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Wer regiert Los Angeles?

Die Los Angeles Clippers haben Kawhi Leonard und Paul George verpflichtet - und damit die NBA geschockt. Doch auch die Lakers mit LeBron James haben aufgerüstet und ein neues Star-Duo geformt.

Ethan Miller / AFP

LeBron James soll die Lakers wieder zu alter Größe führen - dabei steht ausgerechnet das andere L.A.-Team im Weg

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Mittwoch, 10.07.2019   21:35 Uhr

In dieser Transferperiode wurde die NBA komplett umgekrempelt. Acht Stunden nach Beginn am 1. Juli hatten mehr Allstars das Team gewechselt, als an einer Hand abzählbar sind - Deals im Wert von mehr als drei Milliarden Dollar wurden beschlossen, neue Titelkandidaten entstanden. Bis der wichtigste Domino-Stein fiel, dauerte es noch ein paar Tage länger. Kawhi Leonard, wertvollster Spieler (MVP) der NBA-Finals, hielt die Zukunft gleich dreier Teams in seinen riesigen Händen.

Sein bisheriges Team, die Toronto Raptors, hatte Leonard zum ersten kanadischen NBA-Champion gemacht. Die beiden Teams aus seiner Heimat Los Angeles, die Lakers und die Clippers, wollten ihn unbedingt abwerben. Das sportliche Argument der Lakers war das bereits bestehende Star-Duo aus LeBron James und Anthony Davis. Für die Clippers sprach ein breiter, ausbalancierter Kader und Doc Rivers, einer der angesehensten Trainer der Liga.

Den Zuschlag erhielten die Clippers, die für Leonards Verpflichtung einen historischen hohen Preis bezahlten. Der 28-Jährige bestand nämlich auf eine Partnerschaft mit dem Flügelspieler Paul George von Oklahoma City Thunder. Um Leonards Bedingung zu erfüllen, gaben die Clippers zwei Spieler und fünf Erstrundendraftpicks an Oklahoma City ab.

Nachbeben in Kalifornien

Die Kunde von Leonards und Georges Verpflichtungen erschütterte die NBA, zahlreiche Profis und Experten verfassten ihre Fassungslosigkeit in Tweets.

Die Lakers hatten alle Hoffnungen darauf gesetzt, Leonard zu bekommen. Sie hatten viele interessante vertragslose Profis nicht beachtet und die Entscheidung ihres Wunschspielers abgewartet. Ganz unvorbereitet auf eine Absage waren sie aber nicht, wie sich zeigte, nachdem der 28-Jährige sich für den Stadtrivalen entschieden hatte. Zunächst zogen die Lakers Leonards Ex-Teamkollegen Danny Green an Land, kurz darauf Star-Center DeMarcus Cousins von den Golden State Warriors. Hinzu kamen mehrere wichtige Ergänzungsspieler.

Die Clippers füllten ihren Kader ebenfalls auf, sodass neben den Superstars Leonard und George auf jeder Position verlässliche Spieler zur Verfügung stehen - allen voran Defensiv-Spezialist Patrick Beverley und Lou Williams, der beste Bankspieler der vergangenen beiden Saisons.

Das größtmögliche Gefälle

Die Rivalität der beiden Teams in Los Angeles ist - historisch betrachtet - extrem einseitig. Auf der einen Seite stehen die Lakers mit 16 Meisterschaften. Für das Team spielten Superstars wie Magic Johnson und Kobe Bryant. Die Lakers verkörpern Hollywood, Stammgäste in der ersten Reihe sind Jack Nicholson und Denzel Washington.

Auf der anderen Seite stehen die Clippers, die in ihrem 49-jährigen Bestehen nur 14-mal überhaupt die Playoffs erreicht haben - seltener als die Lakers den Titel gewannen. Jahrzehntelang war das Team eine Lachnummer.

Das änderte sich 2009 mit der Ankunft Blake Griffins. Dem athletischen Forward wurde zwei Jahre später Spielmacher Chris Paul an die Seite gestellt. Außerdem kaufte Steve Ballmer, Ex-Geschäftsführer von Microsoft, die Franchise und schuf eine neue Kultur. Er finanzierte neue Trainingseinrichtungen und baute die Marke neu auf. Was folgte, war die erfolgreichste Ära der Clippers-Geschichte.

