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Sport

Messi und Argentiniens Copa-Aus

Er hat wohl nur noch eine Chance

0:2 gegen Brasilien: Argentinien ist bei der Copa América im Halbfinale gescheitert - und Lionel Messi steht erneut ohne Titel da. Wann könnte der Superstar mit der Albiceleste doch noch triumphieren?

Victor R. Caivano / AP

Lionel Messi: Warten auf den ersten Titel

Von , Belo Horizonte
Mittwoch, 03.07.2019   17:03 Uhr

Schon zehn Minuten vor dem Schlusspfiff stand Lionel Messi auf dem Feld, wie Messi in solchen Momenten eben steht. Verloren, die Hände in die Hüften gestemmt, mechanisch griff er sich ins Haar. Währenddessen grölten 50.000 euphorisierte Brasilianer: "E-li-mi-na-do". Aus-ge-schie-den.

Argentinien ist in der Nacht zu Mittwoch im Halbfinale der Copa América an Brasilien gescheitert, 0:2 (0:1) hieß es am Ende in Belo Horizonte.

26 Jahre ist die stolze südamerikanische Fußballnation nun schon ohne Titel. Zuletzt gewann Argentinien 1993 die Copa América. 2007, 2015 und 2016 gingen die Endspiele des Turniers verloren, und immer war Messi dabei. So wie auch 2014 als Argentinien im WM-Finale Deutschland unterlag. Und 2019 wird es nun auch wieder nichts. Damit bleibt der Olympiasieg mit der U23-Auswahl 2008 vorerst Messis einziger Titel im Nationaltrikot.

"Diese Mannschaft hat Zukunft"

Der Mann, der im Klubfußball mit dem FC Barcelona jeden großen Titel mehrfach gewonnen hat, muss mit Argentinien weiter auf einen solchen warten - und die Gelegenheiten dafür werden allmählich rar. Messi ist gerade 32 Jahre alt geworden, bei der Winter-WM 2022 in Katar wird er 35 sein.

Die größere Chance ist die kommende Copa. Schon 2020 findet wieder eine Südamerika-Meisterschaft statt, dann ist Argentinien sogar Co-Gastgeber. Auch wenn das Finale in Kolumbien, im Land der anderen Hausherren, stattfinden wird: Die Hoffnung auf den ersten wichtigen Titel seit dann fast drei Jahrzehnten ist da.

Dass Messi mitspielen wird, darf als sicher angenommen werden. Dieses Mal folgte kein Rücktritt wie nach der Copa América 2016 in den USA (von dem er wiederum kurz darauf zurücktrat). Der Superstar vom FC Barcelona zeigte sich gleich nach dem Spiel schon wieder kämpferisch. "Wir sind drei Alte und der Rest sind Junge. Diese Mannschaft hat Zukunft." Nun ja. Die argentinische Startelf war im Schnitt 27,2 Jahre alt, ganz jung ist das nicht.

Messi haderte mit dem ecuadorianischen Referee Roddy Zambrano. "Das ganze Turnier schauen sie sich jeden Schwachsinn am Bildschirm an, aber heute keine einzige strittige Entscheidung." Der fünfmalige Weltfußballer fand, dass seine Mannschaft vor allem in der 71. Minute einen Elfmeter hätte bekommen müssen, als Teamkollege Sergio Agüero im Zweikampf mit Dani Alves im brasilianischen Strafraum liegen blieb. Aber der Schiedsrichter ließ weiter spielen. Und im Gegenzug schoss Brasiliens Roberto Firmino das 2:0. Argentinien war draußen.

"Messi ist ein Außerirdischer"

Also alles wie immer? Nein, vieles war an diesem Abend in Belo Horizonte anders. Der zweimalige Weltmeister zeigte sein mit Abstand bestes Spiel bei dieser Südamerika-Meisterschaft, Messi war nicht nur auf dem Platz, sondern spielte dieses Mal auch mit. Wenigstens phasenweise setzte er seine Mitspieler in Szene, schoss gefährliche Freistöße. Tite, Brasiliens Trainer, verneigte sich später vor dem Argentinier: "Messi ist ein Außerirdischer."

