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Sport

Remis des FC Bayern gegen Hertha BSC

Erfolgreich nur neben dem Platz

Beim Saisonauftakt gegen Berlin hatten die Bayern zwar mehr Chancen, spielten aber doch nur remis. Das lag auch an der dünn besetzten Bank. Doch der Retter ist bereits im Anflug.

Daniel Kopatsch / Getty Images

Benjamin Pavard (links) und Robert Lewandowski

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Freitag, 16.08.2019   23:56 Uhr

Es geht wieder los: Die Fußball-Bundesliga hat begonnen und damit der prognostizierte enge Meisterkampf zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund. Er könnte tatsächlich spannend werden. Beim Saisonauftakt gegen Hertha BSC spielten die Bayern jedenfalls ansehnlich, aber eben nicht so erfolgreich wie gedacht.

Das Ergebnis: 2:2 (1:2) daheim gegen die Hertha - hier geht's zum Spielbericht. Damit starten die Münchner erstmals seit acht Jahren nicht mit einem Sieg in die Saison. Damals wurde der FC Bayern übrigens letztmals nicht Deutscher Meister, der Titel ging an den BVB.

Die erste Hälfte: Erst waren die Bayern drückend überlegen, machten daraus aber nur ein Tor: Nach einem Einwurf in der eigenen Hälfte genügten eine Verlagerung, ein Steil- und ein Querpass für das 1:0 (24. Minute). Ermöglicht hatte es Robert Lewandowski, der vor seinem Treffer erst den Ball behauptet, dann einen beachtlichen Sprint über das halbe Feld hingelegt hatte. Das 2:0 schien eine Frage der Zeit, stattdessen aber schoss Dodi Lukebakio aus einiger Entfernung den Rücken von Mitspieler Vedad Ibisevic an, wodurch der Ball am machtlosen Manuel Neuer vorbei ins Netz flog (36.). Drei Minuten später hatte Hertha das Spiel tatsächlich irgendwie gedreht.

Duell des Spiels: Die 39. Minute. Nach einem langen Ball von Hertha-Torwart Rune Jarstein kommt es zum Kopfballduell zwischen Bayerns Benjamin Pavard und Marko Grujic. Beide stoßen mit den Köpfen gegeneinander. Pavard hält sich das Gesicht, wirkt benommen. Er wird langsamer, bricht dann seinen Lauf ab.

Grujic macht zunächst weiter, er läuft in die Tiefe (und profitiert davon, dass Pavard das Abseits aufhebt), bekommt den Ball, umkurvt Torwart Manuel Neuer, trifft, wie im Autopilotmodus. Grujic jubelt in der Cristiano-Ronaldo-Gedächtnispose. Dann kommt der Schmerz an, Grujic fasst sich ins Gesicht, sinkt auf die Knie, seine Mitspieler signalisieren: Arzt her, prompt! Pavard wie Grujic konnten weiterspielen. Dass Pavard aber offenbar nicht eingehend untersucht wurde, sondern die rund zehn Minuten bis zur Pause durchspielte, war schwer zu begreifen.

Daniel Kopatsch / Getty Images

Halb besorgt, halb erfreut: Hertha Torschütze Marko Grujic (unten), Teamkollegen

Die zweite Hälfte: Sah aus, wie Spiele zwischen Bayern München und Hertha BSC üblicherweise aussehen. Die Münchner hatten mehr vom Spiel. Viel mehr. Doch es sprang nur das 2:2 heraus. Da verwandelte Lewandowski einen Foulelfmeter (zu Recht entschieden nach VAR-Einsatz), den er selbst gegen Grujic herausgeholt hatte. Ein paar Chancen hatten die Bayern zwar noch, doch es blieb der Eindruck, dass Trainer Niko Kovac die Möglichkeit fehlte, personell nachzulegen. Erst in der 85. Minute brachte er Renato Sanches und Alphonso Davies, zwei Talente. In Abwesenheit von Leon Goretzka (verletzt) und Ivan Perisic (gesperrt) saßen für Mittelfeld und Angriff auf der Bank noch die Namen Singh, Will und Wriedt.

