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Flandern-Rundfahrt

Außenseiter Bettiol überrascht beim Frühjahrsklassiker

"Einfach draufdrücken" sollte er. Das hat Alberto Bettiol getan - und nach einem beeindruckenden Solo die Flandern-Rundfahrt gewonnen. Im Pulk um Platz drei: ein deutsches Talent und ein zuvor gestürzter Fahrer.

Yorick Jansens / DPA

Italienischer Doppelsieg bei der Flandern-Rundfahrt: Alberto Bettiol und Marta Bastianelli

Sonntag, 07.04.2019   19:52 Uhr

Am vorletzten der 17 Anstiege der Flandern-Rundfahrt, am Oude Kwaremont, fällte Radprofi Alberto Bettiol eine folgenschwere Entscheidung: Der Italiener, den zuvor niemand auf der Rechnung gehabt hatte, setzte sich ab - und beendete sein Soloattacke mit dem ersten Profisieg seiner Karriere.

Nach 270,1 Kilometern zwischen Antwerpen und Oudenaarde und 6:19:00 Stunden hatte der 25-jährige Bettiol 14 Sekunden Vorsprung auf Kasper Asgreen (Deceuninck-Quick Step) herausgefahren. Dritter wurde Favorit Alexander Kristoff (UAE Team Emirates). Damit landete erstmals seit 2001 kein Fahrer des Gastgebers bei der "Ronde" unter den besten Drei. Und vor allem: Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg hat kein Belgier eines der großen Eintagesrennen des Radsport-Frühjahrs gewonnen.

"Ich kann nicht glauben, was ich geschafft habe", sagte Bettiol vom Team EF Education First-Drapac, nachdem er seinem Sportlichen Leiter Andreas Klier um den Hals gefallen war. "Andreas hat mir gesagt, ich soll einfach draufdrücken. Ich habe einfach die Augen zugemacht und angegriffen. Die letzten 13 Kilometer waren die längsten meines Lebens."

14 Sekunden später fuhr ebenso einsam Asgreen über die Ziellinie, während weiter hinter ihm rund ein Dutzend Fahrer im Pulk um Rang drei kämpften. Darunter auch Mathie van der Poel (Corendon-Circus) und Nils Politt (Katusha-Alpecin).

Der 24 Jahre alte Cyclocross-Weltmeister van der Poel, am Mittwoch noch Sieger von Quer durch Flandern, war 60 Kilometer vor dem Ziel über den Lenker seines Rades auf den Borstedin gestürzt, hatte sich dann mit einem neuen Bike wieder bis in die erste Verfolgergruppe vorgekämpft - und fuhr als Vierter hinter Kristoff über die Ziellinie.

Politt wiederum hatte auf den letzten Metern sogar noch die Radsport-Prominenz wie Peter Sagan und Alejandro Valverde abgehängt - und feierte Rang fünf als Erfolg: "Wieder Top Ten bei einem Monument - ich bin total glücklich", sagte der 25-Jährige. "Zwischendurch habe ich gar nicht mehr daran geglaubt, die Beine waren total leer. Am Paterberg habe ich eigentlich schon den Anschluss verloren. Ich bin dann aber wieder zurückgekommen und habe einen super Sprint gefahren." Klassiker-Spezialist John Degenkolb musste im gleichen Moment am letzten Anstieg abreißen lassen und belegte Platz 29.

Marta Bastianelli sorgt für italienischen Doppelsieg

Die Flandern-Rundfahrt der Frauen von Oudenaarde nach Oudenaarde hat Marta Bastianelli vom Team Virtu Cycling für sich entschieden. Die Italienerin, die bereits die Runde von Drenthe gewonnen hat, verwies Annemiek Van Vleuten (Mitchelton) und Cecilie Uttrup Ludwig (Bigla) auf die Plätze.

Es war die 23 Jahre alte Uttrup Ludwig, die sich 20 Kilometer vor dem Ziel am kopfsteingepflasterten Oude Kwaremont als erste aus der Deckung wagte, Van Vleuten und Bastianelli zogen nach. Am letzten Anstieg attackierte dann 2011-Siegerin Van Vleuten, doch nach rund 159,2 Kilometern und 4:16:50 Stunden entschied Europameisterin Bastianelli den finalen Sprint für sich. Lisa Brennauer landete als beste Deutsche auf Platz acht.

sak/sid/dpa

insgesamt 1 Beitrag
Anna156464641156 08.04.2019
1. Bettiol hat nicht im letzten Anstieg angegriffen.
Sondern viel früher im Tal davor. Als die vier Ausreißer eingeholt wurden und sich die Favoriten auf den Sieg gegenseitig behakten und den EF Fahrer schlicht vernachlässigt haben. Im Schlussanstieg ging es "nur noch" [...]
Sondern viel früher im Tal davor. Als die vier Ausreißer eingeholt wurden und sich die Favoriten auf den Sieg gegenseitig behakten und den EF Fahrer schlicht vernachlässigt haben. Im Schlussanstieg ging es "nur noch" darum ob er genügend Zeit für die restlichen ca. 13 Kilometer retten kann. Aufjedenfall eine taktische und fahrerische Meisterleistung und als erster Profierfolg um so beeindruckender. Und Spon, van der Poel hat kein neues Hipster "Bike" erhalten sondern ein Rennrad.

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