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Sport

Liverpool-Remis gegen Bayern

Stumpfer Dreizack

Umschaltspiel, Konter und Unberechenbarkeit sind die Qualitäten von Liverpool. Eigentlich. Doch gegen den FC Bayern gelang nur ein 0:0. Im Rückspiel in München muss sich vor allem das Angriffstrio Salah, Firmino und Mané steigern.

PETER POWELL/EPA-EFE/REX

Mohamed Salah

Aus Liverpool berichtet
Mittwoch, 20.02.2019   10:26 Uhr

Wie schon den ganzen Abend fielen noch immer dicke Regentropfen aus dem schwarzen Himmel über Liverpool. Auch der Wind war nicht weniger geworden um kurz nach 23 Uhr englischer Zeit. Es war einer dieser Abende, die man besser im Warmen verbringt. Die Kneipen rund um das Stadion an der Anfield Road waren voll nach dem 0:0 des örtlichen Fußballvereins gegen den FC Bayern.

Vermutlich stellten sich die Gäste im "Albert" hinter der Kop-Tribüne, im "Park" gegenüber, oder im "Flat Iron" ein paar Minuten die Walton Breck Road hinunter alle sehr ähnliche Fragen. Nämlich, was von diesem torlosen Remis im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League zu halten ist.

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Liverpool in der Einzelkritik: Mané-ge frei!

Wer Heimrecht hat, will gewinnen. Das gilt insbesondere für einen Klub wie den FC Liverpool, der im eigenen Stadion besondere Kräfte entwickeln kann. Das haben in der vergangenen Europapokal-Saison unter anderem Manchester City (3:0) sowie der AS Rom (5:2) und in der laufenden Spielzeit Paris Saint-Germain (3:2) zu spüren bekommen. Deshalb war das Ergebnis eine Enttäuschung.

Rückspiel am 13. März in München

Allerdings war es dem Tabellenzweiten der Premier League gelungen, ohne den gesperrten Abwehrchef Virgil van Dijk die Null zu halten. Sein Ersatzmann Fabinho, eigentlich im Mittelfeld beschäftigt, zeigte eine ordentliche Leistung. Damit bestehen noch alle Chancen aufs Weiterkommen im Rückspiel in München am 13. März. So schlecht war das Ergebnis also doch nicht.

Auch Trainer Jürgen Klopp musste abwägen, als er um eine Einordnung gebeten wurde: einerseits, anderseits. "Das war nicht das Ergebnis, das wir uns erträumt hatten. Es ist nicht perfekt, aber gut genug, um damit zu arbeiten", sagte er. Der 51-Jährige ging davon aus, dass die Münchner über das torlose Remis sicher ein kleines bisschen glücklicher seien, prophezeite aber auch, dass sich das bis zum Rückspiel noch ändern würde: "Jeden Tag wird sich das Ergebnis für uns ein bisschen besser und für die Bayern ein bisschen schlechter anfühlen", sagte er. Wenn man es richtig deutet, sind die Psychospiele vor dem Treffen in drei Wochen eröffnet. Doch sie allein werden nicht reichen.

Die Stimmen der Trainer im Video:

Foto: DPA

Die Wahrnehmung des FC Liverpool hat sich gewandelt

Damit der fünfmalige Gewinner des Europapokals der Landesmeister und der Champions League weiterkommt, muss die Mannschaft wieder jene Eigenschaften zur Geltung bringen, die sie in der vergangenen Saison bis ins Finale geführt haben. Das wären: das schnelle Umschaltspiel, die überfallartigen Konter und die Unberechenbarkeit der Angreifer Sadio Mané, Roberto Firmino und Mohamed Salah. Ein Dreizack, den jeder Gegner fürchtete.

Die Wahrnehmung des FC Liverpool hat sich ja gewandelt in den vergangenen Monaten. Klopps Mannschaft wird in dieser Saison vor allem wegen ihrer Abwehrarbeit gelobt. Auch gegen den FC Bayern verteidigte sie gut, trotz der Abwesenheit van Dijks. Außer bei einem frühen Beinahe-Eigentor durch Joel Matip, ein paar Leichtsinns-Attacken vor Torwart Alisson und Serge Gnabrys Schuss gegen Ende der ersten Halbzeit (den Alisson parierte), drohte keine Gefahr. Da van Dijk im Rückspiel wieder dabei sein wird, sollte die Verteidigung nicht das Problem sein vor der Reise nach München.

Es ist Liverpools Offensive, die sich steigern muss im Vergleich zur Partie an der Anfield Road. In dieser Spielzeit fehlt dem Angriff die Schärfe der abgelaufenen Saison. Der Dreizack ist ein bisschen stumpfer geworden, das war gegen den FC Bayern wieder einmal zu besichtigen. Die Mannschaft brachte nur zwei Bälle aufs Tor und hatte im Grunde nur zwei echte Chancen. Beide durch Mané, eine in der ersten Halbzeit, die zweite kurz vor Schluss. Seine Nebenleute Firmino und Salah arbeiteten viel, ohne allerdings die gewünschte Zuspitzung zu erzielen. "Der letzte Pass war nicht unser Freund", sagte Klopp.

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Bayern in der Einzelkritik: Der Scheibenwischer

Seiner Zählung nach hatte Liverpool "zehn, zwölf Situationen, in denen alles vorbereitet war", wie er sagte. Doch dann sei eben das finale Zuspiel misslungen. Das muss in drei Wochen in München besser gelingen. Und noch in anderer Hinsicht muss sich Klopps Mannschaft steigern. Bislang hat sie in dieser Saison in der Champions League alle Auswärtsspiele verloren - in Neapel (0:1), Belgrad (0:2) und Paris (1:2). Sollte sich diese Serie fortsetzen, wäre der Vorjahres-Finalist raus.

FC Liverpool - Bayern München 0:0
Liverpool: Alisson - Alexander-Arnold, Matip, Fabinho, Robertson - Wijnaldum, Henderson, Keita (76. Milner) - Salah, Firmino (76. Origi), Mané
München: Neuer - Kimmich, Süle, Hummels, Alaba - Martínez, Thiago - Gnabry (90+1. Rafinha), James (88. Sanches), Coman (81. Ribéry) - Lewandowski.
Schiedsrichter: Rocchi (Italien)
Gelbe Karten: Henderson / Kimmich
Zuschauer: 50.000 (ausverkauft)

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