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Sport

Barca-Sieg über Lyon

Wenn Messi ernst macht

Der FC Barcelona hat sich mit einer Gala fürs Viertelfinale der Champions League qualifiziert. Gegner Lyon durfte kurz auf eine Überraschung hoffen - dann kam der Superstar.

REUTERS

Lionel Messi

Aus Barcelona berichtet
Donnerstag, 14.03.2019   10:42 Uhr

Am Ende war er es wieder, der die Entscheidung bringen musste. Wie so oft, wie Hunderte Male zuvor. Lionel Messi.

Nach einem 0:0 im Hinspiel siegte der FC Barcelona im Rückspiel gegen Olympique Lyon 5:1 (2:0) und zog ins Viertelfinale der Champions League ein. Die Leistung der Katalanen war die meiste Zeit über so souverän, wie das Ergebnis sich liest- wären da nicht diese wenigen bangen Minuten gewesen. Aber es gab ja Messi.

"Dass Teams wie Paris Saint-Germain oder Real Madrid rausgeflogen sind, sollte uns warnen", hatte Barcelonas Coach Ernesto Valverde vor dem Spiel gesagt. Entsprechend sorgenvoll kniete er in der 60. Minute mit gefalteten Händen am Rande seiner Coaching-Zone, als der Videoschiedsrichter den 1:2-Anschlusstreffer von Olympique Lyon prüfte und schließlich anerkannte.

Plötzlich stand ein Spiel auf der Kippe, das die Gastgeber bis dahin so überlegen geführt hatten. Eine Stunde lang hatten sie kombinationssicher nach vorn gespielt und Lyon kaum an den Ball gelassen. "Es war herausragend", sagte Valverde "wir haben das Spiel dominiert, hatten Abschlüsse, haben zweimal getroffen und hätten noch nachlegen können."

Messi hatte Barcelona mit einem leichtfüßigen Panenka-Elfmeter in Führung (18. Minute) gebracht, Luis Suárez nach starker Einzelleistung Philippe Coutinho den zweiten Treffer aufgelegt (31.). Doch Suárez verzog danach aus guter Position knapp (37.), und Messi versuchte es nach der Pause zu lässig mit einem Lupfer (47.), als Arthur ihm den Ball querlegte. Dann kam, womit niemand gerechnet hatte: Lucas Tousart erzielte den Anschlusstreffer für Lyon (58.).

Lob für Coutinho und Arthur

Möglicherweise wollte Messi nach der Vorstellung von Cristiano Ronaldo, dem er nach dem Juventus-Sieg über Atlético am Vorabend eine "magische Nacht" bescheinigt hatte, noch eine Schippe drauflegen. Mehrfach versuchte er, wie beim Elfmeter, seine Aktionen mit einem Extra-Schnörkel zu versehen. Das war schön anzuschauen, spätestens nach seiner verpassten Chance zum 3:0 und dem darauffolgenden Gegentor besann er sich jedoch aufs Wesentliche: den Viertelfinal-Einzug.

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Champions League: Immer wieder Messi

Zunächst ließ er zwei Gegenspieler aussteigen und traf zum zweiten Mal an diesem Abend (78.), dann legte er Gerard Piqué (81.) und dem eingewechselten Ousmane Dembélé (86.) jeweils einen Treffer auf. "Leo hat ein unglaubliches Spiel gezeigt", sagte Valverde nach dem Spiel. Doch sein Lob wollte der Trainer nach diesem besonderen Abend aufteilen.

Einer dürfte sich besonders über die warmen Worte gefreut haben: der Brasilianer Coutinho. Der konnte nach schweren Monaten im Camp Nou endlich mal überzeugen, harmonierte hervorragend mit Messi und Suárez und zeigte auch eine hohe taktische Flexibilität, als er sich immer wieder ins Mittelfeld zurückzog. "Es war eine wichtige Partie für ihn, und er hat hervorragend gespielt", sagte Valverde.

Auch Mittelfeldspieler Arthur bekam ein besonderes Lob vom Barca-Coach: "Wenn wir das Spiel dominieren, gibt er uns Ruhe und Sicherheit." An der Seite der erfahrenen Sergio Busquets und Ivan Rakitic kontrollierte Arthur das Spiel im zentralen Mittelfeld. Als Lyon traf und die Ruhe kurz verloren ging, brachte Valverde Arturo Vidal für ihn ins Spiel. Der Chilene erfüllte seine Aufgabe perfekt, das Drängen der Gäste auf den zweiten Treffer beständig zu ersticken.

"In der richtigen geistigen Verfassung"

Nicht einmal erwähnt von seinem Trainer und dennoch neben Messi der herausragende Akteur des Abends war Gerard Piqué. Vielleicht denkt Valverde, es müsse gar nicht extra betont werden, weil dieser seit Wochen auf konstant hohem Niveau spielt. Wenn das Spiel unterbrochen war, etwa während der Verletzung von Lyons Torwart Anthony Lopes, rief er seinen Abwehrchef immer wieder zu sich und besprach sich mit ihm. Piqué fing Bälle ab, klärte Situationen, bevor sie gefährlich wurden und leitete reihenweise Angriffe ein. Außerdem traf er erneut das Tor, wie am Wochenende in der Liga bei Rayo Vallecano.

