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Sport

Trotz Niederlage beim Super Bowl 2019

McVays Rams gehört die Zukunft

Beim Super Bowl schwächelte ausgerechnet die Offensive der Rams, dabei ist sie sonst das Prunkstück. Das lag auch am jungen Trainer Sean McVay, doch zweifeln muss er nicht.

AFP

Sean McVay, Trainer der Los Angeles Rams

Von Eike Hagen Hoppmann
Montag, 04.02.2019   18:13 Uhr

Wahrscheinlich war es selten so einfach, den Grund für die Niederlage einer Mannschaft im Super Bowl zu finden. Sean McVay, 33 Jahre alt, Trainer der Los Angeles Rams, war in seinem ersten Endspiel überfordert. "Man kann es nicht anders sagen: Ich bin ausgecoacht worden", sagte McVay auf der anschließenden Pressekonferenz.

Ausgerechnet McVay, der Shootingstar unter den NFL-Trainern, der viel gelobte neue Star an der Seitenlinie, hatte keine überraschenden Ideen, keinen Plan B. Das Ergebnis: 3:13 verloren die Rams Super Bowl LIII gegen die New England Patriots.

Die Defensive und Special Teams der Rams zeigten eine titelreife Leistung. Es war die von McVay verantwortete Offensive, die die Niederlage verantwortete. Dass ausgerechnet das eigentliche Prunkstück des Teams im wichtigsten Spiel der Saison zum Hauptproblem werden würde, hätte vor dem Spiel kaum jemand für möglich gehalten.

Zwölfmal bekam die Rams-Offensive während des Spiels den Ball. Fünfmal blieb sie dabei ohne ein First Down, neunmal musste sie das Spielgerät anschließend ohne eigene Punkte zurück zum Gegner punten. Und zweimal wurde ein Pass von Quarterback Jared Goff von der Defensive abgefangen. Nur ein einziges Mal in 60 Minuten Spielzeit erzielten die Rams in Form eines Field Goals von Kicker Greg Zuerlein überhaupt Punkte.

Für eine Offensive, die in der regulären Saison durchschnittlich 30 Zähler pro Spiel erzielte und in den beiden vorherigen Play-Off-Spielen noch immer im Schnitt auf 28 Punkte kam, ist das ein eigentlich nicht zu erklärender Wert. Es lässt sich darüber streiten, ob das mehr auf ein Meisterstück von Brian Flores, dem verantwortlichen Coach der Patriots-Defensive, oder eine schlechte Spielvorbereitung von McVay zurückzuführen ist. Wahrscheinlich kam am Ende beides zusammen.

Warum die Rams scheiterten

McVay gelang es nicht, den jungen Quarterback Goff für die große Super-Bowl-Bühne vorzubereiten. Goff brachte nur 19 von 38 Pässen an seine Mitspieler, und er verlor mit jedem misslungenen Pass an Selbstvertrauen. Am Ende kam er auf ein Quarterback-Rating von 13,4. Manchmal wirkte es, als würde er zum ersten Mal in seinem Leben einen Football in der Hand halten.

Die Offensive-Tackles Rob Havenstein und Andrew Whitworth beschützten Goff die meiste Zeit hervorragend, sie konnten in über 90 Prozent der Fälle ihre Gegenspieler länger als 2,5 Sekunden blocken. Es half aber nichts: Denn gegen die Zonen-Verteidigung der Patriots brauchte Goff zu lange, um einen freien Mitspieler zu finden, und wurde trotzdem viermal gesacked. Die Offensive der Rams fand nie ihren Rhythmus und McVay nie die Spielzüge, die dafür notwendig gewesen wären.

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Mysteriös war auch die Nichteinbindung von Star-Runningback Todd Gurley in die Offensive. Gurley bekam während des gesamten Spiels nur elfmal den Ball. Spekuliert wurde deshalb, ob Gurley aufgrund von Knieproblemen nur begrenzt einsetzbar war. Eine Verletzung scheint aber nicht der Grund gewesen zu sein. "Ich habe mich gut gefühlt", sagte Gurley nach dem Spiel.

Goff sagte, er liebe es, Gurley den Ball zu geben. "Aber das ist nicht meine Entscheidung." McVays Erklärung nach dem Spiel ließ in dieser Hinsicht auch mehr Fragen offen, als sie beantwortete. "Es gibt mehrere Situationen, auf die man hinterher zurückblickt. Und das ist sicher etwas, wo ich sagen werde: 'Ich wünschte, ich hätte ihn mehr involvieren können.'"

Mit McVay und den Rams ist weiter zu rechnen

Trotzdem ist die Niederlage nur ein Schönheitsfleck auf McVays bis gestern Nacht weißer Karriereweste. Er hat die Rams innerhalb von zwei Jahren als jüngster Headcoach in der Geschichte der Liga aus dem Niemandsland in den Super Bowl gebracht. Diese Leistung macht ein verlorener Super Bowl nicht kaputt. Dass er die Verantwortung dafür übernimmt, zeigt Größe. Ohne McVay wären die Rams gar nicht erst ins Endspiel gekommen. Und es ist durchaus möglich, dass McVay die Rams in den kommenden Jahren in weitere Endspiele führen wird.

