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Sport

DFB-Nationalspieler Hector

"Es war kein verschenktes Jahr"

War das ein kluger Karriereschritt? Als Jonas Hector mit dem 1. FC Köln in die zweite Liga ging, wurde er vom Bundestrainer zwischenzeitlich nicht mehr nominiert. Im Interview erklärt der Spieler, warum er seine Entscheidung trotzdem für richtig hält.

Thomas Eisenhuth Getty Images

Jonas Hector kehrt zurück - in die Bundesliga und die Nationalelf

Ein Interview von
Samstag, 08.06.2019   13:33 Uhr

Zur Person

Jonas Hector, 29, spielt seit 2014 in der Fußball-Nationalmannschaft. Mittlerweile hat er 42 Länderspiele auf dem Konto. Dem 1. FC Köln hielt er auch nach dem Erstligaabstieg die Treue, ein ungewöhnlicher Schritt für einen Nationalspieler.

SPIEGEL ONLINE: Herr Hector, wissen Sie noch, was Sie am 24. März gemacht haben?

Hector: Nee, was war da?

SPIEGEL ONLINE: Da haben die Niederlande in der EM-Qualifikation gegen Deutschland gespielt.

Hector: Ja, jetzt, wo Sie es sagen. An dem Abend habe ich mit meiner Frau gemütlich auf der Couch gesessen und das Spiel im Fernsehen verfolgt.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben in den vergangenen Jahren wenig Gelegenheit, die Nationalmannschaft auf der Couch im Fernsehen zu gucken, weil Sie immer mit dabei waren. Zuletzt wurden Sie nicht mehr nominiert. Nach einem halben Jahr sind Sie nun zurück. Hat sich in der Zwischenzeit was verändert bei der Nationalmannschaft?

Hector: Die meisten Änderungen wurden ja schon vor mehr als einem halben Jahr eingeleitet. Seitdem gibt es ein paar neue Gesichter, aber sonst ist vieles wie immer. Ich sehe keinen großen Unterschied.

SPIEGEL ONLINE: Hatten Sie mit Ihrer Wiedernominierung gerechnet?

Hector: Ich habe nicht fest damit gerechnet. Ich denke, das ist auch verständlich - wenn man den Lehrgang vorher nicht mitgemacht hat.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind in der Vorsaison trotz des Abstiegs des 1. FC Köln beim Verein geblieben und in die zweite Liga mitgegangen. Das wurde in Köln sehr gefeiert, es gab aber auch Kritik, Sie riskierten damit einen Karriereknick in der DFB-Elf.

Emmanuel Dunand AFP

Im Zweikampf mit Memphis, bisher sein letztes Länderspiel im November 2018

Hector: Das hatte ich als Gedankenspiel schon im Kopf, dass es so passieren kann. Nichtsdestotrotz hat das an meiner Entscheidung nichts verändert, beim Verein zu bleiben. Weil ich mich in Köln wohlfühle. Auch im Nachhinein ist diese Entscheidung für mich völlig richtig gewesen.

SPIEGEL ONLINE: Wie haben Ihre Kollegen in der Nationalmannschaft eigentlich darauf reagiert?

Hector: Die Reaktionen waren gemischt. Auf der einen Seite gab es einige Mitspieler, die meine Entscheidung gut fanden, beim Verein zu bleiben. Andererseits gab es auch Spieler, die mich schon gefragt haben: Warum machst du das? Warum bleibst du nicht in der ersten Liga oder wechselst nicht ins internationale Geschäft? Ihnen habe ich die Situation dann versucht zu erklären. Es war auf jeden Fall mal ein schönes, interessantes Diskussionsthema.

SPIEGEL ONLINE: Ihre Entscheidung widerspricht zumindest den gängigen Mustern im Profifußball. Da geht es ja eher ums "Immer weiter, immer höher". Sehen Sie sich da selbst auch als jemand, der gegen den Trend geht?

