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Sport

Deutscher WM-Sieg gegen Nigeria

Hoch und weiter

Es bleibt dabei: Die DFB-Frauen erreichen bei einer WM immer das Viertelfinale. Deutschlands Weg erinnert dabei an den zum Titel 2007.

Jean-Philippe KSIAZEK / AFP
Von
Samstag, 22.06.2019   20:28 Uhr

Minuten der VARheit: Mitte der ersten Halbzeit verbrachte Schiedsrichterin Yoshimi Yamashita mehr Zeit vorm Bildschirm als auf dem Platz. Das ausdauernde Studium der kritischen Szenen hatte allerdings nur eine 50-prozentige Trefferquote zur Folge: Svenja Huths Abseitsposition beim Kopfballtreffer von Alexandra Popp (20. Minute) hätte sie ahnden müssen, beim 2:0 erkannte sie zurecht ein Foul von Evelyn Nwabuoku im Strafraum an Lina Magull - Sara Däbritz verwandelte den Strafstoß sicher (27.).

Das Ergebnis: Auch dank dieser Entscheidungen hat Deutschland seine Achtelfinalpartie gegen Nigeria 3:0 (2:0) gewonnen und steht bei der achten WM zum achten Mal im Viertelfinale. Hier geht es zum Spielbericht.

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DFB-Erfolg über Nigeria: Die Null steht weiter

Die erste Hälfte: Bereits nach 50 Sekunden faltete Verena Schweers ihre Mitspielerinnen zusammen. Zu zögerlich war das Zweikampfverhalten der Deutschen direkt nach dem Anpfiff. Das Wachrütteln wirkte: Magull hatte die erste Chance der Partie, vergab aber mit einem Linksschuss aus zehn Metern (6.). Als die Begegnung in Grenoble zu ermüden drohte, kamen die beschriebenen Szenen zum 1:0 und 2:0. Es folgten zahlreiche rustikale Momente, Nigeria war allerdings technisch zu limitiert, um die weiterhin wacklig wirkende deutsche Defensive in Bedrängnis zu bringen.

Keine Marozsán, keine Oshoala: Nicht nur bei den Deutschen fehlte die beste Spielerin, auch Nigeria musste auf seinen Star verzichten. Nach einer Fußblessur im dritten Gruppenspiel gegen Frankreich musste die 24 Jahre alte Asisat Oshoala draußen bleiben. Die beste Angreiferin des Afrikameisters steht beim FC Barcelona unter Vertrag und kam auch im Champions-League-Finale zum Einsatz.

Popps 100: Die schönsten Geschenke macht man sich ja eh selbst. Dachte sich wohl auch Alexandra Popp, die in ihrem 100. Länderspiel zum 1:0 traf. Es war ihr 48. Treffer im Nationaltrikot. Nach der Pause rückte sie wie schon zuvor in diesem Turnier aus der vordersten Reihe ins zentrale Mittelfeld, um die Partie zu beruhigen.

Die zweite Hälfte: Die eingewechselte WM-Debütantin Rasheedat Ajibade sorgte mit einem prächtigen Lauf auf der linken Seite für Aufregung, ihren Flachpass in die Mitte verpasste Desiree Oparanozie nur um eine Fußlänge (50.). Es war der Startschuss einer engagierten Viertelstunde des Außenseiters. Deutschland konterte nur zögerlich, gute Chancen gab es keine bis in die Schlussphase hinein. Da verzog erst Däbritz freistehend (79.), bevor Lea Schüller aus halbrechter Position unhaltbar abschloss (81.) - ihr erstes Turniertor und die Entscheidung in diesem Spiel. Es war das erste Tor der Deutschen in diesem Turnier, das nicht nach einer Flanke beziehungsweise einem Standard fiel. Sondern einem individuellen Fehler.

Hoch geht immer: In der Gruppenphase hatte Deutschland alle Tore nach Standards oder hohen Bällen erzielt. Überraschenderweise führte das Team von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg zunächst alle Eck- und Freistöße flach beziehungsweise in solch verwirrenden Varianten aus, dass teilweise selbst die Spielerinnen nicht wussten, wie ihnen geschah. Als dann doch mal eine Ecke hoch in den Strafraum kam, fiel prompt das 1:0.

Die Null steht: Viertes Spiel bei einer WM-Endrunde, zum vierten Mal kein Gegentor - das gelang den deutschen Frauen zuletzt beim Turnier 2007 in China. Acht Tage später war man nach zwei weiteren Zu-Null-Spielen Weltmeister.

Der Jubel bleibt: Zum ersten Mal seit 20 Jahren hatten die Nigerianerinnen die Vorrunde überstanden. Die Freude darüber gehörte zu den bislang schönsten Szenen dieses Turniers.

Ausblick Viertelfinale: Erst in einer Woche geht es für die DFB-Elf weiter, wenn sie am 29. Juni (18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) in Rennes auf den Sieger aus Schweden gegen Kanada trifft. Deren Partie findet am Montag um 21 Uhr statt.

