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Slowakei-Nationalspieler Pekarik

Der richtige Riecher

Unauffällig, aber für die Slowakei extrem wichtig: Peter Pekarik von Hertha BSC will bei der EM die Sensation schaffen. Dafür muss er Deutschland aus dem Weg räumen.

DPA

Peter Pekarik

Aus Lille berichten und
Sonntag, 26.06.2016   15:19 Uhr

Die Nase ist gemeinhin nicht der Körperteil eines Fußballers, über den am meisten berichtet wird. Wenn, dann gern mit kleinen halbwegs gelungenen Wortspielchen, der Profi habe den richtigen Riecher gehabt, ein Näschen für die Situation, er habe seine Chance gewittert. In anderen Situationen wird Peter Pekarik darüber lachen können, aber aktuell ist dieses Thema nicht so lustig für den Nationalspieler der Slowakei.

Vor dem EM-Achtelfinale seines Landes gegen Deutschland (18 Uhr ZDF, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE) wäre Pekariks Nase beinahe daran schuld gewesen, dass der Verteidiger von Hertha BSC sein Spiel des Jahres verpasst hätte. Im abschließenden Gruppenspiel der Slowaken gegen England erwischte ihn Gegenspieler Ryan Bertrand mit dem Ellbogen im Gesicht, Pekarik wusste gleich, dass das Nasenbein gebrochen war. Er kennt das Gefühl.

Getty Images

Nasenbeinbruch gegen England

Im Vorjahr bei Hertha in der Bundesliga hat er sich die Verletzung schon einmal zugezogen, auch diesmal strömte überall Blut. Pekarik spielte trotzdem noch 70 Minuten weiter, er hatte Schmerzen, "aber ich wollte der Mannschaft helfen". Und der Trainer der Slowaken sagte anschließend, sein Team habe "bis aufs Blut gekämpft". Gegen Deutschland ist er fast wie selbstverständlich wieder mit von der Partie. Ob er mit einer Schutzmaske spielen wird, ist noch offen. Eher nicht, das Ding stört ihn, bei Hertha hat er es damals nach drei Minuten im Spiel wieder weggeworfen.

Die Erfahrung Magath hat ihn geprägt

Das ist alles ein bisschen typisch Pekarik, der sich in seinen sechs Jahren in der Bundesliga den Ruf erworben hat, die Zähne zusammenbeißen zu können, wenn es sein muss. Was auch kein Wunder ist, wenn man den Fußball in Deutschland durch Felix Magath kennengelernt hat. 2009 wechselte Pekarik vom slowakischen Premiumverein MSK Zilina zum VfL Wolfsburg.

Er wurde sofort Stammspieler und hatte seinen Anteil daran, dass Wolfsburg 2009 sensationell Deutscher Meister wurde. Pekarik brachte das ein, was er am besten kann, laufen, Einsatz zeigen, das Fachmagazin "11 Freunde" staunte damals: Der Slowake sei "mit der Kondition eines Iron-Man-Teilnehmers ausgestattet", ein Typ, "als wäre er nach Magaths Blaupausen im VW-Werk zusammengesetzt worden".

Nun gehörte es allerdings auch zu den Eigenheiten des Trainers Magath, Spieler nach Belieben auszusortieren, irgendwann traf es auch Pekarik, nach drei Jahren Wolfsburg und einer Kurzzeitleihe in die Türkei wechselte er in die Hauptstadt zur Hertha. 92 Ligaspiele später kann man sagen, dass sich dieser Schritt gelohnt hat.

Bei Hertha ist er Mister Zuverlässig

Bei den Berlinern ist Pekarik immer einer der Zuverlässigen im Kader, wenn er nicht gerade mal wieder verletzt war, hat er fast immer von Beginn an gespielt, er marschiert auch mit 29 Jahren als Rechtsverteidiger die Seitenlinie hoch und runter. Wenn Bundestrainer Joachim Löw einen wie Pekarik hätte, hätte er nicht zwei Jahre an dieser Position herumexperimentieren müssen. Dass der frühere Hertha-Coach Jos Luhukay Pekarik mal den "kleinen Philipp Lahm" genannt hat, ist ein Ritterschlag.

Mit Hertha spielt Pekarik in der kommenden Saison in der Europa League, aber die Europameisterschaft überstrahlt dies natürlich momentan. In er Slowakei herrsche "derzeit ein echtes EM-Fieber", hat er der "Berliner Morgenpost" erzählt, und dass man vor dem Weltmeister Deutschland keine Angst, höchstens Respekt habe. Der Satz, den alle Außenseiter sagen.

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EM 2016

Deutschland gegen die Slowakei - wer erreicht das Viertelfinale?

Erst im Mai haben Pekarik und die Slowaken Deutschland 3:1 im Testspiel besiegt, sie haben in dem Spiel durchaus beeindruckt, sich vom 0:1-Rückstand nicht beirren lassen und das Spiel noch vor der Pause in einen Vorsprung gedreht. Danach kam der große Regen, und alle sagen deswegen, dieses Spiel habe keinen großen Wert gehabt. Allein, weil es unter irregulären Bedingungen stattgefunden habe.

Pekarik sieht das anders, die Partie sei "wichtig fürs Selbstbewusstsein" gewesen, ein Selbstbewusstsein, mit dem er auch am Abend in Lille auf den Platz gehen wird. Es sei ihm egal, dass Deutschland der klare Favorit sei: "Wir wollen jetzt die nächste große Sensation schaffen." Peter Pekarik hat einen Riecher für so etwas.

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1988 Niederlande
1984 Frankreich
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1976 Tschechoslowakei
1972 BR Deutschland
1968 Italien
1964 Spanien
1960 Sowjetunion

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