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Sport

Nach Football-Leaks-Enthüllungen

Warum die Uefa Manchester City bestrafen muss

Die Ermittlungen gegen Manchester City werden zeigen, wie mächtig die Uefa noch ist. Wenn sie den Fall nicht ernst nimmt, braucht der europäische Spitzenfußball den Verband nicht mehr.

Manchester City FC/ Getty Images

Manchester-City-Trainer Pep Guardiola (2.v.l.) mit den Klubbesitzern

Ein Kommentar von
Samstag, 02.03.2019   21:31 Uhr

Wenn ein Verein gegen die Regeln der Uefa verstößt, sanktioniert sie ihn dafür. Egal, wie groß und stargespickt der Klub ist. Klingt wie eine Selbstverständlichkeit, ist es aber leider nicht. Es ist schon längst überfällig.

Der SPIEGEL hat mit Recherchepartnern des EIC-Netzwerks über zahlreiche Vergehen von Manchester City berichtet. Dokumente der Enthüllungsplattform Football Leaks legen nahe, dass der englische Meister systematisch gegen die Financial-Fair-Play-Regeln (FFP) der Uefa verstoßen hat, geheime Absprachen mit einer Talentschmiede in Ghana traf und unerlaubte Zahlungen an den Berater des damals minderjährigen Spielers Jadon Sancho leistete.

Die aktuelle Ausgabe des SPIEGEL thematisiert zudem einen versteckten Investitionsfonds, über dessen Finanzierung der Klub gegenüber dem englischen Verband wohl nicht die Wahrheit gesagt hat. Manchester City kommentiert Vorwürfe aus Football-Leaks-Material generell nicht inhaltlich und erklärt, man sehe sich dem Versuch einer Rufschädigung ausgesetzt. Die dem SPIEGEL vorliegenden Dokumente seien gehackt oder gestohlen und aus dem Kontext gerissen.

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Football Leaks: So täuschte Manchester City offenbar Sponsoreneinnahmen vor

Der Verein ist Teil einer groß angelegten Investitionsstrategie der Königsfamilie von Abu Dhabi. Auf sportlichen Wettbewerb, das absolute Grundprinzip des Fußballsports, legt die City-Führung keinen gesteigerten Wert. Hauptsache, das Produkt glänzt und der Umsatz stimmt. Diese Einstellung vertritt der City-Geschäftsführer hinter den Kulissen. Regeln sind für solche Vereinschefs offenbar nur lästige Stolpersteine, die man links liegen zu lassen hat.

Wofür brauchen die Vereine die Uefa?

Manchester City wird diese Einstellung nicht ändern, solange die Uefa nicht durchgreift. Dadurch wird der Fall für den Verband zur existenziellen Bedrohung. Das Machtgefüge im europäischen Fußball ist in den vergangenen Jahren nämlich immer stärker gekippt. Die Spitzenvereine bestimmen den Weg, und der führt überraschenderweise immer wieder zu den gleichen Zielen: Mehr Geld für die Reichen, mehr Macht für die Mächtigen.

Die Champions-League-Dauergäste aus München, Paris oder Turin sind ihren Heimatmärkten uneinholbar enteilt. Lässt die Uefa sie weiter gewähren, schafft sie sich damit selbst ab. Denn schon jetzt haben sich die großen Klubs weitreichenden Einfluss auf die Ausrichtung der Champions League gesichert. Der nächste logische Schritt wäre der Abschied vom europäischen Verband und die Gründung eines privaten Elite-Wettbewerbs. Denn wofür sollten die Vereine die Uefa noch brauchen? Als Regelhüterin? Wohl kaum.

Die Uefa muss beweisen, dass sie sich von den großen Vereinen nicht mehr auf der Nase herumtanzen lässt. Sie muss Manchester City aus der Champions League schmeißen - trotz Guardiola, Sané, De Bruyne und Agüero. Als Signal an die anderen Vereine. Aber auch, weil City es verdient hat. Die Beleglage zu den Regelverstößen des Klubs lässt kaum einen anderen Schluss zu.

