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Sport

Hoeneß-Anruf bei TV-Expertenrunde

"Was liegt dir auf dem Herzen, Uli?"

Bayern-Präsident Uli Hoeneß hat in einer TV-Talkshow angerufen. Er verteidigte Sportdirektor Salihamidzic und beschwerte sich live auf dem Sender, dass ein anwesender Journalist "ja gar keine Ahnung" habe.

regios24/ imago images

Uli Hoeneß (r.) empört sich über die Kritik an Hasan Salihamidzic

Sonntag, 10.11.2019   16:19 Uhr

Wenige Tage vor dem Ende seiner Präsidentschaft beim FC Bayern nutzt Uli Hoeneß noch einmal alle Kanäle, um sich Gehör zu verschaffen. Am Samstag freute er sich vor Kameras und Mikrofonen über ein "traumhaftes" Abschiedsspiel seines Klubs, der im heimischen Stadion 4:0 gegen Borussia Dortmund gewonnen hatte.

Am Abend bestätigte der Nochpräsident dann im ZDF-"Sportstudio", dass Kürzlich-noch-Trainer Niko Kovac den Rückhalt in der Mannschaft verloren hatte. Und nur wenige Stunden später rief er erbost in der Sport1-Talkrunde "Doppelpass" an, um den öffentlich viel kritisierten Sportdirektor Hasan Salihamidzic zu verteidigen.

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint

"Was liegt dir auf dem Herzen, Uli?", fragte Moderator Thomas Helmer gewohnt einfühlsam. Und Hoeneß antwortete gewohnt streitsüchtig: "Dass große Teile der Runde sich despektierlich über Hasan Salihamidzic äußern, speziell dieser Herr Fenske, der ja gar keine Ahnung hat." Gemeint war der Journalist Marco Fenske, Chefredakteur des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

"Hasan hat einen guten Job in diesem Jahr gemacht, ich darf daran erinnern, dass die Transfers von Pavard, Hernández und nicht zuletzt Davies allein auf seinem Mist gewachsen sind", sagte Hoeneß weiter. Man sei glücklich über diese "sensationellen Transfers".

"Gerade in den letzten Wochen, in all diesen Entscheidungen, die da zu treffen waren, war er voll integriert und hat einen ganz wesentlichen Beitrag geleistet und mit dem werden wir beim FC Bayern noch viel Spaß haben", schloss Hoeneß sein Plädoyer. Die Entscheidung über Salihamidzic' Ernennung zum Sportvorstand werde der Aufsichtsrat am Montag fällen. Ob Hoeneß mit solchen Aktionen den Respekt für die Leistungen seines Sportdirektors steigert, ist jedoch fraglich.

Auch Kahn entscheidet über neuen Trainer

Dieser Anruf reihte sich ein in die jüngsten bemerkenswerten Auftritte des Bayern-Machers. Da war die denkwürdige Abschieds-Pressekonferenz ("Das ist mir großartig gelungen"), die deplatzierte Beschimpfungskonferenz ("Geht's eigentlich noch?") vor einem Jahr. Und nun also diese Anekdote. Hoeneß wird bei der Mitgliederversammlung am 15. November nicht mehr als Präsident kandidieren. (Lesen Sie hier mehr über den ewigen Hoeneß und seine Ära beim FC Bayern.)

Wichtiger Teil des Neuanfangs: die Antwort auf die Trainerfrage. Und da soll auch Oliver Kahn mitreden, der ab Januar einfaches Mitglied des Vorstands und als Nachfolger von Karl-Heinz Rummenigge ab 2022 aufgebaut wird. "Möglicherweise oder sehr wahrscheinlich" würden Rummenigge und Salihamidzic, die mit der Suche beauftragt sind, auch mit Kahn und dem designierten Präsidenten Herbert Hainer sprechen, sagte Hoeneß noch, bevor er zum Abschied fröhlich in den Hörer flötete: "Ich wünsche euch noch einen schönen Vormittag. Alles Gute! Tschühüss!"

