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Sport

Niederlage bei Atlético

Bayern fremdelt

Wieder gab es eine Niederlage bei Atlético Madrid, wieder konnten die Bayern auf fremdem Platz nicht überzeugen: Der Rekordmeister tut sich auswärts schwer. Was für die Liga noch reicht, wird in der Champions League bestraft.

Foto: AP
Aus Madrid berichtet Christoph Leischwitz
Donnerstag, 29.09.2016   12:36 Uhr

Schenke meinem Herzen Freude - das war der pathetische Text zur stadiongroßen Choreografie, die sich die Fans von Atlético Madrid für dieses Champions-League-Spiel gegen den FC Bayern hatten einfallen lassen. Ihr Wunsch wurde erhört - schon wieder. Auf der anderen Seite mussten die Münchner nach dem 0:1 in Madrid ganz nüchtern feststellen: Es hat schon wieder nicht gereicht, um eine spanische Spitzenmannschaft in deren Stadion zu schlagen.

Am Ende konnten sie es nicht einmal ausnutzen, dass Atlético sie in Form eines verschossenen Elfmeters durch Antoine Griezmann (84.) noch mal aufgebaut und ins Spiel zurückgebracht hatte. Die Nachspielzeit war lang, gellende Pfiffe hallten durch das Estadio Vicente Calderón. Aber selbst in diesen Momenten, in denen die Bayern eigentlich am Drücker waren, wurde deutlich, woran es ihnen mangelte: an Tempo.

Es flogen nur noch lange, harmlose Bälle in den Strafraum, allein Arjen Robben setzte noch einen Kopfball daneben. "Gegen Atlético muss man schneller sein und seine Möglichkeiten nutzen. Es war keine gute Leistung", sagte Carlo Ancelotti, der in diesem Stadion als Trainer von Real Madrid auch schon verloren hat. Aber mit dem FC Bayern war es seine allererste Niederlage.

Wieder Atlético, wieder Simeone

Für die Bayern wird Atlético mit seinem Trainer Diego Simeone langsam zum Schreckgespenst - nachdem man schon in der Vorsaison an den Spaniern gescheitert war. Wenn man die jetzige Auswärtspartie in Madrid mit der vom Halbfinale der Vorsaison überhaupt vergleichen will, dann waren die Bayern diesmal ein wenig besser und ein wenig schlechter zugleich.

Sie hatten mehr gute Chancen kreiert, sie hatten aber auch ein paar mehr zugelassen. Eigentlich waren die Vorzeichen komplett andere gewesen: Ein neuer Trainer, der eine andere Taktik fährt, eine andere Startelf. Auf dem Papier hat sich allerdings erst einmal fast gar nichts geändert. Das gleiche Endergebnis bedeutet: Kein Rückschritt, kein Fortschritt, die Mannschaft tritt auf der Stelle. Wenn auch auf sehr hohem Niveau.

Wegen der verpassten Großchancen (Thomas Müller, 13. Minute, Franck Ribéry, 39., Robert Lewandowski, 77.) geriet zunächst die Offensive in den Analyse-Fokus. "Atlético hat den Killerinstinkt. Diesen Killerinstinkt hatten wir heute leider nicht", sagte Torwart Manuel Neuer. Der spät eingewechselte Mats Hummels ergänzte, dass man aus diesen Möglichkeiten an einem guten Tag sicherlich ein Tor gemacht hätte.

Vidal übereifrig, Müller humorlos

Doch umgekehrt würde es auch ausreichen, auswärts zu null zu spielen. Doch die Abwehr hat regelmäßige Wackler. In Madrid geriet man zum ersten Mal nach einer Viertelstunde aus der Balance und kam bisweilen schlicht nicht hinterher, wie etwa beim 1:0 durch Yannick Ferreira-Carrasco (35.). Man müsse das nun analysieren, sagte Ancelotti, und unterband damit erst einmal weitere Nachfragen. Der enttäuschte Müller sagte: "Es ist ein Signal, dass wir dranbleiben müssen, dass wir eventuell das eine oder andere noch verändern müssen." Was genau das denn sei? "Das müssen wir ja erst einmal anyalsieren."

Was die Bayern unter dem Strich an diesem Abend vermittelten, war die Haltung: Wir wissen, dass wir ein Problem haben, wir beschäftigen uns damit. Allein Arturo Vidal traf eine selbstkritische, konkrete Aussage: "Wir müssen ruhiger das Spiel aufbauen, sie haben uns immer wieder unter Druck gesetzt." Er selbst war in Abwehr und Angriff bisweilen übereifrig gewesen, der Chilene hatte zudem mit einem Rempler den Elfmeter verschuldet. Überhaupt mussten die Bayern in diesem Spiel ungewöhnlich viele Fouls begehen (insgesamt 17), um Madrid das Tempo zu nehmen.

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FC Bayern in der Einzelkritik: Angriff? Abgemeldet!