Missverständnis des Spiels: Lag offenbar zwischen Herthas neuem Trainer Ante Covic und seiner Mannschaft vor. Hertha solle unter ihm mehr Spaß machen als zuletzt, hieß es oft. Spaß machte Hertha dann auch tatsächlich, nur eben nicht den eigenen Fans. Die Idee, die Bayern sehr früh anzulaufen und nach vorne zu verteidigen, ging zunächst völlig schief, weil sie nicht von sämtlichen Spielern verfolgt wurde, sondern nur von einigen. So naiv treten nicht viele Teams beim FC Bayern an. Nach dem 0:1 änderte Covic dann System und Pressinghöhe, Hertha spielte defensiver. Und viel besser.

Phantom des Spiels: Kurz vor dem Anpfiff machte die Meldung die Runde, Barcelonas Angreifer Philippe Coutinho stehe direkt vor einer Ausleihe nach München. Nach dem Abpfiff bestätigte Sportdirektor Hasan Salihamidzic: Der Brasilianer werde voraussichtlich zeitnah beim FC Bayern unterscheiben, der Klub besitze eine Kaufoption. Coutinho wäre nicht nur die prominente Verstärkung, die die Münchner für ihre Offensive suchen. Er wäre einer der wenigen ganz großen Namen, die in bestem Alter in die Bundesliga kommen. Später am Abend bestätigte Salihamidzic auch die Verpflichtung von Mönchengladbachs Mikaël Cuisance. Die Bayern rüsten sich für den Titelkampf.

FC Bayern München - Hertha BSC 2:2 (1:2)
1:0 Lewandowski (24.)
1:1 Lukebakio (36.)
1:2 Grujic (39.)
2:2 Lewandowski (60.)
FC Bayern: Neuer - Kimmich, Süle, Pavard, Alaba - Müller (85. Sanches), Thiago, Tolisso - Gnabry (87. Davies), Lewandowski, Coman
Hertha BSC: Jarstein - Klünter, Stark, Rekik, Mittelstädt - Grujic, Darida, Lukebakio (68. Selke), Duda (78. Skjelbred), Leckie - Ibisevic (62. Esswein)
Gelbe Karten: Pavard, Müller, Lewandowski / Darida, Grujic, Mittelstädt
Schiedsrichter: Osmers
Zuschauer: 75.000 (ausverkauft)

