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Guardiola schlägt Klopp

Der beste Zweite

Manchester City ist nach einem unglaublichen Titelkampf englischer Meister. Aber auch der FC Liverpool spielte unter Jürgen Klopp historisch stark. Diese Saison der Superlative hat keine Verlierer verdient.

Dave Thompson/AP

Jürgen Klopp dankte den Fans für eine eigentlich herausragende Saison

Von
Sonntag, 12.05.2019   20:42 Uhr

1206 Sekunden: Diese Zeit lag zwischen dem Führungstreffer von Liverpools Sadio Mané (17. Minute) und dem Führungstreffer von Manchester Citys Aymeric Laporte (38.). 1206 Sekunden, in denen Manchester City verwundbar wirkte, der FC Liverpool in der Blitztabelle am Konkurrenten vorbeizog und den englischen Meistertitel vor Augen hatte. Am Ende des letzten und im Kampf um den Titel entscheidenden Spieltags stand aber wieder Manchester oben - und streckte die Premier-League-Trophäe in den Himmel. Nach einem grotesk starken Meisterschaftskampf.

98, 97, ...: Kann die Saison einer Mannschaft herausragend sein, wenn eine andere Mannschaft noch besser war? Noch nie in der Geschichte der Premier League schlossen zwei Teams die Spielzeit mit über 90 Punkten ab. Man könnte nun argumentieren, Liverpool hätte die Meisterschaft nach 97 Punkten verdient. Das bedeutet aber nicht, dass Manchester City sie weniger verdient hat: In der finalen Phase der Saison gewann die Mannschaft von Trainer Pep Guardiola unter höchstem psychischen Druck 14 Spiele in Folge. Das ist eines Meisters würdig. Auch, wenn der Zweite der beste Zweite aller Zeiten ist. Sagen wir einfach: zweimal meisterlich.

Die Ergebnisse: Liverpool machte gegen Wolverhampton seine Hausaufgaben und gewann 2:0 (1:0). Anders als angesichts dieser Europapokalwoche zu erwarten gewesen wäre, nützte das nichts. Das Wunder blieb aus, weil City gleichzeitig Brighton 4:1 (2:1) schlug. Hier geht es zu den Spielberichten.

Skyblues-Party: Nachdem der starke deutsche Nationalspieler Ilkay Gündogan durch ein wunderschönes Freistoßtor den vierten Treffer für City erzielte, begannen gegen den krassen Außenseiter bereits die Feierlichkeiten. Die verdienten Vincent Kompany und David Silva wurden ausgewechselt und von den mitgereisten Zuschauern gefeiert. Für beide ist es die vierte Meisterschaft mit Manchester. Auch für Sergio Agüero ist es der vierte Meistertitel im City-Trikot. Dass er nicht ausgewechselt wurde, lag aber vor allem daran, dass er sich noch Hoffnungen auf den Goldenen Schuh als bester Torjäger der Premier League machte. Ohne Erfolg. Dazu später mehr.

Manchesters Meisterfeier im Video:

Foto: AFP

Goodbye, Anfield! Nach dem Spiel gegen Wolverhampton, in Brighton wurde gerade das Meisterschaftspodium für City aufgebaut, ging das Team des FC Liverpool an der Anfield Road auf eine letzte Stadionrunde in dieser Saison. So viele Erfolge hatten sie hier gefeiert, zuletzt am Dienstag nach der famosen Aufholjagd gegen den FC Barcelona. Auch Jürgen Klopp dankte dem Anhang, zog mehrmals seine Kappe und scherzte mit den Kindern seiner Spieler, die auf dem Platz tobten. Einzig der erst 20 Jahre alte Trent Alexander-"Ich schieße die besten Ecken Europas"-Arnold, noch ohne Nachwuchs, führte seine Eltern über den Rasen. Klopp begrüßte sie mit einer Umarmung, als wollte er ihnen danken, ihm einen solchen Spieler geschenkt zu haben. Familientreffen in Anfield.

Liverpool gewinnt sonst fast alles: Als nach dem Schlusspfiff die Gewissheit einsetzte, dass es nicht für den Titel gereicht hat, bekamen die Spieler von Liverpool zumindest Trostpreise überreicht. Denn nicht etwa Agüero (21 Saisontore), sondern Sadio Mané und Mohamed Salah teilten sich mit Arsenals Pierre-Emerick Aubameyang den Goldenen Schuh für die meisten Saisontore (jeweils 22). Und Torhüter Alisson bekam den Goldenen Handschuh für die meisten Spiele ohne Gegentor (21). Zudem stellten die beiden Außenverteidiger Andrew Robertson und Alexander-Arnold bereits in der vergangenen Woche eine neue Bestmarke auf, nachdem beide über zehn Tore in einer Saison vorbereitet hatten. Robertson hat in dieser Saison elfmal assistiert, Alexander-Arnold inklusive der beiden Vorlagen gegen Wolverhampton sogar 13-mal.

