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Sport

Frankfurter Remis gegen Chelsea

Schön und schmerzhaft

Die Eintracht feierte mit ihren Fans den nächsten Höhepunkt in der Europa League - bis Chelsea ernst machte. Die Choreografie der Frankfurter Anhänger beeindruckte, hatte aber Schönheitsfehler.

Uwe Anspach DPA

Sebastian Rode

Von
Freitag, 03.05.2019   00:02 Uhr

"Frankfurt is Europe": Wer aktuell seine Hingabe für den Fußball entdeckt und seine Fanliebe noch keinem Verein geschenkt hat, müsste Anhänger von Eintracht Frankfurt werden. Das Team von Trainer Adi Hütter spielt in der Europa League furchtlosen Angriffsfußball und die Eintracht-Fans machen jedes Spiel zu einem Erlebnis. Das hat sich herumgesprochen, sogar die Europäische Kommission würdigte die Frankfurter Saison schon vor einigen Tagen mit einem Video.

Das Ergebnis: Der FC Chelsea wurde der Favoritenrolle in Frankfurt gerecht, nur das Ergebnis stimmte nicht ganz: Die Eintracht erkämpfte sich ein 1:1 (1:1), hier geht es zum Spielbericht.

REUTERS

Choreografie der Eintracht-Fans

Choreografie mit Schönheitsfehlern: Zu den Frankfurter Auftritten in der Europa League gehören seit Monaten Fan-Choreografien, die von Runde zu Runde beeindruckender wurden. Gegen Chelsea war das Stadion zunächst in Schwarz und Weiß getaucht, ehe im Fanblock die angeblich größte selbst gemalte Blockfahne der Eintracht-Geschichte heruntergelassen wurde. Wer genauer hinschaute, entdeckte aber auch folgende Passagen: "Eintracht Frankfurt Hooligans", "Besser renn, Gästefan" oder "Ehre der Gruppe Stadionverbot".

AP

Blockfahne der Eintracht-Fans

Erste Hälfte: Die Frankfurter brauchten einige Minuten, ehe sie die Vorgaben ihres Trainers umsetzen konnten. Doch dann stand der Bundesligist im 3-5-1-1 zentral sehr massiv, erkämpfte sich mit aggressiver Zweikampfführung viele Bälle und nutzte gleich die erste Großchance zur Führung: Nach einer Flanke von Filip Kostic köpfte Torjäger Luka Jovic aus zwölf Metern Entfernung ein (23. Minute). Doch es sollte für lange Zeit der letzte Torschuss bleiben, weil Chelsea den Ball besser laufen ließ und sich gute Torchancen erarbeitete. Pedro war es dann, der kurz vor der Pause nach einer Serie von Ecken für die Blues mit einem platzierten Schuss ins rechte Eck traf (45.).

Ein Freund als Experte: TV-Reporter sollten neutral sein, sind es häufig aber nicht. Experten müssen nicht neutral sein und so ließ sich RTL-Experte Steffen Freund, der das Spiel zusammen mit Marco Hagemann kommentierte, noch vor Anpfiff vom Eintracht-Virus infizieren. Höhepunkt seiner Frankfurt-Sympathie: Schon bevor Jovics Kopfball zum 1:0 die Linie überschritten hatte, schrie Freund ein langgezogenes "Jaaaaa" ins Mikrofon. Man muss dazu sagen, dass Freund ansonsten zu den kompetenten Experten gehört und viele kluge Sachen sagt.

Jenseits von Eden: Chelsea kam auch besser ins Spiel, weil bei der Eintracht zwei Spieler fehlten, die nicht zu ersetzen sind. Torjäger Sébastian Haller musste verletzt zuschauen und der kroatische Vize-Weltmeister Ante Rebic hatte sich im Viertelfinale gegen Benfica eine Gelbsperre eingehandelt. Im Gegensatz dazu setzte Chelsea-Trainer Maurizio Sarri seinen Superstar Eden Hazard freiwillig auf die Bank - so lässt sich der qualitative Unterschied der beiden Kader am besten aufzeigen. Die Blues waren auch ohne den Belgier ab der 30. Minute die klar bessere Mannschaft.

