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Sport

Umstrittener Real-Star Bale

Vor dem Knall

Seine Mitspieler sehen ihn kritisch, für den Trainer ist er ein Problemfall: Gareth Bale sorgt bei Real Madrid für Ärger. Nach zwei neuen Eskapaden könnte nun sogar Klubboss Pérez seinen Liebling aufgeben.

Getty Images

Gareth Bale

Von Florian Haupt, Madrid
Mittwoch, 27.02.2019   16:30 Uhr

Gareth Bale kann dem Torwart Kepa Arrizabalaga dankbar sein. Der Keeper des FC Chelsea verweigerte am vergangenen Wochenende seine Auswechslung und war damit das Gesprächsthema im internationalen Fußball. Die Eskapade, die sich Bale bei Real Madrid in Spanien leistete, ging wohl auch deswegen eher unter.

Der vierfache Champions-League-Sieger Bale brüskierte seinen Trainer, als er das Warmlaufen eigenmächtig abbrach - beleidigt, weil er nicht als erster Spieler eingewechselt wurde. Sein Missfallen machte er später auch seinem Teamkollegen Lucas Vázquez deutlich, als der ihn beglückwünschen wollte.

Bale war doch noch in die Partie gekommen und hatte den Elfmeter zum 2:1-Sieg bei UD Levante verwandelt. Genervt riss er sich von Vázquez los, etwas später klatschte er dann doch mit ihm und den anderen Mitspielern ab.

Real hat in der bisher wichtigsten Saisonwoche trotzdem eine Debatte über Teamgeist und Trainerautorität am Hals. Am Abend kommt der FC Barcelona zum Halbfinalrückspiel im Pokal (Hinspiel: 1:1). Am Samstag folgt schon der nächste Clásico, bei dem es um die letzte Chance in der Meisterschaft geht (neun Punkte Rückstand auf Barcelona). Und am Dienstag gastiert Ajax Amsterdam zum Achtelfinalrückspiel in der Champions League. Angesichts des knappen 2:1 im Hinspiel und der Gelbsperre von Kapitän Sergio Ramos ist da noch nichts entschieden.

Der Trainer, Santiago Solari, wurde am Dienstag einem Kreuzverhör durch die Presse unterzogen. Ob eine Nominierung des Walisers angesichts der Vorfälle vom Wochenende vertretbar sei, ob sich Profis wie der ausgebootete Isco dann nicht über doppelte Standards beklagen müssten, ob andere Ersatzspieler dadurch nicht demoralisiert würden - so drei der vielen Fragen zu Bale, die Solari, so es nur irgendwie ging, mit Gemeinplätzen zu entschärfen versuchte: "Bale ist voll bei der Sache."

AFP

Gareth Bale (links) schiebt Lucas Vázquez weg

Solari hat in seinen vier Monaten als Trainer von Real Madrid harte Entscheidungen getroffen:

Aber Bale ist noch mal ein anderes Kaliber. Bale gilt als Liebling von Präsident Florentino Pérez, seit der ihn 2013 für die damalige Rekordablöse von 101 Millionen Euro aus Tottenham einkaufte, weil der Klubboss überzeugt war, in ihm einen jüngeren, besseren, pflegeleichteren Ronaldo gefunden zu haben.

Bale wird verdrängt von Vinícius und Vázquez

Ronaldo verteidigte seinen Führungsanspruch dann problemlos durch überragende Torquoten. Bale steuerte wichtige Treffer bei, wurde aber wegen einiger Verletzungen und mangelnder Integration nie zur tragenden Säule. Als Ronaldo ging, sollte sich alles ändern, Bale sollte endlich seinen Platz finden. Doch es wurde nur noch schlimmer, ein Teenager (Vinícius) und ein bisheriger Ergänzungsspieler (Vázquez) verdrängen den 29-Jährigen oft aus der Stammelf, und mittlerweile scheint Bale so genervt, dass er den Ärger regelrecht sucht.

Schon im Oktober verblüffte er mitten in Reals erster großer Saisonkrise, als er mehrfach ausgewechselt werden wollte, obwohl die Ärzte keine Blessur feststellen konnten. Während einer Niederlage gegen Real Sociedad im Januar - Bale fehlte verletzt - verließ er schon zehn Minuten vor Abpfiff beim Stand von 0:1 das Stadion. Und im Derby bei Atlético feierte er kürzlich seinen Torerfolg - als Einwechselspieler - zum 3:1 mit obszönen Gesten gegenüber dem Publikum.

Foto: REUTERS

Die Allüren werden ihm umso übler genommen, als er immer noch kein Spanisch spricht und seine unzugängliche Art nach Madrid passt wie ein Karpfen in die Südsee. In den Medien wird der Real-Spitzenverdiener (15 Millionen Euro netto) dieser Tage mit Häme überzogen. Keine Petitesse ist dafür zu klein, nicht mal die, dass er beim Betreten von Levantes Stadion auf dem Handy ein Golfturnier schaute.

