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Norma Hunt

Die Frau, die bei jedem Super Bowl im Stadion war

Wenn in der Nacht von Sonntag auf Montag zum 53. Mal der Super Bowl stattfindet, nimmt zum 53. Mal Norma Hunt auf der Tribüne Platz. Sie hat die Anfänge der NFL miterlebt - und all ihre Veränderungen.

AP

Norma Hunt und NFL-Commissioner Roger Goodell (Archivbild von Februar 2016)

Von , Boston
Sonntag, 03.02.2019   10:08 Uhr

Wenn Norma Hunt über den ersten Super Bowl im Jahr 1967 spricht, denkt sie nicht ans Ergebnis, ihre Kansas City Chiefs haben gegen die Green Bay Packers verloren. Vielleicht will sie auch gar nicht an dieses 10:35 denken. Schließlich tat ihr das verlorene Finale sehr weh, genauso wie ihrem Mann, dem Vereinsbesitzer Lamar Hunt.

Stattdessen sind Norma Hunt vor allem die vielen leeren Sitze im Coliseum von Los Angeles in Erinnerung geblieben. Verständlich: Diesen Anblick hat es in den bislang 52 Super Bowls nur bei der Premiere am 15. Januar 1967 gegeben. Ein Drittel der 90.000 Plätze blieb unbesetzt - obwohl Karten noch an der Tageskasse erhältlich und bereits für sechs Dollar zu haben waren. Heutzutage kosten die billigsten Karten mehrere Tausend Euro. Ganz zu schweigen von den Schwarzmarktpreisen.

Und noch etwas war bei dem Spiel 1967 komplett anders und heute schlichtweg nicht vorstellbar. Es gibt ein Foto, das Kansas-Quarterback Len Dawson zeigt, wie er in der Halbzeitpause eine Zigarette raucht. Das Finale hieß damals noch "World Championship Game", obwohl Lamar Hunt bereits einen anderen Namen im Kopf hatte. "Unsere Kinder hatten jedes einen Ball, einen super Ball aus Vollgummi, der sehr hoch sprang. Meine Tochter redete andauernd über diesen 'super Ball'", so Hunt. Und da sei ihm die Idee gekommen, dass das letzte Spiel der Footballsaison der Super Bowl sein solle.

Hunt ist nicht nur Vordenker, sondern auch treibende Kraft für die Gründung der American Football League (AFL). Zuvor hatte der Sohn eines texanischen Öl-Tycoons zusammen mit anderen wohlhabenden Businessleuten Ende der Fünfziger versucht, in die zwölf Teams umfassende National Football League (NFL) einzusteigen. Doch die NFL-Eigner hatten kein Interesse an einer Expansion und lehnten ab. So gründeten Hunt und Co. die AFL, die 1960 mit acht Mannschaften ihren Spielbetrieb startete.

Die Zusammenlegung der Ligen

Schnell stellte sich heraus, dass die AFL-Besitzer weitaus finanzkräftiger waren. Sie konnten somit eher Spieler in ihre wachsende Liga locken. Gute Spieler bedeuten hohe Einschaltquoten - und hohe Einschaltquoten haben lukrative Fernsehverträge zur Folge. Die NFL merkte bald, dass aus der einst belächelten AFL längst ein echter Mitstreiter geworden war. So traten letztlich die NFL-Eigner im Sommer 1966 an den Konkurrenten heran und schlugen eine Zusammenlegung vor. Beide Seiten einigten sich darauf, dass die neue Liga 1970 unter dem Namen NFL ihren Betrieb aufnehmen würde.

Diese Vorgeschichte generierte zusätzlich Spannung und Begeisterung für das Endspiel 1967. In Los Angeles traf AFL-Meister Kansas City auf den NFL-Champion Green Bay. 65 Millionen Menschen saßen vor den TV-Geräten und sorgten somit für die höchste Zuschauerzahl einer Sportübertragung. "Wir wollten unbedingt gewinnen. Nach allem, was wir durchgemacht hatten, war es uns so wichtig, der Welt zu zeigen, dass die AFL mit der NFL mithalten kann", sagt Norma Hunt in einem Video, das die Kansas City Chiefs anlässlich des 50. Super Bowls aufgenommen haben. "Als wir dann verloren haben, waren wir alle enttäuscht, ist doch klar."

Für sie ist diese Partie der Auftakt zu einer einzigartigen Serie. Norma Hunt ist die einzige Frau der Welt, die alle 52 Super Bowls live im Stadion erlebt hat - 40 zusammen mit ihrem Ehemann, der 2006 starb. "Lamar liebte es, zu erzählen, dass ich die einzige Frau sei, die alle Endspiele gesehen habe. Und er hat einigen Aufwand betrieben, um sicherzugehen, dass das auch wirklich stimmte", sagt Norma Hunt. So habe ihr Gatte die anderen Klubs angerufen und gefragt, ob Frauen beim ersten Super Bowl dabei gewesen seien. "Das war so typisch für ihn. Er war ein Statistikfanatiker."

Seit Donnerstag ist Norma Hunt in Atlanta und wird am Sonntag mit der Partie zwischen den New England Patriots und den Los Angeles Rams ihren 53. Super Bowl im Stadion sehen. Ihre schönsten Erinnerungen, sagt sie, seien keine speziellen Spiele, sondern vielmehr "diese vielen großartigen Spieler mit ihrem enormen Talent."

