte. Zum Beispiel die starke Anfangsphase in der Offensive, als Julian Draxler, Leroy Sané und Mario Gomez für ständige Gefahr sorgten und die DFB-Elf auch verdient 1:0 in Führung ging. Aber genauso die Fahrlässigkeiten in der Defensive, "als wir nicht gut organisiert waren und den Slowaken viele Räume gelassen haben". Räume, die die Gäste zu nutzen wussten und das Spiel kurz vor der Pause zum 2:1 drehten. Dazu kam der fast obligatorische Fehler von Schlussmann Marc-André ter Stegen in der Nationalmannshaft, dem der nasse Ball beim 3:1 kurz nach der Pause durch die Beine über die Linie rutschte.

"Unser Vertrauen in ihn wird durch eine solche Situation nicht beschädigt", suchte Löw nach ein paar tröstenden Worten für den Torwart des FC Barcelona, dem im DFB-Dress die Seuche am Finger klebt. Das schnelle Tor nach dem Wiederanpfiff sei "allerdings schon ein Schock für diese junge Mannschaft" gewesen, befand Löw und fügte milde hinzu: "Wir wissen ja, dass er so einen Ball normalerweise hält."

Aber nicht nur ter Stegen schaute nach dem Spiel wie ein begossener Pudel. In den Gegentorsituationen sahen sie alle nicht gut aus, Routiniers wie Sami Khedira ebenso wenig wie Youngster Joshua Kimmich, "wir sind schlecht angelaufen, haben im Zweikampf gepatzt, und die Standards müssen wir auch noch üben", hatte es Abwehrchef Jérome Boateng die Laune verhagelt.

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Einzelkritik Deutschland: Nass gemacht

Boateng führte das Team in der zweiten Hälfte nach Khediras Auswechslung als Kapitän auf den Platz, auf den Tribünen gab es Plakate, die ihn sich zum Nachbarn wünschten. Wenn die AfD mit ihrer Attacke auf Boateng tatsächlich Stimmung schüren wollte, dann hat sie das erreicht - aber anders, als sie es sich vorgestellt haben mag.

Ohne Manuel Neuer, ohne Thomas Müller, ohne Mesut Özil, Mats Hummels und Marco Reus war die DFB-Elf nach Augsburg angereist, und man merkte ihr an, dass die Leistungsträger fehlten. Da war viel guter Wille im Spiel, so manche schöne Kombination, aber auch viel Stückwerk. In der Defensive liefen viel zu viele Spieler den ballführenden Slowaken an und ließen anderswo Lücken, "links und rechts von Sami Khedira war zu viel offen", analysierte der Bundestrainer.

Löw hat jetzt die knifflige Aufgabe, bis Dienstag weitere Lücken aufzureißen. Er muss aus dem 27er-Kader ein 23er-Aufgebot machen. "Eigentlich hat es niemand von den Spielern verdient, nach Hause zu fahren", sagt er. Ein Quartett wird es dennoch treffen, Kimmich und Sané, die Jungen im Team, haben ihre Chancen gegen die Slowakei nicht verschlechtert, Weigl und Brandt konnten ihr Können nicht zeigen, Löw wird sich auf andere Erkenntnisse verlassen als auf den Eindruck aus diesem verregneten Abend.

"Ein Spiel allein macht keine Entscheidung", sagt der Bundestrainer. Das gilt für diese irreguläre Partie noch mehr als für andere.

