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Ausfall in Valencia

Vettel und die Safety-Car-Schikane

Was für ein Frust: So stark wie in Valencia ist Sebastian Vettel in dieser Saison noch nicht gefahren - doch erst bremste ihn ein Safety Car, dann kam das Aus wegen eines technischen Defekts. Trotzdem kann er sich als Sieger fühlen.

REUTERS
Aus Valencia berichtet
Montag, 25.06.2012   08:24 Uhr

Nicht nur die Lichtmaschinen liefen nach dem Großen Preis von Europa heiß. Auch die Nerven einiger Hauptdarsteller waren angespannt. "Wir haben das Rennen kontrolliert. Dann kam das Safety Car, was man sich hätte sparen können", kritisierte Sebastian Vettel. Sein Frust war umso größer, weil Fernando Alonso das Rennen gewann und in der Gesamtwertung nun 26 Punkte Vorsprung auf den Deutschen hat.

Vettel hatte das Rennen dominiert, war klar auf Siegkurs. Doch dann überhitze die Lichtmaschine seines Red Bull nach dem Neustart nach einer umstrittenen Safety-Car-Phase. Der 24-Jährige musste das Rennen in der 34. Runde beenden: "Die Safety-Car-Phase hat uns das Genick gebrochen", sagte Vettel. Und weiter: "Ich denke, der Grund ist klar, warum das Safety Car kam. Ich glaube, eine Gefahr bestand nicht."

Was er damit meinte? Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko drückte den Verdacht klarer aus als sein Pilot: "Vielleicht kann man das so sehen: Vettel war zu weit vorne und man wollte das Feld wieder näher zusammenbringen, wie man das im amerikanischen Rennsport oft macht." Der Österreicher hatte auf der Rennlinie keine Teile gesehen, die die Reifen gefährdet hätten, sondern lediglich Gummiteile.

Neweys Geniestreich macht den Red Bull deutlich schneller

Es war allerdings kein Zufall, dass sowohl Vettels Red Bull als auch Romain Grosjeans Lotus mit überhitzten Lichtmaschinen ausfielen, als die Temperaturen nach der Safety-Car-Phase extrem in die Höhe gegangen waren: Beide fahren mit Renault-Motoren.

Die Wut von Red Bull über den Ausfall war verständlich - war Vettel in Valencia doch so überzeugend wie noch nie zuvor in dieser Saison. Schon im Qualifying am Samstag hatte sie einen deutlichen Fingerzeig an die Konkurrenz gerichtet. Vettel hatte mit fast vier Zehntelsekunden Vorsprung die Pole-Position erobert. Auch im Rennen fuhr er bis zu seinem Ausfall deutlich schneller als die Konkurrenz. 20 Sekunden betrug Grosjeans Rückstand vor der Safety-Car-Phase.

Der neue Unterboden, den Red-Bull-Designer Adrian Newey als erste große technische Weiterentwicklung in dieser Saison erstmals in Valencia einsetzte, war für den Rennstall ein wesentlicher Schritt nach vorne und für die Rivalen ein Schlag ins Gesicht. Vier Zehntelsekunden pro Runde, so die Hochrechnungen im Fahrerlager, mache Neweys neuer Geniestreich den Wagen schneller. Trifft dies auch auf die noch kommenden Rennstrecken zu, kann sich Vettel trotz seines Pechs von Valencia als Gewinner fühlen.

Schumacher beendet Leidenszeit

Der Konkurrenz droht so eine neue Dominanz des Titelverteidigers. Vettel jedenfalls fühlt sich mit dem modifizierten Red Bull sichtlich wohl: "Ich weiß jetzt wieder genau, was das Auto macht." Die Unberechenbarkeit seines Boliden war in den ersten Grands Prix ein Problem gewesen. Das scheint jetzt gelöst. Motorsportchef Marko sieht es genauso: "Das Rennen war eine unglaubliche Dominanz von Red Bull und Vettel. Natürlich schmerzt das Ausscheiden, aber es sind noch viele Rennen. Wir haben schon härtere Rückschläge weggesteckt."

Mit Vettel ärgerte sich der eine Deutsche, dafür hatte ein anderer Grund zu großer Freude. Für Michael Schumacher war das Rennen in Valencia das Ende einer langen Leidensstrecke. Auch wenn sein dritter Platz durch die Ausfälle von Vettel, Grosjean und die späte Kollision von Pastor Maldonado und Lewis Hamilton nicht aus eigener Kraft zustande kam - seine Pole-Position in Monaco hatte bereits sein Potential bewiesen. Nur das Pech musste er noch hinter sich lassen. Das geschah in Valencia.