Hector: Diese Perspektive war mir gar nicht so wichtig. Es geht ja im Endeffekt um mich, daher muss ich nicht auf andere gucken und nicht darauf achten, was andere mir "vorschreiben". Es geht allein darum, ob ich glücklich bin und mich wohlfühle.

SPIEGEL ONLINE: Hat Ihnen das Zweitligajahr irgendwas gebracht? Oder ist es eher so, dass man da durch muss, gegen Bielefeld und Magdeburg zu spielen?

Hector: Man kann immer etwas dazulernen. Ich war zum Beispiel das erste Mal offiziell Kapitän in dem Team, gerade durch diese verantwortungsvolle Rolle habe ich viel gelernt, besonders im zwischenmenschlichen Bereich. Zudem habe ich diverse Positionen gespielt, auch in dieser Hinsicht habe ich einiges mitbekommen. Es war kein verschenktes Jahr.

Christoph Koepsel Getty Images

Zurück beim DFB-Team nach einem halben Jahr Auszeit

SPIEGEL ONLINE: Dennoch schienen die Kritiker zunächst recht zu behalten. Joachim Löw hat den Zweitligaspieler Jonas Hector im März nicht berufen, bei Mats Hummels, Jérome Boateng und Thomas Müller war das ein großes Thema. Ihre Nichtnominierung wurde weniger kommuniziert. Hatten Sie Sorge, dass Ihre DFB-Karriere im Schatten dieser Dreierpersonalie auch zu Ende geht?

Hector: Ich habe das relativ entspannt aufgenommen. Es gab immer Kontakt zum Bundestrainer, wir haben uns ausgetauscht. Deshalb habe ich das auch nicht an die große Glocke gehängt.

SPIEGEL ONLINE: Während Ihrer Abwesenheit hat Ihr Vertreter Nico Schulz eine gute Figur gemacht, er hat das Siegtor in den Niederlanden erzielt und wechselt jetzt zu Borussia Dortmund, wo ihm die Aufmerksamkeit sicher ist. Es gibt eine neue Konkurrenzsituation für Sie.

Hector: Ich glaube, das ist ganz normal. Ich war lange Zeit der einzige nominelle Linksverteidiger, der eingeladen wurde. Jetzt sind wir in diesem Lehrgang zu dritt. Natürlich ist das eine neue Konkurrenzsituation.

SPIEGEL ONLINE: Wie gehen Sie mit Konkurrenz um?

Hector: Das ist in unserem Geschäft einfach so, dass es Konkurrenz gibt. Damit muss man sich auseinandersetzen und den Konkurrenzkampf entsprechend annehmen.

SPIEGEL ONLINE: Schaut man im Training genauer hin, was der Konkurrent so macht?

Hector: Ich nicht. Bei mir ist es so, dass ich versuche, mein eigenes Spiel rüberzubringen, meinen Beitrag zum Gesamterfolg zu leisten und weniger auf andere Leute zu gucken.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind jetzt 29 Jahre und sind damit mit Verlaub nicht mehr der Allerjüngste im Fußball. Merken Sie manchmal schon: Ich bin nicht mehr 20?

Hector: In der Vorbereitung habe ich zuweilen den Eindruck, es zieht sich ein bisschen länger mit der Erholung, den Muskelkater spürt man etwas mehr. Ich weiß aber mittlerweile ganz gut, um was ich mich für die Fitness kümmern muss. Im Spiel selbst merke ich keinen Unterschied.

SPIEGEL ONLINE: Wird Jugend als Faktor im Fußball überschätzt und Routine zu gering gewertet?

Hector: Das glaube ich nicht. Generell muss man eine gesunde Mischung im Team hinbekommen. Wenn man nur junge Spieler hat, fehlt sicher etwas - zum Beispiel Routine und Erfahrung. Andersherum gilt, dass man auch jugendliche Frische und Unbekümmertheit braucht. Beides ist nötig.