Das Team erreichte sechsmal in Folge die Playoffs, spätestens in der zweiten Runde war aber immer Schluss. Währenddessen erlebten die Lakers ihrerseits eine Dürreperiode: Nach Bryants Achillessehnenriss 2013 zerbrach das Titelteam von 2009 und 2010 - seitdem warten die Lakers auf eine Playoff-Teilnahme. Das Kräfteverhältnis in Los Angeles ist gekippt.

Wer hat aktuell die Nase vorn?

Vor einem Jahr gelang den Lakers schließlich die Verpflichtung von LeBron James, dem besten Spieler seiner Generation. Die Erwartungen waren riesig, doch die Saison verlief desaströs. Dem Kader fehlte es an Erfahrung und Treffsicherheit aus der Distanz. Verletzungen kamen hinzu, die Spielzeit endete mit mehr Niederlagen als Siegen. Beim anderen L.A.-Team lief es besser - trotz der Abgänge von Paul, Griffin und DeAndre Jordan. Mit einem mittelmäßigen Kader kämpfte sich die Mannschaft vergangene Saison bis in die Playoffs. In Runde eins war allerdings Schluss.

Nun sind beide Teams Titelkandidaten für die nächste Spielzeit. Außerhalb von L.A. findet sich kein Team mit solch starken Star-Duos.

Steve Marcus / AP

Anthony Davis (rechts) ist womöglich der beste Mitspieler in LeBron James' Karriere

Die Kombination aus James, Davis und Cousins ist körperlich imposant und extrem talentiert, wenngleich verletzungsanfällig. Die große Stärke der Clippers ist die Verteidigung. George war vergangene Saison für den Defensiv-Award nominiert - Leonard hat diesen bereits zweimal (2015 und 2016) gewonnen. Doch auch die Clippers-Stars haben eine Verletzungshistorie.

Ein Favorit ist kaum auszumachen. Zu viele Variablen, zu wenig hat man bisher von beiden Teams in ihren neuen Konstellationen gesehen. Beide Mannschaften werden sich eingewöhnen müssen. Wer in der kommenden Saison das beste Team in L.A. sein wird, war noch nie so offen.