Deutschland - Nigeria 3:0 (2:0)
1:0 Popp (20.)
2:0 Däbritz (27. Foulelfmeter)
3:0 Schüller (82.)
Deutschland: Schult - Gwinn, Doorsoun, Hegering, Schweers (46. Simon) - Huth, Leupolz (46. Bühl), Magull (69. Oberdorf) , Däbritz - Schüller, Popp
Nigeria: Nnadozie - Okeke, Ebi, Nwabuoku (46. Ajibade), Ohale - Ordega, Ayinde, Okobi, Kanu (84. Ogebe) - Ihezuo (77. Uchendu), Oparanozie
Schiedsrichterin: Yoshimi Yamashita (Japan)
Gelbe Karten: Popp, Huth / Nwabuoku, Oparanozie, Ajibade
Zuschauer: 17.988

insgesamt 15 Beiträge
willibaldus 22.06.2019
1.
Ich fand das erste Tor OK. Das war passives Abseits. Höchstens eine Sichtbehinderung der Torfrau hätte man bemängeln können. Unsichtbar machen fällt aber auch schwer. Nachdem die Deutsche Mannschaft die Kirsche ins Tor [...]
Ich fand das erste Tor OK. Das war passives Abseits. Höchstens eine Sichtbehinderung der Torfrau hätte man bemängeln können. Unsichtbar machen fällt aber auch schwer. Nachdem die Deutsche Mannschaft die Kirsche ins Tor gepoppt hatte, lief es nur noch für die Deutschen. Klarer Sieg.
RalfHenrichs 22.06.2019
2. Genau deshalb war ich immer gegen VAR
1. Da betrachten im Studio und anschließend die Schiedsrichter im Stadion die Bilder auf dem Monitor. In verschiedenen Perspektiven und ausführlich. 2. Da wird das Spiel minutenlang unterbrochen und die Mannschaft, die das Tor [...]
1. Da betrachten im Studio und anschließend die Schiedsrichter im Stadion die Bilder auf dem Monitor. In verschiedenen Perspektiven und ausführlich. 2. Da wird das Spiel minutenlang unterbrochen und die Mannschaft, die das Tor erzielt hat (und die Fans im Stadium) können nicht richtig jubeln. 3. Da wissen die Spielerinnen (und erst recht die Fans im Stadium) gar nicht, worüber eigentlich diskutiert und entschieden wird. 4. Und wenn das alles vorbei ist und es endlich zur Entscheidung kommt, heißt es anschließend immer noch: die Entscheidung war falsch. Fazit: Wozu der ganze technische und zeitliche Aufwand, wenn es am Ende doch nicht zur richtigen Entscheidung kommt (weil am Ende immer noch Menschen entscheiden) bzw. die Entscheidung immer noch nicht akzeptiert wird? Zu falschen Entscheidungen bzw. Entscheidungen, über die anschließend diskutiert wird, kann man auch ohne VAR kommen.
jo.lu 22.06.2019
3.
Jetzt haben sie schon die Videos und entscheiden immer noch falsch. Steht im Abseits und behindert die Sicht. Und beim Foul der zum Elfmeter führt wird eindeutig der Ball gespielt.
Jetzt haben sie schon die Videos und entscheiden immer noch falsch. Steht im Abseits und behindert die Sicht. Und beim Foul der zum Elfmeter führt wird eindeutig der Ball gespielt.
homosapjens 22.06.2019
4. zweier Mass
ich finde die Berichterstattung und die Kommentare bezüglich der Leistungen der deutschen Mannschaft viel zu sehr mit der schwarz-rot-goldenen Brille betrachtet. Es ist doch offensichtlich, dass die deutsche Mannschaft ganz [...]
ich finde die Berichterstattung und die Kommentare bezüglich der Leistungen der deutschen Mannschaft viel zu sehr mit der schwarz-rot-goldenen Brille betrachtet. Es ist doch offensichtlich, dass die deutsche Mannschaft ganz erheblich mit spielerischen und vor allem technischen Defiziten zu kämpfen hat. Bälle stoppen und präzise Pässe sind zum grössten Teil eher durch Zufall als durch Können bestimmt. Auch körperlich fehlt eindeutig die Athletik und Geschwindigkeit. Doch nach den schwachen Spielen kommt lediglich sanft der Hinweis auf die Defizite mit dem Kommentar 'Hauptsache gewonnen, egal wie' aber eine klare Ansprache fehlt . Wenn andere Mannschaften Spielen, da sind die Kommentare und Analysen wesentlich sachlicher und qualifizierter, Können und Defizite werden klar angesprochen. Bei der Berichterstattung und Ansprache hinsichtlich der Leistungen der deutschen Mannschaft wird rumgeeiert und verklausulierte Vergleiche gezogen. Die klare Ansprache fehlt. Das hilft aber niemand. Weder macht es den Spielern klar, wo sie wirklich stehen noch macht es die Presse und Berichterstattung glaubwürdig. Oder glaubt Ihr von der Presse wirklich, dass das fachkundige Publikum nicht sieht, dass der deutsche Frauenfussball im Vergeich zu den meisten anderen Nationen doch ziemlich den Anschluss verloren hat?
norobato 22.06.2019
5. passives Abseits
Im zugehörigen Video wird deutlich gesagt, dass es passives Abseits ist, soweit erkennbar, ist das auch richtig. Also wo sollen die angeblichen Vorteile für das DFB-Team denn sein? Eingentlich ein überflüssiges Statement (was [...]
Im zugehörigen Video wird deutlich gesagt, dass es passives Abseits ist, soweit erkennbar, ist das auch richtig. Also wo sollen die angeblichen Vorteile für das DFB-Team denn sein? Eingentlich ein überflüssiges Statement (was dann auch meinen Kommentar überflüssig gemacht hätte).

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