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Sport

Eklat in den Niederlanden

Muslimischer Profi verweigert Reporterin den Handschlag

Es sollte ein ganz normales Interview nach einem Fußballspiel werden. Weil der muslimische Profi Nacer Barazite der Reporterin aber nicht die Hand geben wollte, wird in den Niederlanden jetzt heftig debattiert.

imago

Utrecht-Profi Barazite: Kein Handschlag nach dem Interview

Donnerstag, 05.11.2015   11:42 Uhr

Die Partie des FC Utrecht gegen den FC Twente am vergangenen Wochenende verlief eigentlich sehr erfreulich für die Gastgeber. Utrecht gewann das Spiel 4:2, Mittelfeldspieler Nacer Barazite erzielte dabei das vorentscheidende 3:2, alle hätten fröhlich nach Hause gehen können.

Allerdings hatte Barazite nach der Partie noch ein Fernsehinterview mit dem Sender Fox zu bestreiten - und seitdem wird in den Niederlanden heftig über den 25-jährigen holländischen Fußballprofi diskutiert. Barazite, gläubiger Muslim, verweigerte der Fox-Reporterin Hélène Hendriks im Anschluss an das Interview den Handschlag, weil sie eine Frau ist. Ihrem Kollegen John de Wolf drückte er dagegen artig die Hand. Vor allem in den sozialen Medien sorgte das danach für heftigen Wirbel.

Der Verein hatte die Medien bereits vor der Saison in einem Rundschreiben darüber informiert, dass er mit Barazite und Teamkollege Yassin Ayoub zwei Spieler in den eigenen Reihen hat, die aus religiösen Gründen Frauen nicht die Hand geben würden. Der Klub respektiere das und bitte auch die Journalisten, dies zu berücksichtigen. Hendriks gab an, "dies bei dem Interview vergessen" zu haben. Noch während der Liveübertragung sagte sie: "Ach ja, ich darf Ihnen ja nicht die Hand geben." Weil das über den Sender ging, wurde die Info des Vereins jetzt publik.

Kein Problem mit der Physiotherapeutin

Die Szene wurde danach auch in Talkshows thematisiert, wo der frühere Chefredakteur von "Voetbal International", Johan Derksen, nachlegte: "Dann soll sich Barazite auch bitte vom IS rekrutieren lassen." Nun ist Derksen für seinen provozierenden, zuweilen polternden Stil durchaus bekannt. Dennoch wurde die Aufregung dadurch noch einmal vergrößert.

Barazite spielt seit zwei Jahren in Utrecht. Der Profi galt einmal als Ausnahmetalent, wurde in der Arsenal-Jugend ausgebildet, spielte danach für Austria Wien und den AS Monaco, wo er sich allerdings nicht durchsetzen konnte. Bei Utrecht dagegen ist er Stammspieler, hat in dieser Saison bisher alle Spiele in der Startelf bestritten.

Zu dem Vorfall selbst wollen Verein und Spieler nichts sagen. Sprecher Martin Versleeg hat lediglich darauf hingewiesen, dass der Klub bestrebt sei, den Spielern die Ausübung ihrer Religion zu ermöglichen, wenn dies nicht sportliche Grenzen überschreite. So gibt es einen Gebetsraum für die muslimischen Profis. Trainings- und Einsatzzeiten hätten sie dagegen selbstverständlich einzuhalten. Auch mit der weiblichen Physiotherapeutin des Vereins gebe es keine Probleme.

Die Reporterin selbst hatte sich schon am Abend des Spiels zu Wort gemeldet: Sie habe "überhaupt kein Problem damit, wenn mir jemand aus religiösen Gründen nicht die Hand gibt", twitterte Hendriks. Und Barazite sei "im Übrigen ein richtig netter Kerl".

aha

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