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Manchester Citys Raheem Sterling

Der wichtigste Sportler Englands

Raheem Sterling ist in dieser Saison zu einem der besten Spieler der Welt aufgestiegen und soll Manchester City im Stadtderby gegen United auf Titelkurs halten. Noch mehr bewegt er aber mit seinem Kampf gegen Rassismus.

Oli Scarff / AFP

Raheem Sterling: "Ich will nicht, dass die nächste Generation so leiden muss wie ich"

Von , Manchester
Mittwoch, 24.04.2019   18:10 Uhr

Es gehört zu den Mechanismen im Unterhaltungsbetrieb Profifußball, sich kurz und heftig zu empören und dann weiterzumachen wie gewohnt. Das ist in England nicht anders als in Deutschland, auch bei Themen, die das große Ganze betreffen. Selbst beim Thema Rassismus. Wenn es in der Vergangenheit im englischen Fußball zu rassistischen Zwischenfällen kam, bot das ein paar Tage Stoff für die Zeitungen, es wurden drastische Strafen verlangt, dann verlief sich die Debatte wieder. Raheem Sterling hat das nun verändert.

Der 24 Jahre junge Angreifer von Manchester City, geboren in Jamaika, aufgewachsen im Schatten des Wembley-Stadions von London, hat es geschafft, dass im englischen Fußball ernsthaft über Rassismus und die Ursachen dafür diskutiert wird. Und diese Diskussion dürfte so schnell nicht wieder verschwinden. Er ist damit zum wichtigsten Sportler eines multikulturellen, aber politisch gespaltenen Landes aufgestiegen. Zu einer britischen Variante von Colin Kaepernick, dem niederknieenden Footballprofi, oder dem NBA-Star LeBron James, wie die "New York Times" findet. Sie prägen in den USA die Debatte über Rassismus im Sport und in der Gesellschaft. Sterling prägt sie in England.

Der 24-Jährige prangerte Rassismus in der Presse an

Eigentlich ist Sterling ein stiller Typ, so jedenfalls sieht er sich selbst. Doch im Dezember beschloss er, nicht länger zu schweigen. Nach dem Spiel beim FC Chelsea, bei dem ihn einige Chelsea-Fans rassistisch beleidigt hatten, setzte er eine Nachricht bei Instagram ab, in der er darauf hinwies, wie die mit Klischees beladene Berichterstattung der englischen Zeitungen über schwarze Sportler zu Rassismus in der Gesellschaft beitragen würde. Damit bewirkte er Erstaunliches: eine kritische Selbstreflexion bei Teilen des Medienbetriebs.

Sterling hat sich seitdem immer wieder positioniert als Vorkämpfer gegen Rassismus, er hat ja selbst genug Erfahrung damit gemacht. "Vom Anfang meiner Karriere wurde ich immer als der protzige Junge aus London wahrgenommen: mag Autos, mag den auffälligen Lebensstil. Ich bin kein Heiliger, aber das ist das genaue Gegenteil von mir", sagte er der "New York Times".

Nachdem er und andere schwarze Nationalspieler bei Englands Partie in Montenegro vor einem Monat rassistisch beleidigt worden waren, sprach sich Sterling für Geisterspiele als Strafe für solche Vorfälle aus. Seinen Treffer bei dem 5:1-Erfolg feierte er, indem er sich die Hände an die Ohren legte. Eine Geste in Richtung der montenegrinischen Fans. "Ich wollte damit zeigen, dass sie uns schon mehr sagen müssen, als dass wir schwarz sind, um uns zu verunsichern", sagte er hinterher. In einem Beitrag für die britische "Times" hat er gerade Punktabzug bei Rassismus im Stadion gefordert. Er schrieb: "Ich will nicht, dass die nächste Generation so leiden muss wie ich."

Dass er im Jahr 2019 einen solchen Artikel verfassen müsse, sei verrückt, gibt er zu: "Aber ich tue es, weil das Rassismus-Problem im Fußball so schlimm ist, so tief geht und nicht im Ansatz gelöst ist." Sterling kämpft einen Kampf, den er nicht kämpfen möchte, aber von dem er überzeugt ist, ihn kämpfen zu müssen. Damit ist er zum Vorbild geworden, auch für andere Profis. Ohne seinen Einsatz hätte sein Nationalmannschaftskollege Danny Rose kürzlich vermutlich nicht erschütternd offen darüber gesprochen, dass er sein Karriereende kaum abwarten könnte wegen des Rassismus im Fußball.

Guardiolas Beitrag an Sterlings Entwicklung

Auch auf dem Platz hat Sterling an Bedeutung gewonnen, noch einmal. Er ist in dieser Saison zu einem der besten Fußballer der Premier League aufgestiegen - und damit zu einem der besten Spieler der Welt. Es ist auch ihm zu verdanken, dass Manchester City mit einem Sieg im Stadtderby bei United an diesem Mittwoch (21 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) einen entscheidenden Schritt zur zweiten Meisterschaft nacheinander machen könnte.

Eine solche Entwicklung war nicht unbedingt abzusehen, als Sterling im Sommer 2015 für die damalige Rekordsumme für einen englischen Fußballer von mehr als 63 Millionen Euro vom FC Liverpool nach Manchester wechselt. Der Transfer soll auf ausdrücklichen Wunsch Pep Guardiolas stattgefunden haben. Dabei wurde der Trainer erst ein Jahr später in der alten Industriestadt im Nordwesten Englands vorstellig.