Während den Brasilianern die erste Hälfte gehörte, gehörte dem Team des Außerirdischen die zweite Halbzeit. Aber da er leider mit zehn irdischen Kollegen spielt, sprang kein Tor heraus. Argentiniens Trainer Lionel Scaloni war danach bedient, weil er fand, dass das schlechtere Team gewonnen habe: "Es ist extrem bitter, ein solches Spiel zu verlieren", sagte er. Er könne seiner Mannschaft nichts vorwerfen.

Wirklich hochklassig war der Südamerika-Klassiker nicht. Fehlpässe, lange Bälle ins Aus und Missverständnisse lösten kleine Fouls und üble Tritte ab. Am Ende wurden sieben Gelbe Karten verteilt, fünf davon an Argentinier. Das Spiel war weit entfernt von der Qualität, die frühere Duelle beider Mannschaften auszeichnete. Aber zumindest war es leidenschaftlich geführt, und es fielen Tore. Das ist bei dieser Copa keine Selbstverständlichkeit.

Bolsonaros Auftritt sorgte für Jubel und Pfiffe

Am Sonntag spielen die Brasilianer das Finale im Maracanã-Stadion gegen den Sieger aus der Partie Chile gegen Peru, die in der Nacht auf Donnerstag ausgetragen wird (2.30 Uhr MEZ; Stream: Dazn).

Und dann war da noch der verstörendste Moment des Abends, als gar kein Spieler auf dem Platz stand. Brasiliens rechtsextremer Staatschef Jair Bolsonaro meinte die Euphorie um die Halbzeitführung der Seleçao für sich ausnutzen zu müssen und machte sich mit seinen Leibwächtern auf eine kleine Stadionrunde. Dabei winkte er und warf Handküsse ins Publikum. Dann schwang der Präsident mit dramatischer Geste die brasilianische Flagge. Die eine Hälfte des Stadions pfiff Bolsonaro gnadenlos aus, die andere feierte ihn. So geht Populismus heute in Lateinamerika.

