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Sport

Angeklagter Ex-DFB-Chef zur WM-Affäre

Zwanziger will Schweizer Ermittler anzeigen

Theo Zwanziger wehrt sich gegen Betrugsermittlungen. Der Ex-DFB-Präsident findet die Vorwürfe gegen ihn wegen der WM-Vergabe 2006 "empörend" - und will nun selbst strafrechtlich gegen die Ermittler vorgehen.

Boris Roessler/DPA

Der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger attackiert die Ermittlungsbehörden scharf

Dienstag, 13.08.2019   16:38 Uhr

Der von der Schweizer Bundesanwaltschaft angeklagte Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger hat die Ermittler und Fifa-Chef Gianni Infantino scharf angegriffen. "Die Strafverfolgungsbehörden haben versagt. Sowohl die deutschen als auch die in der Schweiz", sagte Zwanziger bei einem Pressegespräch in Diez. "Es ist ein Skandal."

In der Vorwoche hatte die Schweizer Bundesanwaltschaft gegen Zwanziger, die ehemaligen DFB-Funktionäre Horst R. Schmidt und Wolfgang Niersbach sowie den früheren Fifa-Generalsekretär Urs Linsi Anklage wegen Betruges erhoben. Zwanziger bestreitet die Vorwürfe: "Ich bin fest davon überzeugt, dass die Vorwürfe der Steuerhinterziehung und des Betruges absolut falsch sind und es nicht zu einer Bestrafung kommen wird", sagte der 74-Jährige. "Das Ganze steht auf rechtsstaatlich absolut wackligen Füßen."

Vorwurf der arglistigen Täuschung

Dem Quartett wird vorgeworfen, den Präsidialausschuss des WM-Organisationskomitees 2006 über den eigentlichen Zweck einer Zahlung in Höhe von 6,7 Millionen Euro im April 2005 vom Deutschen Fußball-Bund an den Weltverband Fifa arglistig getäuscht zu haben. Ebenfalls im Visier der Ermittler: der damalige OK-Chef Franz Beckenbauer, dessen Verfahren zuvor aus gesundheitlichen Gründen abgetrennt worden war.

"Ich wehre mich sehr energisch gegen den Vorwurf einer Täuschung. Ich habe niemanden getäuscht oder betrogen", sagte Zwanziger. Für ihn sei die Anklage nicht nachvollziehbar. Seiner Ansicht nach könne man die Rückzahlung des Geldes, das sich Beckenbauer 2002 vom Geschäftsmann Robert Louis-Dreyfus geliehen hatte und das später auf dem Konto des ehemaligen katarischen Fifa-Vizepräsidenten Mohammed Bin Hammam gelandet war, rechtlich nicht bewerten, solange der Verwendungszweck nicht geklärt sei.

Zwanziger greift auch Infantino an

Die Ermittler stellten lediglich Spekulationen an. "Darauf kann man keine Anklage stützen", sagte Zwanziger. Er werde deshalb eine Strafanzeige wegen "bewusst falscher Interpretation von Beweismitteln" gegen den Leitenden Ermittler der Schweizer Bundesanwaltschaft und dessen Assistentin stellen.

Auch Fifa-Präsident Infantino wurde von Zwanziger attackiert: Der Weltverband habe nichts zur Aufklärung des Verwendungszweckes der Millionenzahlung beigetragen. "Infantino schweigt und die Staatsanwaltschaft kungelt mit ihm", sagte Zwanziger. "Das ist Kumpanei auf höchster Ebene und wird auf dem Rücken von Schmidt, Niersbach und mir ausgetragen. Der Vorwurf, wir hätten betrogen, ist beschämend."