Es geht um die Zukunft des europäischen Fußballs

Doch genau da liegt ein gewaltiges Problem der Verbandsermittler: Sie sind keine Strafbehörden, sie können nicht die Büroräume in Manchester und Abu Dhabi durchsuchen und Unterlagen beschlagnahmen. Die Uefa ist bei ihrer Untersuchung auf die Kooperation von Manchester City angewiesen. Das ist absurd. Denn der Verein wird sich nicht selbst belasten.

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Nun sind die Uefa-Ermittler in einer außergewöhnlichen Situation: Sie könnten tatsächlich an interne Dokumente von Manchester City gelangen. Dafür müssten sie Rui Pinto fragen. Der 30-jährige Whistleblower der Football-Leaks-Plattform kooperiert bereits mit mehreren europäischen Ermittlungsbehörden. Pinto hat in Interviews erklärt, er könne die Uefa mit seinen Daten unterstützen. Doch bislang hat sich weder der Verband selbst, noch seine Untersuchungskommission bei ihm oder einem seiner Anwälte gemeldet. Das wirft die Frage auf, wie ernst es die Ermittler tatsächlich meinen.

Es mag absurd wirken, dass die Uefa mit genau dem Mann zusammenarbeiten soll, der den europäischen Fußball in den vergangenen Jahren so oft an seine dunkle Seite erinnert hat. Doch wenn die Uefa keinen Mut für unkonventionelle Schritte aufbringt, schafft sie sich auf Dauer selbst ab. Es geht um die Zukunft des europäischen Fußballs.

