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Sport

Ski-Gold für Holdener

Die Letzte ihrer Art

Wendy Holdener holt den WM-Titel in der alpinen Kombination, sie könnte die letzte Gewinnerin sein. Der rückständige und unfaire Wettbewerb steht kurz vor dem Aus. Das ist gut so.

JEAN-CHRISTOPHE BOTT/EPA-EFE/REX

Wendy Holdener

Aus Åre berichtet
Freitag, 08.02.2019   19:32 Uhr

Es gibt sie noch, die Liebhaber der Kombinationsrennen im alpinen Skisport. Maria Höfl-Riesch, zweifache Olympiasiegerin in dieser Disziplin, gehört dazu. Ivica Kostelic, von 1998 bis 2017 ein erfolgreicher Ski-Allrounder, kämpft für den Erhalt des traditionsreichen Wettbewerbs. Und müsste die Weltmeisterin Wendy Holdener eine Zusage für einen WM-Start in zwei Jahren in Cortina d'Ampezzo geben - sie würde es in ihrer Euphorie wohl tun.

Doch die Befürworter werden weniger, Höfl-Riesch und Kostelic sind vor allem eines: nostalgisch. Denn es ist wahrscheinlich, dass Holdener als letzte Kombinationssiegerin in die WM-Geschichte eingehen wird. Der Weltverband Fis tagt am 13. Februar in Åre am Rande der Weltmeisterschaft, um über die Zukunft der Kombination zu entscheiden. Und auch wenn Fis-Präsident Gian Franco Kasper "große Sorge" bezüglich einer Abschaffung äußert, so käme ein Erhalt überraschend.

Für Holdener war es bereits der zweite WM-Titel in der Kombination, die Schweizerin hatte vor zwei Jahren in St. Moritz gewonnen. Diesmal lieferte sie sich einen spannenden Zweikampf mit Petra Vlhova aus der Slowakei, die mit einem Rückstand von drei Hundertstelsekunden Silber gewann. "Ich habe zwei gute Läufe hinbekommen und bin deshalb total glücklich", sagte Holdener im Ziel. "Es hat mal wieder zur rechten Zeit gepasst."

Shiffrin ruht sich lieber aus

Das dritte Rennen der WM 2019 war ein weiterer Beleg für die fehlende Akzeptanz bei Fahrerinnen und Teams. Mikaela Shiffrin, Weltmeisterin im Super G und Gold-Anwärterin in Slalom und Riesenslalom, verzichtete zwecks Regeneration auf einen Start, obwohl sie unumstrittene Topfavoritin gewesen wäre. Lindsey Vonn nutzte das Rennen zur Vorbereitung auf die Abfahrt am kommenden Sonntag (12.30 Uhr Liveticker SPIEGEL ONLINE), nahm schon vor der Ziellinie Tempo heraus und verzichtete auf den Slalomlauf. Für Deutschland startete einzig Meike Pfister, eine Nachwuchsfahrerin ohne reelle Medaillenchance. Die 23-Jährige belegte den 22. und damit drittletzten Rang.

CHRISTIAN BRUNA/EPA-EFE/REX

Meike Pfister

Die Kombination war mal die Königsdisziplin im alpinen Rennsport. Es vereint die immense Geschwindigkeit der Abfahrt mit den hohen technischen Ansprüchen des Slaloms. Doch mittlerweile gewinnen wegen der verkürzten Abfahrtsstrecken fast nur noch Slalomspezialisten - was den Wettbewerb auch noch einseitig und unfair macht. Sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern gibt es kaum noch Allesfahrer, die die vier Disziplinen - Abfahrt, Super G, Riesenslalom und Slalom - beherrschen. Das liegt vor allem am eng gesteckten Fis-Terminkalender, der kaum Pausen und somit auch wenig Trainingsmöglichkeiten bietet.

Im Weltcup sind fast nur noch Fahrerinnen und Fahrer unterwegs, die sich entweder auf die Speed- oder auf die Technik-Rennen spezialisieren. Ausnahmetalent Shiffrin ist ein Sonderfall, zumal die US-Amerikanerin auch noch in allen vier Disziplinen siegfähig ist. Hinzu kommt das Desinteresse der Weltcup-Veranstalter. In Kitzbühel wurde die Kombination aus dem Programm genommen, die Frauen reisten gänzlich ohne Saisonrennen nach Åre und mit Wengen steht nur ein Standort ohne Kompromisse hinter der Kombination.

REUTERS

Mikaela Shiffrin

Parallele Rennen sind die Zukunft

Kostelic, dreifacher Olympia-Medaillengewinner in der Kombination, fordert eine größere Würdigung des Wettbewerbs, um wieder mehr Athleten zu begeistern. "Man könnte die Kombination aufwerten, indem man zum Beispiel doppelt so viele Weltcuppunkte dafür vergibt oder mehr Preisgeld", sagte der Kroate der NZZ. "Es muss sich lohnen, den zusätzlichen Aufwand zu betreiben."