SPIEGEL TV: Theo Zwanziger über die schwarze Kasse (25.10.2015)

Foto: SPIEGEL TV

mfu/dpa

insgesamt 18 Beiträge
theinvisibleone 13.08.2019
1. Ich sags gern immer wieder,
dem DFB und seinen ehemaligen Funktionären täte es sicher gut in solchen Situationen medial mal etwas zurückhaltender zu agieren. Oder will mir ernsthaft jemand erklären dass der weltweit größte Sportverband jahrelang nichts [...]
dem DFB und seinen ehemaligen Funktionären täte es sicher gut in solchen Situationen medial mal etwas zurückhaltender zu agieren. Oder will mir ernsthaft jemand erklären dass der weltweit größte Sportverband jahrelang nichts von den nebulösen Aktivitäten u.a. eines Herrn Blatter mitbekommen hat?
#besserwisser 13.08.2019
2. ... steht auf rechtsstaatlich absolut wackligen Füßen ...
Ist das so?! Wenn er auf wackeligen Füßen steht, dann muss der Vorwurf ja nicht zwangsläufig falsch sein?! Die Erfahrungen der Öffentlichkeit mit den Gremien der Olympischen Spiele, des Weltfussball Verbandes, des [...]
Ist das so?! Wenn er auf wackeligen Füßen steht, dann muss der Vorwurf ja nicht zwangsläufig falsch sein?! Die Erfahrungen der Öffentlichkeit mit den Gremien der Olympischen Spiele, des Weltfussball Verbandes, des europäischen Fussball Verbandes und nicht zuletzt des deutschen, lassen doch schon Zweifel zu, ob bei der Vergabe der WM 2006 alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Und wenn Sie sich Ihrer Sache so sicher sind, dann müssen Sie auch nicht drohen? Dann wird das gerichtlich so bestätigt werden!? Vielleicht sollten Sie einfach mal auf der Straße das "Fussvolk" fragen, wie weit deren Glaube an die Integrität der Sportfunktionäre reicht - und warum?! Selbstkritik ist nicht jedermanns Sache ...
mirage122 13.08.2019
3. Die Fußball-Mafia
Natürlich ist alles an den Haaren herbei gezogen, und der arme Herr Beckenbauer ist so schrecklich erkrankt, dass man ihn vor Gericht nicht vernehmen kann. Dann kommen wieder die gewieften Rechtsanwälte und erfüllen für [...]
Natürlich ist alles an den Haaren herbei gezogen, und der arme Herr Beckenbauer ist so schrecklich erkrankt, dass man ihn vor Gericht nicht vernehmen kann. Dann kommen wieder die gewieften Rechtsanwälte und erfüllen für horrende Rechnungen die Wünsche ihrer zahlungskräftigen Mandanten; denn die haben sich ja im Laufe ihres Lebens immer wieder gern auf dubiose Weise bereichert - und nichts ist passiert. Warum soll das jetzt anders sein? Auf dem Nebenschauplätzen des Sports sind schon immer Dinge abgelaufen, die mir Fairness und Anstand nicht das Geringste zu tun haben.
qoderrat 13.08.2019
4.
Sie ordnen die Sachlage ja komplett falsch ein. Hier handelt es sich offensichtlich um Majestätsbeleidigung durch die ermittelnden Behörden, schliesslich ist an diesem Vorgang ja auch ein Kaiser beteiligt. Da müssen sich [...]
Zitat von theinvisibleonedem DFB und seinen ehemaligen Funktionären täte es sicher gut in solchen Situationen medial mal etwas zurückhaltender zu agieren. Oder will mir ernsthaft jemand erklären dass der weltweit größte Sportverband jahrelang nichts von den nebulösen Aktivitäten u.a. eines Herrn Blatter mitbekommen hat?
Sie ordnen die Sachlage ja komplett falsch ein. Hier handelt es sich offensichtlich um Majestätsbeleidigung durch die ermittelnden Behörden, schliesslich ist an diesem Vorgang ja auch ein Kaiser beteiligt. Da müssen sich die Herren schon wehren.
loismayer3 13.08.2019
5.
Wie wäre es zur Abwechslung, einfach mal die Wahrheit zu sagen? Wenn Herr Beckenbauer das Geld für den Mann aus Katar gebraucht hat, war es Bestechung und warum sollte man die Herrschaften, welche davon gewusst haben, [...]
Wie wäre es zur Abwechslung, einfach mal die Wahrheit zu sagen? Wenn Herr Beckenbauer das Geld für den Mann aus Katar gebraucht hat, war es Bestechung und warum sollte man die Herrschaften, welche davon gewusst haben, ungeschoren davon kommen lassen?

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