insgesamt 35 Beiträge
wallaceby 02.03.2019
1. Was soll das, Herr Winterbach?
Wie kommen sie eigentlich dazu, den FC Bayern München in ihrem Kommentar hier in einem Atemzug mit den europäischen Scheichclubs aus Manchester und Paris zu nennen? Was sie hier machen ist doch nichts anderes als Rufmord am [...]
Wie kommen sie eigentlich dazu, den FC Bayern München in ihrem Kommentar hier in einem Atemzug mit den europäischen Scheichclubs aus Manchester und Paris zu nennen? Was sie hier machen ist doch nichts anderes als Rufmord am deutschen Meister und die übliche Masche, um dem FC Bayern München hier eins mitzugeben! Und zwar auf einem Feld, wo man aus deutscher Sicht doch eh schon lange auf krasseste Art benachteiligt wird. Sie vergleichen hier allen Ernstes den schon seit vierzig Jahren sauber wirtschaftenden deutschen Rekordmeister mit diesen widerlich agierenden Clubs aus Paris und Manchester? Was haben sie geraucht, wenn ich fragen darf...? Dem FC Bayern München schon durch eine simple Aufzählung hier die gleichen üblen Machenschaften wie diesen widerlichen Scheichclubs anzuheften, ist schon mehr als dreist! Warum gerade der FC Bayern, der sich schließlich seine nationale finanzielle Spitzenstellung auch durch sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg in den europäischen Club-Wettbewerben seit über 50 Jahren fair und sauber erspielt und erwirtschaftet hat? Was fällt ihnen denn ein? Die Münchner sind heutzutage doch schon beim simplen Vergleich mit den kranken Summen, die bei sämtlichen europäischen Scheichlubs aufgerufen werden, im Prinzip doch nur noch eine kleine Nummer. Was hat also der sportlich und fair erspielte Erfolg des deutschen Meisters mit diesem offensichtlichen sportlichen und finanziellen unfairen Dreck und Machenschaften der Engländer, Franzosen oder Spanier zu tun? Sie können es einfach nicht lassen, und wollen den FC Bayern hier ständig auf die gleiche Stufe der finanziellen Unfairness dieser Scheichclubs stellen! Sie sollten als deutscher (Sport)Journalist doch eher froh darüber sein, dass es mit dem FC Bayern München eine noch sauber wirtschaftende Fußballmacht aus Deutschland gibt!
masskrugstemmer 03.03.2019
2. Die Kleinen hängt man die Großen...
Solange Real Madrid Barcelona ManCity PSG immer wieder damit durchkommen Valencia etc aber nicht wird sich die Kluft zwischen Fans und Verband immer weiter ausdehnen Die Uefa nimmt doch kein echter Fan mehr ernst und Geld [...]
Solange Real Madrid Barcelona ManCity PSG immer wieder damit durchkommen Valencia etc aber nicht wird sich die Kluft zwischen Fans und Verband immer weiter ausdehnen Die Uefa nimmt doch kein echter Fan mehr ernst und Geld regiert dort eh. Financial Fairplay existiert nur auf dem Papier. Würde das richtig umgesetzt werden würden wohl eine CL wohl ohne spanischer französischer und englischer Beteiligung ausgetragen werden Das will aber niemand lieber spielt man dafür Pokalspiele Ausland und pfeift auf Fairplay und Ethik
bernteone 03.03.2019
3. Weg mit der UEFA
Und die FIFA gleich mit . Dann sollen sie doch in einer Superliga für Superreiche spielen und wer der Meinung ist er muß den Scheichs sein Geld hinterherschmeißen , warum nicht . Der Rest dem noch was an der Idee des Fußballs [...]
Und die FIFA gleich mit . Dann sollen sie doch in einer Superliga für Superreiche spielen und wer der Meinung ist er muß den Scheichs sein Geld hinterherschmeißen , warum nicht . Der Rest dem noch was an der Idee des Fußballs liegt schaut sich halt seine Regionalliga an . Geld regiert alle Bereiche des Lebens warum sollte da ausgerechnet Sport eine Ausnahme machen . Und das die korrupten Fußballverbände was dagegen unternehmen ist doch wohl eher unwahrscheinlich .
photoshop.info 03.03.2019
4. Der Rauswurf
wird genauso wenig stattfinden wie eine Meisterschaft von S04. In diesen Verbänden sitzen viel zu viele extrem gut verdienende Funktionäre, die sich auf ihren Reisen von den jeweiligen Landesverbänden pampern lassen, um es mal [...]
wird genauso wenig stattfinden wie eine Meisterschaft von S04. In diesen Verbänden sitzen viel zu viele extrem gut verdienende Funktionäre, die sich auf ihren Reisen von den jeweiligen Landesverbänden pampern lassen, um es mal milde auszudrücken. Was für ein Moloch die FiFa ist, zeigte die Affäre Blatter und seiner Vorgänger ja mehr als klar auf. Warum sollte es bei der UEFA anders sein. Fußball ist kein Sport mehr, sondern ein Milliardengeschäft, das von gigantischen Sponsoren- und TV-Geldern befeuert wird. Wie sehr es dabei auch um das Renommeé geht, sieht man am deutlichsten an diesem Wahnsinn der WM in Katar - die Saudis geben dafür Summen aus, die in keiner Relation mehr stehen. Soll wohl nur ein Aushängeschild sein, den unermeßlichen Reichtum dieser Königsfamilien ins Licht der Öffentlichkeit zu stellen, die Ergebnisse der Spiele sind dabei eher unerheblich, da es kaum eine arabische Ligamannschaft über die erste Runde hinweg schaffen wird. Und deshalb wird auch eben mal ein engl. Spitzenclub gekauft. Als Investition sicher gar nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass in GB der Letzte der Premier League mehr TV-Gelder bekommt als der Erste in der Bundesliga. Diese Verbände schlachten nicht ihre goldenen Gänse, das sind nur fromme Wünsche der Medien.
dragondeal 03.03.2019
5. Wir sind uns einig
dass im europäischen Veteinsfußball einiges im Argen liegt. Allerdings ist mir im Kommentar zuviel "scheint" und "legen nahe". Die UEFA müßte bestrafen, wenn die Dokumente etwas beweisen. Das tun sie dann [...]
dass im europäischen Veteinsfußball einiges im Argen liegt. Allerdings ist mir im Kommentar zuviel "scheint" und "legen nahe". Die UEFA müßte bestrafen, wenn die Dokumente etwas beweisen. Das tun sie dann aber anscheinend doch nicht, zumindest umschifft der Kommentator diese doch recht einfache Feststellung ein um's andere Mal.

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