Das tiefer liegende Problem hat auch nur bedingt mit einem Spanien-Fluch zu tun, es gibt ein simples Wort dafür: Auswärtsschwäche. Von den letzten elf Partien in der Champions League auf fremdem Platz haben die Bayern gerade einmal zwei gewonnen, davon in den beiden vergangenen K.o.-Runden kein einziges. In diesen sechs Partien kassierte man elf Gegentore, nur zwei davon hat Atlético erzielt. Kurz: Man tut sich gegen jeden ernsthaften Gegner schwer, weil immer wieder kleine Fehler passieren, die das oft dominante Spiel nutzlos erscheinen lassen.

In der Bundesliga werden diese Fehler deutlich seltener bestraft, vor allem in München trauen sich die Gegner meist auch weniger zu. Dabei hatte der FC Ingolstadt vor zwei Wochen ähnlich viele Abwehrfehler provoziert wie Atlético und nur sehr unglücklich 1:3 verloren.

In den kommenden Wochen stehen Partien an, die ebenfalls Aussagekraft darüber haben könnten, ob die Bayern sich nun weiterentwickeln oder nicht. Der 1. FC Köln ist am Samstag in der Münchner Arena zu Gast. Die Mannschaft von Peter Stöger spielt auf anderem Niveau durchaus einen ähnlichen, defensiv orientierten Fußball wie Atlético.

Und wie es um die Auswärtsschwäche steht, wird man vermutlich weniger bei PSV Eindhoven und dem FK Rostow in der Champions League sehen, als vielmehr erst Mitte November bei Borussia Dortmund.

insgesamt 57 Beiträge
mesut2012 29.09.2016
1.
OMG der FC Bayern hat ein Spiel verloren. Hier eine gewagte Prognose von mir: Es wird nicht das letzte gewesen sein. Diejenigen, die jetzt so tun, als beginne für die Bayern nun der Abstiegskampf liegen natürlich genauso daneben [...]
OMG der FC Bayern hat ein Spiel verloren. Hier eine gewagte Prognose von mir: Es wird nicht das letzte gewesen sein. Diejenigen, die jetzt so tun, als beginne für die Bayern nun der Abstiegskampf liegen natürlich genauso daneben wie die, die sonst immer so tun, als wäre der FCB eine unschlagbare Übermannschaft. Die Wahrheit liegt wie immer irgendwo dazwischen und auf dem Rasen. Bleibt zu hoffen, dass nun endlich mal das Gejammere aufhört, die Bayern machten die Liga langweilig, weil sie so überlegen sind. Atletico hat wieder gezeigt, dass sie schlagbar sind, die Ausrede zieht also nicht mehr. Einfach mal ordentlich trainieren und sich so reinhängen wie die Madrilenen, dann klappts auch mit den Punkten gegen Münschen.
Levator 29.09.2016
2. Ich wiederhole mich ungern
aber die Bayern haben ein psychisches Problem wenn es gegen spanische Mannschaften geht. Auch diese Niederlage war eine reine Kopfsache. Spielerisch haben sie ja mitgehalten.
aber die Bayern haben ein psychisches Problem wenn es gegen spanische Mannschaften geht. Auch diese Niederlage war eine reine Kopfsache. Spielerisch haben sie ja mitgehalten.
DougStamper 29.09.2016
3. Hab ich was verpasst?
1:0 verloren. In der Champions League. Müssen die sich jetzt auf den Abstiegskampf vorbereiten? Oder hatten sie halt einfach mal ein bisschen weniger Glück oder gar Pech?
1:0 verloren. In der Champions League. Müssen die sich jetzt auf den Abstiegskampf vorbereiten? Oder hatten sie halt einfach mal ein bisschen weniger Glück oder gar Pech?
ge1234 29.09.2016
4. Auf den Punkt gebracht!
Es sind die kleinen individuellen Fehler, die uns sowohl im zurückliegenden Halbfinale als auch gestern das Genick gebrochen haben. Warum diese immer wieder passieren, muß analysiert werden. An der Klasse der einzelnen Spieler [...]
Es sind die kleinen individuellen Fehler, die uns sowohl im zurückliegenden Halbfinale als auch gestern das Genick gebrochen haben. Warum diese immer wieder passieren, muß analysiert werden. An der Klasse der einzelnen Spieler dürfte es jedenfalls nicht liegen, eher an mangelnder Konzentration oder Unachtsamkeit, was allerdings in der CL auch nicht passieren darf. Stellt man diese Fehler ab, werden auch Spiele wie gestern wieder gewonnen bzw. zumindest nicht verloren. Denn spielstärker als der FCB ist mit Ausnahme von Barca wohl keine Mannschaft in Europa.
Attila2009 29.09.2016
5.
Aus einem Spiel würde ich noch keinen Trend ableiten. Dass ein Spiel vor heimischer Kulisse immer ein Vorteil ist das ist nun wirklich keine neue Erkenntnis.
Aus einem Spiel würde ich noch keinen Trend ableiten. Dass ein Spiel vor heimischer Kulisse immer ein Vorteil ist das ist nun wirklich keine neue Erkenntnis.
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