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Sport

DFB-Remis gegen Serbien

Kann dauern

Der ausgerufene Neuanfang der Nationalmannschaft begann mit einem mäßigen Remis gegen Serbien. Ein neues Team zu bauen, braucht Zeit - ob Joachim Löw sie bekommt, ist offen.

DPA

Joshua Kimmich (v.)

Aus Wolfsburg berichten und
Donnerstag, 21.03.2019   12:34 Uhr

Der Trainer war sehr zufrieden. Seine "junge Mannschaft hat viel Potenzial bewiesen, sie hat Qualität gezeigt", das Spiel sei "ein Wegweiser in die Zukunft" gewesen.

Das hätten im Idealfall Sätze von Bundestrainer Joachim Löw am Ende dieses Abends sein können, sie kamen aber vom Gegner. Es war Serbiens Coach Mladen Krstajic, der das 1:1 seines Teams gegen die DFB-Auswahl anschließend so bewertete.

Ein Wegweiser in die Zukunft, das hatte diese Partie auch für die deutsche Auswahl werden sollen. Aber wenn es eine Lehre aus diesem Spiel in der Wolfsburger Arena für das DFB-Team gab, dann die: Der Neuaufbau einer Mannschaft, er wird dauern.

Reus und Sané bewiesen ihren Wert

Gute Ansätze, sie waren sichtbar und spürbar in dieser ersten Partie in der Nach-Hummels-Müller-Boateng-Zeit. In der zweiten Halbzeit wurde teilweise ansehnlicher Offensivfußball geboten. Der eingewechselte Marco Reus bewies nachhaltig, welche Bedeutung er für diese Mannschaft hat. Leroy Sané bereichert die Mittel dieses Teams um den Faktor Tempodribbling, Leon Goretzka bewies nicht nur bei seinem abgezockten Ausgleichstreffer, dass sich Mittelfeldspiel und Torgefahr nicht ausschließen. Es war bereits sein siebtes Tor für den DFB im 20. Länderspiel.

Löw hatte denn auch ein "deutliches Signal" seines Teams vernommen, die zweite Halbzeit "kommt dem schon recht nah, was ich will". Und Manager Oliver Bierhoff sekundierte: "Wichtig ist es, dass die junge Mannschaft in der zweiten Halbzeit eine Reaktion gezeigt hat."

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Deutschland gegen Serbien: Viele Chancen, nur ein Tor

Allerdings hat jedes Spiel auch eine erste Halbzeit, und die offenbarte relativ ungeschminkt die Schwächen dieser Mannschaft. Die Serben stießen bei ihren wenigen Angriffen immer wieder fast mühelos durch die deutsche Defensive. Dass es zur Pause nur 0:1 stand, war der Abschlussschwäche der Gäste geschuldet. Es hätte auch 0:3 stehen können, und niemand hätte sich ernsthaft beschwert.

In der zweiten Hälfte komplett ohne Weltmeister

Das ist nun einmal das Fatum eines Umbruchs, dass eine neue Mannschaft nicht so eingespielt ist wie eine alte. Torwart Manuel Neuer war diesmal der einzig verbliebene Weltmeister auf dem Feld, und auch dies nur 45 Minuten lang, nach der Pause spielte für ihn Marc-André ter Stegen. Die übrigen 2014er Toni Kroos und Matthias Ginter schauten sich das Spiel von der Bank an und sahen wie Löw, dass "die Automatismen noch nicht da sind". Wo sollen sie auch herkommen nach zwei Tagen Beisammensein? Von denen der Bundestrainer zudem einen Tag auch noch beim Zahnarzt verbrachte.

"Das war zu wenig von uns", formulierte Reus nach dem Spiel dennoch seine Kritik, man habe "den Anspruch, so ein Heimspiel zu gewinnen". Das ehrt den Dortmunder, aber eigentlich dürfte es nicht um Resultate gehen, sondern darum, den Prozess eines Neuanfangs zu gestalten - um den Preis, auch mal Spiele nicht zu gewinnen.

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Nach 1:1 gegen Serbien: Die DFB-Elf in der Einzelkritik

Gleichzeitig braucht Löw Ergebnisse, um den Druck von sich und der Mannschaft zu nehmen - und die Erwartungshaltung des Publikums zu bedienen. Wenn es nicht läuft, pfeifen die Zuschauer, so wie zur Halbzeitpause in Wolfsburg. "Die Leute haben hohe Erwartungen und glauben, dass es sofort wieder aufwärts geht. Aber wir brauchen Geduld", sagt Verteidiger Jonathan Tah. Es ist eine Art Teufelskreis. Catch 22.

Oranje ist der Favorit am Sonntag

"Die Erfahrung von Rückschlägen müssen die Spieler machen", sagt Löw. Man ist versucht, hinzuzufügen: machen dürfen. Ob der Trainer sich noch weitere Rückschläge erlauben kann, ließ Löw offen. Es ist einer der abgegriffensten Fußballersprüche, dass man nur von Spiel zu Spiel denke. Beim Bundestrainer trifft das derzeit allerdings zu: Jede neue Niederlage würde das Fass, ob er noch der Beste für diesen Job ist, wieder aufmachen.

Am Sonntag (20.45 Uhr/TV: RTL, Liveticker: SPIEGEL ONLINE) warten die Niederlande als Gegner in Amsterdam. Es ist das erste und sofort auch das schwerste Spiel der EM-Qualifikation. Der nächste Prüfstein. Oranje hat nach dem 3:0-Erfolg im Oktober in der Nations League die Favoritenrolle auf seiner Seite, das Team von Bondscoach Ronald Koeman hat ein Hoch. Es wäre also überhaupt nicht verwunderlich, wenn das DFB-Team dieses Spiel verliert. Leicht vermittelbar wäre es der Öffentlichkeit dennoch nicht.