Zweite Hälfte: Hazard wurde von Sarri in der 61. Minute eingewechselt, die Dominanz der Gäste war aber auch schon vorher erdrückend. Frankfurt lief fast nur noch hinterher und musste viel mehr investieren, als es den Spielern lieb war. Chelsea erarbeitete sich einige Großchancen, aber die Latte bei einem Freistoß von David Luiz (60.), Eintracht-Torhüter Kevin Trapp oder die eigene Unzulänglichkeit verhinderten den Auswärtssieg der Londoner.

Foto: Uwe Anspach/dpa

Und nun? Die Schlussphase mit einer guten Kopfballchance für David Abraham (85.) und einem geblockten Schuss des eingewechselten Goncalo Paciencia (86.) könnte der Eintracht durchaus Hoffnung für das Rückspiel am kommenden Donnerstag (21 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: RTL) machen. Chelseas Abwehr ist zu überwinden. Letztlich überwiegt aber das Gefühl, dass die Frankfurter nach Erfolgen gegen Inter Mailand und Benfica nun an ihre Grenzen stoßen. Das Finale in Baku am 29. Mai könnte zum Londoner Duell werden, denn Chelseas Stadtrivale FC Arsenal gewann sein Heimspiel gegen Valencia 3:1. Das Fazit der Eintracht dürfte nach dem wahrscheinlichen Ausscheiden kommende Woche im hessischen Slang trotzdem so lauten: Gude Saison.

Eintracht Frankfurt - FC Chelsea 1:1 (1:0)
1:0 Jovic (23.)
1:1 Pedro (45.)
Eintracht: Trapp - Abraham, Hinteregger, Falette - da Costa, Rode, Hasebe, Fernandes (73. Paciencia), Kostic - Gacinovic (90.+2 Willems) - Jovic.
Chelsea: Kepa - Azpilicueta, Luiz, Christensen, Emerson - Kanté, Jorginho, Loftus-Cheek (83. Kovacic) - Pedro, Giroud, Willian (61. Hazard).
Schiedsrichter: Del Cerro Grande
Gelbe Karten: Fernandes, Hasebe - Christensen
Zuschauer: 48.000