Denn Goff und Gurley sind beide erst 24 Jahre alt, den Großteil ihrer Karriere haben sie noch vor sich. Aaron Donald, Star der Defensive und gerade erst zum besten Verteidiger der Saison gewählt, steht ebenfalls noch langfristig bei den Rams unter Vertrag. Damit haben sie in Los Angeles ein starkes Fundament, auf das in den kommenden Jahren aufgebaut werden kann.

insgesamt 20 Beiträge
roenga 04.02.2019
1. Da stimmt so einiges nicht
Zum einen war McVay natürlich dafür verantwortlich, dass Gurley schon im Championship Game kaum zum Einsatz kam und auch im SB unterbeschäftigt war, was um so mysteriöser erscheint, da Gurley nicht nur der beste Running Back [...]
Zum einen war McVay natürlich dafür verantwortlich, dass Gurley schon im Championship Game kaum zum Einsatz kam und auch im SB unterbeschäftigt war, was um so mysteriöser erscheint, da Gurley nicht nur der beste Running Back der NFL in dieser Saison war, sondern auch ein hervorragender Passempfänger ist, also flexibel einsetzbar. Die einzige Erklärung kann hier nur eine Verletzung sein. Zum anderen ist es keineswegs gesagt, dass die Rams den SB in den nächsten Jahren gewinnen werden. da ist zum einen der Salary Cap, der dafür sorgen wird, dass einige der Leistungsträger in den nächsten Jahren zu anderen Teams abwandern, da sie bei einem neuen Vertrag mehr Geld wollen als die Rams zahlen können und zum anderen gibts da auch noch die Kansas City Chiefs, die den besseren QB im Vergleich zu den Rams haben (den MVP Patrick Mahomes) und ebenfalls noch ein junges Team sind. Ach ja, old man Brady und Bill Belichick sind ja auch noch da!
M. Vikings 04.02.2019
2. Gehörte noch letztes Jahr nicht den Eagles die Zukunft?
Mcvay wurde doch eigentlich schon im Conference-Final entzaubert und auf einen Menschen aus Fleisch und Blut reduziert. Und wer garantiert das Goff, sofern er noch einmal in den Super Bowl kommt, nicht so nervös agiert wie [...]
Mcvay wurde doch eigentlich schon im Conference-Final entzaubert und auf einen Menschen aus Fleisch und Blut reduziert. Und wer garantiert das Goff, sofern er noch einmal in den Super Bowl kommt, nicht so nervös agiert wie gestern. Dann noch zwei, drei verletzte Schlüsselspieler, es gibt so viele Unwegsamkeiten auf dem Weg zum Superbowl. Außerdem habe ich den Eindruck, dass die Leistungsdichte in der NFL stetig zunimmt. Solche Prognosen kann man natürlich machen, aber ob sie dann auch der Realität standhalten bleibt fraglich.
Lankoron 04.02.2019
3. Wieder eine typische
SPON-Kaffeesatzleserei. Sorry, aber sollte nicht den Dallas Cowboys vor 3 Jahren die Zukunft gehören, oder den NYJets mit ihrem Superquarterback am Saisonanfang? Erst mal abwarten, was die RAMs in den nächsten Spielzeiten auf [...]
SPON-Kaffeesatzleserei. Sorry, aber sollte nicht den Dallas Cowboys vor 3 Jahren die Zukunft gehören, oder den NYJets mit ihrem Superquarterback am Saisonanfang? Erst mal abwarten, was die RAMs in den nächsten Spielzeiten auf die Beine stellen, ob die Leistungsträger fit bleiben, ob sie bei den Rams bleiben. Die Frage ist ja auch....findet man genug Mannschaftsspieler vom Schlage Brady, Gronkowsky, Edelman und Co., die zugunsten starker Mitspieler auf eigenes Maximalgehalt verzichten?
brandy2019 04.02.2019
4. SPON hat...
... wohl ein anderes Spiel gesehen. Goff wurde nur einmal beim Pass abgefangen (Interception) und sein Quarterback-Rating lag knapp unter 58. Das ist zwar immer noch ziemlich mies, aber eine ganz andere Zahl. Das ist ja noch [...]
... wohl ein anderes Spiel gesehen. Goff wurde nur einmal beim Pass abgefangen (Interception) und sein Quarterback-Rating lag knapp unter 58. Das ist zwar immer noch ziemlich mies, aber eine ganz andere Zahl. Das ist ja noch unter BILD-Niveau, da stimmen wenigstens die Zahlen.
steelerswiesbaden 04.02.2019
5. Goff zu limitiert
Ich sehe die Zukunft auch nicht so rosig für die Rams. Gerade Goff und Gurley haben sehr von den Schemes von McVay profitiert. Wurden Ihm diese leichten reads weggenommen ließ die Leistung zu wünschen übrig. Er kann sicher [...]
Ich sehe die Zukunft auch nicht so rosig für die Rams. Gerade Goff und Gurley haben sehr von den Schemes von McVay profitiert. Wurden Ihm diese leichten reads weggenommen ließ die Leistung zu wünschen übrig. Er kann sicher lich ein guter Quarterback werden ob es zum ganz großen Wurf reicht bezweifel ich ein wenig. Die AFC wir in den nächsten Jahren einige Top Teams mit sehr guten Quarterbacks warten. Die Chiefs, Colts, wahrscheinlich die Patriots, evtl. Steelers(beide zumindest noch für ein zwei Jahre, mit Abstrichen die Browns und Ravens. In der Nfc haben die Bears, 49ers junges Potential und werden weiterhin angreifen, dazu die etablierten Seahawks, Packers und evtl. Saints. Außerdem gibt es immer eine Überraschungsmannschaft pro Saison. McVay muss die nächsten Jahre zeigen das der Hype gerechtfertigt ist. Und Goff und Gurley müssen Individuell stärker und präsenter werden.

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