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Sport

Wolfsburgs Aus in der Frauen-Champions-League

Immer wieder Lyon

Zum vierten Mal nacheinander scheitert der VfL Wolfsburg in der Frauen-Champions-League am Überteam aus Frankreich. Auch weil eine deutsche Nationalspielerin zu clever war.

Ronny Hartmann AFP

Olympique immer einen Tick schneller am Ball

Von
Mittwoch, 27.03.2019   21:14 Uhr

Szene des Spiels: Auf den vorentscheidenden Augenblick der Partie konnte man sich schon nach acht Minuten verständigen. Lyons deutsche Nationalspielerin Dszenifer Marozsán zog einen Freistoß vom Flügel direkt aufs Tor. Ein Ball, der nie und nimmer ins Tor gehen kann, zumal Wolfsburg die erfahrene deutsche Nationaltorwartin Almuth Schult zwischen den Pfosten hat. Der Ball ging ins Tor. Und Schult war, nun ja, schuld. Alle guten Vorsätze der Wolfsburgerinnen in Sachen schnelle Aufholjagd waren dahin.

Ergebnis des Spiels: 4:2 gewinnt Champions-League-Titelverteidiger Olympique Lyon das Viertelfinalrückspiel beim VfL Wolfsburg im Duell der zwei vermutlich besten Teams in Europa. Schon das Hinspiel hatten die Französinnen 2:1 für sich entschieden. Zum detaillierten Spielbericht geht es hier entlang.

Die erste Halbzeit: Wenn ein Abend schon droht, daneben zu gehen, dann sollte man ihn auch richtig verderben. So verursachte Torfrau Schult in der 25. Minute auch noch einen Foulelfmeter gegen Weltfußballerin Ada Hegerberg, den Lyons Routinier Wendie Renard verwandelte. "Das Spiel wird Kopfsache", hatte VfL-Trainer Stephan Lerch vorher gesagt, und damit hatte er wohl Recht behalten.

Die zweite Halbzeit: Sehr unterhaltsam. Was auch daran lag, dass der VfL plötzlich so spielte, wie er es von Beginn an vorgehabt hatte. Pernille Harder traf innerhalb von zwei Minuten zum 2:2, und unvermittelt lag die große Show wieder im Bereich des Möglichen. Das Wunder vom Mittellandkanal. Der Wunderglaube währte exakt vier Minuten, dann wurde er von Frankreichs Stürmerstar Eugénie Le Sommer zertrümmert. In der 80. Minute schlug mit ihrem zweiten Treffer dann den Deckel über dieser Partie zu.

Joachim Sielski Getty Images

Nur Weltstars bei Lyon

Spielerin des Spiels: Dszenifer Marozsán war schon vor fast zehn Jahren die große Hoffnung des deutschen Frauenfußballs. Da war sie 18. Sie ist es bis heute geblieben, also die Hoffnung. Nur dass aus dem Teenie Marozsán von einst mittlerweile ein Weltstar geworden ist. In einem Team voller Weltstars. Nur weil sie nicht Mbappé, Neymar und Kane heißen, sondern Hegerberg, Kumagai und Renard, bleiben es doch Weltstars in ihrem Sport. Kleiner Exkurs in Sachen Selbstverständlichkeit.

Serie des Spiels: 2016 verlor Wolfsburg das Champions-League-Endspiel gegen Lyon. 2017 schied Wolfsburg im Viertelfinale aus gegen Lyon. 2018 verlor Wolfsburg das Finale gegen Lyon. 2019 schied Wolfsburg im Viertelfinale aus gegen Lyon. Man könnte darin eine gewisse Reihung erkennen. Nächstes Jahr also immerhin erst wieder Endspielniederlage.

Erkenntnis des Spiels: In den vergangenen Jahren war der VfL Wolfsburg so etwas wie der FC Bayern München im Frauenfußball. Ab sofort ist wieder der FC Bayern der FC Bayern des Frauenfußballs. Die Münchnerinnen stehen im Halbfinale der Champions League, die Wolfsburgerinnen nicht. Am Sonntag dann DFB-Pokal: Bayern gegen Wolfsburg.