insgesamt 5 Beiträge
Turbo 10.07.2019
1. Nicht nur LA
Nicht nur in LA, in der ganzen Liga dürfte es nächste Saison mehrere heiße Titelanwärter geben. Golden State ist nicht ganz abzuschreiben, im Osten stehen Milwaukee und Philadelphia parat. Nicht zu vergessen Brooklyn, das was [...]
Nicht nur in LA, in der ganzen Liga dürfte es nächste Saison mehrere heiße Titelanwärter geben. Golden State ist nicht ganz abzuschreiben, im Osten stehen Milwaukee und Philadelphia parat. Nicht zu vergessen Brooklyn, das was Transfers angeht wohl die spektakulärste Sommerpause hatte, aber noch einige Zeit auf die Genesung von Durant warten muss. Die guten Spieler sind plötzlich auf mehrere Vereine verteilt. Es könnte die ausgeglichenste NBA Saison aller Zeiten werden.
sloe 10.07.2019
2.
Dir Playoffs im nächsten Jahr können nur geil werden. Es gibt kein Superteam mehr, dafür gleich mehrere "Dynamic Duos". Aus europäischer Sicht werden die Mavs sehr interessant. Mal schauen was die jungen Kerle abliefern [...]
Dir Playoffs im nächsten Jahr können nur geil werden. Es gibt kein Superteam mehr, dafür gleich mehrere "Dynamic Duos". Aus europäischer Sicht werden die Mavs sehr interessant. Mal schauen was die jungen Kerle abliefern können. Ansonsten bleibt die Western Conference ein Blutbad. Dort kämpfen, von den Favoriten abgesehen, mehrere sehr starke Teams um den Play-off-Einzug. Dir NBA ist voller Talent, das wird ne Klasse Saison, wofür man gerne mal ein paar Stunden Schlaf verlässt.
juergenhesse 11.07.2019
3. Und Toronto?
Und Toronto? Spielt bei Ihrem Kompass keine Rolle mehr? Make USofA great again!
Zitat von TurboNicht nur in LA, in der ganzen Liga dürfte es nächste Saison mehrere heiße Titelanwärter geben. Golden State ist nicht ganz abzuschreiben, im Osten stehen Milwaukee und Philadelphia parat. Nicht zu vergessen Brooklyn, das was Transfers angeht wohl die spektakulärste Sommerpause hatte, aber noch einige Zeit auf die Genesung von Durant warten muss. Die guten Spieler sind plötzlich auf mehrere Vereine verteilt. Es könnte die ausgeglichenste NBA Saison aller Zeiten werden.
Und Toronto? Spielt bei Ihrem Kompass keine Rolle mehr? Make USofA great again!
Rom 11.07.2019
4. Toronto?
@juergenhesse: Toronto wird keine große Rolle mehr spielen. Sie haben in den Play-Offs mit einer 7-8 Mann-Rotation gespielt, davon sind jetzt mit Leonard und Danny Green zwei sehr wichtige Spieler gegangen. Sie müssen quasi neu [...]
@juergenhesse: Toronto wird keine große Rolle mehr spielen. Sie haben in den Play-Offs mit einer 7-8 Mann-Rotation gespielt, davon sind jetzt mit Leonard und Danny Green zwei sehr wichtige Spieler gegangen. Sie müssen quasi neu aufbauen, zumal Gasol und Ibaka nicht jünger werden. Es noch nicht mal sicher, ob sie im Osten unter den ersten 8 sein werden (sprich, ob sie die Play-Offs überhaupt erreichen). Nächste Saison wird in der Tat sehr spannend. Im Westen spielen beide L.A. - Teams, Golden State (wenn Thompson rechtzeitig wieder fit wird - Curry und Draymond Green sind ja auch noch da), Utah (Gobert, Mitchell und neu mit Conley und Bogdanovic!) sowie Portland (immerhin unter den letzten 4 diese Saison und Nurkic kommt dann noch zurück) um den Titel. Im Osten mit dem Greak Freak (MVP der Saison) natürlich Milwaukee, Boston (mit Kemba Walker), Philly (mit Horford neu, dazu Simmons, Harris und Embiid), sowie Brooklyn um die Krone. Und wenn Westbrook wirklich noch in Miami landet, bildet er mit Jimmy Butler ebenfalls ein Super-Duo. Es wird seeehr spannend und hier könnten sich die europäischen Ligen mal eine Scheibe abschneiden. Nicht immer nur der FC Bayern, PSG oder Barcelona. Nein, innerhalb von 2-3 Jahren wird die Liga fast auf den Kopf gestellt. Selbst wenn es eine Dynastie gibt, wie z.B. bei Golden State, dann gewinnen sie 3 Titel in 5 Jahren. Und dann werden die Karten neu gemischt. Das hält nicht so lange und ist deutlich spannender für die Fans.
spmc-125501679143557 11.07.2019
5. ...gute Analyse!
Ich würde noch die Indiana Pacers zu den Aspiranten im Osten hinzufügen. Man geht zwar derzeit davon aus, dass Oladipo erst nach dem Jahreswechsel ins Geschehen eingreifen kann, aber mit Brogdon, Lamb, Warren, Sabonis und Turner [...]
Ich würde noch die Indiana Pacers zu den Aspiranten im Osten hinzufügen. Man geht zwar derzeit davon aus, dass Oladipo erst nach dem Jahreswechsel ins Geschehen eingreifen kann, aber mit Brogdon, Lamb, Warren, Sabonis und Turner hat man auch bis dahin eine Starting Five, die im nicht so gut besetzten Osten oben mitspielen sollte. Ist Oladipo wieder bei 100% nach seiner Verletzung trau ich den Pacers sogar das Conference Final zu (wo dann gegen Phily oder Milwaukee wahrscheinlich nichts zu machen ist). Dazu müssen aber auch die Bankspieler mitziehen und die ist vor allem auf den Forward Positionen noch etwas zu dünn besetzt. Bosten ist im Rebuild und Brooklyn ohne Durant meiner Meinung nach noch kein Contender. Toronto hat eine unglückliche Vertragssituation und wird im Februar viele ihrer Spieler abgeben.

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