insgesamt 52 Beiträge
espet3 30.05.2016
1.
Schülermannschaft verliert gegen Erwachsene.
Schülermannschaft verliert gegen Erwachsene.
pr8kerl 30.05.2016
2. schläfrig
Seitdem die DFB-Elf im neuen Schlafanzug spielt (sieht aus wie meiner...) ist das spiel schläfrig. Unterhaltsam war nur der Wolkenbruch. Wir hatten im Stadion viel Spaß.
Seitdem die DFB-Elf im neuen Schlafanzug spielt (sieht aus wie meiner...) ist das spiel schläfrig. Unterhaltsam war nur der Wolkenbruch. Wir hatten im Stadion viel Spaß.
batig 30.05.2016
3. Kader
Ich finde schon, dass man einige Erkenntnisse aus dem Spiel ziehen kann, wenn auch nicht so viele wie erhofft. Z.B. hat Gomez eine gute Figur gemacht, ebenso scheint Khedira seine Verletzung komplett überwunden zu haben. Das [...]
Ich finde schon, dass man einige Erkenntnisse aus dem Spiel ziehen kann, wenn auch nicht so viele wie erhofft. Z.B. hat Gomez eine gute Figur gemacht, ebenso scheint Khedira seine Verletzung komplett überwunden zu haben. Das Spiel mit nur einem Sechser funktioniert in dieser Version nicht, man offenbarte (auch in der ersten HZ) dann doch gewaltige Lücken. Ohne die Trainingseindrücke zu kennen würde ich folgende Spieler streichen bzw. dafür in Betracht ziehen: Brandt (seine Zeit scheint noch nicht gekommen) Schürrle oder Bellarabi (man benötigt nur einen von beiden, um frischen Wind und eine andere Spielweise "einzuwechseln") Podolski (Trotz seiner Verdienste... als Stammspieler kommt er ohnehin nicht in Frage, als Einwechselspieler fehlt ihm das besondere Element, dass er ins Spiel bringen könnte) Kimmich oder Weigl (es sei denn, Schweinsteiger wird nicht fit, dann sollten beide mit)
Mister Stone 30.05.2016
4. Polditis
Hauptsache, die rheinische Frohnatur ist "gesetzt". Gute Laune ist enorm wichtig. Und ohne den Karnevalsprinzen und seine lustigen Selfies (was haben wir gelacht) geht es schon mal gar nicht. Was hat der uns die letzten [...]
Hauptsache, die rheinische Frohnatur ist "gesetzt". Gute Laune ist enorm wichtig. Und ohne den Karnevalsprinzen und seine lustigen Selfies (was haben wir gelacht) geht es schon mal gar nicht. Was hat der uns die letzten Jahre immer wieder rausgerissen und nach vorne gebracht... Wenn wegen dieser Polditis ein Julian Weigel oder ein Sane gestrichen wird, dann bin ich mal gespannt, wie Jogi uns das erklärt. Nicht dass ich was von Fußball verstehen würde. Aber ich höre gerne Interviews und Pressekonferenzen...
Adlatus 30.05.2016
5.
Ist Ihnen schon aufgefallen, dass seit der WM mit Ausnahme der Quali zur EM viele Test- und Freundschaftsspiele verloren wurden? Und wer einen Hahn zuhause läßt und dafür Verletzte und Spieler außer Form mitnimmt, der [...]
Zitat von pr8kerlSeitdem die DFB-Elf im neuen Schlafanzug spielt (sieht aus wie meiner...) ist das spiel schläfrig. Unterhaltsam war nur der Wolkenbruch. Wir hatten im Stadion viel Spaß.
Ist Ihnen schon aufgefallen, dass seit der WM mit Ausnahme der Quali zur EM viele Test- und Freundschaftsspiele verloren wurden? Und wer einen Hahn zuhause läßt und dafür Verletzte und Spieler außer Form mitnimmt, der muss sich nicht wundern über solche Ergebnisse. Die Slowaken liefen rum und sahen aus wie alte Männer aber sie haben GEFIGHTET wie junge Männer, natürlich für unsere Nivea Bubis war das Wetter schuld. Früher sagte man Fritz Walter Wetter, und ab der 70 Minute hatte die Drainage ja auch für einigermaßen bespielbaren Boden gesorgt.

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Bastian Schweinsteiger 2004-2016 121
Philipp Lahm 2004-2014 113
Jürgen Klinsmann 1987-1998 108
Jürgen Kohler 1986-1998 105
Hans-Jürgen Dörner 1969-1985 105
Joachim Streich 1969-1984 105
Per Mertesacker 2004-2014 104
Franz Beckenbauer 1965-1977 103
Jürgen Croy 1967-1981 102
Thomas Häßler 1988-2000 101
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Quelle: DFB

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