VfL Wolfsburg - Olympique Lyon 2:4 (0:2)
0:1 Marozsán (8.)
0:2 Renard (25.)
1:2 Harder (53.)
2:2 Harder (56.)
2:3 Le Sommer (60.)
2:4 Le Sommer (80.)
Wolfsburg: Schult - Maritz, Fischer, Goeßling, Peter - Neto (46. Wolter) - Hansen (81. Minde), Gunnarsdóttir, Harder, Popp - Pajor (83. Doorsoun-Khajeh)
Lyon: Bouhaddi - Bronze, Mbock, Renard, Bacha - Le Sommer (83. van de Sanden), Fishlock (82. Kumagai), Henry, Majri (64. Cascarino) - Hegerberg, Marozsán
Gelbe Karten: Neto, Gunnarsdottir / Bronze, Hegerberg
Schiedsrichterin: Lina Lehtovaara
Zuschauer: 4000

insgesamt 3 Beiträge
zaunreiter35 27.03.2019
1. Vielen Dank
Herr Ahrens, für diese Spielbeschreibung. Schon vor dem Spiel hatte ich so eine Ahnung, dass der VfL es nicht schaffen würde, ins Halbfinale einzuziehen. Aber auch der "wahre" FC Bayern hätte es heute nicht [...]
Herr Ahrens, für diese Spielbeschreibung. Schon vor dem Spiel hatte ich so eine Ahnung, dass der VfL es nicht schaffen würde, ins Halbfinale einzuziehen. Aber auch der "wahre" FC Bayern hätte es heute nicht geschafft, gegen all die Renards, Fishlocks, Henrys dieser Welt weiterzukommen. Die hatten das "Glück", Slavia Prag zugelost zu bekommen. Und müssen sich jetzt im Halbfinale mit Barca femenin auseinandersetzen. Die haben auch eine Weltfußballerin. Lieke Martens, die heute in Lilleström den Auswärtssieg auf ihren Schuhen hatte.
polza_mancini 28.03.2019
2. Oh Mann,
so ganz ohne Männerfußballvergleich geht es dann aber doch nicht, oder? Was ist jetzt der Nährwert der Aussage, dass Maroszan ein Weltstar ist, auch wenn sie nicht Mbappé heisst? Kennen Sie Jennifer Jones, Sandra Schmirler [...]
so ganz ohne Männerfußballvergleich geht es dann aber doch nicht, oder? Was ist jetzt der Nährwert der Aussage, dass Maroszan ein Weltstar ist, auch wenn sie nicht Mbappé heisst? Kennen Sie Jennifer Jones, Sandra Schmirler oder Jill Officer? Auch Weltstars in ihrem Sport (Curling), ziehen nur leider auch keine 50.000 ins Stadion, wenn die Karten nicht gerade verschenkt werden. Die Akzeptanz des Frauenfussballs wird irgendwann besser oder auch nicht - warten wir es doch ab, aber bitte ohne diesen Vergleichsblödsinn. Ich fand das Spiel gut anzuschauen, auch wenn die Torwartleistung...nun ja...
ernst_wiertellorz 28.03.2019
3. Frauenfußball und der Einfluss auf den gender pay-gap ;-)
Sehr gut Herr Ahrens: Politisch korrekt berichtet, dass die Frauen-Weltstars im Fußball nicht die Wertschätzung, den medialen Widerhall und das Publikumsinteresse finden. Wohl aus diesem Grunde sind sie auch im Verhältnis zum [...]
Sehr gut Herr Ahrens: Politisch korrekt berichtet, dass die Frauen-Weltstars im Fußball nicht die Wertschätzung, den medialen Widerhall und das Publikumsinteresse finden. Wohl aus diesem Grunde sind sie auch im Verhältnis zum Männerfußball völlig "unterbezahlt" und beeinflussen, wenn auch minimal, den gerade wieder kritisierten und mit mannigfaltigen politischen Korrekturforderungen publizierten gender pay-gap. Wer sich das Spiel angesehen hat, wird unter Umständen konstatieren, dass die Attraktivität von Fußball und körperliche Leistungsfähigkeit in einem kausalen Abhängigkeitsverhältnis zueinander stehen und mag sich darüber u. a. auch den / die Torwartfehler erklären. Mir ist es bis heute, trotz mannigfaltiger Versuche, nicht gelungen, die spezifische Attraktivität des Frauenfußballs zu entdecken um über mangelnde Geschwindigkeit, Technik, Durchsetzungsvermögen - nicht absolut nur im Verhältnis zum Männerfußball - hinwegzusehen. Mit mir offensichtlich eine Majorität der Fußballliebhaber, was eine Erklärung bietet für geringere Bezahlung und, für den von Herrn Ahrens getätigten "Exkurs in Sachen Selbstverständlichkeit". Aber bleiben wir lieber mit Herrn Ahrens politisch korrekt und versuchen uns nicht an Erklärungen ;-)

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