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Sport

Werder gegen Atlas Delmenhorst

Klassentreffen an der Weser

Delmenhorst liegt eine Viertelstunde mit der Regionalbahn von Bremen entfernt. Im DFB-Pokal trafen die Klubs der beiden Städte aufeinander - und Werder war Gast im eigenen Stadion.

David Hecker/EPA-EFE/REX

Delmenhorst und Bremen liegen rund 20 Autominuten voneinander entfernt

Von
Samstag, 10.08.2019   23:16 Uhr

Die Szene des Spiels: Eine halbe Stunde ließ sich Oberligist Atlas Delmenhorst im selbsternannten "Jahrhundertspiel" gegen Werder Bremen schwindelig spielen. Dann kam das: Delmenhorsts Oliver Rauh spielte einen Pass in Richtung des gestarteten Marco Prießner. Werders Christian Groß lenkte den Ball zur Seite, wo der nachgerückte Tom Schmidt den Ball direkt nahm und Torhüter Jiri Pavlenka in der kurzen Ecke überraschte. Ein Tor gegen den riesigen Nachbarn - sogar Torhüter Florian Urbainski kam für das zwischenzeitliche 2:1 zum Jubeln an die gegnerische Eckfahne.

Nachbar? Im Fußball wird oft von Derbys gesprochen, wie beispielsweise dem Nordderby zwischen Hamburg und Bremen. Dabei liegen zwischen beiden Städten rund hundert Kilometer. Das Duell Atlas gegen Werder trifft es da schon eher. Wer von Delmenhorst nach Bremen möchte, nimmt am besten die Regionalbahn, mit der ist man in nicht einmal 15 Minuten da. Oder man fährt die knapp 17 Kilometer zwischen dem Stadion Delmenhorst und dem Bremer Weserstadion direkt mit dem Fahrrad.

Stuart Franklin/Getty Images

Delmenhorster Jubel nach dem zwischenzeitlichen Anschlusstreffer

Das Ergebnis: Werder wackelte zu keinem Zeitpunkt. Auch beim Gegentreffer zum zwischenzeitlichen 2:1 blieben die Bremer cool. Am Ende war es standesgemäß für den Bundesligisten. 6:1 (4:1) gewannen die Bremer. Hier geht es zum Spielbericht.

Rekordkulisse: Allein 12.000 Atlas-Fans sollen sich im Vorfeld Tickets gesichert haben. Insgesamt 41.500 Zuschauer verfolgten das Spiel im Weserstadion - Rekord für eine Erstrundenpartie des DFB-Pokal mit Beteiligung einer Amateur-Mannschaft.

Klassentreffen: Musa Karli, Nick Köster, Leon Lingerski, Karlis Plendiskis, Prießner, Florian Stütz und Urbainski. Sie haben zumindest einen Teil ihrer Jugend bei Werder verbracht. Weil ihnen der Durchbruch zu den Profis verwehrt blieb, suchten sie in der Region ihr fußballerisches Glück. Und das führte sie bis in die Startelf der ersten Pokalrunde. Mit Atlas Delmenhorst, im Weserstadion, gegen Werder Bremen. Und gegen Werder-Trainer Florian Kohfeldt, der in Delmenhorst aufgewachsen ist.

Ein Heimspiel im fremden Stadion: Diese Phrase wird beispielsweise bei Spielen genutzt, in denen Auswärtsfans über weite Strecken des Spiels mehr Stimmung machen als die Heimfans. Für Atlas Delmenhorst war diese Phrase in der ersten DFB-Pokalrunde aber keine. Weil das eigene Stadion für ein solches Spiel zu klein ist, haben die Verantwortlichen in Delmenhorst kurzerhand in Bremen nachgefragt. Atlas-Vorsitzender Manfred Engelbart sei nach der Auslosung in die Bremer Geschäftsstelle gegangen, sagte er in der Halbzeit bei Sky, und habe gesagt: "Ich habe keine Ahnung, ich habe keine Leute, ich habe kein Geld. Die bei Werder meinten dann, gemeinsam schaffen wir das." Nähe, die verbindet. Um Werder zum Gast im eigenen Stadion zum Gast zu machen, musste sogar eine Ausnahmegenehmigung des DFB her.