Marco Reus sagt: "Unser Anspruch ist schon groß. Wir wissen einerseits, dass wir Zeit brauchen. Andererseits haben wir nicht viel davon." Besser kann man das Dilemma nicht in Worte fassen.

insgesamt 91 Beiträge
lucky.sailor 21.03.2019
1. BRAUCHBAR reicht halt nicht!
Mit einem nur BRAUCHBAREN Team und Spielplan reicht es eben nicht mal gegen Serbien zum Sieg. Spätestens gegen Holland wird sich zeigen, dass die Nationalmannschaft mit Löw nicht erstklassig ist.
Mit einem nur BRAUCHBAREN Team und Spielplan reicht es eben nicht mal gegen Serbien zum Sieg. Spätestens gegen Holland wird sich zeigen, dass die Nationalmannschaft mit Löw nicht erstklassig ist.
Der_schmale_Grat 21.03.2019
2. Pfiffe in Wolfsburg
Tja, da hatte der DFB gedacht, gönnen wir doch mal dem Provinzverein ein "tolles" Spiel gegen einen drittklassigen Gegner. Weit gefehlt, dieses Saison wird wieder gut serviert vom VfL und so mancher wird sich geärgert [...]
Tja, da hatte der DFB gedacht, gönnen wir doch mal dem Provinzverein ein "tolles" Spiel gegen einen drittklassigen Gegner. Weit gefehlt, dieses Saison wird wieder gut serviert vom VfL und so mancher wird sich geärgert haben, diesen Rohrkrepierern (allen voran der Trainer) zugesehen zu haben. Mein TV blieb jedenfalls gestern völlig aus. Mir tun Reus und Sané echt leid, mit diesem zweit-bis drittklassigem Team auflaufen zu "müssen." Freue mich schon auf die Niederlage...äh Niederlande.
spon-facebook-10000015195 21.03.2019
3. Seine Zeit ist vorbei...
Löw hat den richtigen Ansatz gefunden mit der kompletten Neuaufstellung. Ein letzter Weltmeister ist jedoch noch immer dabei - er selbst als Teamchef. Sollte Deutschland gegen die Niederlande verlieren, werden auch die letzten [...]
Löw hat den richtigen Ansatz gefunden mit der kompletten Neuaufstellung. Ein letzter Weltmeister ist jedoch noch immer dabei - er selbst als Teamchef. Sollte Deutschland gegen die Niederlande verlieren, werden auch die letzten Gönner von Löw ihm den Rücken kehren. Dann ist seine Zeit vorbei. Er hat viel und gutes geleistet, aber es wird Zeit auch den letzten Weltmeister auszutauschen und dem Team komplett frischen Wind von der Trainerbank zu geben. Er hätte längst in Würde abdanken sollen. Jetzt wird er wohl einfach gefeuert. Schade.
isi-dor 21.03.2019
4.
Ich sehe es etwas anderes. Potentiale kann man im Fußball nicht messen, sondern allenfalls vermuten. Aber was ich gestern gesehen habe, ließ mich erschaudern. Die Abwehr, insbesondere die Innenverteidigung, befand sich in einem [...]
Ich sehe es etwas anderes. Potentiale kann man im Fußball nicht messen, sondern allenfalls vermuten. Aber was ich gestern gesehen habe, ließ mich erschaudern. Die Abwehr, insbesondere die Innenverteidigung, befand sich in einem desolaten Zustand, das kann man nicht mehr mit fehlenden Automatismen rechtfertigen. Es ist undenkbar, dass das serbische Tor mit Hummels gefallen wäre. Das muss man ganz klar konstatieren. Und im Angriff wurden reihenweise klare Torchancen versiebt und zwar nicht wegen fehlender Automatismen, sondern wegen schwacher Aktion und fehlenden Fähigkeiten, vielleicht Goretzka mal ausgenommen. Reus hat erneut frei vor dem Tor klarste Chancen kläglich vergeben. Timo Werner nicht viel besser. Außerdem war selbst für die schache serbische Abwehr jede Angriffsaktion leicht berechenbar. Mit einem Thomas Müller in guter Form wäre der Angriff viel unberechenbarer und damit gefährlicher. Das Heil ist Dribblings gegen den Gegner zu versuchen, ist heute längst kein Mittel mehr. Gute Abwehrspieler, wie sie z. B. die Holländer haben, lachen darüber. Man muss auch mal selbst zu sich ehrlich sein. Wenn ein fitter Hummels und ein Müller in guter Form auf dem Platz stehen, dann läuft das Spiel erfolgreicher, das kann jeder erkennen, der Ahnung von Fußballtaktik hat.
KaiDannies 21.03.2019
5. Torwart....
Neuer hat ein Gegentor bekommen ... ter Stegen nicht. Mal schauen, wie lange Herr Löw noch denkt, dass Neuer die Nummer eins ist. Ob es auch noch nach seinem (Neuer's) Karriereende ist? So sieht es für mich zumindest aus...
Neuer hat ein Gegentor bekommen ... ter Stegen nicht. Mal schauen, wie lange Herr Löw noch denkt, dass Neuer die Nummer eins ist. Ob es auch noch nach seinem (Neuer's) Karriereende ist? So sieht es für mich zumindest aus...

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Miroslav Klose 2001-2014 137
Lukas Podolski 2004-2016 129
Bastian Schweinsteiger 2004-2016 121
Philipp Lahm 2004-2014 113
Jürgen Klinsmann 1987-1998 108
Jürgen Kohler 1986-1998 105
Hans-Jürgen Dörner 1969-1985 105
Joachim Streich 1969-1984 105
Per Mertesacker 2004-2014 104
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Quelle: DFB

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