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Sport

Liga-Chef zu rassistischen Rufen in italienischen Stadien

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Italiens Fußball hat ein Rassismus-Problem. Was da helfen kann? Die Mikrofone im Stadion ausschalten. Dann hört es keiner. Das zumindest soll Serie-A-Boss Luigi De Siervo einigen Klubchefs vorgeschlagen haben.

FILIPPO VENEZIA/EPA-EFE/REX

Mario Balotelli hat in seiner Karriere oft mit rassistischen Anfeindungen zu kämpfen

Dienstag, 03.12.2019   19:29 Uhr

Was man nicht hört, das hat es auch nicht gegeben. Dieser Gedanke scheint hinter der Aussage von Serie-A-Geschäftsführer Luigi De Siervo zu stecken, die laut eines Medienberichts bei einem Treffen hochrangiger Liga-Vertreter im September gefallen sein soll.

Die italienische Tageszeitung "La Repubblica" veröffentlichte auf ihrer Internetseite einen offenbar heimlich aufgezeichneten Audio-Mitschnitt, auf dem De Siervo vorschlägt, die Mikrofone im Stadion abzuschalten, sollten Fans rassistische Gesänge anstimmen. Die Beleidigungen wären dann nicht im Fernsehen zu hören.

De Siervo gab laut "La Repubblica" zu, dass es sich um seine Stimme handele. Man höre in der Aufnahme aber nur einen Bruchteil seiner Aussage, sagte der 50-Jährige, der zu Jahresbeginn vom Sportmarketingunternehmen Infront Italy an die Spitze der italienischen Liga gewechselt war. Es sei bei dem Gespräch um die TV-Produktion gegangen, darum, wie man die Schönheit des Spiels transportieren könne, ohne zu lange auf negativen Inhalten zu verweilen. De Siervo kündigte rechtliche Schritte wegen unerlaubter Veröffentlichung des Audio-Mitschnitts an.

Die Vereine gelobten Besserung

In italienischen Stadien hat es in den vergangenen Monaten und Jahren zahlreiche rassistische Vorfälle gegeben. Anfang November hatten Anhänger des Vereins Hellas Verona beim Heimspiel gegen Brescia Calcio dessen Stürmerstar Mario Balotelli mehrfach mit Affenlauten und rassistischen Rufen beleidigt. Hellas hatte daraufhin gegen einen führenden Fanvertreter ein mehr als zehnjähriges Stadionverbot verhängt.

Im September war Inters Starzugang Romelu Lukaku während eines Auswärtsspiels bei Cagliari Calcio rassistisch beleidigt worden. Lukaku selbst hatte via Twitter Vereine und Verbände dazu aufgefordert, dagegen vorzugehen. Daraufhin hatten Fans seines eigenen Klubs den Rassismus relativiert: In Italien gehöre es nun mal zum Fußball dazu, den Gegner mit allen möglichen Mitteln fertigzumachen.

Die für ihre zurückhaltenden Reaktionen auf diese regelmäßigen Vorfälle kritisierte Liga hatte erst am vergangenen Freitag erneut Besserung gelobt. "Wir müssen anerkennen, dass wir ein ernsthaftes Problem mit dem Rassismus in italienischen Stadien haben und dass wir ihn womöglich im Laufe der Jahre nicht ausreichend bekämpft haben", hieß es in einem gemeinsamen offenen Brief aller 20 Serie-A-Vereine.

Auch in der laufenden Saison seien einige Spieler Opfer rassistischer Beleidigungen geworden, schrieben die Vereine. Diese Bilder seien um die Welt gegangen und hätten überall Debatten ausgelöst. "Das ist eine Quelle der Frustration und Scham für uns alle." In den vergangenen Wochen hätten die Verantwortlichen der Vereine "konstruktive Diskussionen" mit der Serie A, dem italienischen Fußballverband FIGC und internationalen Experten geführt. Ziel sei es, "dieses Problem anzugehen und zu beseitigen".

sak/dpa

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2008 Inter Mailand
2007 Inter Mailand
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