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Liverpool-Zugang Shaqiri

"Du bist jetzt schon eine Legende"

Abgang aus München, Abstieg mit Stoke, WM-Ärger: Xherdan Shaqiri hat bewegte Jahre hinter sich. Vor dem Duell gegen Manchester City ist der Schweizer einer der Wichtigsten bei Tabellenführer Liverpool. Was ist passiert?

AFP
Von , Manchester
Donnerstag, 03.01.2019   16:15 Uhr

Es gibt Fußballer, die jahrelang seriös arbeiten, und trotzdem nie Heldenstatus erreichen. Und es gibt Fußballer, die nur wenige Minuten für ihren Aufstieg zur Ikone benötigen. In diese Kategorie gehört Xherdan Shaqiri.

Er saß nur auf der Bank beim Duell des FC Liverpool mit dem Erzrivalen Manchester United vor zweieinhalb Wochen. Erst zur Schlussphase wechselte ihn Trainer Jürgen Klopp beim Stand von 1:1 ein. Das Manöver zahlte sich schnell aus: Der Schweizer Nationalspieler, der vor der Saison von Absteiger Stoke City gekommen war, stellte mit zwei Toren innerhalb von zehn Minuten den 3:1-Endstand her und bescherte seinem neuen Arbeitgeber den Sieg im englischen Nordwest-Derby, der zwei Tage später das Ende von José Mourinho als United-Trainer zur Folge haben sollte.

Noch am Abend des Spiels merkte Shaqiri, welche Bedeutung sein Doppelpack hatte. Er sei ein gefragter Mann bei Liverpools Weihnachtsfeier gewesen, wie er neulich dem "Guardian" berichtete: "Ich hatte das Gefühl, dass jeder zu mir kam und sich bei mir bedankt hat. Jeder hat gesagt: Danke, danke, du bist jetzt schon eine Legende."

Es wäre allerdings falsch, den 27 Jahre alten Ex-Profi des FC Bayern auf seinen erfolgreichen Joker-Einsatz gegen United zu reduzieren. Shaqiri ist nach schleppendem Start angekommen in Liverpool, er stand in den vergangenen zwölf Ligaspielen von Klopps Mannschaft achtmal in der Startelf und kommt bislang auf sechs Treffer.

Das sind beachtliche Zahlen für einen Spieler, dessen Verpflichtung im Sommer für angeblich knapp 15 Millionen Euro keine größere Euphorie bei den Fans und in der Presse verursacht hatte. Shaqiri galt eher als Füllmaterial, als ein Profi für die Breite von Liverpools Kader, der zum Einsatz kommt, wenn die etatmäßigen Offensivspieler eine Pause brauchen.

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Xherdan Shaqiri: Der Frühstarter

Mittlerweile wird der Schweizer als einer der Gründe dafür gepriesen, dass Liverpool als ungeschlagener Tabellenführer in das Spitzenspiel bei Titelverteidiger Manchester City mit seinem ehemaligen Bayern-Trainer Pep Guardiola an diesem Donnerstag (21 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) geht und den Vorsprung mit einem Sieg auf zehn Punkte ausbauen könnte. Shaqiri steht für eine neue Flexibilität von Klopps Team.

In der vergangenen Saison ließ der Trainer in der Regel in einem 4-3-3-System mit Sadio Mané, Roberto Firmino und Mohamed Salah im Sturm spielen. Das Trio schoss zusammen erstaunliche 91 Tore, hatte aber manchmal Probleme gegen tief stehende Gegner. Mit Shaqiri ordnet Klopp sein Team neu an. Der neue Mann bildet mit Mané und Firmino eine offensive Dreierreihe im Mittelfeld. Salah, eigentlich auf dem rechten Flügel zu Hause, kommt vermehrt als klassischer Mittelstürmer zum Einsatz. Liverpools Angriff ist schwerer berechenbar geworden. Noch schwerer.

Auch, weil Shaqiri in blendender Verfassung ist. "Man sieht auf dem Platz, dass ich sehr glücklich bin. Ich spiele meinen vielleicht besten Fußball", sagte er im "Guardian". Das "Liverpool Echo" vergleicht ihn wegen seiner Kreativität als Verbindungsmann zwischen Mittelfeld und Angriff sogar mit Philippe Coutinho, der sich vor einem Jahr für angeblich fast 160 Millionen Euro dem FC Barcelona anschloss.

