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Sport

Hoeneß-Nachfolger Herbert Hainer

Kein Mann für den Umbruch

Herbert Hainer beerbt Uli Hoeneß als Präsident beim FC Bayern. Für die lauten Töne sind zukünftig andere zuständig. Fragen und Antworten zum neuen starken Mann im Klub.

Uwe Anspach / DPA

Herbert Hainer (M.) zwischen Karl-Heinz Rummenigge (l.) und Uli Hoeneß

Freitag, 15.11.2019   16:36 Uhr

Seine Wahl steht zwar noch aus, doch sie gilt als Formsache: Wenn am Abend auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern München Uli Hoeneß abtritt, wird Herbert Hainer zum neuen Präsidenten und Aufsichtsratsvorsitzenden bis 2022 gewählt. Hainer wird im Klub zum neuen starken Mann neben Karl-Heinz Rummenigge.

Wer ist Herbert Hainer?

Der 65-Jährige ist im niederbayerischen Dingolfing geboren, als Sohn eines Metzgers - so wie Hoeneß. Mit 33 Jahren fing er beim Sportartikelkonzern Adidas als Sales Director an, er arbeitete sich hoch bis zum Vorstandsvorsitzenden. Hainer behielt den Posten fast eineinhalb Jahrzehnte lang bis ins Jahr 2016. Eine seiner ersten Amtshandlungen als Vorstandschef bestand darin, Anteile am FC Bayern zu erwerben und den Ausrüster- und Sponsorenvertrag mit dem Klub zu verlängern. Heute hält Adidas (genau wie Allianz und Audi) 8,33 Prozent an der FC Bayern München AG.

Unter Hainers Führung erlebte Adidas einen Aufschwung, was unter anderem an Einsparungen durch gestrichene Stellen und Sponsorendeals mit der Fifa, Verbänden wie dem DFB und Topklubs wie den Bayern lag. Hainer ist also bestens vernetzt in Wirtschaft und Sport.

DPA

Hoeneß (l) im Gespräch mit Hainer - das Bild stammt aus dem Jahr 2013

Beim FC Bayern ist Hainer kein Neuling. Schon zu Zeiten als Adidas-Chef hatte er einen Platz im Aufsichtsrat übernommen; zuletzt war er Stellvertretender Vorsitzender hinter Hoeneß. 2014 hatte Hainer übergangsweise schon einmal den Vorsitz inne, nachdem Hoeneß im Zuge seines Steuerhinterziehungsprozesses von seinem Amt zurückgetreten war.

Warum erhält er den Posten?

Hoeneß selbst hat Hainer als seinen Nachfolger empfohlen. Das entsprechende Gremium folgte diesem Vorschlag. Einen Gegenkandidaten gibt es nicht.

Hainer gilt als enger Hoeneß-Vertrauter. Die "Süddeutsche Zeitung" schreibt, Hainer sei einer der ersten Besucher gewesen, nachdem Hoeneß seine Haftstrafe angetreten hatte. Hainer selbst sagte dem Bayern-Mitgliedermagazin "51" über seine Beziehung zu Hoeneß: "Als unsere Tochter gestorben ist, war er der Erste, der anrief und fragte, wie er helfen kann. Entscheidend ist nicht, wer mit dir lacht, wenn es dir gutgeht. Da hat man viele Freunde. Entscheidend ist, wer mit dir weint, wenn es dir schlecht geht."

Wie sehr ist Hainer von Hoeneß emanzipiert?

"Wir sind zwar befreundet, aber das heißt ja nicht, dass wir immer zu jedem Thema gleicher Meinung sind", sagt Hainer zwar, und dass er "sicher auch eigenständige Entscheidungen treffen" werde.

Hainer sagt aber auch, dass es "klug von mir [wäre], wenn ich auf seinen Rat hören würde." Und: "Uli Hoeneß ist nicht aus der Welt. Er lebt gerade mal 40 Kilometer von der Säbener Straße entfernt. Die Handynetze am Tegernsee sind intakt - und ich habe in den Jahren schon herausgefunden, wie ich ihn kriegen kann." Man darf davon ausgehen, dass dem Klub kein Umbruch bevorsteht, der von Hainer ausgeht.

Was wird aus der Abteilung Attacke?

Es sieht danach aus, als würde sie leiser werden. Er werde sich "tendenziell zurückhalten", sagte Hainer der "SZ", und er könne sich "nicht vorstellen, dass ich jeden Samstag das jeweilige Spiel öffentlich kommentiere". Nur wenn er "das Gefühl habe, dass ich etwas sagen muss, werde ich das tun."