Der Sport wird zur Show

Ihr erster Super Bowl 1967 wurde für die NFL der Auftakt einer ungeahnten Erfolgsstory. Das Finale ist schon lange nicht mehr nur ein landesweit beachtetes Endspiel in der Lieblingssportart der Amerikaner, sondern das größte Ein-Tages-Sportevent der Welt.

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Geschichte des Super Bowls: Michael Jackson stahl allen die Show

Mit der globalen Aufmerksamkeit sind auch die Preise exorbitant gestiegen. Tickets gibt es schon seit Jahren nur noch für mindestens vierstellige Beträge. Am Donnerstag kostet die günstigste Karte 2150 Dollar. Für Plätze auf Höhe der Mittellinie werden 15.000 Dollar verlangt. Der 30-Sekunden-Werbespot war bei der Premiere 1967 noch für 40.000 Dollar zu haben. Diesmal sind es zwischen 5,1 und 5,3 Millionen Dollar.

Das Stadion ist nicht mehr nur die ganz große Bühne für Quarterbacks, Wide Receiver oder Kicker, sondern auch die perfekte Plattform für Musikstars. Allerdings war daran bei der Premiere noch nicht zu denken. Im ersten Super Bowl wurden die Zuschauer in der Pause noch von zwei Marching Bands unterhalten. Auch in den folgenden 23 Jahren machten vor allem Blasorchester die Musik.

"Nipplegate" und die Folgen

Das änderte sich 1991, als Disney erstmals für das Pausen-Programm zuständig war und mit New Kids on the Block eine populäre Popband auf die Bühne stellte. Zwei Jahre später verfolgten mit rund hundert Millionen Amerikanern mehr Menschen Michael Jacksons Auftritt als das Endspiel. Mit dem King of Pop begann die Ära der Superstars beim Super Bowl: U2, Rolling Stones, Lady Gaga, Madonna, Bruce Springsteen, Prince, Beyoncé, Katy Perry - alle sind schon da gewesen.

Für Aufsehen und Aufregung sorgte im eher prüden Amerika besonders die Halbzeitshow 2004, die als "Nipplegate" in die Geschichte einging. Justin Timberlake entblößte mit einer zu forschen Handbewegung die rechte Brust von Janet Jackson und sorgte so für den populärsten Pausenpatzer der Super-Bowl-Historie. Das hat bis heute Folgen: Denn seit "Nipplegate" werden alle Halbzeitshows mit einer Zeitverzögerung von wenigen Sekunden ausgestrahlt.

Live können sie nur die Zuschauer im Stadion sehen - so wie Norma Hunt.

insgesamt 4 Beiträge
Neandiausdemtal 03.02.2019
1. Immer wieder entlarvend....
Es ist immer entlarvend, wenn die US-Amerikaner ihre regionalen Sportveranstaltungen als Welmeisterschaften bezeichnen. Unter Größenwahn leidet der Trump nicht alleine.
Es ist immer entlarvend, wenn die US-Amerikaner ihre regionalen Sportveranstaltungen als Welmeisterschaften bezeichnen. Unter Größenwahn leidet der Trump nicht alleine.
tomkey 03.02.2019
2. Von mir aus auch Universumsmeisterschaften
Das ist völlig egal wie die das benennen. Ob NFL, NBA oder MLB .. dort spielen die besten Spieler der Welt und dann ist das auch ein Art Weltmeisterschaft. Und das ist für alle Fans dieser Ligen und deren Sportarten schon immer [...]
Das ist völlig egal wie die das benennen. Ob NFL, NBA oder MLB .. dort spielen die besten Spieler der Welt und dann ist das auch ein Art Weltmeisterschaft. Und das ist für alle Fans dieser Ligen und deren Sportarten schon immer so. Da braucht es keinen Trump dazu. Nur bei der NHL bin ich wegen der stark russisch geprägten Superliga nicht so vermessen von einer Weltmeisterschaft zu sprechen. Go Rams!
swoehl 03.02.2019
3.
In Anbetracht des Gegners: auf jeden Fall! Habe persönlich aber nach der schiebermäßigen Nicht-Anerkennung der Pass Interference für die Saints, als auch des Ergebnisses des 2. Halbfinals (das Glück mit den Patriots [...]
Zitat von tomkeyDas ist völlig egal wie die das benennen. Ob NFL, NBA oder MLB .. dort spielen die besten Spieler der Welt und dann ist das auch ein Art Weltmeisterschaft. Und das ist für alle Fans dieser Ligen und deren Sportarten schon immer so. Da braucht es keinen Trump dazu. Nur bei der NHL bin ich wegen der stark russisch geprägten Superliga nicht so vermessen von einer Weltmeisterschaft zu sprechen. Go Rams!
In Anbetracht des Gegners: auf jeden Fall! Habe persönlich aber nach der schiebermäßigen Nicht-Anerkennung der Pass Interference für die Saints, als auch des Ergebnisses des 2. Halbfinals (das Glück mit den Patriots für Ballbesitz in der OT) kein Interesse mehr an diesem SB. Für Chiefs-Saints wäre ich wach geblieben, aber so? Dafür bin ich dann am Montag fit.
zeitmesser 03.02.2019
4. Na sowas.....
"Heutzutage kosten die billigsten Karten mehrere Tausend Euro." Falls Ihr Korrespondent schon mal in den USA war, wüsste er, dass man für Euros dort noch nicht mal ein Kaugummi kaufen kann.
"Heutzutage kosten die billigsten Karten mehrere Tausend Euro." Falls Ihr Korrespondent schon mal in den USA war, wüsste er, dass man für Euros dort noch nicht mal ein Kaugummi kaufen kann.

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