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Sport

Pokal-Viertelfinalist Paderborn

Zurück in Partyborn

5:3, 4:4, 3:3, 6:0, 6:2: Für regelmäßiges Spektakel im deutschen Fußball sorgt in dieser Spielzeit nicht etwa Bayern München, sondern der SC Paderborn. Trainer Steffen Baumgart ist der Mann "mit dem Dauerlächeln".

Andreas Gora DPA

SCP-Torjäger Philipp Klement

Von , Paderborner
Dienstag, 02.04.2019   15:57 Uhr

Man muss umlernen. Wem bisher das Wort Spektakel in den Sinn kam, dachte dabei nicht zuallererst an Paderborn, das Dreihasenfenster im Hohen Dom und der kürzeste Fluss Deutschlands hin oder her. Seit Steffen Baumgart diese Stadt betreten hat, ist das anders geworden. Der Profiverein mit dem zuverlässigsten Entertainmentfaktor in Deutschland heißt seitdem SC Paderborn 07. Im Pokalviertelfinale am Abend gegen den Hamburger SV (18.30 Uhr Sky, Liveticker SPIEGEL ONLINE) sollen wieder die Fetzen fliegen.

Baumgart hat das Traineramt in Ostwestfalen vor gut zwei Jahren übernommen, und man sollte mittlerweile glauben, hier haben sich zwei gesucht und gefunden. Der Trainer, der zuvor mäßig erfolgreich bei Germania Schöneiche und dem Berliner AK das Sagen gehabt hatte und der Verein, dessen Sturzflug aus der Bundesliga, als man in der Presse noch Partyborn hieß, bis in die Viertklassigkeit unaufhaltsam schien. 2017 durfte die Mannschaft nur in der Dritten Liga verbleiben, weil Ligakonkurrent 1860 München so schlecht geführt wurde, dass er zum Zwangsabstieg verurteilt wurde.

Danach krempelte Steffen Baumgart die Ärmel auf.

Dem 47-Jährigen kam zugute, dass er nicht wie einer dieser neuen Fußball-Intellektuellen wirkt, eher wie der bodenständige Arbeiter von der Ostseeküste. Das hat geholfen, ihn und sein Team zu unterschätzen. Der Fußball, den er spielen lässt, ist dagegen aufregend modern, herzerwärmend und auf die allerhöchste Weise unterhaltsam.

Nach 28 Spieltagen auf Platz vier

Die einfache Weisheit, dass Fußball ein Laufspiel ist, das von Toren lebt, hat der SCP mittlerweile inhaliert. Schon in der Drittklassigkeit erzielte der von Gnaden des DFB in der Liga Verbliebene sagenhafte 90 Tore. Es war, als hätte sich plötzlich eine Bremse gelöst, Paderborn stieg als Zweiter hinter dem 1. FC Magdeburg auf, das allein war eine kleine Sensation. Dass der Verein nach 28 Spieltagen in der 2. Liga auf Platz vier liegt und sich noch Hoffnungen auf einen weiteren Aufstieg machen kann, erst recht.

Andreas Gora DPA

Trainer Steffen Baumgart hat das Sagen

Die Resultate in dieser Saison lesen sich so: 5:3 beim 1. FC Köln, 4:4 gegen den SC Magdeburg, 4:4 gegen Holstein Kiel, 5:1 beim 1. FC Heidenheim, 6:2 gegen Darmstadt 98, 6:0 gegen Greuther Fürth, 3:3 gegen den SV Sandhausen. Im Rückspiel gegen Ligaprimus Köln lagen die Paderborner nach 80 Minuten 0:2 zurück, zehn Minuten später war die Stampede über die Kölner hinweggegangen: 3:2. Die "Neue Westfälische", die Lokalzeitung am Ort jubelt dieser Tage: "Es gibt keine Ausrede mehr, nicht zum SC Paderborn zu gehen." Partyborn ist zurück.

"Ich hab hier bisher in zwei Jahren eine richtig geile Zeit", sagte Baumgart am Montag, er laufe hier nur "mit einem Dauerlächeln" durch die Gegend. Baumgart war als Stürmer bei Hansa Rostock, beim 1. FC Union und Energie Cottbus ein beherzter, aber beileibe kein brillanter Fußballer. Jetzt lässt er einfach seine Mannschaft so spielen, wie er es am liebsten als Aktiver gehabt hätte. "Am höchsten rechne ich meinen Jungs an, dass sie immer das umsetzen, was wir als Trainer ihnen vorgeben", sagt er: "Das hätte ich als Spieler damals nicht gekonnt."

Nur Köln, BVB und Bayern treffsicherer

Zum zweiten Mal in Folge steht der Verein jetzt im Pokal-Viertelfinale, im Vorjahr kassierte das Team sechs Treffer bei Bayern München. Jetzt, gegen den großen Hamburger SV, sagt Baumgart: "Das ist ein Zweitligist wie wir." Sein Team habe "mittlerweile überall mehr als gute Möglichkeiten zu gewinnen". 61 Tore hat Baumgarts Elf bislang in der 2. Liga geschossen, der HSV auf dem zweiten Tabellenplatz gerade 38. Mehr Treffer als Paderborn haben im großen Fußball nur drei Teams erzielt: 1. FC Köln, Borussia Dortmund, Bayern München.

Zur Wahrheit gehören allerdings auch die 41 Gegentreffer, das sind mehr, als Erzgebirge Aue, Dynamo Dresden oder Sandhausen aus dem Kellergeschoss der Liga kassiert haben. Hintenrum frei, aber vorne reitet die Kavallerie. In Paderborn waten sie im Adrenalin.

Im Vorfeld der heutigen Partie ist viel zurückgeguckt worden, um 15 Jahre, als der Hamburger SV seine Erstrundenbegegnung im Pokal in Paderborn auch verlor, weil der Schiedsrichter Robert Hoyzer hieß. Das Spiel löste den Wettbetrugsskandal im DFB aus, Hoyzer musste ins Gefängnis und versuchte danach einen Neuanfang beim Berliner AK. Der dortige Trainer hieß damals Steffen Baumgart. "Das sind uralte Geschichten fast aus dem vergangenen Jahrhundert", sagt Baumgart. Er schaut nicht nach hinten, sondern nach vorne. Da geht die Post ab.

insgesamt 1 Beitrag
sunger 02.04.2019
1. 1. FC Magdeburg
entweder ganz die Kürzel weglassen, oder bitte etwas aufmerksamer sein. Fussball ist in Magdeburg und ganz Sachsen- Anhalt der 1. FC Magdeburg, unter dem SC Magdeburg sammeln sich alle anderen Sportarten der Sportstadt [...]
entweder ganz die Kürzel weglassen, oder bitte etwas aufmerksamer sein. Fussball ist in Magdeburg und ganz Sachsen- Anhalt der 1. FC Magdeburg, unter dem SC Magdeburg sammeln sich alle anderen Sportarten der Sportstadt Magdeburg, wie Handball, Leichtathletik, Wassersport. Aber Fussball und Ligamitglied mit dem SC Paderborn (es geht doch) ist der 1. FC Magdeburg.

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