Etwas, das City nicht hat: Eine Sache hat Liverpool seinem Ligarivalen voraus, nämlich das Champions-League-Finale. Dort treffen sie am 1. Juni in Madrid auf die Mannschaft, die City aus dem Turnier geworfen hatte: Tottenham Hotspur. Dann wird es womöglich doch noch etwas mit einem Titel. Es könnte das Kuriosum geben, dass City den Titel gewinnt, den sich Liverpool seit 1990 so sehr wünscht, und die Reds den, den Manchester mehr begehrt als alle anderen.

Anmerkung: Statt des Tors von Sadio Mané war zuvor das Tor von Brighton & Hove Albion beschrieben worden. Wir haben die entsprechende Passage korrigiert.

insgesamt 23 Beiträge
Orthoklas 12.05.2019
1. Schade
Ich hätte es Klopp absolut gegönnt, Meister zu werden! Spätestens nach dieser Saison gehört er zur absoluten Top-Liga der Trainergilde. Hoffentlich wird er eines Tages Jogi beerben!
Ich hätte es Klopp absolut gegönnt, Meister zu werden! Spätestens nach dieser Saison gehört er zur absoluten Top-Liga der Trainergilde. Hoffentlich wird er eines Tages Jogi beerben!
spon1899 12.05.2019
2.
Was soll das mit dem 1206 Sekunden? Liverpool war in dem Moment Meister als sie in Führung gingen und es bei Man City noch Remis stand und das war ein längerer Zeitraum.
Was soll das mit dem 1206 Sekunden? Liverpool war in dem Moment Meister als sie in Führung gingen und es bei Man City noch Remis stand und das war ein längerer Zeitraum.
polemiak 12.05.2019
3. Stimmt nicht
Liverpool zog bereits in der 17 Minute durch das 1:0 von Mané gegen Wolverhampton in der Blitztabelle an ManCity vorbei.
Liverpool zog bereits in der 17 Minute durch das 1:0 von Mané gegen Wolverhampton in der Blitztabelle an ManCity vorbei.
gammoncrack 12.05.2019
4. Irgendwie komme ich auch die
SPON-Berechnung. In der 17. Minute geht Liverpool in Führung und Manchester geht in der 38. Minute in Führung. Bis dahin war Liverpool Tabellenerster, somit 21 Minuten lang. Ohne die genaue Sekunde der jeweiligen Tore [...]
Zitat von spon1899Was soll das mit dem 1206 Sekunden? Liverpool war in dem Moment Meister als sie in Führung gingen und es bei Man City noch Remis stand und das war ein längerer Zeitraum.
SPON-Berechnung. In der 17. Minute geht Liverpool in Führung und Manchester geht in der 38. Minute in Führung. Bis dahin war Liverpool Tabellenerster, somit 21 Minuten lang. Ohne die genaue Sekunde der jeweiligen Tore zu kennen, komme ich bei vollen Minuten auf 1.260 Sekunden. Wie haben Sie denn gerechnet?
bcpt8 12.05.2019
5.
Die "1206 Sekunden" mögen stimmen, der SPON-Artikel setzt sie aber in falschen Bezug: Statt der Zeitnahme zwischen Murray's 1:0 und Laportes 1:2 (das wären max. rund 720 Sek.) müsste Manés Führungstreffer (17. [...]
Zitat von spon1899Was soll das mit dem 1206 Sekunden? Liverpool war in dem Moment Meister als sie in Führung gingen und es bei Man City noch Remis stand und das war ein längerer Zeitraum.
Die "1206 Sekunden" mögen stimmen, der SPON-Artikel setzt sie aber in falschen Bezug: Statt der Zeitnahme zwischen Murray's 1:0 und Laportes 1:2 (das wären max. rund 720 Sek.) müsste Manés Führungstreffer (17. Min) gegenüber Laporte angeführt werden. Wie Sie richtig schreiben, bedurfte es zu diesem Zeitpunkt des 0:1-Rückstands von City aber gar nicht erst, um Liverpool bei 1:0 vorübergehend an die Spitze zu bringen.

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