Aufpassen, was man sich wünscht: Ebenfalls in der Halbzeit wünschte sich Engelbart einen Einsatz von Claudio Pizarro. Es sei das Größte für die Jungs, gegen den 40-Jährigen zu spielen. Werder-Trainer Florian Kohfeldt brachte dann auch Pizarro, der sich direkt mit zwei Toren bedankte. Er ist der älteste Spieler in der Pokalgeschichte, der einen Doppelpack erzielt hat.

Kurze, lange Geschichte: Atlas Delmenhorst ist ein Nachfolgeverein des SV Atlas, der es 1981 einmal bis ins Pokalachtelfinale geschafft hatte. Weil sich der Hauptsponsor und Namensgeber des Klubs aber Ende der Neunziger zurückzog, wurde der Verein 2002 aus dem Vereinsregister gestrichen. Erst 2012 wurde der SV Atlas Delmenhorst neugegründet und arbeitete sich innerhalb von nur sieben Jahren aus der ersten Kreisklasse bis in die Oberliga hoch und bis ins Weserstadion.

Anmerkung: Ursprünglich stand im Text, Sebastian Langkamp habe den Ball vor Delmenhorsts Treffer zur Seite gelenkt. Der fehlte allerdings verletzt. Gemeint war Christian Groß.

insgesamt 4 Beiträge
kommunikator62 11.08.2019
1. Ein wahres Freundschaftsspiel
Ich war im Stadion, und die Stimmung war grandios. Die meisten Zuschauer jubelten bei allen 7 Toren und die Mannschaften machten die Ehrenrunde gemeinsam! Atlas-Präsident Engelbart hielt eine Weltklasse-Rede, mit der er das [...]
Ich war im Stadion, und die Stimmung war grandios. Die meisten Zuschauer jubelten bei allen 7 Toren und die Mannschaften machten die Ehrenrunde gemeinsam! Atlas-Präsident Engelbart hielt eine Weltklasse-Rede, mit der er das gesamte Stadion begeisterte. Fußball vom Feinsten!
sebparker 11.08.2019
2. Langkamp
Der angeblich an der Szene des Spiels beteiligte Sebastian Langkamp ist leider längerfristig verletzt. Tatsächlich war wohl sein Ersatzmann Christian Groß gemeint, der den langen Ball vom Flügel etwas unglücklich zum [...]
Der angeblich an der Szene des Spiels beteiligte Sebastian Langkamp ist leider längerfristig verletzt. Tatsächlich war wohl sein Ersatzmann Christian Groß gemeint, der den langen Ball vom Flügel etwas unglücklich zum Torschützen ablenkte.
spon1899 11.08.2019
3.
Wunderbarer Abend! Werder locker weiter, Atlas schießt ein Tor, viele Atlas-Jungs früher bei Werder, Kohfeldt in Delmenhorst geboren und der DFB hat auch geblickt, dass das Stadion der richtige Ort war und Atlas bringt als [...]
Wunderbarer Abend! Werder locker weiter, Atlas schießt ein Tor, viele Atlas-Jungs früher bei Werder, Kohfeldt in Delmenhorst geboren und der DFB hat auch geblickt, dass das Stadion der richtige Ort war und Atlas bringt als Fünftligist 10.000 Mann mit. Ich denke die Amateure vergessen diesen 10. August nie. Hat Spaß gemacht.
Oetzmann 11.08.2019
4. Super Fußballabend
Das war schon ein besonderer Fußballabend im Weserstadion. Wir saßen in der Nähe der Atlas-Tribüne und die Heimfans haben ordentlich Stimmung gemacht. Dass das Stadion mit 41.500 Kehlen die Namen der Spieler mitgröhlt war [...]
Das war schon ein besonderer Fußballabend im Weserstadion. Wir saßen in der Nähe der Atlas-Tribüne und die Heimfans haben ordentlich Stimmung gemacht. Dass das Stadion mit 41.500 Kehlen die Namen der Spieler mitgröhlt war schon eine coole Sache für die Delmenhorster Spieler - davon werden die noch ihren Enkeln erzählen :) Dass Werder verdient und hoch gewonnen hat, hat den Fußballabend abgerundet. Sicher auch für die Atlas-Fans, die größtenteils auch regelmäßig in grün-weiß auf der Tribüne sitzen dürften...

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