Schrift:
Ansicht Home:
Sport

Drei Thesen zu Leipzig gegen Bayern

Nagelsmann gewinnt das Duell der Trainer

Das Spitzenspiel zeigt: RB Leipzig ist zwar Tabellenführer, aber noch nicht auf Augenhöhe mit den Bayern. Doch Niko Kovac scheut das Risiko, das er in Leipzig für einen Sieg gebraucht hätte.

Jan Woitas / DPA

Bayern-Trainer Niko Kovac (l.) und Leipzig-Coach Julian Nagelsmann debattieren nach dem 1:1 ihrer beiden Klubs

Von und Tobias Escher
Sonntag, 15.09.2019   09:05 Uhr

1. Leipzig hat nicht das Niveau des FC Bayern

RB Leipzig hat dem Rekordmeister ein 1:1 abgetrotzt und die Tabellenführung in der Fußball-Bundesliga auch am vierten Spieltag verteidigt. Wann, wenn nicht jetzt, wäre der ideale Zeitpunkt, um eine Kampfansage nach München zu schicken?

Doch die Leipziger wussten genau, dass außer dem Ergebnis nichts für diese Lesart spricht. Zu deutlich waren die Unterschiede der beiden Klubs in der ersten Halbzeit: Hier traf ein großer Klub auf einen jungen Emporkömmling - und die Bayern ließen das Leipzig deutlich spüren. Leipzigs Spieler hielten respektvollen Abstand zu den Bayern-Akteuren. Pressing? Fehlanzeige. Umschaltspiel? Nicht zu entdecken.

Die Bayern-Akteure zeigten in diesem Spitzenspiel ihre beste Leistung seit ihrem bislang letzten richtungsweisenden Spiel, dem 5:0-Sieg gegen Borussia Dortmund. In wichtigen Partien die optimale Leistung abzurufen, ist ein besonderes Qualitätsmerkmal. Bayern gelang dies, Leipzig nicht.

2. Kein Bundesliga-Trainer kann ein Spiel so lesen wie Julian Nagelsmann

Nagelsmann trug mit der Wahl des Spielsystems zum schwachen Auftritt seiner Leipziger bei. Im 3-4-3-System bekam Leipzig nie Zugriff auf Bayerns Aufbauspiel. Doch Nagelsmanns große Stärke ist, dass er seine Fehler wiedergutmacht, noch während einer Partie, und nach der Pause wurden die Probleme kleiner.

John Macdougall / AFP

Nagelsmann gibt Anweisungen während der Partie gegen Bayern München

Was Nagelsmann aber gelang: Sein Team erarbeitete sich nun Chancen, indem es kämpferisch wie taktisch den Gegner überragte. Nagelsmanns Entscheidung, die Fünferkette zu einer Viererkette umzufunktionieren und mit Diego Demme einen weiteren Sechser zu bringen, fruchtete auf Anhieb. Leipzig spiegelte die Bayern-Formation, erzeugte somit auf jeder Position Zugriff. Die Bayern begannen, unter dem hohen Druck der Leipziger Fehler zu begehen.

Die RB-Spieler kämpften - und Nagelsmann lenkte mit seiner Systemumstellung die Energie seines Teams in positive Bahnen. Schon zu Hoffenheimer Zeiten drehte Nagelsmann Partien mit seinen taktischen Wechseln. Kein Bundesliga-Trainer beherrscht diese Facette des Berufs so wie er.

3. Kovac sollte stärker eingreifen

Vor der Pause lieferten Kovacs Bayern einen fast perfekten Auftritt, bis auf das Elfmeter-Gegentor ließen sie keine Chancen zu. Nach der Pause schaffte es Kovac jedoch nicht, sein Team auf die geänderte Leipziger Formation auszurichten. RB erspielte sich bis zur 60. Minute mehrere gute Chancen, die Dominanz der Bayern im Mittelfeld war dahin.

Kovacs Antwort? Erst wechselte er Alphonso Davies ein für Serge Gnabry (62. Minute) - Flügelstürmer für Flügelstürmer. Dann musste Thomas Müller weichen für den defensiver ausgerichteten Corentin Tolisso (63.). Ausgerechnet Müller, der mit seinen cleveren Laufwegen vor der Pause wieder und wieder die Leipziger Abwehr ausgehebelt hatte. Tolisso blieb als Zehner hingegen unauffällig. Und Königstransfer Philippe Coutinho? Er kam erst in der 88. Minute, als die Partie praktisch vorbei war. Seine Kreativität und Unberechenbarkeit hätten dem Bayern-Spiel wohl schon früher in der zweiten Hälfte gutgetan.

