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College-Football

Crash im Endspiel

Mit 14 Siegen und ohne Niederlage rauschte das College-Team der Universität Alabama ins Finale. Dort erlebte das Team ein Debakel. So hoch wie gegen Clemson hatte Alabama zuletzt vor 15 Jahren verloren - gegen den eigenen Trainer.

AFP

Nick Saban (Mitte)

Von
Dienstag, 08.01.2019   16:39 Uhr

Seit zwölf Saisons herrscht Headcoach Nick Saban in Tuscaloosa, im US-Bundesstaat Alabama. In dieser Zeit ist das Football-Team der Universität von Alabama, die "Crimson Tide", fünf Mal Meister geworden - und stand weitere zwei Mal im Finale. Angesichts der jährlichen Fluktuation sehr junger Spieler eine beeindruckende Leistung.

Doch nun hat Saban eine seiner gravierendsten Niederlagen erlebt. Und das ausgerechnet im wichtigsten Spiel der Saison, dem College-Football-Finale. Dreimal ist Alabama in den vergangenen vier Jahren im Playoff-Finale auf die Clemson Tigers getroffen - und bis Montagabend waren die Spiele nahezu immer ausgeglichen und eng bis zur letzten Minute. 2018 ging es gegen Georgia sogar in die Verlängerung.

Und nun das: 44:16 für die Clemson Tigers, eine vernichtende Niederlage, die erste überhaupt für Coach Nick Saban, in der sein Team mit mehr als drei Touchdowns Rückstand verlor. Zuletzt hatte Saban in der NFL mit den Miami Dolphins so hoch verloren - 2006 0:21 gegen die Buffalo Bills.

Der letzte Trainer, der Alabama mit mehr als 16 Punkten Differenz schlagen konnte, war ironischerweise Saban selbst. Das war vor 15 Jahren, als Saban noch in Diensten des Konkurrenten LSU stand. Ein US-Kommentator verglich die epische Niederlage daher mit dem Kampf von Muhammad Ali gegen Sonny Liston, als dieser am Boden liegend von Ali mit "Steh auf und kämpf, du Penner. Niemand wird das glauben!" beschimpft wurde.

In der regulären Saison gewann Alabama teilweise mit 50 Punkten Abstand

Während der gesamten Saison galt Alabama als das beste Team im College Football, als unbesiegbar gar. Angeführt vom hawaiianischen Quarterback Tua Tagovailoa, einem Linkshänder, gewannen sie Spiel um Spiel - keines davon mit weniger als sieben Punkten Vorsprung, in vielen Fällen wurde der Gegner mit 30, 40 und sogar 50 Punkten Abstand besiegt.

Die Clemson Tigers unter Cheftrainer Dabo Swinney kamen jedoch ebenfalls unbesiegt ins Finale und sind nun die erste Universitäts-Mannschaft in der modernen Ära, die eine Saison mit 15 Siegen und ohne Niederlagen abschließt. Zuletzt gelang dies der Universität von Pennsylvania 1897.

AP

Trevor Lawrence (r.)

Noch bemerkenswerter ist, dass mit Trevor Lawrence ein "True Freshman", ein Debütant, als Quarterback das Team anführt. Noch mindestens zwei Jahre wird Lawrence, der schon jetzt als Jahrhundert-Ausnahmetalent gilt, für die Tigers College-Football spielen, bevor er in die NFL wechseln kann. Die meisten Scouts würden ihn schon jetzt verpflichten. Der 19-Jährige brachte mit nahezu unglaublicher Ruhe und Präzision einen Wurf nach dem nächsten wie einen Dartpfeil ins Ziel.

"Viel Gerede"

Beeindruckend war dabei vor allem aber auch, wie sehr Swinney und sein Team die Favoriten aus Alabama in allen Phasen des Spiels dominierten und austricksten. Im College-Football werden in der Regel mehr Punkte erzielt als in der NFL, mehr Trick-Spielzüge versucht, die Angriffsreihen sind spektakulärer. Und es gibt mehr Fehler: Die insgesamt schwächeren Abwehrreihen sorgen dafür, dass die Spiele meist abwechslungsreicher sind als in der NFL.

Bereits in der ersten Angriffsserie der Crimson Tide fing die Tigers-Defense einen Ball ab und trug diesen direkt zum Touchdown in die Alabama-Endzone zurück. Zu keinem Zeitpunkt bekam Sabans Verteidigung wirklich Zugriff auf das Angriffsspiel des Gegners. Und als Alabama im zweiten Durchgang fast schon verzweifelt in die Trickkiste griff, um einen Field-Goal-Versuch anzutäuschen und den Gegner mit einem Laufspielzug zu überraschen, rannte der damit beauftragte Ersatzquarterback Mac Jones in eine Mauer von Clemson-Spielern.

"Es gab während der ganzen Saison viel Gerede darüber, wer das beste Team aller Zeiten ist", sagte Clemson-Coach Swinney nach dem Spiel. Eine Anspielung, die gegen die Vorschusslorbeeren von Alabama gerichtet war. "Wir waren nur das kleine alte Clemson, wir sollten gar nicht hier sein, aber wir sind es - und ich bin es. Heute Nacht kann es keine Zweifel mehr geben."

insgesamt 1 Beitrag
bigmitt 08.01.2019
1. Schlecht....
...recherchierter Artikel. UCF, hat in der Saison 2017 die Saison ebenfalls ungeschlagen beendet ( 14-0 inklusive Sieg im Peach Bowl gegen Auburn). Leider bekam UCF keine Einladung für das Endturnier, es kam so zu keinem [...]
...recherchierter Artikel. UCF, hat in der Saison 2017 die Saison ebenfalls ungeschlagen beendet ( 14-0 inklusive Sieg im Peach Bowl gegen Auburn). Leider bekam UCF keine Einladung für das Endturnier, es kam so zu keinem direkten Duell mit Bama oder Clemson oder Georgia) Wieso Saban gestern in der Halbzeit nicht Jalen Hurts ( hat gegen Georgia auch die drohende Niederlage abgewendet) für Tua als QB gebracht hat ist mir unerklärlich. Er hatte einen gebrauchten Tag.

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