insgesamt 9 Beiträge
noalk 03.07.2019
1. Satistik
".."Wir sind drei Alte und der Rest sind Junge. Diese Mannschaft hat Zukunft." Nun ja. Die argentinische Startelf war im Schnitt 27,2 Jahre alt, ganz jung ist das nicht." - - Letzteres hat Messi auch nicht [...]
".."Wir sind drei Alte und der Rest sind Junge. Diese Mannschaft hat Zukunft." Nun ja. Die argentinische Startelf war im Schnitt 27,2 Jahre alt, ganz jung ist das nicht." - - Letzteres hat Messi auch nicht behauptet. Welches Durchschnittsalter hat denn die Mannschaft, wenn man die drei Alten nich berücksichtigt?
joes.world 03.07.2019
2. Alles ist relativ
Wenn Messi gestern sein bestes Spiel bei der diesjährigen copa gemacht hat, dann war er wohl besser als in den Spielen zuvor. Aber noch immer nicht so wie bei Barcelona. Dort trifft er alleine, dort umspielt er generische [...]
Wenn Messi gestern sein bestes Spiel bei der diesjährigen copa gemacht hat, dann war er wohl besser als in den Spielen zuvor. Aber noch immer nicht so wie bei Barcelona. Dort trifft er alleine, dort umspielt er generische Spieler. UNd einer wie Ronaldo schießt auch in nicht so starken Mannschaften dann Tore, die Siege bringen. NIcht der sensiblere Messi. Brasilienes erstes Tor war wunderbar herausgespielt. Die Brasilianer hatten immer wieder hervorragende Spielzüge. Die Argentinier kamen kaum gefährlich vor das Tor und versuchten es mit Schüssen aus der Distanz. Ich wundere mich immer wieder, wie oft Fußballmillionäre es nicht schaffen, in Richtung Tor abzuziehen, sondern weit, weit darüber schießen. Kann man das nicht im Training wegtrainieren? Erstaunlich aber, was für ein Tempo, eine Schnelligkeit diese beidne Mannschaften gingen. Überhaupt wird bei der Copa america ein Tempo gespielt, mit einer Leidenschaft gekämpft, dass es für Fußballfeinschmecker ein Vergnügen ist. Wer auf Damenfußball-sehen eingestellt ist, dem wird hier schon vom Zusehen schwindlig. So schnell geht das hier ab. Ein gutes, rasantes Spiel mit vollem Einsatz und bessere Brasilianer. Messi braucht ein gutes Team, um aufzublühen. Er ist, im Gegensatz zu Ronaldo, keiner, der alleine ein Spiel drehen kann. Dass die beiden dennoch die besten Fußballer der Welt sind - ist davon unbenommen. Für Fußballfreunde kann man nur hoffen, der Argentinische Trainer formt nun eine bessere Mannschaft. Die es auch mit den ganz großen aufnehmen kann. Dann und nur dann, ist noch ein Titel für Argentinier für Messi drinnen.
Pless1 03.07.2019
3. Messi in der Nationalmannschaft
Ich habe die Spiele der Copa nicht verfolgt, aber in der Vergangenheit war es oft so, dass Argentinien gerade mit Messi schlecht gespielt hat. Das lag nicht an Messi sondern daran, dass zehn Mitspieler meinten, jegliche [...]
Ich habe die Spiele der Copa nicht verfolgt, aber in der Vergangenheit war es oft so, dass Argentinien gerade mit Messi schlecht gespielt hat. Das lag nicht an Messi sondern daran, dass zehn Mitspieler meinten, jegliche Verantwortung auf Messi abwälzen zu können und immer ausschließlich Messi suchten. Das war kinderleicht zu verteidigen: einfach Messi zustellen (zur Not eben zu dritt), die Argentinier spielen den dann trotzdem an und das klappt dann natürlich nicht. Das Leistungsgefälle zwischen Messi und den anderen scheint einfach zu groß, als dass man zusammen erfolgreich sein kann. Bei Barca ist das komplett anders, denn die haben einen kompletten Weltklassekader - auch wenn Messi selbst dort die Kollegen noch überragt. Würde man gegen Barca Messi mit zwei oder drei Spielern zustellen würden eben Messis dadurch frei stehenden Kollegen den Ball bekommen und wüssten damit was anzufangen.
lorenzcarla 03.07.2019
4. Herr Messi
soll laut SPON pro Jahr mehr als 22 Millionen € einnehmen. Wobei er rechtskräftig auch schon für Steuerhinterziehung ein wenig (z.,B. ohne Uli Höneß-Einsitzen) bestraft wurde. Vorbildhaft und grandios sind seit Jahren seine [...]
soll laut SPON pro Jahr mehr als 22 Millionen € einnehmen. Wobei er rechtskräftig auch schon für Steuerhinterziehung ein wenig (z.,B. ohne Uli Höneß-Einsitzen) bestraft wurde. Vorbildhaft und grandios sind seit Jahren seine fußballerischen Qualitäten, zumal er sehr selten ein Foul begeht. Mein Mitleid wegen der Niederlage in Brasilien hält sich aber in engen Grenzen. Gruß aus dem Bergischen Land.
fluminense 03.07.2019
5. Argentinien
wurden 2 klare Elfmetern verwehrt und außerdem hätte eigentlich Daniel Alves vom Platz fliegen müssen. War schon mit Gelb belastet, als er Aguero im 16-er mit einem Ellbogencheck runtergeschmissen hat. Schiedsrichter aus [...]
wurden 2 klare Elfmetern verwehrt und außerdem hätte eigentlich Daniel Alves vom Platz fliegen müssen. War schon mit Gelb belastet, als er Aguero im 16-er mit einem Ellbogencheck runtergeschmissen hat. Schiedsrichter aus Ecuador und VAR aus Uruguay haben ganze Arbeit im Sinne des GG geleistet...

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