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Sport

Reals Niederlage gegen Barcelona

Klassische Demütigung

Real Madrid musste zuletzt einige klare Pleiten gegen Barcelona hinnehmen. Doch diesmal war es anders: Dem Rivalen reichte eine dürftige Leistung - und Real ist im Angriff kein Spitzenteam mehr.

AFP

Vinicius von Real Madrid

Aus Madrid berichtet Florian Haupt
Donnerstag, 28.02.2019   11:41 Uhr

Als der Elfmeterpfiff ertönte, verließen die ersten Zuschauer im Santiago Bernabéu ruckartig ihre Plätze. Dabei waren noch 20 Minuten zu spielen, konnte dieser Elfmeter für den FC Barcelona ja auch daneben gehen, Real Madrid den Antrieb für eine Schlussoffensive finden. Nein. Die Fans wussten: Mehr ist nicht drin, die Partie ist verloren, wie so viele zuvor in dieser komplizierten Saison. Tatsächlich verpassten sie nichts außer der finalen Demütigung. Luis Suárez verwandelte den Elfmeter per Panenka-Lupfer.

Es war das Tor zum 3:0-Endstand für ein Barcelona, das damit zum sechsten Mal nacheinander im spanischen Pokalfinale steht und die Trophäe zum fünften Mal in Serie gewinnen kann, wenn es am 25. Mai auf Valencia oder Betis Sevilla trifft. Es war außerdem schon die zweite Packung der Saison für Real gegen den Erzrivalen nach einem 1:5 auswärts in der Liga, und gar die dritte in den vergangenen Jahren zuhause. 0:4 im November 2015, 0:3 im Dezember 2017, jetzt wieder 0:3. Das Clásico-Ergebnis vom Mittwoch: ein Klassiker.

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Luis Suárez trifft per Panenka-Elfmeter

Und doch war diesmal vieles anders. Denn Madrid, seit August 2017 sieglos gegen den Rivalen, scheiterte nicht an falscher Taktik, mangelndem Teamspiel oder gar einem überragenden Barça. Madrid scheiterte an einer für diesen großen Klub geradezu blamablen Harmlosigkeit im Angriff. Die Engländer schreiben nach solchen Spielen gern von "boys against men". Die einen machen das Spiel, die weiten Wege und die Kombinationen. Die anderen die Treffer. Die einen toben sich aus, die anderen warten auf ihren Moment. 14:4 Torschüsse zählten die Statistiker am Ende für Madrid, doch man braucht sich nur die Sequenz zwischen der 68. und der 69. Minute anschauen, um alles über diese Partie zu wissen.

Da zeigte Vinicius, Reals famoser Teenager, all sein Talent, als er Busquets stehen ließ, Semedo auswich, Pique verlud. Aber das Tor traf er wieder nicht. Im Gegenzug startete Barça einen Konter über rechts, Ousmane Dembélé stieß in den Rücken der Abwehr, und seine Hereingabe drückte Real-Verteidiger Raphael Varane zum 0:2 über die Linie, ehe es hinter ihm Suárez getan hätte. Nach dem gleichen Muster, nur über links, war in der 50. Minute das 0:1 gefallen. Dembélé steil hinter den Außenverteidiger geschickt, Ablage in die Mitte, Suárez, Tor.

Barcelona reicht ein dürftiger Auftritt

"Wir haben alles für diesen Wettbewerb gegeben", haderte Trainer Santiago Solari später. Genau das machte die Niederlage für Real so bitter. Barça hat diese Saison nicht alles für die Copa gegeben. Nach einem 0:2 im Viertelfinal-Hinspiel bei Sevilla mit etlichen Ersatzleuten sagte Gerard Piqué, "wenn wir es umbiegen, gut, wenn nicht, dann eben ein anderes Jahr", und noch im Halbfinal-Hinspiel (1:1) ließ Trainer Ernesto Valverde die rekonvaleszenten Lionel Messi und Dembélé vorsichtshalber auf der Bank. Auch der spielerisch dürftige Auftritt im Bernabéu wird nicht als Feuerwerk in die Annalen eingehen. Barça hat also viel weniger investiert als Real, aber viel mehr herausbekommen, und Innenverteidiger Clement Lenglet wusste auch warum, als er über Suárez sprach: "In diesen Spielen erscheinen die großen Spieler".