insgesamt 26 Beiträge
hannah1984 03.05.2019
1. Hach, lieber Spiegel...
...da schreit ein TV-Experte doch tatsächlich "Jaaaaa", als der deutsche Underdog gegen den übermächtigen FC Chelsea in Führung ging! Eine Unverschämtheit! Beim Ausgleichstreffer herrschte auf englischen TV- und [...]
...da schreit ein TV-Experte doch tatsächlich "Jaaaaa", als der deutsche Underdog gegen den übermächtigen FC Chelsea in Führung ging! Eine Unverschämtheit! Beim Ausgleichstreffer herrschte auf englischen TV- und Radiosendern sicherlich neutrale Stille... Selbst beim Fussball soll sich der Fussballdeutsche selbst geißeln - das ist der Grund, warum ich Spiegel-Artikel kaum noch ertragen kann.
meresi 03.05.2019
2. Adi Hütter
täte gut daran einigen seiner Spieler, vor allem jene die ständig gelb oder rot gefährdet sind, beizubringen den Mund zu halten und nicht mit dem Schiri zu diskutieren. Hasebe war schwach, Jovic hat getan was er mußte. Da [...]
täte gut daran einigen seiner Spieler, vor allem jene die ständig gelb oder rot gefährdet sind, beizubringen den Mund zu halten und nicht mit dem Schiri zu diskutieren. Hasebe war schwach, Jovic hat getan was er mußte. Da Costa ein Schwerarbeiter. Nach dem Ausgleich war Frankfurt wie von Sinnen. Es ist offensichtlich das Rebic und Haller an allen Ecken und Enden fehlten. So fahren die Frank'nfurter mit einer minimalen Chance das Ding zu drehen gen Engeland. Ach ja, und Kopfbälle macht man Richtung Torlinie, sprich zum Boden im 5er Raum, Abraham, you hear me??
bumpes 03.05.2019
3. Neutralität des Reporters?
Ist definitiv verzichtbar wenn der deutsche Außenseiter im Halbfinale eines europäischen Pokalwettbewerbs in Führung geht. Bzgl. der kritischen Parolen auf der Blockfahne: Mit der haben sich die Ultras selbst gefeiert und dabei [...]
Ist definitiv verzichtbar wenn der deutsche Außenseiter im Halbfinale eines europäischen Pokalwettbewerbs in Führung geht. Bzgl. der kritischen Parolen auf der Blockfahne: Mit der haben sich die Ultras selbst gefeiert und dabei willkürlich und unzensiert Inhalte von seit 1997 verwendeten Spruchfahnen oder Doppelhaltern zusammengewürfelt; dass beim ehemaligen Randalemeister auch Käse dabei ist dürfte klar sein. Was auch klar ist, und da muss ich wieder Medienschelte betreiben (nein, ich bin kein Neo-Alternativer), ist, dass der werte Autor dieses Artikels wenig Kontakt zur Eintracht hat, sonst wüsste er, dass "Ehre der Gruppe Stadionverbot" im Original bei jedem Heim- und vielen Auswärtsspielen geschwenkt wird. Doch nun zum Wichtigen und das nur ganz kurz. CHAPEAU, EINTRACHT FRANKFURT!
freudentanz 03.05.2019
4. Deutschland Meckerland
Ich bin BVB Fan aber es macht einfach wahnsinnig Laune diese Mannschaft und vorallem diesem Publikum zuzuhören und zuzuschauen. Spon? Man meckert, rügt die Choreographie,vermisst die korrekten Banner, man mault über die [...]
Ich bin BVB Fan aber es macht einfach wahnsinnig Laune diese Mannschaft und vorallem diesem Publikum zuzuhören und zuzuschauen. Spon? Man meckert, rügt die Choreographie,vermisst die korrekten Banner, man mault über die Moderatoren und die Eintracht hatte sowieso keine Chance! Häh ? Was ? Hätte Pfosten Gacinovic nicht auf ein Foul spekuliert wäre der Zug für Chelsea abgefahren gewesen. Ciao Blues! Übrigens: Genau aus diesem Grund weil die meisten Teutschen so übellaunig sind ist ein Kumpel von mir ausgewandert. Und weil ich ein positiv denkender Mensch bin glaube ich an die Eintracht im Rückspiel. Klar, ist Chelsea besser aber dessen Spieler, der Stadtteil, dessen Bewohner haben kein Seele und interessieren sich Nullkommanull für nix. Forza Eintracht
derhatschongelb 03.05.2019
5. Die Eintracht-Fans...
...haben eine Menge auf die Beine gestellt, das stimmt. Aber den Gegner bei Ballbesitz auszupfeifen gehört sich nicht. So was würde es im Weserstadion niemals geben!
...haben eine Menge auf die Beine gestellt, das stimmt. Aber den Gegner bei Ballbesitz auszupfeifen gehört sich nicht. So was würde es im Weserstadion niemals geben!

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Europa-League-Sieger seit 1989

Jahr Verein
2018 Atlético Madrid
2017 Manchester United
2016 FC Sevilla
2015 FC Sevilla
2014 FC Sevilla
2013 FC Chelsea
2012 Atlético Madrid
2011 FC Porto
2010 Atlético Madrid
2009 Schachtar Donezk
2008 Zenit Sankt Petersburg
2007 FC Sevilla
2006 FC Sevilla
2005 ZSKA Moskau
2004 FC Valencia
2003 FC Porto
2002 Feyenoord Rotterdam
2001 FC Liverpool
2000 Galatasaray Istanbul
1999 AC Parma
1998 Inter Mailand
1997 FC Schalke 04
1996 FC Bayern München
1995 AC Parma
1994 Inter Mailand
1993 Juventus Turin
1992 Ajax Amsterdam
1991 Inter Mailand
1990 Juventus Turin
1989 SSC Neapel

bis einschl. der Saison 2008/2009 "Uefa Cup"

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