Ex-Trainer Zidane und Ancelotti hatten Probleme mit Bale

Golf ist Bales große Leidenschaft, auf seinem Waliser Wohnsitz hat er einen eigenen Dreilochplatz. In der Kabine nennen sie ihn den "Golfer", hat Keeper Thibaut Courtois kürzlich getratscht. Der von Chelsea gekommene Belgier lästerte außerdem, Bale habe ein gemeinsames Teamdinner sausen lassen, weil es ihm zu spät gewesen sei: "Er sagte, um elf muss ich schlafen." Courtois, einst bereits bei Atlético aktiv, wusste wohl genau, wie er Bale damit als Ignoranten bloßstellte. Vor Mitternacht ins Bett zu gehen - das gilt in Spanien als Kapitalverbrechen.

AFP

Real Madrids Gareth Bale

In substanziellerer Hinsicht werfen ihm Kritiker vor, die zwei beliebtesten Real-Trainer des vergangenen Jahrzehnts auf dem Gewissen zu haben. Carlo Ancelotti hat im Nachhinein mehrfach erläutert, wie sein Beharren auf Trainerautonomie im Umgang mit Bale sein Verhältnis zu Pérez zerrüttete. Zinédine Zidane soll den Präsidenten fast so weit gehabt haben, dem Verkauf eines Profis zuzustimmen, den er für zu egoistisch und unverlässlich hielt. Doch Bales famoser Fallrückzieher als Einwechselspieler im vergangenen Champions-League-Finale gegen Liverpool brachte Pérez noch einmal seiner alten Liebe nahe - er überredete Bale zum Verbleib. Kurz darauf trat Zidane zurück.

Nun kreuzt die Personalie Bale auch Solaris Weg. Verliert Solari die Autorität oder verliert er den Präsidenten? Oder hat sich nach Bales Eskapaden auch Pérez abgewandt? Was noch nie so recht zusammenpasste, steht womöglich vor dem großen Knall.

insgesamt 11 Beiträge
srbler 27.02.2019
1. was hat der nen streß-
ich finde den bale schon immer für komplett überbewertet, vllt.war er auch mal ein netter junge aber passiert halt immer wieder- geld verdierbt den charakter, uff tribüne und fertig- geld spielt ja seltsamerweise bei real und [...]
ich finde den bale schon immer für komplett überbewertet, vllt.war er auch mal ein netter junge aber passiert halt immer wieder- geld verdierbt den charakter, uff tribüne und fertig- geld spielt ja seltsamerweise bei real und co eh keine rolle
murun 27.02.2019
2. Der Fehler war der überzogene Preis, der für ihn gezahlt wurde
Der Fehler war der überzogene Preis, der für ihn gezahlt wurde. Bale ist ein überragender Spieler, aber nicht einmal ansatzweise so ein zuverlässiger Knipser aus dem Spiel heraus, wie es Christiano Ronaldo bei Real war. [...]
Der Fehler war der überzogene Preis, der für ihn gezahlt wurde. Bale ist ein überragender Spieler, aber nicht einmal ansatzweise so ein zuverlässiger Knipser aus dem Spiel heraus, wie es Christiano Ronaldo bei Real war. Aufgrund der selbst gesehenen Bedeutung innerhalb der Mannschaft angesichts der völlig überzogenen Transfersumme und der Tatsache, ein Liebling des Oberbosses zu sein, hat er es bis heute verpasst, sich in die Mannschaft zu integrieren. Bale ist mittlerweile eigentlich nur ein sehr teurer Klotz am Bein von Real Madrid.
Der Dexter 27.02.2019
3. Der Junge muss an die frische Luft!
Dem Artikel nach scheint Bale ja wirklich nicht sehr mannschaftsdienlich zu sein. REAL sollte ihn an die Luft setzen, wenn er provoziert, dass es wegen ihm so viele Sonderwege im Team gibt. Ein Neuanfang für ihn wäre super. [...]
Dem Artikel nach scheint Bale ja wirklich nicht sehr mannschaftsdienlich zu sein. REAL sollte ihn an die Luft setzen, wenn er provoziert, dass es wegen ihm so viele Sonderwege im Team gibt. Ein Neuanfang für ihn wäre super. Vielleicht wäre Schalke der ideale Verein für ihn. Da regiert ja auch seit Jahren der Wahnsinn gepaart mit immer wieder kehrenden Chaos. Im Schalker Zirkus wäre ein Bale möglichererise der passende Hochselartist, der für seine Kapriolen ohne Netzt und doppelten Boden im Port gefeiert wird.
spon1899 27.02.2019
4.
15 Millionen ist nur noch pervers. Und dann so ein Charakter. Auf die Bank und gut.
15 Millionen ist nur noch pervers. Und dann so ein Charakter. Auf die Bank und gut.
charlybird 27.02.2019
5. Unfassbar.
100 Mio Ablöse, 15 Mio netto Gehalt seit knapp 6 Jahren, und der hält es nicht einmal für nötig die Sprache des Landes zu lernen, das ihm dieses Glück beschert. Es sollte auch eine Abschiebung für dusselige, undankbare [...]
100 Mio Ablöse, 15 Mio netto Gehalt seit knapp 6 Jahren, und der hält es nicht einmal für nötig die Sprache des Landes zu lernen, das ihm dieses Glück beschert. Es sollte auch eine Abschiebung für dusselige, undankbare Fußballprofis geben, aber im Reisebus mit Fresspaket.

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