Kovac mied das Risiko, das man in Leipzig für einen Sieg benötigt. Nach dem Spiel sagte er im Interview beim TV-Sender "Sky": "Es ist natürlich schwierig, während des Spiels Einfluss zu nehmen auf die Mannschaft…. Die Halbzeitpause ist der beste Zeitpunkt, um etwas zu korrigieren."

Fakt ist: Das Team von Nagelsmann kam deutlich verbessert aus der Pause, die Bayern gewannen nicht mehr die Oberhand. Das lag nicht ausschließlich an Kovac. Seine Wechsel halfen jedoch nicht, das Spiel zugunsten der Bayern zu drehen.

RB Leipzig - FC Bayern München 1:1 (1:1)
0:1 Lewandowski (3.)
1:1 Forsberg (45.+3, Elfmeter)
Leipzig: Gulácsi - Mukiele, Konaté, Orban - Klostermann (46. Demme), Laimer, Forsberg (69. Nkunku), Halstenberg - Sabitzer, Poulsen (81. Cunha), Werner
München: Neuer - Pavard, Süle, Boateng, Hernández - Kimmich, Thiago (88. Coutinho) - Coman, Müller (63. Tolisso), Gnabry (62. Davies) - Lewandowski
Gelbe Karten: Halstenberg, Nkunku, Laimer / Lewandowski, Boateng
Schiedsrichter: Stegemann
Zuschauer: 41.939 (ausverkauft)

insgesamt 24 Beiträge
realist12345 15.09.2019
1. Es ist nur ein Fußballspiel
Diese dauernden Berichterstattungen bis ins kleinste Detail über Fussball bei gleichzeitiger Nichtbeachtung von anderen Sportarten ist für den "kicked" angebracht, aber nicht für ein Nachrichtenportal.
Diese dauernden Berichterstattungen bis ins kleinste Detail über Fussball bei gleichzeitiger Nichtbeachtung von anderen Sportarten ist für den "kicked" angebracht, aber nicht für ein Nachrichtenportal.
marcuhlig 15.09.2019
2.
RB machte kurz vor der Pause durch einen saudummen Elfer quasi aus dem Nichts den Ausgleich. das war gut für die Moral von RB und schlecht für die der Bayern, die hätten den Sack nämlich längst zu haben müssen, RB fand bis [...]
RB machte kurz vor der Pause durch einen saudummen Elfer quasi aus dem Nichts den Ausgleich. das war gut für die Moral von RB und schlecht für die der Bayern, die hätten den Sack nämlich längst zu haben müssen, RB fand bis dahin ja gar nicht statt. so einfach ist Fußball und alles andere hört sich nur nach Expertise an ist aber letztendlich Kaffeesatz lesen.
hitcher 15.09.2019
3. @1
Was hilfts? Fußball ist nun mal Sportart Nr. 1 und wird am Stammtisch oder auf der Arbeit fleißig diskutiert. Auch die Taktik. Wen interessiert die Taktik beim Volleyball oder Rudern?
Was hilfts? Fußball ist nun mal Sportart Nr. 1 und wird am Stammtisch oder auf der Arbeit fleißig diskutiert. Auch die Taktik. Wen interessiert die Taktik beim Volleyball oder Rudern?
ooda_maddinoo 15.09.2019
4. Es war ein gutes unterhaltsames
Spiel. Sollen doch jetzt die Mannschaften intern analysieren, wie man was hätte besser machen können. Gefühlt waren nach dem Spiel schon 3 Artikel innerhalb einer halben Stunden erschienen. Was mich für die Zukunft mal [...]
Spiel. Sollen doch jetzt die Mannschaften intern analysieren, wie man was hätte besser machen können. Gefühlt waren nach dem Spiel schon 3 Artikel innerhalb einer halben Stunden erschienen. Was mich für die Zukunft mal interessieren würde, was macht Bayern wenn Lewandowski mal sich länger verletzt oder in Rente geht. Dann wird es sichtlich schwer einen Nachfolger zu finden.
K:F 15.09.2019
5. Nicht auf Augenhöhe?
Nagelsmann hat einen Systemfehler begangen und damit könnte Leipzig garniert anders. Nach der Umstellung war Leipzig dann was? Um seine Klasse unter Beweis zu stellen, braucht der FCB eigendlich nur gewinnen. Hat er aber nicht.
Nagelsmann hat einen Systemfehler begangen und damit könnte Leipzig garniert anders. Nach der Umstellung war Leipzig dann was? Um seine Klasse unter Beweis zu stellen, braucht der FCB eigendlich nur gewinnen. Hat er aber nicht.

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP