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Sport

Alba-Star Sikma

Der Schattenspieler

Luke Sikma soll Alba Berlin zum EuroCup-Gewinn gegen Ex-Klub Valencia führen. Der US-Profi hat seine Zeit gebraucht, um zum Basketballstar in Europa zu werden. Auch, weil er an seinem berühmten Vater gemessen wurde.

DPA

Albas Wertvollster: Power Forward Luke Sikma

Von
Dienstag, 09.04.2019   17:10 Uhr

Er kennt das alles. Das bunte Altstadtviertel El Carmen, die prachtvolle Plaza de la Virgen, den Naturpark Albufera vor den Toren der Stadt, den Park Jardines del Turia. Luke Sikma könnte auch als Fremdenführer seine Kollegen von Alba Berlin durch Valencia führen, es ist die Stadt, in der er zum Star wurde.

Aber Sikma und sein Basketballteam sind nicht als Touristen nach Spanien gereist, sie wollen am Abend im ersten Spiel des EuroCup-Finals (20.30 Uhr live bei MagentaSport) den Grundstein für den ersten internationalen Alba-Titel seit mehr als 20 Jahren legen - im Pabellón Fuente de San Luis, dieser Halle, in der es extrem laut zugehen wird. Niemand wüsste das besser als Sikma, der zwei Jahre in Valencia spielte, der dort spanischer Meister wurde. Bevor er nach Berlin wechselte und dort zum unwidersprochenen Führungsspieler wuchs.

Sikma ist gerade erst zum wertvollsten Spieler der gesamten EuroCup-Saison gewählt worden, für Alba ist der 29-Jährige in zwei Spielzeiten unverzichtbar geworden. Offiziell ist seine Position der Power Forward, aber Sikma ist überall auf dem Feld präsent, in der Defensive, beim Rebound, inzwischen hat er auch noch seinen Distanzwurf verbessert, echte Schwächen hat er nicht. Sikma ist die große Hoffnung in den Finalspielen, am Freitag geht es zum zweiten Duell ins Rückspiel. Wenn es dann unentschieden steht, entscheidet eine dritte Partie, erneut in Valencia.

Die Spanien-Connection in Berlin

Es ist die Spanien-Connection, die sich gegen den Topklub aus dem Süden belohnen will: Sikma, der von 2011 bis 2017 in Spanien spielte, der Trainerroutinier Aíto García Reneses, der mit seinen nunmehr 72 Jahren alles im Basketball schon gesehen hat, im Hintergrund spinnt Sportdirektor Himar Ojeda an der neuen Berliner Mannschaft. Im Pokalfinale stand Alba jetzt schon zwei Mal unter der Regie des spanischen Coaches, im Meisterschaftsfinale einmal - jedes Mal verließ Alba als Verlierer die Halle. Der vierte Anlauf soll es jetzt bringen.

Die Spanier sind am Abend allerdings der leichte Favorit, Valencia ist eine erfahrene Truppe, hat drei europäische Titel aus den vergangenen zehn Jahren im Rucksack, unter anderem den EuroCup-Gewinn 2010 - im Finale gegen Alba. Neun Jahre sind eine sehr lange Zeit, um noch von einer Revanche zu sprechen.

Dass Sikma dabei zum Trumpf der Berliner werden soll, das hätte der US-Amerikaner vor einigen Jahren wahrscheinlich selbst nicht mehr geglaubt. Sein Vater Jack ist in der NBA eine Hausnummer gewesen, Titelgewinner mit den Seattle Supersonics, sein Trikot mit der Nummer 43 hing unter dem Hallendach, in der Stadt wird er bis heute verehrt. Sikma Senior steht für die große Zeit der längst verblichenen Supersonics, er war dabei, als das Team 1979 den einzigen NBA-Titel errang. Für den Sohn schien das eher eine Bürde.

Mit 2,03 Metern noch einer der Kleineren

Luka hat als Jugendlicher früh gemerkt, dass der Name Sikma in Seattle seinen besonderen Klang hat. "Als Kind spürt man schon Druck, wenn die Leute sagen: Hey, das ist der Sohn von Jack Sikma", hat er dem "Tagesspiegel" im Interview erzählt, und von Beruf Basketballsohn zu sein, das hat ihm am Anfang zugesetzt. Heute sagt er: "Ich habe mir meinen eigenen Namen gemacht, und mittlerweile ist es nur noch eine coole Geschichte, die ich erzählen kann."

Aber dieses Sich- einen-eigenen-Namen-Machen hat gedauert. Die NBA ließ ihn 2011 beim Draft unberücksichtigt, auch weil man ihn in den USA für zu klein für die Forward-Position hielt; 2,03 Meter sind da immer noch nicht ausreichend. Sikma musste Plan B aus der Schublade ziehen: den Gang nach Europa. "Ich hatte das Gefühl, das Spiel in Europa passt besser zu mir", sagt er. Aber auch hier hatten sie nicht auf ihn gewartet, Sikma schlug sich zunächst in der unterklassigen LEB Oro durch, bevor es nach und nach aufwärts ging mit seiner Sportkarriere, von Burgos über Iberostar Teneriffa zum BC Valencia. Seitdem hat ihn der Erfolg nicht verlassen.

Als Sikma am vergangenen Freitag als wertvollster EuroCup-Spieler der Saison ausgezeichnet wurde, konnte er damit auch etwas zu den Feierlichkeiten innerhalb der Familie beitragen: Einen Tag später wurde Vater Jack in die Hall of Fame des nordamerikanischen Basketballs aufgenommen. Den Schatten des Vaters wird Luke Sikma wohl nie ganz loswerden, aber in dieser Woche kann er mit Alba zumindest ein bisschen daran arbeiten. Er tut dies natürlich mit der Rückennummer 43.

insgesamt 2 Beiträge
LiamMcGibbs 09.04.2019
1. Bitte besser recherchieren
Sikma spielte nicht für den Klub "LEB Oro", denn die LEB Oro ist eine Liga - nämlich die 2. spanische. Gespielt hat er dort für La Palma und für Burgos. Mit ALBA standen Coach Aito und Sikma 2x im Pokalfinale und [...]
Sikma spielte nicht für den Klub "LEB Oro", denn die LEB Oro ist eine Liga - nämlich die 2. spanische. Gespielt hat er dort für La Palma und für Burgos. Mit ALBA standen Coach Aito und Sikma 2x im Pokalfinale und einmal im Meisterschaftsfinale - nicht umgekehrt.
Der_schmale_Grat 10.04.2019
2. Spannender Artikel
Als Basketballfan, der Sikma Sr. noch hat spielen sehen im TV, gut gelungen. Letztens habe ich den Junior live spielen sehen und es war zwar kein großer Auftritt, aber schon beeindruckend. Ein echter Allrounder, der bestimmt auch [...]
Als Basketballfan, der Sikma Sr. noch hat spielen sehen im TV, gut gelungen. Letztens habe ich den Junior live spielen sehen und es war zwar kein großer Auftritt, aber schon beeindruckend. Ein echter Allrounder, der bestimmt auch in der NBA seinen Platz (als back-up) finden würde, wenn man ihn ließe. Dass er MVP wurde, ist schon sehr besonders, ich kann mich nicht erinnern, dass es ein Spieler aus der Bundesliga jemals wurde. Leider hat Alba das Hinspiel verloren.

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