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Sport

Ausschluss afrikanischer Athleten

Rassismusvorwurf gegen Organisatoren von Halbmarathon in Triest

Die Organisatoren des Halbmarathons in Triest wollten afrikanische Topathleten ausschließen. Nach Protesten hoben sie die Entscheidung auf, berufen sich jedoch weiter auf ethische Beweggründe.

Lucy Nicholson/ REUTERS

Vorjahressieger Olivier Irabaruta - hier bei Olympia 2016

Sonntag, 28.04.2019   11:37 Uhr

Die Organisatoren des Halbmarathons in Triest sind von ihrem Entschluss abgerückt, afrikanische Läufer für den Wettbewerb zu sperren. Am Freitag hatten sie bekannt gegeben, für das Event am 5. Mai ausschließlich europäische Läufer verpflichten zu wollen. In Italien gab es Proteste, der italienische Leichtathletikverband leitete eine Untersuchung ein. Am Samstag gaben die Veranstalter bekannt, das Teilnehmerfeld zu öffnen.

Renndirektor Fabio Carini hatte begründet, man habe das Rennen so besetzen wollen, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Er fordere, "das Geschäft mit hochklassigen afrikanischen Athleten zu regulieren, die einfach ausgebeutet werden". Das System entwürdige auf der einen Seite afrikanische Sportler und schädige auf der anderen Seite italienische und europäische Athleten, die mehr kosten würden. Rassistische Beweggründe stritten die Verantwortlichen ab.

Zusätzlich verwies Carini darauf, dass es für afrikanische Sportler nie ausgeschlossen gewesen sei, sich selbstständig anzumelden. "Das Rennen ist offen für jeden", sagte er. "Die Organisatoren haben lediglich die Topathleten gesperrt, die afrikanischen Profis, um Ungleichbehandlung anzuprangern."

"Situation gerät außer Kontrolle"

Der stellvertretende Ministerpräsident Luigi Di Maio mahnte, man könne so ein wichtiges Thema nicht in den Vordergrund rücken, indem man Athleten vom Wettbewerb ausschließe. Isabella De Monte, Abgeordnete der Demokratischen Partei im Europaparlament, warf den Organisatoren vor, mit der Argumentation die eigentlichen Motive vertuschen zu wollen: "Die Situation gerät wirklich außer Kontrolle, und wir laufen in Gefahr, wieder in düstere Zeiten abzurutschen", zitiert sie die BBC.

Italien hatte erst Ende vergangenen Jahres seine Einwanderungsgesetze deutlich verschärft. Die Uno hatte zuvor ein "Klima des Hasses und der Diskriminierung" im Land angeprangert. Im italienischen Sport kommt es immer wieder zu rassistischen Zwischenfällen. Zuletzt traten sowohl die Fans von Lazio als auch Inter Mailand negativ in Erscheinung. Erst kürzlich war Moise Kean von Juventus rassistischen Attacken ausgesetzt.

Am Samstag räumte Carini ein, man hätte "anders auf das Thema verweisen und einen anderen Zeitpunkt wählen sollen". Er sagte, er bereue die Reaktionen auf die Entscheidung und wolle sich bei allen entschuldigen, die sich dadurch angegriffen fühlen.

tip/AP

insgesamt 38 Beiträge
Wunderläufer 28.04.2019
1. Na und?
Italien rückt immer weiter nach rechts, das wollen viele Wähler explizit so. Jeder der etwas dagegen tun will, sollte solch einer Veranstaltung fernbleiben: Laufveranstaltungen ohne afrikanische Läufer mutieren zu langweiligen [...]
Italien rückt immer weiter nach rechts, das wollen viele Wähler explizit so. Jeder der etwas dagegen tun will, sollte solch einer Veranstaltung fernbleiben: Laufveranstaltungen ohne afrikanische Läufer mutieren zu langweiligen Provinzevents, die sich sehr schnell gant erübrigen
jewill 28.04.2019
2. Einfache Lösung
Einfach keine hohen Siegprämien ausschreiben. Die Läufer, die hier ihren Lebensunterhalt mit Siegprämien verdienen können einem wirklich leid tun. Gleichzeitig ist es für einen Volkslauf schade, wenn einige Läufer nur [...]
Einfach keine hohen Siegprämien ausschreiben. Die Läufer, die hier ihren Lebensunterhalt mit Siegprämien verdienen können einem wirklich leid tun. Gleichzeitig ist es für einen Volkslauf schade, wenn einige Läufer nur mitmachen, um Geld zu verdienen, sich aber sonst in keiner Weise auf die Veranstaltung einlassen oder sich mit dieser identifizieren. Wenn der Veranstalter die Siegprämien senkt, so dass sich eine lange Anreise finanziell nicht mehr lohnt, ist das Problem gelöst. Für die meisten Starter sind die Siegprämien sowieso uninteressant.
taglöhner 28.04.2019
3. Hintergrundwissen von Hajo Seppelt
https://programm.ard.de/TV/daserste/geheimsache-doping/eid_28106272966801 Leider nicht mehr in der Mediathek Dafür hier: https://www.youtube.com/watch?v=PxeujY_iX8c
https://programm.ard.de/TV/daserste/geheimsache-doping/eid_28106272966801 Leider nicht mehr in der Mediathek Dafür hier: https://www.youtube.com/watch?v=PxeujY_iX8c
Taste52 28.04.2019
4. Advantage Afrika..
sofort ist die Empörung riesig! Sämtliche Übervorteilungen die sich die Europäer herausnehmen spielen keine Rolle?!
sofort ist die Empörung riesig! Sämtliche Übervorteilungen die sich die Europäer herausnehmen spielen keine Rolle?!
flux71 28.04.2019
5.
Im Salvini-Italien ist alles möglich. Der Faschismus kehrt zurück, und kaum einen juckt das: Eige große Partei unterstützt es in der Regierung sogar noch. Alles andere als Verzweiflung bleibt langsam nicht mehr. Es wird [...]
Im Salvini-Italien ist alles möglich. Der Faschismus kehrt zurück, und kaum einen juckt das: Eige große Partei unterstützt es in der Regierung sogar noch. Alles andere als Verzweiflung bleibt langsam nicht mehr. Es wird fürchterlich enden.

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