Schrift:
Ansicht Home:
Sport

Chaos in der DEL

Eishockey-Euphorie ist schon verflogen

Das Stimmungshoch im deutschen Eishockey nach der Heim-WM hat nicht lange angehalten. In der Liga beherrschen Streitigkeiten und finanzielle Probleme die Schlagzeilen. Die Frankfurt Lions sind insolvent, die Kassel Huskies kämpfen um den DEL-Verbleib.

Getty Images

Frankfurter Stürmer Oppenheimer: War es das mit der Deutschen Eishockey-Liga?

Freitag, 28.05.2010   15:31 Uhr

Hamburg - Eine Woche hat es gedauert von der Euphorie der Heim-WM bis hin zu den Negativschlagzeilen des Alltags. Im deutschen Eishockey wird nicht mehr von dem starken Auftreten, der eigenen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft gesprochen, sondern von Streit, Pleiten und Chaos. Jetzt hat es in der Deutschen Eishockey-Liga die Frankfurt Lions erwischt, die als vierter DEL-Club in den vergangenen zwei Jahren Insolvenz angemeldet haben. Derweil wehren sich die Kassel Huskies vor Gericht gegen den Rauswurf aus der DEL.

DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke hat den Insolvenzantrag der Frankfurt Lions bedauert, die Hessen aber noch nicht komplett abgeschrieben. "Das ist eine weitere unschöne Schlagzeile, die faktisch aber noch nichts bedeutet", sagte Tripcke am Freitag. Erst wenn das Insolvenzverfahren gegen die Lions tatsächlich eröffnet werde, habe der Club keine Chance mehr auf eine Spielgenehmigung für die neue Saison.

"Die Prüfung der eingereichten Unterlagen wird ergeben, ob die Lions die notwendigen wirtschaftlichen Bedingungen erfüllen oder nicht", sagte Tripcke, der aber eingestand, dass es angesichts des Antrages sicherlich nicht einfacher für den Deutschen Meister von 2004 wird. "Wir müssen abwarten, wie es in Frankfurt weitergeht. Was auf keinen Fall passieren darf, ist dass das Verfahren eröffnet wird. Dann sind unsere Vorgaben ganz klar, wie wir auch bei den Kassel Huskies gezeigt haben", sagte Tripcke.

Schwenningen möglicher Nachrücker

Welche Auswirkungen die zahlreichen finanziellen Probleme von Clubs auf die Ligastärke in der kommenden Saison haben, vermochte Tripcke am Freitag noch nicht zu sagen. Der Geschäftsführer verwies aber darauf, dass für den Fall, dass weniger als 14 Vereine die Lizenz für die kommende Spielzeit bekommen, die Schwenninger Wild Wings aus der 2. Bundesliga als Nachrücker infrage kämen. Dies gehe aus dem Kooperationsvertrag mit dem Deutschen Eishockey-Bund hervor. In der Vergangenheit hatte Tripcke gesagt, es sei egal, ob die Liga mit 12, 13 oder 16 Teams an den Start gehe.

Die Kassel Huskies geben unterdessen im Kampf um ihre Zugehörigkeit zur DEL nicht auf. Das Landgericht Köln untersagte der DEL am Freitag, den Club auf Basis der Gesellschafterbeschlüsse vom Donnerstag auszuschließen, wie die Huskies mitteilten. Damit gab das Gericht dem Eilantrag des noch in der Insolvenz befindenden Vereins aus Kassel recht.

Nach dem Beschluss, der der DEL zugestellt wurde, muss die Liga die Huskies bis auf weiteres als vollwertigen Gesellschafter behandeln und den Tabellenletzten der vergangenen Saison auch zum Lizenzierungsverfahren zulassen.

Der finanziell angeschlagene Verein wird "alle erforderlichen rechtlichen Schritte einleiten", um auch in der kommenden Spielzeit in der DEL zu spielen. Dies teilten die Huskies in einer Presseerklärung mit. "Wir werden definitiv alles unternehmen, damit der Ausschluss aus der DEL rückgängig gemacht wird", sagte ein Huskies-Sprecher am Freitag.

Am Donnerstag waren die sich derzeit noch im Insolvenzverfahren befindlichen Hessen von der Gesellschafterversammlung der DEL ausgeschlossen worden, obwohl sie zuvor beim Landgericht Köln eine einstweilige Verfügung gegen den drohenden Ausschluss erwirkt hatten. "Der Beschluss der Gesellschafter (...) stellt einen eklatanten Verstoß gegen eine Verfügung des Landgerichts Köln dar", kritisierten die Huskies in ihrer Erklärung.

Huskies glauben noch an Liga-Verbleib

In der Verfügung hatte das Landgericht Köln deutlich gemacht, dass den Gesellschaftern bei einer Zuwiderhandlung eine Geldstrafe in Höhe von 250.000 Euro oder ersatzweise sechs Monaten Haft droht. Die Liga hatte erklärt, der Beschluss sei den Gesellschaftern nicht formgerecht zugestellt worden. Dies weisen die Kasseler Verantwortlichen um Interims-Geschäftsführers Fritz Westhelle vehement zurück.

"Das ist ein laufendes Verfahren, deshalb werden wir uns dazu nicht weiter äußern", sagte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke am Freitag. Er geht aber davon aus, dass sich das Verfahren noch eine Weile hinziehen wird.

Die Huskies, die mit 2,8 Millionen Euro verschuldet sind, sich auf einer Versammlung in der vergangenen Woche aber bereits mit ihren Gläubigern geeinigt haben, sind unvermindert optimistisch, dass sie auch in der kommenden Saison in der höchsten DEL spielen. Es sei davon auszugehen, dass der Beschluss der Liga spätestens zu Beginn der kommenden Woche wieder aufgehoben werde, teilten sie mit.

aha/dpa

Verwandte Artikel

Verwandte Themen

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP