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Handball-Champions-League

Löwen werfen Kiel Tricksereien vor

Als verletzt gemeldet und dann doch fit fürs Spiel: Der THW Kiel bot in der Champions League drei Spieler auf, die vorher als angeschlagen galten. Gegner Rhein-Neckar Löwen reagiert verärgert.

DPA

Handballkrimi THW Kiel gegen Rhein-Neckar Löwen

Freitag, 31.03.2017   14:46 Uhr

Andy Schmid wollte nach dem Champions-League-Krimi eigentlich kein schlechter Verlierer sein. Und trotzdem ließ der Spielmacher der Rhein-Neckar Löwen seiner Wut über die Taktik des THW Kiel freien Lauf. "So etwas hätten sie vor ein paar Jahren noch nicht nötig gehabt", schimpfte Schmid nach dem 24:26 (12:12) der Badener im Achtelfinal-Rückspiel gegen den Handball-Rekordmeister.

Was den ansonsten so gelassenen Schweizer nach dem verpassten Viertelfinale auf die Palme brachte, war das im Vorfeld verbreitete falsche Bulletin der Kieler. Bluff oder Naivität? Die Meinungen über die Geheimnistuerei in Sachen Verletzungen gingen weit auseinander.

Fakt war allerdings, dass der THW die Niederlage (24:25) aus dem Hinspiel auch dank seines bärenstarken Keepers Niklas Landin wettmachen konnte. Nach hochspannenden Minuten entschied vor 10.712 Zuschauern letztlich ein Treffer das Prestigeduell auf Augenhöhe.

Die "Nachspielzeit" in den Katakomben der Mannheimer Arena war dann auch nicht weniger brisant. Und Kiels Nationalspieler Patrick Wiencek gab den Täuschungsversuch der Gäste sogar zu: "Das sind doch Tricks, die jeder macht. Und wir dürfen das auch mal", betonte der bullige Kreisläufer schulterzuckend.

Was Wiencek mit "Tricks" meinte: Wider Erwarten hatten Domagoj Duvnjak (entzündete Patellasehne), Steffen Weinhold (Entzündung in der Nackenmuskulatur) und René Toft Hansen (Adduktorenprobleme) in der Startformation der Gäste gestanden. Dabei hatte der THW in den Tagen vorher in einer Pressemitteilung verkündet, dass Linkshänder Weinhold definitiv im Rückspiel gegen die Löwen fehlen werde.

Kiels Trainer Alfred Gislason und Manager Thorsten Storm hatten zudem im Vorfeld bestätigt, dass auch Regisseur Duvnjak wegen einer OP an der Patellasehne nicht auflaufen könne. "Dass Storm nicht immer die Wahrheit sagt, wissen wir alle", ätzte Löwen-Anführer Schmid. Zumal der überragende Torhüter Landin die Bedeutung des Trios hervorhob: "Es war ganz wichtig für unsere Moral, dass sie dabei waren."

Storm konterte derweil die Schmid-Kritik als "unangemessen" und versuchte in Sachen Fake News Aufklärungsarbeit zu leisten. "Das war kein Trick. Duvnjak, Weinhold und Toft Hansen wollten unbedingt spielen. Das war ein Riesenrisiko", meinte der 52-Jährige und fügte an: "Ich glaube auch nicht, dass sie in diesem Spiel den Ausschlag gegeben haben."

Abwehrchef Toft Hansen schon einmal überhaupt nicht. Der Däne kassierte bereits in der 6. Minute nach einem rüden Foul an Alexander Petersson die Rote Karte. Weinhold konnte die Aufregung über "Flunker Gate" nicht verstehen: "Ich habe eben die Zähne zusammengebissen - wie meine Teamkollegen auch", sagte der Europameister, dem wie Duvnjak drei Treffer gelangen.

Auch Gislason wehrte sich. "Ich habe keinen angelogen", so der Isländer. Wie es mit Duvnjak, der mit Schmerzmitteln spielt und nicht trainieren kann, weitergeht, steht noch nicht fest. Gut möglich aber, dass der Kroate auch in den Viertelfinalspielen gegen den neunmaligen Titelträger FC Barcelona (zwischen dem 19. und 30. April) zum Einsatz kommt. Die Katalanen sinnen in der Königsklasse auf Revanche. Die Kieler hatten Barcelona in der vergangenen Saison in der Runde der letzten Acht ausgeschaltet.

aha/sid

insgesamt 1 Beitrag
Seifenblasenarchitektin 31.03.2017
1.
Der THW hat bereits klar gestellt, dass es keine Pressemitteilung gab. Es wurde lediglich ein Artikel der Kieler Nachrichten im Vorbericht hinzugefügt. Auch wurde von Anfang an gesagt, dass Duvnjak sich nach dem Final Four um den [...]
Der THW hat bereits klar gestellt, dass es keine Pressemitteilung gab. Es wurde lediglich ein Artikel der Kieler Nachrichten im Vorbericht hinzugefügt. Auch wurde von Anfang an gesagt, dass Duvnjak sich nach dem Final Four um den DHB-Pokal operieren lassen wird. Die Klarstellung des THW ist unter dem Beitrag von Sport1 Handball auf Facebook zu finden. Dort wurde der Artikel im Wortlaut ebenso veröffentlicht. Außerdem kann man von Beiträgen der Rhein-Neckar Löwen auf Twitter davon ausgehen, dass sie mit den verletzten Spielern gerechnet haben. Zumindest waren sie knapp 9 Stunden vor Anpfiff aufgrund der Meldepflicht informiert. Wenn sie dann nicht in der Lage sind, gegen eine angeschlagene Mannschaft zu gewinnen, haben sie einfach selber Schuld.

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