sak

insgesamt 51 Beiträge
gottseibeiuns 10.11.2019
1. "gewohnt streitsüchtig"??
So bekommt man die Etiketten verpasst. Jemand (Hoeneß) sagt über jemanden (Fenske), " daß er ja gar keine Ahnung habe". Das ist eine Feststellung. Ob sie richtig oder falsch ist, weiß ich nicht. Mit [...]
So bekommt man die Etiketten verpasst. Jemand (Hoeneß) sagt über jemanden (Fenske), " daß er ja gar keine Ahnung habe". Das ist eine Feststellung. Ob sie richtig oder falsch ist, weiß ich nicht. Mit "Streitsucht" hat sie jedoch nun wirklich nichts zu tun.
jknaebel 10.11.2019
2.
Da hatte Hoeneß aber recht. Der "Journalist" hat sich über Hasan in primitiver Weise lustig gemacht. Da erwarte ich, das sich ein Präsident vor seine Leute stellt. Das wurde doch bei Kovac auch lauthals gefordert.
Da hatte Hoeneß aber recht. Der "Journalist" hat sich über Hasan in primitiver Weise lustig gemacht. Da erwarte ich, das sich ein Präsident vor seine Leute stellt. Das wurde doch bei Kovac auch lauthals gefordert.
Zahnpasta 10.11.2019
3.
Man sollte vielleicht den Kontext nicht vergessen. In den Minuten vorher wurde folgendes über Salihamidzic gesagt: - Alle mögen ihn, er ist lustig - Geht bald auf Tour, als Standup-Comedian - Wenn er Sportvorstand wird, [...]
Man sollte vielleicht den Kontext nicht vergessen. In den Minuten vorher wurde folgendes über Salihamidzic gesagt: - Alle mögen ihn, er ist lustig - Geht bald auf Tour, als Standup-Comedian - Wenn er Sportvorstand wird, kriegt er bestimmt jemanden unter sich der dann die Arbeit für ihn macht - Sportvorstand sein hätte den Vorteil dass man eine höhere Abfindung erhalte. Nichts davon ist eine seriöse Berichterstattung über seine Tätigkeiten gewesen, sondern persönliche Angriffe. Wenn ein Mitarbeiter persönlich in so einer Runde angegriffen wird, finde ich es eigentlich gut wenn dessen Chef dazwischen springt. Aber nachdem es Hoeneß war, ist das natürlich verwerflich. Ich hoffe SPON erinnert sich noch an diesen Artikel, wenn das letzte mal fehlende Unterstützung von FCB-Mitarbeitern wie Trainer etc. kritisiert wird.
hafnafjoerdur 10.11.2019
4. Komisch
Ich habe die Sendung gesehen. Allgemein - auch von Herrn Fenske - bekamm Hoeneß Lob, wie er sich vor seine Leute stellt und alle waren sich einig, dass er zukünftig fehlen wird. Nur der Spiegel weiß es wieder mal besser und [...]
Ich habe die Sendung gesehen. Allgemein - auch von Herrn Fenske - bekamm Hoeneß Lob, wie er sich vor seine Leute stellt und alle waren sich einig, dass er zukünftig fehlen wird. Nur der Spiegel weiß es wieder mal besser und wertet es ab. Die Frage muss erlaubt sein, wann denn überhaupt mal ein Verantwortlicher der Bayern und speziell Uli Hoeneß laut Ansicht des Spiegels irgendetwas richtig macht.
Malandersüberlegt 10.11.2019
5. Was wäre eigentlich gewesen, ...
... wenn der Sender den Anruf gar nicht durchgestellt hätte? Schließlich wäre das auch eine Möglichkeit gewesen. Für mich ist es nicht nachvollziehbar, weswegen Uli Hoeneß (oder irgendjemand sonst) das Recht haben sollte, [...]
... wenn der Sender den Anruf gar nicht durchgestellt hätte? Schließlich wäre das auch eine Möglichkeit gewesen. Für mich ist es nicht nachvollziehbar, weswegen Uli Hoeneß (oder irgendjemand sonst) das Recht haben sollte, mitzudiskutieren, obwohl er gar nicht zu der Talkrunde eingeladen war. Würde mich nicht wundern, wenn das vorher mit den Sender abgesprochen gewesen wäre.

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