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Manchester City vor Spiel in Liverpool

Plötzlich Außenseiter

Manchester Citys Trainer Pep Guardiola ist ein Kontrollfreak, er liebt die Perfektion. Im Titelrennen mit dem FC Liverpool kommt ihm in dieser Saison eine ungewohnte Rolle zu.

Oli Scarff/AFP

Pep Guardiola ist mit Manchester City vor dem Spiel gegen den FC Liverpool nur Außenseiter

Von , Manchester
Sonntag, 10.11.2019   14:46 Uhr

Es ist keine alltägliche Frage, die Manchester Citys Trainer Pep Guardiola auf der Pressekonferenz vor dem Premier-League-Spitzenspiel gegen Tabellenführer FC Liverpool gestellt wurde. Schließlich holte sein Team in den vergangenen beiden Spielzeiten jeweils die Meisterschaft: Wäre es das bei einer Niederlage schon gewesen mit der dritten Meisterschaft in Folge, bei dann neun Punkten Rückstand?

Guardiolas zuckte mit den Schultern. "Ich weiß es nicht", sagte er. "Die Erfahrung im Sport zeigt, dass man bis zum Ende kämpfen muss."

Die Frage und vor allem die Antwort zeigen, dass die Lage beim englischen Meister ernst ist. Citys Trainer ist eigentlich ein Ästhet und nicht als Kämpfer bekannt. Anders als sein Widersacher Jürgen Klopp, der es mit seinem unerschütterlichen Glauben regelmäßig vermag, seine Mannschaft zu wundersamen Ergebnissen zu führen.

In dieser Saison kommt diese Aufgabe Guardiola zu: Mit sechs Punkten Rückstand ist City Außenseiter im Titelrennen, seine Mannschaft muss sich zurückkämpfen - unter erschwerten Bedingungen. Neben Abwehrchef Aymeric Laporte und Regisseur David Silva fehlt gegen Liverpool zudem Stammtorwart Ederson. Der Perfektionist Guardiola muss damit klarkommen, dass seine Mannschaft momentan nicht perfekt ist. Der Kontrollfreak muss einsehen, dass er den Titelkampf nicht unter Kontrolle hat.

City wirkt aus dem Takt

An seinem Vorgehen wird Guardiola aber nichts ändern. "Es war von Anfang an klar, dass es in dieser Saison ein schwerer Kampf mit Liverpool wird", sagt der spanische Journalist Pol Ballús, Co-Autor des Buchs "Pep's City: The making of a super team", das gerade in England erschienen ist. Vielmehr könnte der Trainer sogar Motivation aus dem Umstand ziehen, dass es in dieser Saison noch komplizierter wird, den Titel zu verteidigen. Auch in den vergangenen beiden Spielzeiten hatte Liverpool zwischenzeitlich einen komfortablen Vorsprung, dennoch sicherte sich City den Titel.

In dieser Spielzeit wirkt Manchester City jedoch aus dem Takt:

Der Trainer wirkt vor der Reise nach Liverpool nervös. Das könnte auch an der verheerenden Bilanz liegen: Bei den Reds kassierte Guardiola mit City bisher drei Niederlagen und spielte einmal torlos unentschieden.

Klopp droht Guardiola auch in der Liga zu überbieten

Wohl diese Nervosität ließ Guardiola vor dem Topspiel zu einer Aussage über Liverpools Sadio Mané hinreißen, in der er ihm neben seinem fußballerischen Talent auch ein Talent für Schwalben attestierte. Solche Psychotricks kennt man von Guardiolas Fehde mit José Mourinho, aber nicht aus dem Duell mit Klopp, das eigentlich von gegenseitiger Hochachtung geprägt ist. "Es ist offensichtlich, dass er mit der Situation nicht gut umgeht. Selbst als City in seiner zweiten Saison locker den Titel geholt hat, war er ein Nervenbündel. Deshalb ist die Annahme logisch, dass er im Moment noch gestresster ist", sagt Paul Hirst, der für die britische Tageszeitung "The Times" über Manchester City berichtet.

Diesen Stress dürfte vor allem Klopps Champions-League-Sieg mit dem FC Liverpool in der vergangenen Saison verursacht haben, der Katalane sehnt diesem Titel mit Manchester City doch so herbei. In dieser Saison droht Klopp ihn zudem in der Liga zu überbieten.

Guardiola ist in seiner vierten Saison in England tätig, allzu viele dürften nicht hinzu kommen. Nur drei Jahre war er für den FC Bayern tätig. Niemand rechnet damit, dass er seine Karriere in Manchester beenden wird, Guardiola arbeitet streng projektbezogen. Das liegt auch daran, dass sich seine intensive Art irgendwann abnutzt. Möglicherweise sind gerade die ersten Anzeichen dafür erkennbar.

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