Wo sind die großen Spieler bei Real? Nicht vor dem gegnerischen Tor. Vincius zeigte wieder hinreißende Kreativität und Rhythmuswechsel, konnte aber Marc-André ter Stegen bei vier klaren Einschussmöglichkeiten allein in der ersten Halbzeit nicht mal eine Parade abverlangen - entweder er vertändelte oder schoss über das Tor. Der Deutsche rettete dafür glänzend gegen einen Kopfball von Sergio Reguilón, nachdem Vinicius aufgelegt hatte. So unausgegoren noch seine Abschlüsse, so brillant sind schon die Assists des 18-Jährigen. Die und dazu die Effizienz eines gewissen Portugiesen, der in neun Jahren 450 Tore erzielt hatte - was könnte das für eine Show ergeben.

"Donde está CR7?", sangen die Barça-Fans in der Stille der letzten Minuten: "Wo ist CR7?" Nie traf dieser in Spanien bekannte Spottgesang so sehr ins Schwarze wie an diesem Abend. Nie stürzte das Luftschloss von Präsident Florentino Pérez so krachend zusammen wie im bisher wichtigsten Saisonspiel. Gareth Bale und Karim Benzema würden es schon richten, hatte Pérez gehofft, als er Ronaldo ersatzlos ziehen ließ. Doch Bale - erneut nur eingewechselt - und Benzema richten es mit ihren Toren schlicht zu selten. Wie auch gegen Barça. Schon orakelt Ex-Klubchef Ramón Calderón mit Insiderwissen: "Ich habe den Eindruck, und noch ein bisschen mehr als den, dass nächste Saison wieder José Mourinho auf der Real-Bank sitzen wird."

Wenn der Name Mourinho fällt, ist Alarmstufe Rot in Madrid. Das einfachste Schutzschild, der greifbarste Titel ist weg, in der Liga ist man neun Punkte hinten dran, und ein neuerliches Husarenstück in der Champions League vermochte sich nach der Ernüchterung dieses Abends keiner vorzustellen. "Dass Barça dir drei Stück reinhaut, ohne gut zu spielen, das ist hart", sagte Klublegende Predrag Mijatovic. "Ich weiß nicht, wie sich die Spieler von diesem Schlag erholen können". Bis Samstag müssen sie es geschafft haben. Dann geht es in der Liga weiter: mit dem nächsten Clásico.

In einer früheren Version hieß es, Real Madrid habe zuletzt im April 2016 gegen Barcelona gewonnen. Tatsächlich bezwang Madrid Barça im August 2017 zweimal im Rahmen des spanischen Supercups.