Phil Noble / REUTERS

In dieser Saison durfte Raheem Sterling schon oft jubeln: 23 Pflichtspieltreffer und 16 Vorlagen

Sterlings ersten beiden Saisons verliefen vergleichsweise schleppend, doch in der vergangenen Spielzeit trumpfte er auf. Seiner Schnelligkeit, seiner starken Technik und seinem Antritt fügte der Außenstürmer weitere Komponenten hinzu. Er wurde noch direkter, hat mehr Zug zum Tor entwickelt und ist noch verlässlicher im Abschluss geworden. Er gilt als perfektes Beispiel für Guardiolas Fähigkeit, Spieler besser zu machen und ihr Potenzial zur Entfaltung zu bringen. Aktuell steuert Sterling mit 23 Treffern und 16 Vorlagen in allen Wettbewerben auf seine stärkste Saison überhaupt zu. Er dürfte den Titel für den Fußballer des Jahres mit Virgil van Dijk vom FC Liverpool unter sich ausmachen.

Für van Dijk spricht seine Bedeutung für Liverpool. Für Sterling seine Bedeutung für den ganzen englischen Fußball.

insgesamt 5 Beiträge
widower+2 24.04.2019
1. Bravo!
Raus aus den Fankurven mit Rassisten, Homophoben und sonstigen Menschenfeinden. In der Bundesliga hat das bei einige Vereinen schon gut geklappt. Bei anderen - insbesondere aber nicht nur im Osten - besteht noch erheblicher [...]
Raus aus den Fankurven mit Rassisten, Homophoben und sonstigen Menschenfeinden. In der Bundesliga hat das bei einige Vereinen schon gut geklappt. Bei anderen - insbesondere aber nicht nur im Osten - besteht noch erheblicher Nachholbedarf.
womau1962 24.04.2019
2. Keine Ahnung
Ihr habt null Ahnung vom englischen Fußball. Sterling ist einer der am meisten gehassten Spieler aber gleichzeitig auch der von der Presse am meisten gehypten Typen. Also Ball mal flach halten und übrigens ist Rassismus [...]
Ihr habt null Ahnung vom englischen Fußball. Sterling ist einer der am meisten gehassten Spieler aber gleichzeitig auch der von der Presse am meisten gehypten Typen. Also Ball mal flach halten und übrigens ist Rassismus nirgendwo so verbreitet wie in England.
widower+2 24.04.2019
3. Keine Ahnung
Und ich habe keine Ahnung, was Sie mit Ihrem Beitrag eigentlich sagen wollten. Sie selbst wahrscheinlich auch nicht.
Zitat von womau1962Ihr habt null Ahnung vom englischen Fußball. Sterling ist einer der am meisten gehassten Spieler aber gleichzeitig auch der von der Presse am meisten gehypten Typen. Also Ball mal flach halten und übrigens ist Rassismus nirgendwo so verbreitet wie in England.
Und ich habe keine Ahnung, was Sie mit Ihrem Beitrag eigentlich sagen wollten. Sie selbst wahrscheinlich auch nicht.
bcpt8 24.04.2019
4.
Erwähnenswert auch Englands Teamchef Southgate, der schon im Vorfeld der WM 2018 in Rußland brit. Medien zur Mäßigung und Selbstkritik aufforderte ("vor der eigenen Haustüre kehren statt mit dem Finger auf andere [...]
Erwähnenswert auch Englands Teamchef Southgate, der schon im Vorfeld der WM 2018 in Rußland brit. Medien zur Mäßigung und Selbstkritik aufforderte ("vor der eigenen Haustüre kehren statt mit dem Finger auf andere Nationen zeigen") - sowie seine Spieler ermutigte, sich auch öffentlich gegen Anfeindungen zu positionieren: - https://www.sport24.co.za/Soccer/International/england-must-fight-racism-before-pointing-fingers-southgate-20180323 - https://www.spiegel.de/sport/fussball/ian-wright-fussball-hat-nicht-die-macht-rassismus-zu-bekaempfen-a-1216319.html Dazu noch ein Schlaglicht von "11freunde.de" zur Ungleichverteilung auf Funktionärsebene in UK-Ligen: https://www.11freunde.de/artikel/hat-englands-premier-league-ein-rassismus-problem Apropos "vor der eigenen Haustüre kehren" - Luft nach oben auch beim DFB-Integrationsbeauftragten hinsichtlich "Null-Toleranz" statt Relativierung: https://www.weser-kurier.de/sport_artikel,-gefaehrliche-verharmlosung-von-rassismus-_arid,1817989.html FIFA/UEFA wiederum könnten die Glaubwürdigkeit ihrer Antidiskriminierung-Kampagnen steigern, indem Strafgelder z. B. für "sponsorenwidrige" Getränke nicht höher angesetzt werden als solche für diskriminierende Gesänge/Banner im Stadion - oder verirrte Katzen auf dem Fußballfeld: - https://www.spiegel.de/sport/fussball/wm-2018-kroatien-muss-70-000-franken-strafe-zahlen-wegen-falscher-getraenke-a-1216939.html - https://rblive.de/2018/06/05/wegen-keita-beleidigungen-uefa-bestraft-zenit-st-petersburg-rb-leipzig-rassismus/ - https://www.spiegel.de/sport/fussball/katze-auf-dem-spielfeld-besiktas-istanbul-muss-strafe-zahlen-a-1211709.html
siryanow 25.04.2019
5. Sterling
Bravo , Recht hat er. Wenn das so weitergeht könnte man vermuten , dass die Clubs auch akzeptieren dass Idioten in den Stadien den Hitlergruss rausholen .
Bravo , Recht hat er. Wenn das so weitergeht könnte man vermuten , dass die Clubs auch akzeptieren dass Idioten in den Stadien den Hitlergruss rausholen .

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