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Sport

Tottenham-Stürmer

Die One-Kane-Show

Tottenham vs. Real, oder muss es heißen: Harry Kane gegen Madrid? Der Angreifer trifft aktuell wie kaum ein anderer. Doch um der beste Stürmer der Welt zu werden, muss er über einen Klubwechsel nachdenken.

Getty Images
Von , Manchester
Mittwoch, 01.11.2017   17:44 Uhr

Vielleicht war Josep Guardiola ein bisschen zu euphorisch angesichts der blendenden Form, in der sich das von ihm trainierte Manchester City befindet. Vielleicht dachte er nicht nach über die Wirkung seiner Worte, als er neulich eine Bemerkung machte über einen Rivalen im Titelkampf der Premier League, die ein Kompliment und eine Stichelei zugleich war.

Er bezeichnete Tottenham Hotspur, den Tabellendritten, aktuell mit acht Punkten Rückstand auf Spitzenreiter City, als "Harry-Kane-Team". Am Abend spielt das "Kane-Team" gegen Real Madrid in der Champions League (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Einerseits illustrierte Guardiola damit natürlich den enormen Wert des englischen Nationalstürmers für den Klub aus dem Norden Londons. Andererseits degradierte er das Team damit zur Ein-Mann-Veranstaltung.

Tottenhams Trainer Mauricio Pochettino jedenfalls war nicht froh über Guardiolas Einschätzung. "Ich denke, viele Leute fassten das als traurig und respektlos gegenüber unserem Klub auf", sagte Pochettino und merkte an, dass es ihm nie in den Sinn kommen würde, Guardiolas Erfolge in seiner Zeit als Übungsleiter des FC Barcelona alleine mit Lionel Messi zu erklären.

Natürlich ist fraglich, ob einem Trainer eine solche Bemerkung über einen Konkurrenten zusteht, aber Guardiola traf einen wahren Kern. Denn Kane, der 24 Jahre alte Angreifer, ist so wichtig für Tottenham, dass sich auch die Frage stellt, ob er nicht schon zu wichtig ist. Zuletzt fehlte er zwei Mal wegen Muskelproblemen, im Ligapokal gegen West Ham und in der Liga bei Manchester United, beide Spiele gingen verloren. Gegen Madrid ist er wohl wieder dabei. "Wir sind sehr zuversichtlich", sagte Trainer Pochettino über Kanes Einsatzchancen.

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Jeder Fußballer erlebt irgendwann eine Schwächephase, eine Zeit, in der auch die einfachen Dinge schwerfallen. Bei Kane sind keine Anzeichen für eine solche Dürre zu erkennen. Seit drei Jahren hat er einen festen Platz bei Tottenhams Profis, seit drei Jahren ist er der überragende Mann - und wird immer besser. In seiner ersten kompletten Saison schoss er 21 Tore in der Liga, in der zweiten 25, in der dritten 29. In den vergangenen beiden Spielzeiten wurde er Torschützenkönig, derzeit führt er die Bestenliste mit acht Toren aus neun Spielen an.

Dreimal nacheinander erfolgreichster Vollstrecker der Premier League, das gelang zuletzt Thierry Henry zwischen 2004 und 2006. Es sind aber noch andere Spieler, mit denen Kane wegen seiner starken Bilanz immer öfter verglichen wird, nämlich Messi und Cristiano Ronaldo.

Kane fehlt die überragende Technik der beiden wohl besten Spieler des Planeten, aber das ist nicht schlimm. Ihn zeichnet aus, dass er in genügend Disziplinen besser ist als der Durchschnitt. Beim Passspiel, bei der Übersicht, im Körpereinsatz, mit dem Kopf, natürlich beim Torabschluss. Das macht ihn vielleicht nicht zum besten, aber zu einem der komplettesten Spieler der Welt.

Die Vielfalt seiner Begabungen wird deutlich, wenn man sich Szenen aus der jüngeren Vergangenheit anschaut:

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Tottenham Hotspur: "Harry-Kane-Team"

Um sich zu verbessern, achtet er auch auf Details. Seit diesem Jahr hat er einen Koch engagiert. Er bereitet an sechs Tagen in der Woche gesundes Essen für ihn zu, abgestimmt auf den Trainingsplan und Tottenhams Spieltermine. Nationaltrainer Gareth Southgate ist begeistert von so viel Professionalität: "Er ist die Art von Vorbild, die man sich wünscht. Man will Spieler mit dem Anspruch, zu den Besten der Welt zu gehören."

Wer zu den Besten der Welt gehören will, ist langfristig möglicherweise falsch bei Tottenham, einem Klub, der in den vergangenen Jahren eine blendende Entwicklung genommen hat, aber nicht zu Europas erster Garde gehört. Kane hängt an dem Verein, ist aber auch ambitioniert genug zu wissen, dass es irgendwann Zeit für den nächsten Schritt sein könnte.

Vor allem Real Madrid soll Interesse haben. Klubchef Florentino Pérez verwies zwar gerade darauf, dass der Verein mit Karim Benzema im Sturmzentrum sehr zufrieden sei, doch das könnte ein Ablenkungsmanöver sein wie es oft vorkommt auf dem internationalen Transfermarkt.

Ein Spieler, der zu den Besten der Welt gehören will, ist immer interessant für den Klub, der sich für den besten der Welt hält.

insgesamt 2 Beiträge
Karbonator 01.11.2017
1.
Eigentlich wollte ich schreiben: "Man muß ja nicht unbedingt der Weltbeste werden wollen, oder? Vielleicht bleibt er ja noch lange Jahre bei Tottenham, wird vllt. nicht der weltbeste Stürmer, aber dafür eine Legende bei [...]
Eigentlich wollte ich schreiben: "Man muß ja nicht unbedingt der Weltbeste werden wollen, oder? Vielleicht bleibt er ja noch lange Jahre bei Tottenham, wird vllt. nicht der weltbeste Stürmer, aber dafür eine Legende bei den Spurs-Fans." Aber dann lese ich, daß er sich einen Koch zugelegt hat... das klingt mir weniger nach kultiger Legende als nach durchgeplanter Super-Karriere. Also: Viel Spaß bei Real.
Nonvaio01 01.11.2017
2. Typisch
da beschweren sich die medien das es eh nur 4-5 Clubs gibt die die CL unter sich ausmachen. Aber wenn dann ein Team wie Tottenham, einen guten spieler hat, wird auch gleich empfohlen das dieser spieler zu den grossen muss um ein [...]
da beschweren sich die medien das es eh nur 4-5 Clubs gibt die die CL unter sich ausmachen. Aber wenn dann ein Team wie Tottenham, einen guten spieler hat, wird auch gleich empfohlen das dieser spieler zu den grossen muss um ein grosser zu werden. Das ist paradox....wie soll ein Klub ein grosser werden, wenn er immer die besten spieler abgibt, Bale kommt ja auch von Tottenham, nochmal werden die den fehler nicht machen, denn haetten die Bale behalten, waehren die garatiert schon PL meister und wuerden auch in der CL ein gewichtiges wort mitreden. Der Coach von Tottenham ist klasse, einer der echt ahnung hat, den wird der FCB aber nicht bekommen.....

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