insgesamt 9 Beiträge
kaiservondeutschland 28.02.2019
1. Die Wahrheit über Real Madrid
In Deutschland verstehen die Leute nicht, dass Real Madrid viel schlechter als Barça ist. Barcelona hat in den letzten 10 Jahren 7 mal die Meisterschaft und 6 mal die Copa del Rey gewonnen, Real Madrid jeweils nur zweimal. 13:4 [...]
In Deutschland verstehen die Leute nicht, dass Real Madrid viel schlechter als Barça ist. Barcelona hat in den letzten 10 Jahren 7 mal die Meisterschaft und 6 mal die Copa del Rey gewonnen, Real Madrid jeweils nur zweimal. 13:4 für Barcelona. Und das war mit Cristiano Ronaldo. Dieses Jahr ist CR7 weg. Deswegen hatte ich nichts anderes erwartet. Der bessere Club hat sich durchgesetzt. Real war auch mit CR7 nur in der Champions League überragend, national aber nicht. Genau deswegen zählt Guardiola Real Madrid nicht zur Weltspitze.
gnarze 28.02.2019
2. Lahmer Classico
Also ich war sehr enttäuscht von diesem Classico - kaum Feuer im Spiel, schlechte Stimmung, auch das Niveau war überschaubar. Ansonsten trifft der Artikel auch meine Meinung, dürftige Leistung von Barca, abschlussschwaches [...]
Also ich war sehr enttäuscht von diesem Classico - kaum Feuer im Spiel, schlechte Stimmung, auch das Niveau war überschaubar. Ansonsten trifft der Artikel auch meine Meinung, dürftige Leistung von Barca, abschlussschwaches Real.
Pela1961 28.02.2019
3. Herrlich,
wie unterschiedlich im gleichen Medium dasselbe Spiel beurteilt wird. Hier ist es die "klassische Demütigung". Der andere Artikel zum gleichen Spiel beginnt mit dem Satz "0:3 - das hört sich nach einer Demütigung [...]
wie unterschiedlich im gleichen Medium dasselbe Spiel beurteilt wird. Hier ist es die "klassische Demütigung". Der andere Artikel zum gleichen Spiel beginnt mit dem Satz "0:3 - das hört sich nach einer Demütigung an. Dabei war Real die bessere Mannschaft...."
golfstrom1 28.02.2019
4. Real - Barca
Es ist bei Real ganz klar das Jahr Eins nach Ronaldo. Zidane wusste was auf ihm zukommen würde, wenn er da geblieben wäre. Fakt ist, das Team ist satt. Spieler wie Modric, Kroos, Ramos, Benzema, Bale, Navas,Marcelo oder auch [...]
Es ist bei Real ganz klar das Jahr Eins nach Ronaldo. Zidane wusste was auf ihm zukommen würde, wenn er da geblieben wäre. Fakt ist, das Team ist satt. Spieler wie Modric, Kroos, Ramos, Benzema, Bale, Navas,Marcelo oder auch Varane haben alles gewonnen was es mit Real zu gewinnen gibt. Zudem wirkt der Teamspirit nicht sonderlich hoch. Real wirkt eher wie eine Ansammlung guter Einzelakteure. Wie im Artikel beschrieben fehlt ganz vorne nach dem Weggang von Ronaldo die Durchschlagskraft. Der Mann hat pro Saison mindestens 30 Treffer erzielt wettbewerbsübergreifend. Und das waren eben häufig auch Treffer die vor allem aufgrund Ronaldos exzellenten individuellen Fähigkeiten entstanden sind. Diese Tore fehlen jetzt an allen Ecken. Es ehrt Real, dass sie dem Supertalent Vinicius die Spielpraxis geben, die ein 18jähriges Supertalent eben auf höchstem Niveau braucht. Aber man sieht eben häufig, dass dies nicht ohne Rückschläge dahergeht. Was Real braucht ist ein Umbruch jetzt. Man sollte sich von einigen Stars trennen und ein neues Team aufbauen. Real hat in den vergangenen 5 Jahren verhältnismäßig wenig Transferausgaben getätigt und im Verhältnis zum direkten Konkurenten Barcelona regelrecht sparsam gelebt. Barca hat Unsummen allein für Dembele und Coutinho investiert. Aber vor allem Dembele fängt an langsam in dieses Team hineinzuwachsen und wird meiner Meinung nach in den kommenden Jahren eine wichtige Stütze des Teams sein.
kufu 28.02.2019
5.
Jetzt haben Sie glatt vergessen, das Verhältnis von 1:4 CL-Siegen zu erwähnen. Aber ich verstehe schon, wen interessiert schon so ein Kleine-Mädchen-Turnier, in dem sogar Mannschaften wie Bayern regelmäßig ins Halbfinale [...]
Zitat von kaiservondeutschlandIn Deutschland verstehen die Leute nicht, dass Real Madrid viel schlechter als Barça ist. Barcelona hat in den letzten 10 Jahren 7 mal die Meisterschaft und 6 mal die Copa del Rey gewonnen, Real Madrid jeweils nur zweimal. 13:4 für Barcelona. Und das war mit Cristiano Ronaldo. Dieses Jahr ist CR7 weg. Deswegen hatte ich nichts anderes erwartet. Der bessere Club hat sich durchgesetzt. Real war auch mit CR7 nur in der Champions League überragend, national aber nicht. Genau deswegen zählt Guardiola Real Madrid nicht zur Weltspitze.
Jetzt haben Sie glatt vergessen, das Verhältnis von 1:4 CL-Siegen zu erwähnen. Aber ich verstehe schon, wen interessiert schon so ein Kleine-Mädchen-Turnier, in dem sogar Mannschaften wie Bayern regelmäßig ins Halbfinale kommen.

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