Vermutlich aber wird der öffentlich viel bekanntere Oliver Kahn künftig Bayerns Sprachrohr, Hainer käme dann eine zurückhaltendere Rolle zu. Kahn wird ab 2020 beim FC Bayern eingearbeitet, Ende 2021 soll er Karl-Heinz Rummenigge als Vorstandsvorsitzenden beerben. Zumal Noch-Sportdirektor Hasan Salihamidzic im kommenden Jahr zum Sportvorstand befördert werden soll. Der FC Bayern habe dann "genügend Leute mit hohem Fußballsachverstand", wie Hainer sagt.

Selbstverständlich kann sich auch Uli Hoeneß noch immer selbst einschalten, wenn es beim FC Bayern nicht so läuft, wie er es sich vorstellt. Der Klub wird aus Hoeneß' Perspektive wohl auf ewig seiner bleiben. Ein Anruf in einer Fußball-Talkrunde wäre schnell getätigt. Dem guten Handynetz am Tegernsee sei Dank.

mon

insgesamt 37 Beiträge
mlnw 15.11.2019
1. Umbruch?
Ich frage mich immer wieder, was es mit dem Umbruch auf sich hat? Der FCB wird seit Jahren Deutscher Meister, im Pokal auch recht erfolgreich und CL sieht auch nicht so katastrophal aus. Meistens unter die besten 8 oder 4. Weshalb [...]
Ich frage mich immer wieder, was es mit dem Umbruch auf sich hat? Der FCB wird seit Jahren Deutscher Meister, im Pokal auch recht erfolgreich und CL sieht auch nicht so katastrophal aus. Meistens unter die besten 8 oder 4. Weshalb soll da ein Umbruch her? Ich versteh unter Umbruch, einen Reset, 180 Grad Wendung oder von mir aus eine andere Richtung, aber was soll damit besser werden. Der FCB muss doch nur das Niveau halten bzw verbessern in Bezug auf CL. Meiner Meinung nach wäre ein Umbruch der verkehrte Weg statt sich Schritt für Schritt zu verbessern.
doppelnass 15.11.2019
2. Umbruch Stch
Bayern hat Erfolg, sportlich und finanziell. Der Spiegel fordert seit Jahren einen Umbruch. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Der Spiegel, der selbst keinen Umbruch schafft, sondern eher durch einen riesen Skandal [...]
Bayern hat Erfolg, sportlich und finanziell. Der Spiegel fordert seit Jahren einen Umbruch. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Der Spiegel, der selbst keinen Umbruch schafft, sondern eher durch einen riesen Skandal zu einem Wechselchen gezwungen wurde. Das berühmte Glashaus. Und sehr große Steine.
cat69 15.11.2019
3. Außer Bayern gibt es doch gar nichts
Auch wenn und das immer wieder verkauft wird. Die sind in jeder Hinsicht Maßstab der Dinge an denen sich die Anderen zu orientieren haben.
Auch wenn und das immer wieder verkauft wird. Die sind in jeder Hinsicht Maßstab der Dinge an denen sich die Anderen zu orientieren haben.
albatross507 15.11.2019
4. Aufsichtsrat
Wie der Name schon sagt, ist der Aufsichtsrat zur Aufsicht des Vorstandes da, hat also eine Kontrollfunktion. Wenn Bayern warum auch immer einen Umbruch suchen sollte, waere dies Verantwortung des Vorstandes.
Wie der Name schon sagt, ist der Aufsichtsrat zur Aufsicht des Vorstandes da, hat also eine Kontrollfunktion. Wenn Bayern warum auch immer einen Umbruch suchen sollte, waere dies Verantwortung des Vorstandes.
wekoger 16.11.2019
5. Umbruch ?
Welcher Umbruch soll denn da bitte stattfinden? Wohin denn? Der FCB ist der in jeder Hinsicht einer der erfolgreichsten Sportvereine Europas und auch weltweit. Der FCB besteht ja nicht nur aus Herren-Fußball, sondern u.a. auch [...]
Welcher Umbruch soll denn da bitte stattfinden? Wohin denn? Der FCB ist der in jeder Hinsicht einer der erfolgreichsten Sportvereine Europas und auch weltweit. Der FCB besteht ja nicht nur aus Herren-Fußball, sondern u.a. auch aus einer erfolgreichen Basketball-Mannschaft. Und gerade diese Basketballmannschaft hat sich nicht zuletzt durch die Unterstützung von Uli Hoeneß zu einem Spitzenteam entwickelt. Ich habe so das Gefühl, dass ein guter Teil der deutschen Journaille - und besonders auch der Spiegel - dem FCB einen Umbruch a la 1860 München wünscht. Mit ständigen Querelen und dem Marsch in die Bedeutungslosigkeit.
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