Mercedes müsse nun auf dem Speed aufbauen, so Haug. "An einigen Stellen haben wir großes Potential gezeigt. Ich denke da an Monaco und China", sagte der 59-Jährige: "In Kanada sind wir zuletzt auch bei hohen Temperaturen gut mit den Reifen umgegangen."

Bei Schumacher war die Erleichterung groß: "Ich hatte weder meinen Mut noch den Glauben ans Team verloren", sagte der 43-Jährige. "Ich glaube mehr als je zuvor an unser Projekt, und dass wir mit Mercedes etwas Tolles auf die Beine stellen werden." Das hörte sich schon so an, als hätte Schumacher bereits entschieden, seinen auslaufenden Vertrag zu verlängern.

insgesamt 52 Beiträge
Jule25 25.06.2012
1. .
Man kann davor ausgehen, dass der technische Defekt auch ohne die Safty-Car-Runden aufgetreten wäre. Zumindest darüber sollte man sich also nicht aufregen.
Man kann davor ausgehen, dass der technische Defekt auch ohne die Safty-Car-Runden aufgetreten wäre. Zumindest darüber sollte man sich also nicht aufregen.
emden09 25.06.2012
2. ohoo ein Experte
Ohooo ein Experte in Sachen Luftkühlung, der mehr weiß als die Renningenieure des Teams. Vielleicht sollten Sie dort anheuern.
Zitat von Jule25Man kann davor ausgehen, dass der technische Defekt auch ohne die Safty-Car-Runden aufgetreten wäre. Zumindest darüber sollte man sich also nicht aufregen.
Ohooo ein Experte in Sachen Luftkühlung, der mehr weiß als die Renningenieure des Teams. Vielleicht sollten Sie dort anheuern.
sappelkopp 25.06.2012
3. Schön, dass wir wieder eine ...
...Entschuldigung haben: Das Safety-Car. Schön, wenn wir hinterher wissen, dass es nicht nötig getan hätte, es rauszuschicken. Vor allem: der technische Defekt, wäre dann sicher auch nicht aufgetreten.
Zitat von sysopREUTERSWas für ein Frust: So stark wie in Valencia ist Sebastian Vettel in dieser Saison noch nicht gefahren - doch erst bremste ihn ein Safety Car, und dann kam das Aus wegen eines technischen Defekts. Trotzdem kann er sich als Sieger fühlen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,840687,00.html
...Entschuldigung haben: Das Safety-Car. Schön, wenn wir hinterher wissen, dass es nicht nötig getan hätte, es rauszuschicken. Vor allem: der technische Defekt, wäre dann sicher auch nicht aufgetreten.
sancho72 25.06.2012
4. Das war gestern wieder
ein Meisterwerk italienisch-spanischer Kooperation mit den bekannten sportlichen Mitteln (Ironie aus). Alonso sollte noch eine Chance bekommen nach vorne zu fahren und darum hat man das Safety-Car herausgeschickt. Lächerlich! [...]
ein Meisterwerk italienisch-spanischer Kooperation mit den bekannten sportlichen Mitteln (Ironie aus). Alonso sollte noch eine Chance bekommen nach vorne zu fahren und darum hat man das Safety-Car herausgeschickt. Lächerlich! Hoffentlich bleibt uns dieser "Sportsgeist" dann wenigstens Mittwoch/Donnerstag bei der Fußball-EM erspart.
widerstandsrecht 25.06.2012
5. Ergebnisverzerrung
Die ungerechtfertigte Beeinflussung des Rennergebnisses durch Safety-Phasen ist ein ständiges Ärgernis. Meist werden davon Fahrer betroffen, die mit der Ursache des Safetycar-Einsatzes rein gar nichts zu tun haben. Aber [...]
Die ungerechtfertigte Beeinflussung des Rennergebnisses durch Safety-Phasen ist ein ständiges Ärgernis. Meist werden davon Fahrer betroffen, die mit der Ursache des Safetycar-Einsatzes rein gar nichts zu tun haben. Aber anscheinend ist das gewollt. MIch wundert es nur, dass dabei die Rennställe, für die es ja auch um viel Geld geht, so klaglos mitmachen. Dabei ließe sich relativ einfach etwas gegen diese Verzerrungen tun, z.B. durch entsprechende Zeitgutschriften nach Ende des Rennens oder sofortige, für alle geltende Geschwindigkeitsbeschränkungen.

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