Die gute Form des Teams lässt sich auch an der jüngsten Bilanz ablesen: Der FC Barcelona ist seit zwölf Spielen unbesiegt. Außerdem hat der Klub durch den Erfolg in 30 aufeinanderfolgenden Heimspielen in der Königsklasse nicht mehr verloren und zieht zum zwölften Mal in Folge in das Viertelfinale ein. Allerdings war dort in den vorherigen drei Jahren auch jeweils Schluss. Ein Makel, der in dieser Saison behoben werden soll. "Wir sind in der richtigen geistigen Verfassung für diesen Wettbewerb", sagte Valverde nach dem jüngsten Erfolg über sein Team.

Das Publikum im Camp Nou war sich nach dem Abpfiff hingegen wieder einmal einig, wem der Dank für ein großes Fußballspiel gilt: Lionel Messi. Möglicherweise bekommt dieser ja schon in der kommenden Runde die Gelegenheit, sich direkt mit seinem Widersacher Ronaldo zu messen. Mit Neymar, Kylian Mbappé, Antoine Griezmann, Luka Modric und Robert Lewandowski haben sich schon etliche Topstars aus dem Wettbewerb verabschiedet - am Ende wird es möglicherweise zwischen den beiden ewigen Rivalen entschieden, wer die Trophäe holt.

insgesamt 5 Beiträge
wolfgang.heinz441 14.03.2019
1. Einzigartig
Spielmacher und Goalgetter in einer Person, niemand im Weltfußball erfüllt diese Kriterien mehr als Leo Messi. Einmal mehr ein Hochgenuss die Aktionen dieses einzigartigen Talents zu erleben !!!
Spielmacher und Goalgetter in einer Person, niemand im Weltfußball erfüllt diese Kriterien mehr als Leo Messi. Einmal mehr ein Hochgenuss die Aktionen dieses einzigartigen Talents zu erleben !!!
rimaldo 14.03.2019
2. dauerhaft unterschätzt
Schon wieder wurde die Leistung von Suarez unterschlagen. Er war es, der den Elfmeter herausholte und den nächsten Treffer vorlag. Messi macht nur deshalb mehr Tore, weil er alle Elfmeter und Freistöße scjießen darf.
Schon wieder wurde die Leistung von Suarez unterschlagen. Er war es, der den Elfmeter herausholte und den nächsten Treffer vorlag. Messi macht nur deshalb mehr Tore, weil er alle Elfmeter und Freistöße scjießen darf.
hansfrans79 14.03.2019
3.
Und dennoch schade, dass er sich nie der Herausforderung gestellt hat, in wie Team zu spielen, das nicht komplett auf ihn zugeschnitten und ausgerichtet ist. Für Argentinien etwa erfüllte er dir Hoffnungen nicht und wird [...]
Zitat von wolfgang.heinz441Spielmacher und Goalgetter in einer Person, niemand im Weltfußball erfüllt diese Kriterien mehr als Leo Messi. Einmal mehr ein Hochgenuss die Aktionen dieses einzigartigen Talents zu erleben !!!
Und dennoch schade, dass er sich nie der Herausforderung gestellt hat, in wie Team zu spielen, das nicht komplett auf ihn zugeschnitten und ausgerichtet ist. Für Argentinien etwa erfüllte er dir Hoffnungen nicht und wird "nur" als Nummer zwei hinter CR7 in Erinnerung bleiben.
hörzu 14.03.2019
4. Lob auch für Andere....!
Ein Jordi Alba der dauerläuft wie ein Duracell-Häschen und der immer wieder für Alarm und brenzlige Situationen sorgt ! Ein Busquet - für mich einer der unterschätztesten Fußballer auf diesem Planeten - der oftmals mit [...]
Ein Jordi Alba der dauerläuft wie ein Duracell-Häschen und der immer wieder für Alarm und brenzlige Situationen sorgt ! Ein Busquet - für mich einer der unterschätztesten Fußballer auf diesem Planeten - der oftmals mit perfekter Technik spielt, als hätte er vier Augen....! Ein Arthur der trotz seiner "Jugend" agiert , als würde er schon seit einem Jahrzehnt in diesem Team sein - wird ganz sicher ein würdiger Iniesta-Nachfolger , wenn man Andres überhaupt ersetzen kann . Ein Lenglet praktisch ohne Fehler - Umtiti wird es schwer haben und zuletzt ein Suarez der 90 Minuten kämpft wie ein angeschlagenes Tier ! Ein genußvoller Fußballabend im Camp Nou - der nur 10 Minuten von Lyon etwas gestört wurde , wobei vor deren Tor ein Foul an Lenglet im Strafraum zu ahnden gewesen wäre ! ...und endlich im Camp Nou - perfekter Konterfußball - so lange vermisst ! Und natürlich der Ausserirdische....! P.S. Dembele soll schon wieder verletzt sein.....
grätscher 14.03.2019
5. @hansfranz69
Die Zeit mit Xavi, Iniesta und Messi bei Barça war definitiv das beste, attraktivste und perfekteste Spiel, was es je im Fußball gegeben hat. Nun ist einzig Messi übrig geblieben, aber er verkörpert noch den gleichen Spirit [...]
Die Zeit mit Xavi, Iniesta und Messi bei Barça war definitiv das beste, attraktivste und perfekteste Spiel, was es je im Fußball gegeben hat. Nun ist einzig Messi übrig geblieben, aber er verkörpert noch den gleichen Spirit wie eh und je, verteilt klug Bälle, treibt das Spiel an und ist mannschaftsdienlicher wie nie zuvor. Außerdem fällt er nicht durch peinliches und obszönes Jubeln auf, einen besseren Kicker wie Messi wird es wohl leider lange, lange nichts mehr geben

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