Kostelic verurteilt zugleich die Alternative als Modeerscheinung, die seiner Meinung nach nur dem Zuschauer zuliebe eingeführt wurde: Parallelrennen. Seit einigen Jahren probiert der Weltverband direkte Duelle zweier Athleten gegeneinander aus; mal als Slalom, mal als Riesenslalom oder als sogenanntes City-Event in Großstädten wie München. Noch krankt das Format an fehlender Einheitlichkeit, doch will der alpine Rennsport konkurrenzfähig bleiben, müssen Reformen her. Das sollte die Fis im Hinblick auf die WM 2021 und Olympia 2022 in der kommenden Woche gleich mitentscheiden.

Abgeschaut haben sich die Alpinen die Parallelrennen bei den Snowboardern. Dort wird mehr auf Spektakel geachtet, und ja, die Wettbewerbe sind auf die Bedürfnisse der Zuschauer an den Strecken und an den TV-Geräten ausgerichtet. Das ist für den etwas angestaubten alpinen Skisport der richtige Weg. Man kann den gesamten Hang einsehen, es ist gut sichtbar, wer in Führung liegt und wegen der Kürze der Rennen können die Sportlerinnen und Sportler mehrmals an einem Tag antreten.

In der jetzigen Form ergibt ein Fortbestand der alpinen Kombination keinen Sinn.

insgesamt 6 Beiträge
caronaborealis 08.02.2019
1. Schade
Es wäre schade, wenn die Kombi abgeschafft würde. Wer die Kombi gewinnt ist der komplettere Skifahrer/in. Die Spezialisierung ist nicht im Interesse des Zuschauers, - damals war es spannend zu sehen, wie ein Zurbriggen oder [...]
Es wäre schade, wenn die Kombi abgeschafft würde. Wer die Kombi gewinnt ist der komplettere Skifahrer/in. Die Spezialisierung ist nicht im Interesse des Zuschauers, - damals war es spannend zu sehen, wie ein Zurbriggen oder Girardelli alle 4 Disziplinen gewinnen konnte. Heute weiss man zum vornherein wer der Favorit ist und dieser gewinnt dann auch meistens. Aber ja, irgendwie spannender sollte man die Rennen machen. Aber wie? Gratulation an Wendy Holdener. Gut gemacht.
weitergedacht2.0 08.02.2019
2. Angestaubt ist höchstens
...Markus Krämer
...Markus Krämer
wühlmaus_reloaded 08.02.2019
3. Na denn mal los ...
… mit diesen Argumenten sollte die IAAF dann auch gleich den 10- bzw. 7-Kampf der LeichtathletInnen abschaffen. Wen schert's, dass das für mich immer noch die wahren KönigInnen der Leichtathleten sind.
… mit diesen Argumenten sollte die IAAF dann auch gleich den 10- bzw. 7-Kampf der LeichtathletInnen abschaffen. Wen schert's, dass das für mich immer noch die wahren KönigInnen der Leichtathleten sind.
saubereLuft 09.02.2019
4. Nee,
ist er leider nicht. Habe (früher) gerne die Kombination verfolgt. Allerdings ist sie bei den Damen auf jeden Fall zu einem verkappten Slalom verkommen. Die letzten Speed-Gewinnerin bei Großereignissen waren Katja Seizinger [...]
Zitat von weitergedacht2.0...Markus Krämer
ist er leider nicht. Habe (früher) gerne die Kombination verfolgt. Allerdings ist sie bei den Damen auf jeden Fall zu einem verkappten Slalom verkommen. Die letzten Speed-Gewinnerin bei Großereignissen waren Katja Seizinger 1988 in Nagano und Renate Götschl 1997, WM in Sestriere. @wühlmaus_reloaded: Der Vergleich mit 10- und 7-Kampf passt überhaupt nicht. Diese werden im Gegensatz zur Alpinen Kompination weder von Sportler, noch von Veranstaltern und auch nicht von den Zuschauern vernachlässigt. Sport ist immer mehr eine Show-Veranstaltung und eine alpine Kombination funktioniert da nicht so gut. Mir gefällt das auch nicht, aber eine bestimmende "Mehrheit" sieht das anders und so wird das geändert.
chense90 09.02.2019
5. Markus Krämer hat recht ....
... aber nur mit dem letzten Satz. Die Kombi gehört dringend reformiert und zwar wieder zu dem was sie war - Königsdisziplin. 1 Abfahrt auf voller Länge, 1 Slalomdurchgang auf voller Länge, dazu ein Punktesystem wie [...]
... aber nur mit dem letzten Satz. Die Kombi gehört dringend reformiert und zwar wieder zu dem was sie war - Königsdisziplin. 1 Abfahrt auf voller Länge, 1 Slalomdurchgang auf voller Länge, dazu ein Punktesystem wie früher, doppelte Weltcuppunkte und Start als zusätzliches Abfahrtstraining verbieten. Wenn die Rennläufer schon auf Pisten rumfahren müssen wo man eh wie auf Schienen dahinfährt dann wenigstens ein bisschen Herausforderung auf diese Weise... o tempora o mores Dafür diese leidigen Parallelrennen raus aus dem Kalender zmd. aus dem offiziellen ... für den Zuschauer in der Stadt mögen die ganz nett sein ... der sportliche Wert ist irgendwo um den abaoluten Nullpunkt.

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