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ManCity-Torjäger Agüero

Keiner für YouTube

Auf ihn muss Schalke im Spiel gegen ManCity besonders aufpassen: Sergio Agüero. Er ist einer der besten Stürmer der Premier-League-Geschichte - und wird trotzdem unterschätzt. Woran liegt das?

AFP

Sergio Agüero

Von , Manchester
Mittwoch, 20.02.2019   17:20 Uhr

Sieben Minuten waren gespielt in der Partie gegen den FC Chelsea vor eineinhalb Wochen, als die Menschen im Stadion von Manchester City Zeugen einer Sensation wurden. Sie sahen, wie Sergio Agüero eine Chance vergab. Nicht irgendeine Chance, sondern eine, die ein Fußballprofi eigentlich gar nicht vergeben kann. Erst recht nicht Agüero.

Der Stürmer musste den Ball am rechten Pfosten aus drei Metern eigentlich nur noch ins Tor schieben. Dass er das Ziel verfehlte, versetzte das Publikum in einen Mischzustand aus Ungläubigkeit und Schock. Auch der Argentinier selbst brauchte ein, zwei Momente, um sein Missgeschick zu begreifen.

REUTERS

Agüero feiert seinen dritten Treffer gegen Chelsea

Dann machte Agüero einfach weiter, schoss drei Tore und wurde zum Mann des Spiels beim 6:0 gegen Chelsea, wieder einmal. Es war sein insgesamt elfter Dreierpack in der Premier League. Damit zog er mit Alan Shearer gleich, dem bisherigen Rekordhalter.

Agüero ist der beste Schütze in der Geschichte von Manchester City, das am Abend (21 Uhr; TV: Dazn; Liveticker SPIEGEL ONLINE) im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Schalke 04 antritt. Mit 160 Premier-League-Treffern ist er zugleich der erfolgreichste noch aktive Torschütze nach dem 33 Jahre alten Wayne Rooney, der mittlerweile in den USA spielt, und dem von Bournemouth an die Glasgow Rangers ausgeliehenen Jermaine Defoe.

Agüero liegt vor Spielern wie Michael Owen, Teddy Sheringham oder Robin van Persie und hat mit seinen 30 Jahren noch genug Zeit, Robbie Fowler (163 Tore), Thierry Henry (175) und theoretisch sogar Rooney (208) einzuholen. Nur Shearer (260), den besten Premier-League-Torschützen überhaupt, wird er wohl nicht überflügeln. Nach seinem Wechsel von Atlético Madrid nach Manchester 2011 hat Agüero mit seinen Treffern einen wertvollen Beitrag zu Manchester Citys Aufstieg in Englands Fußballelite mit drei Meisterschaften in den vergangenen sieben Jahren geleistet.

Nie Fußballer des Jahres

Die Faktenlage ist eindeutig: Agüero ist ein herausragender Angreifer. Den Rang großer Kultstürmer aber hat er bislang nicht erreicht. Er war nie Englands Fußballer des Jahres, stand erst einmal in der Mannschaft der Saison und bleibt von vielen neutralen Zuschauern ungenannt, wenn es um die Ikonen der Premier League geht.

Warum ist das so? Drei Gründe:

Getty Images

Agüero: Schnell, technisch gut, spielintelligent

Unter Trainer Pep Guardiola trifft City oft nach dem gleichen Muster: Ball auf den Flügel, flache Hereinabe von der Grundlinie, Abschluss. Agüeros Tore sind oft einfache Tore. Spektakel liegt ihm nicht.

Wobei: Beim Spiel gegen Chelsea vor anderthalb Wochen kam er fünf Minuten nach seiner vergebenen Großchance in der Mitte der gegnerischen Hälfte an den Ball. Aus mehr als 20 Metern zog er ab, der Schuss wurde länger und länger und schlug im rechten oberen Toreck ein. Wenn Agüero ausnahmsweise bei den einfachen Übungen versagt, kann er es auch kunstvoll. Dann schießt er sogar YouTube-Tore.

insgesamt 3 Beiträge
lattenkracher11 20.02.2019
1. Einfache Frage
Die Antwort ist, weil er kein Stürmer auf absolutem Weltklasseniveau ist und in großen spielen weder für Verein noch Nationalmannschaft trifft (von seinem Tor zur Meisterschaft mal abgesehen, welches aber gegen einen schwachen [...]
Die Antwort ist, weil er kein Stürmer auf absolutem Weltklasseniveau ist und in großen spielen weder für Verein noch Nationalmannschaft trifft (von seinem Tor zur Meisterschaft mal abgesehen, welches aber gegen einen schwachen Gegner erzielt wurde). 2 Tore bei WMs und 6 in K.O. Spielen der CL stehen für ihn zu Buche. Das beste Beispiel war die WM 2010, als sein Schwiegervater und Trainer Maradonna den späteren Torschützenkönig Müller nicht kannte und stattdessen seinen Sturm um Tevez und Aguero lobte, die gar nichts zeigten. Zugegebenermaßen hat er viele Tore in der Premier League geschossen, aber er hat auch immer in einem Topverein gespielt. Wie schwer es ist, auch zu treffen, wenn die Mitspieler nicht die besten sind, zeigt das Beispiel Balotteli.
mwrw 20.02.2019
2. @lattenkracher11: Merkwürdige Antwort
Kein Weltklasseniveau? Weil er immer "nur" bei einem Topverein spielt? Ich vermute mal, Sie machen Witze oder haben ansonsten wenig mit Fußball am Hut. Agüero hat 74 Tore für Atlético Madrid geschossen, 160 für City und 38 [...]
Kein Weltklasseniveau? Weil er immer "nur" bei einem Topverein spielt? Ich vermute mal, Sie machen Witze oder haben ansonsten wenig mit Fußball am Hut. Agüero hat 74 Tore für Atlético Madrid geschossen, 160 für City und 38 für Argentinien und trifft regelmäßig auch in sehr entscheidenden großen Partien der Premier League: Diese Saison beim 3:1 gegen Manchester United, beim 2:1 gegen Liverpool, beim 3:1 gegen Arsenal gleich dreifach usw. usf. … Und diese Leistung bringt er Jahr für Jahr. Also einfach mal informieren. Denn das was Agüero seit Jahren zeigt ist sehr wohl Weltklasseniveau. Es sei denn, Weltklasse attestiert man erst ab Messi und Ronaldo (Müller erreicht dies nebenbei bemerkt eher nicht trotz WM-Torschützenkrone). Ansonsten ein guter Artikel, der beschreibt, dass jemand auch ohne ausufernde YouTube-, Twitter- und Instagram-Aktivitäten ein Star auf höchstem Niveau sein kann.
sapiens-1 20.02.2019
3. Für mich ist...
...Kun der Gerd Müller unserer Zeit. Ich bin alt genug um beide vergleichen zu können und Agüero macht mit seiner Schnelligkeit und seinem Instinkt genauso selbstverständlich Tore wie Gerd seinerzeit. Nicht immer spektakulär, [...]
...Kun der Gerd Müller unserer Zeit. Ich bin alt genug um beide vergleichen zu können und Agüero macht mit seiner Schnelligkeit und seinem Instinkt genauso selbstverständlich Tore wie Gerd seinerzeit. Nicht immer spektakulär, aber konstant und sicher. Daß es mit Argentiniens N-11 nie so recht geklappt hat liegt für mich daran, daß hier nie eine konstante Mannschaft aufgebaut und gepflegt wurde. Sonst wäre dies die ideale Mischung aus europäischer Disziplin/Taktik und Latinospielfreude...Ich wünsche ihm und Pep dieses Jahr die CL!

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