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Sport

Fifa-Funktionär Ángel María Villar

Das Ende des Dinosauriers

Ángel María Villar überstand jahrzehntelang alle Skandale im Weltfußball. Jetzt wurde der spanische Verbandschef und Fifa-Vize festgenommen.

REUTERS

Ángel María Villar

Aus Madrid berichtet
Dienstag, 18.07.2017   12:42 Uhr

Es war Mitte Mai, als Ángel María Villar in der Cafeteria des europäischen Fußballverbands Uefa im schweizerischen Nyon auftauchte. Der SPIEGEL war dort, um mit Uefa-Mitarbeitern über Spielmanipulationen und die Wettmafia zu sprechen. Im Anschluss kam es zu einem kurzen Wortwechsel mit Villar.

Der 67-Jährige wollte wissen, ob der SPIEGEL eine positive oder negative Geschichte schreiben werde. Eher negativ, war die Antwort, das gefiel Villar gar nicht. Es gebe doch so viele schöne Geschichten im Weltfußball, sagte er und schüttelte den Kopf. Dann verschwand er.

Ángel María Villar in der Realität zu sehen, fühlte sich im Frühjahr 2017 so an, als treffe man auf einen Dinosaurier. Die alte Garde des Weltfußballs ist eigentlich abgetreten. Sepp Blatter oder Michel Platini - beide weg. Und Villar? Auch nach 29 Jahren als Präsident des spanischen Nationalverbands RFEF und 19 Jahren in der Führung der Fifa war Villar immer noch da.

Nun, am Dienstagmorgen, wurde Villar bei einer Razzia der Guardia Civil festgenommen. Ihm wird unter anderem Korruption, Veruntreuung von öffentlichen Geldern und Urkundenfälschung vorgeworfen. Nach Angaben der spanischen Tageszeitung "El País" wurden weitere Personen festgenommen.

Darunter auch Villars Sohn. Dieser ist Generaldirektor des südamerikanischen Kontinentalverbands Conmebol. Vater und Sohn, beide Juristen, stehen unter anderem im Verdacht, selbst an den Erlösen aus Freundschaftsspielen der spanischen Nationalmannschaft verdient zu haben. Außerdem sollen Gelder, die für Entwicklungsprojekte im Ausland gedacht waren, nicht dort gelandet sein.

Villar ist seit Jahrzehnten ein einflussreicher und mächtiger Strippenzieher im internationalen Fußballgeschäft. 1988 wurde er zum ersten Mal zum spanischen Verbandschef gekürt, seit 1992 gehört er dem Exekutivkomitee der Uefa an. Sechs Jahre später rückte er in gleicher Funktion bei der Fifa auf.

Verhaftungen von Fifa-Funktionären - Villar stieg weiter auf

Als US-amerikanische und Schweizer Staatsanwälte im Mai 2015 ihre Jagd auf korrupte Funktionäre begannen, Offizielle verhaftet und gesperrt wurden, schien für die Alteingesessenen die Zeit abzulaufen. Und Männer wie Blatter und Platini wurden von der Ethikkommission der Fifa tatsächlich auf Jahre gesperrt, dazu mehr als ein Dutzend weiterer Personen. Und Villar? Blieb in seinen Ämtern - und stieg sogar weiter auf. Nach Platinis Verbannung Ende 2015 übernahm er interimsweise die Uefa-Präsidentschaft, ehe Aleksander Ceferin im September 2016 die Führung des Verbands antrat. Villar wurde Senior-Vize-Präsident der Fifa.

Dabei war längst bekannt, was Villar von den im Jahr 2012 angeschobenen Reformen im Weltfußball hält, wie er sich gegen eine längst überfällige Zeitenwende sträubte. Weil er bei den Ermittlungen zur Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 in Katar nicht kooperierte, wurde er sogar zu einer Geldstrafe verurteilt. Der gerade erschienene Garcia-Report, der sich mit eben jener Vergabe beschäftigt, gibt Einblicke.

Darin wird Villars Widerstand gegen die Ermittlungen deutlich. Er soll Chefermittler Michael J. Garcia gesagt haben, er müsse "Folgendes verstehen": "Ich will wissen, wer diese Untersuchung gestartet hat. Waren Sie das, Herr Garcia? War es die Fifa? War es der Präsident? Der Generalsekretär? Das Exekutivkomitee? Der Kongress? Die Presse?" Er müsse wissen, woher das komme. Garcia schwieg, und Villar sagte: "Sie haben wirklich Eier." Einmal, so heißt es in dem Report, habe Garcia gesagt: "Bitte beruhigen Sie sich. Bitte."

Garcia folgert in dem Bericht, den er im Oktober 2014 fertigstellte, Villar sei nicht geeignet, die Fifa zu repräsentieren. Innerhalb der Fußballfamilie sahen sie das anders und hofierten den Spanier unbeirrt weiter. Kurz nach dem zufälligen Treffen mit dem SPIEGEL im Mai wurde er in Spanien zum achten Mal zum Präsidenten gewählt. Villar schien mächtig wie eh und je.

Nun aber standen die Fahnder vor der Tür, und so ist auch diese Geschichte keine dieser positiven, die Ángel María Villar so gerne lesen würde.

insgesamt 2 Beiträge
kopi4 18.07.2017
1.
Wenn irgendwo in der Welt die Justiz einen FIFA- Funktionär verhaftet muß der das Geld schon schubkarrenweise abgegriffen haben.
Wenn irgendwo in der Welt die Justiz einen FIFA- Funktionär verhaftet muß der das Geld schon schubkarrenweise abgegriffen haben.
Hannes2 18.07.2017
2. Typisch Fußball
Ich schaue mir diesen "Sport " schon lange nicht mehr an. SPON bitte Fußballberichte künftig unter Wirtschaft/Kriminalität Veröffentlichen. Mehr Platz für Sport in der Sportsektion.
Ich schaue mir diesen "Sport " schon lange nicht mehr an. SPON bitte Fußballberichte künftig unter Wirtschaft/Kriminalität Veröffentlichen. Mehr Platz für Sport in der Sportsektion.

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