insgesamt 37 Beiträge
25alex67 17.08.2019
1. Arm
Ich vermisse den Hinweis, dass Hertha mit mehr Glück als Verstand zwei Tore geschossen hat. Das lag nämlich weder am genialen Spiel der Hertha, noch an der angeblich dünn besetzten Bayernbank. Das war schlichtes Dusel. Wie es [...]
Ich vermisse den Hinweis, dass Hertha mit mehr Glück als Verstand zwei Tore geschossen hat. Das lag nämlich weder am genialen Spiel der Hertha, noch an der angeblich dünn besetzten Bayernbank. Das war schlichtes Dusel. Wie es sonst die Bayern haben. Daher kommt von mir auch keine Beschwerde. Gepaart mit der Unfähigkeit der Bayern, die vorhandenen Chancen zu nutzen. Sonst nix. Aber viel Glück weiterhin beim Hoffen, es möge mit den Bayern so weitergehen. Wird es nicht. Eine missglückte Generalprobe ist gerne mal ein gutes Zeichen. Mir ist nach diesem Spiel gewiss nicht bange. Mit spochtlichen Grüssen.
knumue 17.08.2019
2. "Es geht wieder los"...
... das ist die richtige Einleitung des Spielberichts. Elfer-Geschenk an Bayern, dramatische Sterbeszenen von Lewandowski, parteiische Reporter (angenehme Ausnahme: Oliver Kahn) - alles wie gehabt.
... das ist die richtige Einleitung des Spielberichts. Elfer-Geschenk an Bayern, dramatische Sterbeszenen von Lewandowski, parteiische Reporter (angenehme Ausnahme: Oliver Kahn) - alles wie gehabt.
verruca 17.08.2019
3. Zu wenig!
War wohl nix mit der erhofften Abkehr von Dardais Mauertaktik. Mal wieder eine defensive und uninspirierte Abwehrschlacht des Gastes in München. Okay. Legitim! Immerhin hat sich Herthas neuer Coach aber als wesentlich [...]
War wohl nix mit der erhofften Abkehr von Dardais Mauertaktik. Mal wieder eine defensive und uninspirierte Abwehrschlacht des Gastes in München. Okay. Legitim! Immerhin hat sich Herthas neuer Coach aber als wesentlich flexibler als sein Münchner Pendant erwiesen. Denn Niko Kovac fiel (wieder einmal) nix ein. Man fragt sich, wo die Co-Trainer sind. Warum kommt denn auf der Münchner Bank keiner auf die Idee etwas am offensichtlich nicht zielführenden System zu ändern? Die schwach besetzte Bank allein taugt jedenfalls nicht als Entschuldigung für Kovac's hilflos wirkendem "Kaninchen-vor-der-Schlange" Auftritt. Nein! Der Trainer ist sicherlich nicht allein Schuld an den verlorenen Punkten dahoam! Ein abgefälschter Schuss und ein (faires) Kopfballduell bei dem der FCB Verteidiger zu Boden geht und der Berliner Angreifer vollenden kann sind einfach Pech. Zwei Tore aus Null Chancen. Dumm gelaufen! Trotzdem war zum wiederholten mal wieder kein Plan B zu erkennen. "Weiter so!" und 5 Minuten vor Schluss ein paar uninspirierte Wechsel können's jedenfalls nicht auf Dauer richten! Genausowenig wie Coutinho, Perisic und Cuisance durch ihre bloße Anwesenheit.
briancornway 17.08.2019
4. Glück im Unglück
Unterhaltsames Eröffnungsspiel, aber hallo ! Die beiden Herta-Tore waren jeweils ziemlich kurios zustandegekommen, natürlich war der FCB insgesamt besser und hätte den Sieg verdient gehabt. Zum Elfmeter hatte Lewandowski [...]
Unterhaltsames Eröffnungsspiel, aber hallo ! Die beiden Herta-Tore waren jeweils ziemlich kurios zustandegekommen, natürlich war der FCB insgesamt besser und hätte den Sieg verdient gehabt. Zum Elfmeter hatte Lewandowski sich immer wieder in Grujic hineingelehnt, bis dieser ihn genervt in's Leere fallen ließ UND dabei nachhalf. Kein Ball in der Nähe, keine Tätlichkeit, aber nüchtern betrachtet ein Foul. Hätte der Schiedsrichter das gesehen, hätte es vielleicht Gelb für beide gegeben wegen Gerangels abseits des Balls, und Herta hätte ziemlich glücklich 3 Punkte mitgenommen. So ist Fußball. (pling). Manchmal. (pling). Merke: Wer alles richtig macht kann trotzdem verlieren, und wer einiges falsch macht kann gewinnen, also verdienen immer alle Teilnehmer Respekt.
K:F 17.08.2019
5. Ausgleich nur durch Fallobst
Levandowski. Was bei Bayern auffällt, ist die Suche nach der Entscheidung durch theatralisches Hinfallen im Strafraum. Wohlwissend das in Köln jemand sitzt und nachkorrigiert. Wäre schön gewesen, wenn Köln, beim Supercup [...]
Levandowski. Was bei Bayern auffällt, ist die Suche nach der Entscheidung durch theatralisches Hinfallen im Strafraum. Wohlwissend das in Köln jemand sitzt und nachkorrigiert. Wäre schön gewesen, wenn Köln, beim Supercup gegen den BVB, Kimmich wegen Tätigkeit ebenso konsequent gewesen wären und dieses Großmaul vom Platzt gestellt hätte.

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