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Leipzigs Bester beim Sieg gegen Werder

Starbitzer

RB Leipzig marschiert durch die Saison wie ein Spitzenteam. Beim 3:0 gegen Bremen ragte mit Marcel Sabitzer mal wieder ein Spieler heraus, der eigentlich kein echter Leipziger Star ist - aber gerade einer wird.

DPA

Marcel Sabitzer erzielte per Freistoß das 2:0 für Leipzig gegen Bremen

Von
Samstag, 21.09.2019   22:11 Uhr

Die Szene des Spiels: Obwohl Leipzig mit zwei Toren führte, wäre Bremen durch eine Chance von Davy Klaassen fast noch herangekommen. Dabei hatte Leipzig doppeltes Glück: Nachdem der Ball Torhüter Peter Gulácsi passierte, wollte Leipzigs Ibrahima Konaté den Ball in seiner Verzweiflung mit der Hand aus dem Tor schlagen. Bei dem Versuch blieb der Innenverteidiger an seinem Kollegen Dayot Upamecano hängen, der den Ball legal mit der Brust klärte. Upamecano bewahrte sein Team damit nicht nur vor einem direkten Gegentreffer, sondern wohl auch vor einem Handelfmeter samt Platzverweis für Konaté.

Das Ergebnis: Leipzig gewann in Bremen 3:0 (2:0) und bleibt Tabellenführer. Willi Orban (13. Minute) und Marcel Sabitzer (35.) trafen nach Standards, Marcelo Saracchi erzielte nach einem Konter das 3:0 (83.). Hier geht es zum Spielbericht.

Starbitzer: Eines der Highlights des Tages spielte sich noch vor der Halbzeit ab. Sabitzer legte sich einen Freistoß links vor dem Bremer Strafraum zurecht und zirkelte ihn wunderschön über die Mauer ins Tor. Sabitzer, der unter Ralf Rangnick in der vergangenen Saison selten brillierte, hat sich zum Schlüsselspieler für Julian Nagelsmanns RB Leipzig entwickelt. Eigentlich war er nie ein Starspieler bei RB, aber er wird gerade einer. Dass für Leipzig in dieser Saison vielleicht etwas Zählbares herausspringt, hält Sabitzer nicht für ausgeschlossen. Er sagte: "Wir wollen jetzt erst einmal da oben bleiben und am Ende auch an etwas schnuppern."

Ecke-Tor: Abgesehen von den Ausfällen hat Werder in dieser Saison eine große Schwäche: gegnerische Ecken. Gegen Düsseldorf am ersten Spieltag kassierte Bremen ein Gegentor nach einem Eckstoß, gegen Hoffenheim am zweiten Spieltag sogar zwei und gegen Union Berlin war eine gegnerische Ecke der Ausgangspunkt für einen Handelfmeter. Es traf sich gut, dass einer der kopfballstärksten Spieler der Bundesliga zu Besuch im Weserstadion war:

Giftiges RB: Das Prestigeprojekt von Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz zeigte gegen Bremen, dass es nicht nur schönen Fußball spielen, sondern im Kampf um die Meisterschaft auch unangenehm sein kann. So hätte sich Konrad Laimer nach zwei Fouls gegen Leonardo Bittencouort bereits in der ersten Hälfte nicht über Gelb-Rot beschweren dürfen. Der Platzverweis durch ein Handspiel war dann aber unglücklich. Selbst in Unterzahl gerieten die Leipziger nicht in Bedrängnis, auch in hart umkämpften Spielen können sie offenbar dagegenhalten. Das ist ein schlechtes Zeichen für die Konkurrenz um die Meisterschaft.

Trainertalente: Leipzigs Nagelsmann und Bremens Florian Kohfeldt gelten als Anführer der neuen Trainergeneration. Beide lassen offensiven Fußball spielen und stehen für eine klare Spielidee. Nagelsmann hatte diesmal offenbar ruhende Bälle als Mittel auserkoren. Und das scheint gegen Werder Bremen in dieser Saison zu genügen.

Groß auf großer Bühne: Abgesehen von den finanziellen und folglich auch personellen Möglichkeiten Nagelsmanns, konnte der Leipziger Trainer seine beste Startelf aufbieten. Und Florian Kohfeldt? Gefühlt hat Werder derzeit mehr verletzte Spieler als einsatzbereite. Neben neun Verletzten fehlte zudem Nuri Sahin gesperrt. Inzwischen ist es soweit, dass Christian Groß Stammspieler ist. Der 30-Jährige kam seine ganze Karriere nicht über die 3. Liga hinaus und wechselte im Herbst seiner Laufbahn in die zweite Mannschaft von Werder, um dem jungen Regionalligateam Stabilität zu geben. Das übernimmt er nun bei den Profis.

Werder Bremen - RB Leipzig 0:3 (0:2)
0:1 Orban (13.)
0:2 Sabitzer (35.)
0:3 Saracchi (83.)
Bremen: Pavlenka - Lang, Gebre Selassie, Groß, Friedl - J. Eggestein (63. Pizarro), M. Eggestein (66. Bargfrede), Klaassen, Bittencourt - Sargent (80. Ihorst), Goller
Leipzig: Gulacsi - Konaté, Upamecano, Orban - Mukiele (46. Saracchi), Laimer, Sabitzer, Nkunku (74. Demme), Klostermann - Matheus Cunha (63. Haidara), Werner
Zuschauer: 40.550
Schiedsrichter: Tobias Stieler
Gelbe Karte:
Konaté
Gelb-Rote Karte: Laimer

insgesamt 1 Beitrag
poitierstours 21.09.2019
1. Fußball durch die Hosenträger
Im letzten Bundesliga-Heimspiel gegen Bayern München spielte Marcel Sabitzer ganz groß auf. Er hat irgendetwas brasilianisches in seiner Spielweise. Mitreißende Ballbeherrschung auf engstem Raum und Bedrängnis. Fußball durch [...]
Im letzten Bundesliga-Heimspiel gegen Bayern München spielte Marcel Sabitzer ganz groß auf. Er hat irgendetwas brasilianisches in seiner Spielweise. Mitreißende Ballbeherrschung auf engstem Raum und Bedrängnis. Fußball durch die Hosenträger, so geschmeidig. Im Pokalfinale dagegen wirkte Sabitzer völlig gehemmt, fast holzschnittartig steif dazu im Vergleich, wie viele seiner Mannschaftskollegen damals im Berliner Olympiastadion. Im passenden Fußballbiotop kann da einer ganz vital aufblitzen. Vielversprechend!

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