Liverpool-Star mit Kontroversen

Neulich verzichtete Trainer Klopp allerdings freiwillig auf Shaqiri. Beim Auswärtsspiel in der Champions League bei Roter Stern Belgrad Anfang November ließ er ihn zu Hause, um Ablenkung und Tumulte zu vermeiden. Shaqiri wäre vermutlich ziemlich feindselig empfangen worden als jemand, der demonstrativ stolz darauf ist, im Kosovo geboren zu sein. Das zeigt er zum Beispiel mit einer kosovarischen Flagge auf seinen Fußballschuhen. Nach seinem Siegtreffer für die Schweiz gegen Serbien bei der WM im Sommer provozierte er das serbische Publikum mit dem sogenannten Doppeladler. Die Fifa verhängte eine 9000-Euro-Geldstrafe. "Es war ein sehr emotionales Spiel für alle, das ist alles, was ich sagen kann", sagt Shaqiri rückblickend.

Dass er ein halbes Jahr später ein wichtiges Puzzleteil bei einem Titelanwärter der Premier League ist, gehört zu den vielen erstaunlichen Wendungen seiner Karriere. Im Alter von 20 Jahren war Shaqiri vom FC Basel nach München gewechselt, wurde mit den Bayern zweimal Meister, zweimal Pokalsieger und gewann die Champions League. Unter Guardiola konnte er sich allerdings nicht durchsetzen und wollte angeblich schon im Sommer 2014 nach Liverpool wechseln. Doch der Transfer wurde ihm nach eigener Aussage verwehrt.

Anfang 2015 schloss er sich stattdessen Inter Mailand an - und blieb nur ein halbes Jahr, zog weiter zu Stoke, einem Synonym für Tristesse und fußballerisches Mittelmaß. Nach dem Abstieg in der vergangenen Saison sah er sich dem Vorwurf ausgesetzt, nicht alles gegeben zu haben. Auch kam es schlecht an, dass er sich per Interview von seinen Teamkollegen in Stoke distanziert hatte ("Selbst ein Ronaldinho könnte in dieser Mannschaft wenig bewegen").

Für Klopp war Shaqiris Verpflichtung dennoch ein "no brainer", wie er sagte, also eine Sache, die keiner weiteren Überlegung bedurfte. Vielleicht auch deshalb, weil Liverpool schon in der Vergangenheit gute Erfahrungen mit Spielern gemacht hatte, die gerade abgestiegen waren. 2016 kam Georginio Wijnaldum von Newcastle United, 2017 Andrew Robertson von Hull City. Beide sind feste Bestandteile von Liverpools erster Elf. Shaqiri ist von Beginn an und als Einwechselspieler wichtig. Er ist die Nummer elfeinhalb.

insgesamt 14 Beiträge
axelmueller1976 03.01.2019
1. Was soll passiert sein ? Klopp hat Shaqiri gut gemacht
So wie der Motivations-Trainer Klopp schon viele Durchschnitts- Spieler gut gemacht hat.Nur wenn die Spieler dann zu einem anderen Trainer wechseln stürzen sie ab. Z.B. Kagawa,Sahin und Götze.
So wie der Motivations-Trainer Klopp schon viele Durchschnitts- Spieler gut gemacht hat.Nur wenn die Spieler dann zu einem anderen Trainer wechseln stürzen sie ab. Z.B. Kagawa,Sahin und Götze.
spon_2294391 03.01.2019
2. Naja.
Gegen Manu waren es zwei abgefälschte Schüsse...
Gegen Manu waren es zwei abgefälschte Schüsse...
spadoni 03.01.2019
3. axelmueller1976
Das ist Quatsch, Kagawa spielte eine Saison für ManUnited, noch unter Sir Alex, der ihn bestimmt nicht "schlecht machte". Doch damals blieb er weit hinter den Erwartungen zurück. Das ändert aber nichts daran dass [...]
Das ist Quatsch, Kagawa spielte eine Saison für ManUnited, noch unter Sir Alex, der ihn bestimmt nicht "schlecht machte". Doch damals blieb er weit hinter den Erwartungen zurück. Das ändert aber nichts daran dass Klopp ein sehr guter Trainer ist, und ich drücke seinem Liverpool FC ganz fest die Daumen dass sie heute FC Abu Dhabi City besiegen. Dann wären es 10 Punkte Vorsprung in der PL, reife Leistung!!
AlternativeMeinung 03.01.2019
4.
Wenn man nicht genau hinguckt, kann man zum Schluß kommen, die Daten verraten einen guten Spieler. Aber er ist nur ein überbewerteter, egoistischer Spieler ohne irgendwelche besonderen Fähigkeiten.
Wenn man nicht genau hinguckt, kann man zum Schluß kommen, die Daten verraten einen guten Spieler. Aber er ist nur ein überbewerteter, egoistischer Spieler ohne irgendwelche besonderen Fähigkeiten.
rolforolfo 03.01.2019
5. Klopp ist schuld dran...
.....unter Klopp werden Spieler einfach besser. Sie spielen plötzlich Höchstleistung.
.....unter Klopp werden Spieler einfach besser. Sie spielen plötzlich Höchstleistung.

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