SPIEGEL ONLINE: Die Männer spielen jetzt gegen Weißrussland und Estland, die Frauen des DFB starten parallel in ihre Weltmeisterschaft. Ist die WM der Frauen bei Ihnen in der Mannschaft ein Thema, gucken Sie die Spiele an?

Hector: Bisher ist es noch kein großes Thema in der Mannschaft gewesen, muss ich gestehen. Wir haben ja jetzt erst einmal zwei EM-Quali-Spiele vor der Brust. Aber das wird sicher losgehen, wenn das Turnier Fahrt aufgenommen hat, das kennt man ja, dann ist High Life. Dann werden auch wir darüber diskutieren.

SPIEGEL ONLINE: Die Frauen müssen immer noch um Wahrnehmung kämpfen. Für Sie als männlichen Kollegen: Wird der Fußball der Frauen nach wie vor unter Wert verkauft?

Hector: Natürlich sind Berichterstattung und Aufmerksamkeit im Vergleich zu uns deutlich niedriger. Ich würde mich für den Frauenfußball freuen, wenn sich das verbessert.

insgesamt 8 Beiträge
kub.os 08.06.2019
1. Bodenständig
Auch wenn das Interview nicht besonders erhellend ist, so kann man doch sagen, das Hector eine gewisse Bodenständigkeit aufweist. Die Spieler werden ohnehin mit Geld zugeschüttet. Kommt es nun wirklich darauf an, noch ein paar [...]
Auch wenn das Interview nicht besonders erhellend ist, so kann man doch sagen, das Hector eine gewisse Bodenständigkeit aufweist. Die Spieler werden ohnehin mit Geld zugeschüttet. Kommt es nun wirklich darauf an, noch ein paar Milliönchen mehr zu besitzen, wenn man sich doch in der Stadt in der man lebt sich wohlfühlt? Diese Frage wird von Hector beantwortet und sie ist wohltuend.
anselmi 08.06.2019
2.
Da der Bundestrainer ohnehin nach Sympathie nominiert, könnte Hector beim SC Jülich in der Kreisliga anheuern und wäre trotzdem Stammspieler in "Die Mannschaft".
Da der Bundestrainer ohnehin nach Sympathie nominiert, könnte Hector beim SC Jülich in der Kreisliga anheuern und wäre trotzdem Stammspieler in "Die Mannschaft".
manyasli 08.06.2019
3.
Solche Kerle sind rar geworden in der heutigen Fussballwelt, aber ganz ausgestorben sind sie anscheinend noch nicht.
Solche Kerle sind rar geworden in der heutigen Fussballwelt, aber ganz ausgestorben sind sie anscheinend noch nicht.
zynis 08.06.2019
4. Camouflage-Supersportwagen-Kasper
Guter Mann - gerade im Hinblick auf all die Camouflage-Supersportwagen-Kasper im Fußball. JH fährt Ford Focus.
Guter Mann - gerade im Hinblick auf all die Camouflage-Supersportwagen-Kasper im Fußball. JH fährt Ford Focus.
siryanow 08.06.2019
5. Eff Cee , allaf juu
Da sieht manns widda. Eff Cee, allaaf juu . Dat sinn ebbe echte Koelsche Jong.Isch gloob , wenn mia fuer dae naechste Saisoo dae Poldi widda nach Hause hollae und fiellaicht noch dae Litti dazu , ja dann liebae Froindae, jibt et [...]
Da sieht manns widda. Eff Cee, allaaf juu . Dat sinn ebbe echte Koelsche Jong.Isch gloob , wenn mia fuer dae naechste Saisoo dae Poldi widda nach Hause hollae und fiellaicht noch dae Litti dazu , ja dann liebae Froindae, jibt et fior dae EFF ZEE kain haltae. Et jibt ooch Jeruechte dat dae Juerjen Klopp den Eff Cee rocken will , Mann , Jongs, mit 'n paar Staengelschae Koelsch hole mia dann die Schaempions Pott, allaaf juu.

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